Montenegro 2015: bye bye, Refrain, bye bye

Er war der allererste, der als Teilnehmer für Wien benannt wurde, und der allerletzte, der seinen Song ablieferte: die Akklamation von Nenad ‚Knez‘ Knežević als Montenegros Repräsentant erfolgte bereits Ende Oktober 2014, seinen Beitrag ‚Adio‘ stellte er erst nach allen anderen 39 Konkurrenten am heutigen Tage vor. Wer nun glaubt, Knez‘ Komponist, der allseits bekannte Željko Joksimović (RS 2004, 2012), dem wir die divaeske Verspätung wohl verdanken, habe die lange Zeit genutzt, einen (wie ursprünglich angekündigt) uptemporären Pop-Knüller zu schreiben, sieht sich enttäuscht: ‚Adio‘, so der Titel des Machwerks, entpuppt sich als balladesker, süßlicher Balkanschlager der allerkitschigsten Sorte. Die Geigen schluchzen, das Akkordeon mäandert und Željko, der eigentlich die Backgroundstimme singen soll, ist so prominent nach vorne gemischt, dass man von Knez (der auf dem Pressefoto ausschaut wie ein zu stark gebotoxter, schwuler Magier im Rentenalter) gar nichts mehr hört. Das wäre alles verzeihlich, hätte der serbische Ralph Siegel die neben dem für das lyrische Aroma unverzichtbaren „Ruzmarin“ wichtigste Zutat nicht vergessen: den Refrain!


Siegfried ohne Roy: der Knez aus Montenegro

‚Adio‘ arbeitet, wie alle Željko-Schlager, mit einem ewig langen, instrumentalen Intro, das schon mal geschickt den atmosphärischen Boden für wunderbaren Herzschmerz vorbereitet, und baut die Erwartungen mit einem verhältnismäßig verhaltenen gesanglichen Auftakt, dem schnell Rückungen, Crescendi und Balkanchöre folgen, geschickt auf. Nur, um sie dann zu enttäuschen: während der kompletten drei Minuten wartet man quasi atemlos auf das Einsetzen des Kehrreimes, aber der kommt einfach nicht. Nach über zwei Minuten verlegt sich Knez aufs „Oh ho ho“-Singen und weckt so die gerade eingeschlafene Hoffnung nochmals zum Leben. Doch dann folgt nur noch ein halbherziges „Adio“ als textlicher Rausschmeißer und ein letztes Furzen der Quetschkommode, und vorbei ist es. Was lange währt, wird endlich gut: hier beweist es sich, dass solche Sinnsprüche nicht immer zutreffen müssen. Vielleicht hätte Herr Joksimović dem Vorbild Siegels folgen und einfach einen alten Refrain bei sich selbst abpinnen sollen…

So geht Abschied: Marcels herrliche Schlagerpersiflage (DVE 2000)

Und, wie stehen die Chancen für Knez?

  • Zeljko hat's bislang immer geschafft, wird er auch diesmal wieder. (46%, 31 Votes)
  • Super Idee, noch eine Ballade abzuliefern, und dann noch so eine schlechte. Keine Chance. (34%, 23 Votes)
  • Verdient den Finaleinzug alleine schon für die Landessprache! (19%, 13 Votes)

Total Voters: 67

Loading ... Loading ...

7 Gedanken zu “Montenegro 2015: bye bye, Refrain, bye bye

  1. Hallo Oliver,
    als Grand Prix/ESC Fan seit 1972 möchte ich hier mal ungefragterweise eine Prognose für Wien abgeben, und würde mich über einen Kommentar Deinerseits freuen.

    Semi 1 Semi 2 Top 13/ Finale
    Belgien Aserbaidschan Aserbaidschan
    Dänemark Irland Australien
    Estland Lettland Belgien
    Georgien Litauen Estland
    Mazedonien Montenegro Italien
    Moldawien Schweden Lettland
    Niederlande Schweiz Litauen
    Rumänien Slowenien Österreich
    Russland Tschechien Rumänien
    Weissrussland Zypern Schweden
    Schweiz
    Slowenien
    Zypern

    Als Top-Favoriten auf den Sieg sehe ich;
    Australien, Estland, Lettland, Österreich, Rumänien
    und behaupte einfach mal;
    es entscheidet sich zwischen Australien und Estland

    Wünsche Dir und allen Lesern dieses Blogs viel Spass in der
    ESC Saison 2015

  2. Eine sehr hübsche Balkanballade, die der Herr Joksimovic da wieder abgeliefert hat, auch wenn er es 2004 und 2006 besser gemacht hat. Es klingt sehr nach dem Komponisten und lässt auch an „Nije Ljubav Stvar“ denken, das ja ebenfalls ein langes Instrumentalintro hatte. Aber es gibt schlechtere Balladen dieses Jahr (besonders der für mich völlig unzugängliche polnische Beitrag).

  3. tut mir leid, dass mit den Tabs hat nicht funktioniert-
    einfach zwischen jedes Land einen Bindestrich denken
    und die Schweiz, Slowenien und Zypern sehe ich im Finale in den Top 13

  4. Och. Also so schlecht finde ich das gar nicht mal. Die Welt hat zwar sicher schon bessere Balkan-Balladen gesehen, aber im Vergleich zu deiner Einschätzung finde ich das doch ganz passabel.

  5. Hm. Ich bin zwar gerade dabei, es mir schön zu hören (die Grundzutaten sind ja vorhanden, und ich mag ja Zeljko-Schlager). Aber ich komm halt nicht drüber weg, dass da der Refrain fehlt. Der Song ist wie drei Minuten Vorspiel, und das „Adio“ am Schluss ein bisschen kümmerlich als Höhepunkt.

  6. Estland hab ich auch auf dem Zettel, Australien sehe ich in den Top 10. Ich warte aber erst mal die Startreihenfolge ab, bevor ich über die Final- und Siegchancen brüte (und wahrscheinlich, wie immer, meilenweit daneben liegen werde).

  7. kleiner Fehler: natürlich Norwegen im Semi 2 Top 10, Tschechei leider draussen,Norwegen Top 5 im Finale

Oder was denkst Du?