Grie­chen­land 2015: Birds fal­ling down

Unfass­bar: vier mehr oder min­der gute, mehr oder min­der ori­gi­nel­le Uptem­po­songs tum­mel­ten sich im heu­ti­gen grie­chi­schen Vor­ent­scheid – Songs, die durch das Aus­ge­dürs­tet­sein der Fans nach etwas Schnel­lem und Fröh­li­chem im dies­jäh­ri­gen euro­vi­sio­nä­ren Meer der bal­la­des­ken Lan­ge­wei­le von ganz allei­ne einen enor­men Wett­be­werbs­vor­teil gehabt hät­ten. Und was wäh­len die hirn­ris­si­gen Hel­le­nen (bzw. ihre Jury)? Selbst­re­dend die ein­zi­ge Bal­la­de des gesam­ten Abends! Dazu noch eine, die erst gar nicht ver­sucht, zu ver­tu­schen, ein wirk­lich extrem dün­ner Auf­guss von ‘Rise like a Phoe­nix’ sein zu wol­len (man ach­te nur mal auf die letz­ten 30 Sekun­den) – natür­lich, ohne auch nur auf Licht­jah­re an die Klas­se des letzt­jäh­ri­gen Sie­ger­ti­tels her­an­zu­kom­men. Ganz offen­sicht­lich wol­len die Grie­chen mit Gewalt im Semi aus­schei­den, um Kos­ten zu spa­ren. Mit María-Ele­na Kyriá­k­ou und ‘One last Bre­ath’ dürf­te ihnen das spie­lend gelin­gen.


Nur der Bart fehlt: María-Ele­na Kyriá­k­ou als schlech­tes­te Con­chi­ta-Nach­ah­me­rin ever

Wirk­lich, ich bin sonst der Letz­te, der sol­che Reden schwingt, aber: ich ver­lan­ge, dass Ange­la Mer­kel die Aus­zah­lung der nächs­ten “Hilfs­gel­der” an Grie­chen­land davon abhän­gig macht, dass das heu­ti­ge Vor­ent­schei­dungs­er­geb­nis stor­niert wird. Wahl­wei­se wäre ich auch damit ein­ver­stan­den, dass wir die mor­gi­ge deut­sche Vor­ent­schei­dung absa­gen und statt­des­sen ‘Jazz & Sir­ta­ki’, den hoch­gra­dig ori­gi­nel­len (und hoch­gra­dig schnel­len) Bei­trag von Tho­maï Aper­gi, als den unse­ren nach Wien sen­den. Lei­der spiel­te es María-Ele­na in die Hän­de, dass sie als ein­zi­ge Kom­bat­tan­tin des Abends ordent­lich sang, wäh­rend die quicke­ren Num­mern trotz ver­mut­li­chen Teil­play­backs alle­samt grau­en­haft schief inter­pre­tiert wur­den, am schlimms­ten bei der Hel­le­nin offen­bar nativ-ame­ri­ka­ni­schen Ursprungs Shaya Han­sen (‘Sunshi­ne’), die klang wie eine am Mar­ter­pfahl des Nach­barstam­mes gefol­ter­te Squaw. Nie­mand kom­men­tier­te sei­ne voka­lis­ti­sche Unfä­hig­keit aller­dings so selbst­iro­nisch tref­fend wie die ers­te Star­te­rin des Abends, C:Real, mit dem pro­phe­tisch beti­tel­ten ‘Crash and burn’. Sie ent­zück­te durch ein Büh­nen­out­fit, wie es sicher auch eine Micae­la Schä­fer tra­gen wür­de. Und einen sehr nett anzu­schau­en­den Drum­mer. Im Gegen­satz zu Bar­ri­ce (wie bri­ti­sche Fans läs­ter­ten, ver­mut­lich die schwu­le Vari­an­te des Vor­na­mens “Boris”), an des­sen Song­kon­glo­me­rat ‘Ela’ ich kei­ne Erin­ne­rung mehr habe, weil mei­ne Auf­merk­sam­keit von Boris’ Fri­sur gefes­selt wur­de, einer blon­dier­ten Tol­le, wie ich sie scho­ckie­ren­der noch nir­gends sah.

Crash and burn’: C:Real sang es und tat es.

