Die Startreihenfolge fürs Finale: ORFs Grande Amore

Nachdem nun alle zwanzig Qualifikanten aus den beiden Semis feststehen, gab der ORF heute Nacht die handverlesene Startreihenfolge fürs Finale am Samstag bekannt. Und aus dieser lässt sich nur der eine Schluss ziehen: die EBU möchte wirklich ganz ganz dringend mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einen Sieg Italiens beim Song Contest ermöglichen, um das Adrialand, das nach langem, guten Zureden seit 2011 trotz mehr als mäßigen Interesses der romanischen Zuschauer/innen wieder mitmacht beim europäischen Wettsingen, bei der Stange zu halten. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass man fast alle ernsthaften Konkurrenten, vor allem aber sämtliche der haarsträubend wenigen Uptemposongs im bekanntermaßen votingschwachen ersten Drittel des durch die Hereinnahme Australiens erneut ausgeuferten langen Abends verfeuert, während die drei jungen Tumore Tenöre den Abschluss bilden dürfen.

Einzig ihre selbstverliebte Schleimigkeit kann einen Sieg der Italo-Buben noch verhindern

Und zwar nach einer sich ewig ziehenden Strecke lahmer und lahmster Lieder: in der gesamten zweiten Hälfte des Samstagsabends findet sich kein einziger fröhlicher, schneller Beitrag. Nach dieser Tour de Force mit massenhaft von Monstern, Krieg und Trennung handelnden Songs sticht der fluffige Opernschlager mit den drei hübschen Jungs (naja, den zwei hübschen und dem einen stimmstarken) um so wohltuender hervor. Und so sollte es mich wirklich wundern, wenn Il Volo nicht die Krone in ihre Heimat tragen, die sie, wie sie bei der Kurzvorstellung im gestrigen Semi sagten, ja ohnehin bereits vermissen. Sinn für Humor bewies der ORF immerhin bei der Platzierung der georgischen Kriegerin Nina Sublatti, die direkt auf Ungarns anklagendes Friedenslied ‚Wars for Nothing‘ folgt. Unsere Ann Sophie wird mit ihrem vergleichsweise zeitgemäßen Titel von zwei eher altbackenen Beiträgen aus Montenegro und Polen flankiert, was ihr ein wenig zugute kommen dürfte. Sämtliche Hoffnungen abschreiben können wir hingegen für die Fan-Favoriten Belgien – der „Rappapapp“-Bube muss gleich nach Australien ran, sein Auftritt dürfte daher zu Hause von Diskussionen, seit wann Down Under zu Europa gehört, übertönt werden – Israel (Startplatz 3: so früh am Abend verpufft die Stimmungskanone) und ‚Goodbye to Yesterday‘: direkt im Anschluss an Nadav dürften die beiden missgelaunten Esten wie ein nasses Handtuch wirken.

Wieso steht der Australier auf einer belgischen Autobahn?

Ein ganz leichter Chancen-Malus auch für Måns Zelmerlöw: mal abgesehen davon, dass viele Zuschauer, die den Song mögen, vielleicht dennoch nicht ihn anrufen, weil ‚Heroes‘ als Siegesfavorit gilt und man so kurz nach Loreen (SE 2012) das Land der Elche nicht schon wieder belohnen möchte, könnte sein rundweg netter Beitrag nach Norwegens eindrücklicher Leidensballade etwas schal wirken. Brandgefährlich hingegen die Russin Polina Gagarina: im Semi erhielt sie von den schwulen Fans in der Halle, die ihre zugegebenermaßen starke Standardschwedenballade größtenteils mitfavorisieren, keine Buhrufe. Und so zynisch ihr nicoleskes Friedensgesäusel im Angesicht der aktuellen politischen Lage auch sein mag, so innozent (und gleichzeitig siegeshungrig) blickt sie drein. Auch ihr bietet der ORF mit einem Startplatz kurz vor dem Voting die Siegeschance auf dem Silbertablett. Mal schauen, ob es auch am Samstag so friedlich bleibt, sollte Putins Reich tatsächlich siegen.

