Schwe­den 2015: We are the Peop­le with Sand

Es war das anti­zi­pier­te Ergeb­nis, viel­leicht sogar noch deut­li­cher als erwar­tet: der sehr selbst­ver­lieb­te, aber auch sehr hübsch anzu­schau­en­de Måns Zelmerlöw gewann heu­te Abend die wich­tigs­te Vor­ent­schei­dung der Sai­son, das schwe­di­sche Melo­di­fes­ti­va­len, mit dem Mus­ter­bei­spiel eines per­fek­ten Pop­songs: ‘Heroes’ bie­tet einen sanf­ten, leicht coun­tryes­ken Ein­stieg; einen süf­fi­gen, sofort ein­gän­gi­gen Refrain; abso­lu­te Mit­sing­bar­keit; ein gefäl­li­ges The­ma, sogar mit ganz lei­sen, dunk­len Unter­tö­nen für den Anspruch; uptem­po­rä­re Tanz­bar­keit (das dürf­te im Euro­club min­des­tens ein­mal die Stun­de lau­fen) und eine gran­dio­se Show. Eine so ein­drück­li­che Show übri­gens, dass sie noch für Debat­ten sor­gen dürf­te, ob die Zuschau­er für Måns oder die zum Ver­lie­ben nied­li­chen Zei­chen­trick-Hein­zel­männ­chen anrie­fen, mit denen er per­fekt inter­agier­te. Unwill­kür­lich fühlt man sich an Mika New­ton (UA 2011) erin­nert, die Sän­ge­rin mit der Sand­ma­le­rin, die in Düs­sel­dorf bei den Pro­ben Anke Engel­ke zu der Par­odie ‘We are the Peop­le with Sand and we draw the Sand’ hin­riss. Doch das ist Quatsch, in mehr­fa­cher Hin­sicht.

Måns zum Rum­sau­en, die Hein­zel­männ­chen zum Sau­ber­ma­chen: per­fekt!

Denn, Hand aufs Herz, erin­nern Sie sich noch an ‘Angel’, Mikas Song? Dach­te ich mir! Wäh­rend die Ukrai­ne­rin wirk­lich nur wegen der Show ins Fina­le kam, hat Måns tat­säch­lich einen Song im Gepäck, der ohne die spitz­ke­ge­li­gen Hein­zel­männ­chen zwar nicht ganz so sen­sa­tio­nell ankä­me, aber immer noch bestehen könn­te. Auch die inter­na­tio­na­le Jury beim MF setz­te ‘Heroes’ fast geschlos­sen an die Spit­ze, der est­ni­sche Punk­te­spre­cher mein­te gar, er habe bis eben geglaubt, sein Land kön­ne in Wien gewin­nen – nun nicht mehr. Für Herrn Zelmerlöw spricht im Übri­gen auch, dass er dank der Zei­chen­trick­show weder selbst tan­zen noch Tän­zer auf­bie­ten muss, so dass genü­gend Raum für Chorsänger/innen bleibt, die ihn in Wien stimm­lich unter­stüt­zen kön­nen. Da hät­te der Kol­le­ge Eric Saa­de (SE 2011) grö­ße­re Schwie­rig­kei­ten, denn genau wie beim Groß­teil der Mel­lo-Uptem­po­frak­ti­on basier­te sein Auf­tritt zu 95% auf den Play­back­stim­men vom Band. Saa­de oute­te sich heu­er übri­gens über­ra­schend als Anhän­ger der sehr schmut­zi­gen sexu­el­len Spiel­art, sang er doch “It’s gon­na stink so bad, it dri­ves you mad”. Das Fer­kel!

