Auch 2015: Semis in die Sparte

Wie der Prinz-Blog gestern rapportierte, überträgt die ARD die beiden Qualifikationsrunden des Eurovision Song Contest 2015 live im Fernsehen, allerdings nicht im Ersten. Dafür kann man unter gleich drei der gefühlt 700 ARD-Spartensender wählen: für aufmerksamkeitsdefizitäre Internetaffine blendet EinsFestival zusätzlich zur Liveübertragung im Splitscreen-Verfahren wieder pseudojugendliche, uninteressante Facebook-Kommentare und Tweets ein. EinsPlus bietet mit einem Gebärdendolmetscher hingegen echten Mehrwert, auch wenn vermutlich nicht mit einer Darbietung im Stile von Tommy Krångh zu rechnen ist. Und für die Puristen überträgt der Ereigniskanal Phoenix die beiden Semis ohne jeglichen Begleitschnickschnack, aber in HD – sofern man nicht, wie der Blogger, Kunde des schlechtesten Kabelanbieters der Welt (Unitymedia) ist, der die ARD-Spartensender skandalöserweise nur in SD einspeist. Dennoch an dieser Stelle einen herzlichen Dank an die ARD, erinnern wir uns doch nur zu schmerzlich an die Zeiten, da die Semis nur auf eurovision.de ruckelgestreamt wurden (auch diesen Übertragungsweg bietet der Sender erneut an).  Das samstägliche Finale gibt’s natürlich wieder im Ersten, inklusive Begleitshow von der Reeperbahn, moderiert natürlich von „ESC-Allzweckwaffe“ (ARD-Auslobung) Barbara Schöneberger, die auch die Punkte nach Wien durchgibt (und vermutlich auch ‚Black Smoke‘ live aus Hamburg singt, sollte Ann Sophie Dürmeyer ebenfalls kneifen…).

Die zwei größten Eurovisionsikonen aller Zeiten, Dana International und Conchita Wurst, singen den größten Eurovisionshit aller Zeiten, Waterloo

Noch keinen offiziellen Sendeplatz gibt es hingegen für Eurovision’s Greatest Hits, das am 31. März diesen Jahres aufgezeichnete Jubiläumskonzert der BBC anlässlich des 60. Geburtstags des Grand Prix Eurovision. Entgegen des ursprünglich geäußerten Desinteresses der ARD an der Show soll diese nun doch innerhalb der Eurovisionswoche versendet werden, ebenfalls auf irgendeinem Spartenprogramm, worin sich der NDR durch die mauen Quoten für die auf der Insel bereits erfolgte Ausstrahlung (weniger als 2 Millionen Briten verfolgten die Sendung) bestätigt fühlen dürfte. Ehrengast der Jubelfeier war natürlich keine Geringere als Lys Assia (CH 1956, 1957, 1958), die von BBC-Host Graham Norton zur „Queen of Eurovision“ gekürt wurde, sich allerdings herb enttäuscht zeigte, dass sie nicht singen durfte (woran sie, wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, nur mit äußerster Mühe gehindert werden konnte). Lys veröffentlichte auf Facebook (oh oh uh oh oh) zwischenzeitlich auch ihre persönliche Top 20 des aktuellen Jahrgangs – und bewies dabei erstaunlich guten Geschmack, deckt sich ihr persönlicher Favorit, Norwegens ‚Monster like me‘ doch mit dem des Bloggers. Auch Estland und Großbritannien finden sich sowohl in Miss Assias als in meiner persönlichen Top Five. Hello, how’s the Flow?

Lediglich den dritten Platz für San Siegelino wollen wir mal der alten Verbundenheit der Grande Dame des Grand Prixs zum deutschen Dauerkomponisten zuschreiben, dessen Musical Johnny Blue gerade im tschechischen Brno (Brünn) Premiere feierte, wie Eurovision Austria berichtet – in Anwesenheit von solchen Song-Contest-Größen wie Dorkas Kiefer (Mekado, DE 1994). Siegel soll bei der Premierenfeier mit den Tränen gekämpft haben – Ähnliches wird auch von Nicoles (DE 1982) Auftritt bei der BBC-Retro-Sause kolportiert: so gerührt war sie vom Applaus der Fans, dass man sie beinahe von der Bühne eskortieren musste, damit es im Programm weitergehen konnte. Weniger Applaus gab es für Dima Bilan (RU 2006, 2008): auch hier konnten fehlgeleitete Fans, die eine Grand-Prix-Gala mit einer politischen Demo verwechselten, nicht vom unfairen Buhen lassen. Schande über Euch! Was die BBC in der Sendefassung übrigens herausschnitt: das erinnert freilich wiederum ein wenig an Putins Demokratieverständnis und ist eines öffentlich-rechtlichen Senders schlichtweg unwürdig.

Freude, schöner Götterfunken: Edurne bringt den schönen Guiseppe mit!

Von den internationalen Events zu den lokalen: als Frankfurter muss ich natürlich auf den fabelhaften, hoch unterhaltsamen und stets gut besuchten Soundcheck Hasengasse am 24. April 2015 hinweisen: ab 19:30 Uhr zeigen der EC Germany und der OGAE im Foyer der Frankfurter Zentralbibliothek sämtliche 40 offiziellen Vorschauvideos auf der Großbildleinwand. Natürlich mit Voting! Der Eintritt ist frei. Auch in Köln findet am gleichen Tag ein Preview statt, in der Contest-Stadt Wien einen Tag später. Dort ist die „Vorfreude bereits mega“, wie #60jahresongcontest-Co-Autor Mario Lackner dem Popfenster verriet. Vielleicht auch wegen der Meldung des spanischen Fernsehens, dass der Tänzer Guiseppe di Bella die iberische Vertreterin Edurne in Wien auf der Bühne unterstützen wird? Den schönen Sepp galt es bereits 2014 im Preview-Video zu ‚Dancing in the Rain‘ zu bewundern, auf der Song-Contest-Bühne fehlte er jedoch. Diesmal enthalten ihn uns die Eurovisionsgötter nicht mehr vor. Wer nach diesem Hinweis doch noch nach Wien möchte, aber nicht über das nötige Kleingeld verfügt, der sei auf den Wettbewerb von Daniel Kajmakoski hingewiesen: der super sympathische mazedonische Vertreter sucht kreative Vorschläge zur Ergänzung seines herzallerliebsten Zeichentrickvideos zu ‚Autumn Leaves‘ (das – im Gegensatz zu Måns Zelmerlöws Kegelhutmännchenclip – bislang noch nicht als Plagiat zensiert wurde) und verlost unter allen Einsendern eine Reise zum Song Contest inklusive Unterkunft und Eintritt ins erste Semifinale, in dem Daniel antritt. Einsendeschluss ist der 20. April: toi, toi, toi!

Welches Ende wird es nehmen? Hilf Daniel und gewinne!

Oder was denkst Du?