ESC Finale 2015

Eurovision Song Contest 2015 - Finale. Samstag, 23. Mai 2015, aus der Stadthalle in Wien, Österreich. 27 Teilnehmer, Moderation: Mirjam Weichselbraun, Alice Tumler und Arabella Kiesbauer.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01SIMaraayaHere for you0391402719
02FRLisa AngellN'oubliez pas0042500326
03ILNadav GuedjGolden Boy0970910207
04EEElina Born + Stig RästaGoodbye to Yesterday1060714405
05UKElectro VelvetStill in Love with you0052400425
06AMGenealogyFace the Shadow0341607711
07LTMonika Linkytė + Vaidas BaumilaThis Time0301804416
08RSBojana StamenovBeauty never lies0531008610
09NOMørland + Debrah ScarlettA Monster like me1020803717
10SEMåns ZelmerlöwHeroes3650127203
11CYJohn KarayiannisOne Thing I should have done0112200823
12AUGuy SebastianTonight again1960512406
13BELoïc NottetRhythm inside2170419004
14ATMakemakesI am yours0002700027
15GRMaria Elena KyriakouOne last Breath0231902421
16MEKnezAdio0441303418
17DEAnn Sophie DürmeyerBlack Smoke0002600524
18PLMonika KuszyńskaIn the Name of Love0102304715
19LVAminataLove injected1860608809
20ROVoltajDe la capat0351506912
21ESEdurneAmanecer0152102620
22HUBoggieWars for nothing0192001722
23GENina SublattiWarrior0511105113
24AZElnur HuseynovHour of the Wolf0491204814
25RUPolina GagarinaA Million Voices3030228602
26ALElhaida DaniI'm alive0341709308
27ITIl VoloGrande Amore2920335601

11 Gedanken zu “Die Startreihenfolge fürs Finale: ORFs Grande Amore

  1. Das ist keinesfalls gut für Italien. Wie die letzten Jahre wiederholt bewiesen haben, lässt bei so vielen Finalisten die Aufmerksamkeit der Zuschauer irgendwann einfach nach – letztes Jahr nach „Calm After the Storm“ beispielsweise. Wenn nicht ein Wunder geschieht, fahren wir nächstes Jahr nach Moskau. Wobei sich dann die Frage stellt, wie viele „wir“ es da überhaupt gäbe…

  2. Sehe ich ähnlich wie Ospero. Platz 27 – das ist doch ermüdend lange bis dahin. Da hat bei vielen die Konzentration nachgelassen. Ein letzter Starterplatz ist gut, wenn maximal 21 oder 22 Kandidaten antreten, alles, was darüber ist wirkt wie unnötig in die Länge gezogen. Das russische Peace-Gesülze finde ich zum K… da wäre mir am liebsten Platz 2 gewesen. Die öligen Italo-Opern-Buben treten m. E. in einem Aufmerksamkeitsloch an. Ich hoffe, ich täusche mich nicht.

  3. Deutschland hat eine günstige Position erwischt. Zwischen „Roy-Botox-Visage“ und dem öde plätschernden Polenlied. Das sticht raus. Wenn das Mädel bloß die Nerven behält und die Balance zwischen Über-Performance und einer coolen Leck-mich-am-Ar…-Haltung bewahrt, die das Lied durchaus verlangt.

  4. In the red corner: Italy
    In the blue corner: Russia
    Let’s get reaaaaaddddyyyyy toooooo rumble !!!!

    Oder doch nicht? Wahrscheinlich tritt Ungarn an die Stelle Italiens. Boggie auf der 22? Ich sehe es schon kommen, wie sie den ESC aufmischt mit ihrem Singsang. Die kommt hundertprozentig in die Top 5. Dafür werden die Juroren schon sorgen.

    Das Televoting geht an Russland. Der Auftritt von Polina am Dienstag war stark und es kam als nicht ganz so dick aufgetragen rüber wie auf dem Sampler, auch wenn die Theatralik trotzdem groß war.
    Interessant wird es, wenn dann Italien kommt. „Grande Amore“ ist für mich zu viel des Guten. Wahrscheinlich werden die drei Opernsänger Jurysieger. Von mir aus müssen „Il Volo“ den ESC nicht unbedingt gewinnen, denn auch wenn das großes Kino ist, kann ich dem Gesamtpaket nicht unbedingt etwas abgewinnen und zudem sehen die Drei irgendwie dumm aus.
    Aber andererseits kann ihr Sieg nur noch eine logische Konsequenz sein bei dieser fehlproduzierten Veranstaltung. Ich war zwar vom ersten Halbfinale noch beeindruckt (was jedoch eher an den Finnen und dem Exilukrainer lag), aber das zweite Halbfinale wurde zum Overkill.