Scheißt auf sei­ne Fans: Eric Saa­do

Das Mel­lo über­zeug­te nicht nur mit einer fan­tas­ti­schen Eröff­nungs­num­mer, gesun­gen von den Mode­ra­to­ren Robin, San­na Niel­sen (SE 2014) und Con­chi­ta Wurst, – lie­ber NDR, war­um bekommt ihr so was gla­mou­rös-wit­zi­ges nicht hin? – son­dern auch mit zwölf fast durch­ge­hend fabel­haf­ten Bei­trä­gen, mit denen ich nur zu ger­ne beim Song Con­test selbst einen Groß­teil des depri­mie­ren­den Geschram­mels aus ande­ren Län­dern sub­sti­tu­ie­ren wür­de. Ein­schließ­lich des deut­schen Bei­trags. Den könn­ten wir zum Bei­spiel gegen den Song von Vik­tor & Samir tau­schen, zwei über­agil her­um­hüp­fen­den ADHS-Jugend­li­chen, für die ich nur all zu ger­ne das ‘Grou­pie’ gäbe. Natür­lich ver­fügt ihre Num­mer über kei­ner­lei Sub­stanz, dafür hat­ten die Zwei (und ich) an ihrem Auf­tritt Spaß. Das galt auch für den ers­ten euro­vi­sio­nä­ren Vor­ent­scheid-Bei­trag, bei dem Song­ti­tel und Inter­pre­tin­nen­na­me eine laut­ma­le­ri­sche Ein­heit bil­de­ten: die tol­le Dinah Nah mit ‘Make me (la la la)’ (ihre sexy Tän­zer taten das übri­gens: sie mach­ten mich “la la la”!).


Ivi Ada­mou, schau her: so wird’s gemacht!

Lus­tig auch der Mel­lo-Zwei­te Jon Hen­rik Fjäll­gren, eine Art Wie­der­gän­ger des Nor­we­gers Mat­tis Hæt­ta (1980), der in einer Faschings­in­dia­ner-Tracht auf der Büh­ne stand und nichts ande­res als das Man­tra “Heja heja ha ha” vor sich hin mur­mel­te, wäh­rend drei grus­lig anzu­schau­en­de, gigan­ti­sche Engels­fi­gu­ren dra­ma­tisch über ihm schweb­ten und in der Ecke ein Tanz­stun­den­pär­chen schwof­te. Ich habe nicht den blas­ses­ten Schim­mer, was er uns mit­zu­tei­len gedach­te, aber es war herr­lich bizarr! Ein lei­der ver­dien­ter Mit­tel­feld­platz dann für das hal­stä­to­wier­te, fle­sh­tun­nel­ver­zier­te Kuschel­bär­chen Linus Sven­ning, der letz­tes Jahr noch mit dem herz­er­grei­fend auto­bio­gra­fi­schen Fami­li­en­dra­ma ‘Brö­der’ mein Herz ent­flamm­te, dies­mal aber dum­mer­wei­se auf einen belie­bi­gen Null­acht­fünf­zehn­schla­ger aus der Kem­pe-Feder setz­te. So wird das nichts, Linus-Hase, frag doch mal die fin­ni­schen Kol­le­gen von PKN, ob die nicht einen Song für Dich übrig haben!

Nennt sich laut Prinz-Blog “joi­ken”, was Jon da macht. Aha.

Die fan­tas­ti­sche Ace Wil­der, mora­li­sche Sie­ge­rin des Mel­lo 2014,  leg­te mit mit dem Dance-Smas­her ‘Don’t stop’ eine hoch will­kom­me­ne Rück­kehr hin, erstaun­li­cher­wei­se unter dem Tarn­na­men Isa. Das MF-Urge­stein Magnus Carls­son steu­er­te einen schwe­disch gesun­ge­nen, klas­si­schen Mel­lo-Schla­ger bei und wur­de damit Neun­ter. Deut­lich bes­ser schnitt die ame­ri­ka­ni­sche Coun­tryle­gen­de Ken­ny Rogers ab, der unter dem Pseud­onym Has­se Anders­son den erstaun­li­cher­wei­se eben­falls auf Schwe­disch dar­ge­bo­te­nen, schmis­si­gen Coun­try­schla­ger ‘Guld och grö­na sko­gar’ ablie­fer­te und sogar das Hal­len­pu­bli­kum zum spon­ta­nen Line­dan­cing ani­mie­ren konn­te. Noch ein paar Punk­te mehr sam­mel­te eine Sän­ge­rin namens Mari­et­ta ein, und die hat­te sie für ihr fabel­haf­tes Kleid und die Suus-Fri­sur auch ver­dient! Ein hoch ver­gnüg­li­cher Abend also mit tol­len Lie­dern, fan­tas­ti­schen Shows und einem ver­dien­ten Gewin­ner, der in Wien sicher­lich eben­falls zu den Sie­gesaspi­ran­ten zählt, auch wenn die Spaß­brem­sen von den Jurys dies ver­mut­lich zu ver­hin­dern wis­sen.