Inter­es­sant immer­hin, die Fol­gen der deut­schen Aus­te­ri­täts­po­li­tik erle­ben zu kön­nen: wie sich an die­sem Abend beob­ach­ten ließ, stell­ten die grie­chi­schen Frau­en (bis auf Star­gast Hele­na Papa­riz­ou, die in Reve­renz ihres Euro­vi­si­ons­sie­ges vor zehn Jah­ren eine beson­ders aus­führ­li­che Wür­di­gung erfuhr) das Essen mitt­ler­wei­le kom­plett ein. Und auch an Unter­wä­sche spa­ren sie: jeden­falls tru­gen die bei­den Mode­ra­to­rin­nen zum Auf­takt der Sen­dung nichts unter ihren faden­schei­ni­gen Ober­tei­len, die sie aller­dings im Ver­lauf der zwei­ein­halb­stün­di­gen Show min­des­tens fünf mal wech­sel­ten. Für Mode scheint es also noch zu rei­chen. Aber letzt­lich zeig­te der gan­ze Abend mit sei­nen fabel­haft insze­nier­ten (und gräus­lich gesun­ge­nen) Uptem­po­num­mern und der hel­le­ni­schen Eigen­art, den sonst für die Abstim­mungs­pau­se genutz­ten Show­block in der ers­ten Stun­de der Sen­dung zu ver­bra­ten, bevor es mit den poten­ti­el­len Bei­trä­gen für Wien los­ging, auf wel­cher Sei­te die Grie­chen im jahr­zehn­te­al­ten Streit “Stil vs. Sub­stanz” ste­hen. Und das macht sie ja doch wie­der sym­pa­thisch, auch wenn sich für den fal­schest mög­li­chen Song ent­schie­den.

Die Drag Queens aus Pri­scil­la – Köni­gin der Wüs­ten haben ange­ru­fen und wol­len ihren Trom­pe­ten­ho­sen­an­zug zurück: Tho­maï Aper­gi

Kommt Grie­chen­land mit die­ser Bal­la­de ins Fina­le?

  • Mit die­sem mau­en Vor­jah­res­sie­ger­ab­klatsch könn­ten die Hel­le­nen tat­säch­lich erst­mals schei­tern. (31%, 15 Votes)
  • Natür­lich! María-Ele­na hat eine tol­le Stim­me, es ist eine schö­ne Bal­la­de: wie soll­te das nicht ins Fina­le kom­men? (29%, 14 Votes)
  • Natür­lich! Unab­hän­gig vom Song: es ist nun mal Grie­chen­land! (29%, 14 Votes)
  • Ist völ­lig egal. Wir brau­chen jetzt aber wirk­lich mal eine Höchst­quo­te für Bal­la­den beim ESC. Drin­gend! (10%, 5 Votes)

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5 Gedanken zu “Grie­chen­land 2015: Birds fal­ling down

  1. Maria Ele­na hat als ein­zi­ge nicht ent­täuscht, son­dern genau­so gut abge­lie­fert wie im Video ver­spro­chen, und daher ver­dient gewon­nen. Der Song ist zwar tat­säch­lich nicht der Brül­ler, aber es war eben sang­lich das Bes­te, was es an die­sem Abend gab.
    Bar­ri­ce und vor allem Shaya waren ja zum Fort­lau­fen, was die Into­na­ti­on betrifft. Und ori­gi­nell ist der Bei­trag von Sahay sowie­so nicht. Das klingt wie schon tau­send­mal dage­we­sen, hat sogar hef­ti­ge Ein­schlä­ge von Emme­lie de Forests Rain­ma­ker.
    Die Show von Tho­mai Aper­gi und sao­gar ihrt Stück ist natür­lich etwas ori­gi­nel­ler, har mir defi­ni­tiv bes­ser gefal­len als in der Video­fas­sung. Das glei­che muss­te ich über­ra­schen­der­wei­se auch von C:Real fest­stel­len. Aber an Maria Ele­na kom­men bei­de defi­ni­tiv nicht her­an.
    Ich bin also zufrie­den mit dem Ausgang,wenn auch fern von Enthu­si­as­mus.

  2. One last bre­ath” nun also statt “Atem­los”… sor­ry, aber bei mir löst der Song nur koma­tö­sen Schlaf aus. Gesag­lich gut ist mir echt Wurst, wenn sol­che Häm­mer wie Ela oder Jazz & Sir­ta­ki nicht nach Wien dür­fen. @ Olli: Bin für ne Peti­ti­on um das Ergeb­nis in Grie­chen­land anzu­fech­ten.

  3. Wie Lin­da Mar­tin letz­tes Jahr schon sag­te: “You are a wicked old man.” 😉

    Pur­zel­chen, das ist doch alles halb so wild. Lass doch die Künst­ler auch mal leben, obwohl Du ihr Lied nicht magst.

    Zum Pie­pen. 🙂 🙂 🙂

  4. Sag mal, Olli, hat­test Du nicht neu­lich irgend­wo ange­kün­digt, Dich ent­lei­ben zu wol­len, wenn noch eine wei­te­re Bal­la­de kommt? *zwin­ker*

  5. Lang­sam wird das “Bal­la­den-Bashing” auf die­ser Sei­te ERMÜ­DEND!!!
    Ich kann beim bes­ten Wil­len kein Zuviel an Bal­la­den im aktu­el­len Jahr­gang aus­ma­chen und fin­de das – selbst­ver­ständ­lich – auch die­se zum ESC gehö­ren und schon immer dazu gehört haben.….GET OVER IT, OLLI!
    Ralph, Köln
    PS: Tho­mai mit ihrem Jazz&Sirtaki klang ein­fach ein­fach nur ange­strengt und atemlos…kurz: zu schlecht für den ESC!!

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