    Trotzdem sind auch die Italiener starke Schwergewichte wie die Russin. Elhaida tut mir jetzt schon leid.
    Der Startplatz für Ann Sophie geht in Ordnung. Gerade vor „In the name of love“, dem langweiligsten ESC-Beitrag ever.

  5. Dafür, dass die Uptemposongs vorne sind und die Balladen hinten, kann aber die EBU nichts. Die Hälfte wird schließlich immer noch gelost. Wobei, wer weiß, nach morgen Abend wenn sich die Auftritt zu späterer Stunde immer mehr wie Kaugummi ziehen dann vielleicht auch nicht mehr.^^

  6. Italien soll gewinnen? Von wegen. 27 Beiträge sind verdammt lang, und mit der Balladenflut vornedran (und vor allem der versemmelten Jury-Generalprobe!) muss Italien morgen einen überirdischen Auftritt hinlegen, um das hinzukriegen. Ich fürchte sogar, mit ein bisschen Pech fallen die aus der Top Ten.

    Die Russin wird in der zweiten Hälfte diejenige sein, die es zu schlagen gilt. Und so gut sie das macht, ich hoffe, sie gewinnt nicht. Und um Gottes Willen bloß nicht UNGARN! Dann muss ich mich leider entleibe. Da glaube ich schon eher, dass Lettland recht gute Chancen auf eine tolle Platzierung hat. Und die Georgierin wird einen sehr guten Platz machen!

    Aber ich denke, Mans Zelmerlöw wird sich den Pott morgen holen. Belgien knackt die Top 5.

    Und Ann Sophie? Puh. Ich hab vorhin bei einem Tippspiel mitgemacht und mich gefragt, wer eigentlich die Kandidaten für ganz unten sind. Gibt nicht so viele. Ich hoffe, dass Ann Sophie nicht dazugehört.

    Und wie porsteinn schon geschrieben hat, für die Hälftenaufteilung sind die Interpreten alle selber „verantwortlich“. Da hat die EBU mal nix mit zu tun. Dass das maximal übel gelaufen ist und dass die Startreihenfolge auch anders hätte gestaltet werden können ist ne andere Sache.

    Dürfte jedenfalls das spannendste Finale seit 2003 werden!

  7. PS: Was genau hat Albanien eigentlich dem ORF getan, dass man Elhaida Dani auf den absoluten Todesslot 26 zwischen Russland und Italien gesetzt hat? War da jemand böse darüber, dass „I’m Alive“ einem Song mit Chancen einen Platz in der zweiten Hälfte wegnimmt? Ich habe seit dieser Liste einen weiteren Kandidaten für den ersten Platz 27 in einem Eurovisionsfinale, um den sich vorher (meine Meinung) eher Polen, Montenegro und Großbritannien prügeln durften.

  8. Zustimmung in allen Punkten mit Ausnahme von Mans Zelmerlöw!

    Das wird wahrscheinlich extremer als 2003. Schade, dass Tinkara Kovac die slowenischen Punkte ansagt. Nichts gegen sie persönlich, aber der Beste ist halt nun mal Peter Poles! 😉

    Der Hausherr muss stark sein heute Abend. Russland ist für mich klar in der Pole-Position. Mein persönlicher Sieger (auf den ich auch eine kleine Wette abgeschlossen habe) ist aber Rumänien.

    Ich frage mich auch, wer überhaupt Letzter werden soll. Von mir aus könnte es Polen werden, aber wahrscheinlich wird es wirklich Großbritannien. Ist die britische Armee eigentlich momentan irgendwo in einem umstrittenen Kampfeinsatz? (Nur für den Fall, dass es mal wieder null Punkte gibt)

  9. Sowohl von oneurope als auch von eurovisionireland. Was heißt verpatzt – der Auftritt war nicht genug, um damit zu siegen, vor allem im Vergleich zu Russland und Schweden. Ich weiß allerdings nicht, was die anderen Liveblogs dazu schreiben, wenn ich das aber von zwei verschiedenen Seiten aus zwei verschiedenen Ländern lese, ist vermutlich was dran…

Oder was denkst Du?