Ken­ny Rogers hasst den Sohn von Anders, hat aber einen schö­nen Volks­mu­sik­schla­ger am Start

Måns Zelmerlöw fährt für Schwe­den nach Wien. Schafft er es ins Fina­le?

  • Das fragst Du nicht im Ernst, oder? Der gewinnt! (42%, 44 Votes)
  • Der Song ist süf­fig, im Fina­le ist der sicher. Da hängt’s dann eher vom Live-Gesang ab. (38%, 40 Votes)
  • Hängt davon ab, ob er die Krei­de­männ­chen-Show in Wien repli­zie­ren darf. Sonst könnt’s eng wer­den. (15%, 16 Votes)
  • Das fragst Du nicht im Ernst, oder? Wenn die­ser Sieg der Show über das Lied wei­ter­kommt, bin ich ernst­haft böse! (6%, 6 Votes)

Total Voters: 106

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13 Gedanken zu “Schwe­den 2015: We are the Peop­le with Sand

  1. Ich hät­te ja lie­ber den Jon Hen­rik oder auch Mari­et­te vorn gese­hen, beson­ders ers­te­ren, weil das wenigs­tens mal wie­der etwas Lan­des­ty­pi­sches ist (Was das betrifft, hät­te ich mich sogar mit Gold und grü­nen Wäl­dern anfreun­den kön­nen, obwohl ich die­sen Musik­stil so gar nicht aus­ste­hen kann). Aber Maans Z. ist ok. Die Strich­männ­chen­show und syn­chro­ne Prä­sen­ta­ti­on ist wirk­lich gut. Da das Lied ohne ziem­lich ver­lö­re, hof­fe ich, dass das oder Ähn­li­ches in Wien (re)produziert wer­den kann. Fremd­schä­men braucht man sich jeden­falls nicht, Sin­gen kann er ja.
    Und ich bin wirk­lich erleich­tert, dass nicht doch noch so ein Quark wie von Eric Saa­de oder gar den unsäg­li­chen Samir & Vik­tor her­aus­ge­kom­men ist.

  2. Pfft. Naja. Wenn die Fan­boys (nicht auf den Haus­herrn bezo­gen, aber wir alle ken­nen die Schwe­den­frak­ti­on im Fan­dom) sich unbe­dingt wegen die­sen drei Minu­ten Nichts ein Loch in den Bauch freu­en wol­len, bit­te­schön. Mir gibt das Teil nichts, lus­ti­ge Licht­show hin oder her. Siche­rer Fina­list – wir reden hier von Schwe­den, wenn die nicht gera­de mit Coun­try ankom­men, klappt das immer -, aber hof­fent­lich nicht der Sie­ger 2015. Schwe­den ist ja schön, aber muss nicht schon wie­der sein (und ich glau­be, das sieht SVT ähn­lich, die haben wohl eher wenig Inter­es­se, das neue Irland zu wer­den).

  3. Beein­dru­cken­der kann man den Beweis nicht füh­ren, dass auch uptem­po-Num­mern lang­wei­lig sein kön­nen. Ohne die Licht­show ist das ein Lied der Kate­go­rie gehört-ver­ges­sen (und das gehört auch ver­ges­sen)

  4. Bit­te nicht den homo­pho­ben schwe­den wäh­len. Höhrt euch mal sei­ne Aus­sa­gen an. Und sein song ist so was von berech­nend. Bit­te alles! Aber nicht den.

  5. Hoch­in­ter­es­sant, dan­ke! Wuss­te ich gar nicht, dass der Joik scha­ma­ni­schen Ursprungs ist – des­we­gen hat es mich wohl auch so ein biss­chen an Man­tra-Sin­gen erin­nert. Sehr cool, wie­der was gelernt.

  6. Das macht ihn so ein biss­chen zum Nach­fol­ger von Caro­la, oder? Er wirkt auf mich auch ähn­lich sym­pa­thisch wie die Con­test-Hexe. Aber er sieht halt bes­ser aus… 😉

  7. Ah, ich wuss­te, ich wer­de die Zwei irgend­wann ver­wech­seln! Sind ja auch irgend­wie Schwe­den-Sie­gel I und Schwe­den-Sie­gel II. Dan­ke für den Hin­weis, hab’s kor­ri­giert.

  8. Was für eine Über­ra­schung… das NICHT ist !
    Mans bekam 20 Punk­te mehr als Lore­en 2012 und war nicht viel bes­ser als die elf Kon­kur­ren­ten, aber er hat­te halt eine sehr auf­wän­di­ge Show gebo­ten, die in Wien den Unter­schied machen könn­te. Ich wür­de mal behaup­ten, dass die Mel­lo-Kon­kur­renz här­ter war als die, auf die “Monz”, wie er ja von eini­gen wegen der Aus­spra­che genannt wird, in Wien tref­fen wird. Alles ande­re als Top 10 wäre eine MON­Z­trö­se Über­ra­schung.
    Ob er wirk­lich homo­phob ist, kann ich nicht sagen, aber ich per­sön­lich hin­ter­fra­ge so etwas ger­ne mal kri­tisch. Man kann sol­che Wor­te auch leicht in gewis­se Mün­der legen, um den betref­fen­den Per­so­nen zu scha­den.

    Aber auch ande­re waren gut. Der Coun­try-Niko­laus Has­se Anders­son war natür­lich bom­ben­mä­ßig. Ein wun­der­schö­nes Pla­gi­at (http://www.downvids.net/-pv-tegomass-tanabata-matsuri-mq–411786.html) ! 😉
    Wien wäre also so oder so kein The­ma für ihn gewe­sen. Den­noch war er eine Berei­che­rung für das Melo­di­fes­ti­va­len. Sogar im Publi­kum haben die Leu­te zusam­men getanzt, wie man auf den Live­bil­dern sehen konn­te!

    Der kolum­bia­ni­sche Sami Jon Hen­rik (laut eng­lisch­spra­chi­ger Wiki­pe­dia in einem India­ner­dorf auf­ge­wach­sen vor sei­ner Adop­ti­on und Ver­brin­gung nach Schwe­den durch eine sami­sche Fami­lie, wo er gemobbt wur­de, weil er alles ande­re als samisch aus­sieht) war auch gut und hät­te auch in Wien was geris­sen.
    Vol­le Zustim­mung zu Linus Sven­ning. Er war toll letz­tes Jahr, aber sein dies­jäh­ri­ger Bei­trag war so la la. Das wei­ße T-Shirt war irgend­wie stö­rend. Hät­te er doch bes­ser mal ein schwar­zes Mus­kels­hirt getra­gen, wenn er doch schon den Kör­per und die Tat­toos dazu hat…

  9. Tja, zu Schwe­den kann ich nur sagen: Eine tol­le Kopie von DAVID GUETTA mit “lovers on the sun” ! Eigent­lich etwas pein­lich, da der Song die­ser Kopie leicht zu durch­schau­en ist ! Wenn ich das nicht gewusst hät­te, wäre er mein Lieb­lings­song. Aber so ?

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