Schwe­den und die HJ: ers­te Pro­ben zwei­tes Semi 2015

In Wien setz­ten sich am Mitt­woch und Don­ners­tag die ers­ten Pro­be­durch­läu­fe fort, dies­mal mit den Teilnehmer/innen des zwei­ten Semi­fi­na­les vom kom­men­den Don­ners­tag. Eine Fort­set­zung fand auch die Saga um die händ­chen­hal­ten­den Ampel­männ­chen: aus­ge­rech­net die sich selbst als “frei­heit­lich” titu­lie­ren­de FPÖ droh­te an, die hüb­sche Ges­te gegen­über der Euro­vi­si­ons-Kern­ziel­grup­pe (und Umset­zung der Tole­ranz­bot­schaft der aktu­ell regie­ren­den Euro­vi­si­ons­kai­se­rin Con­chi­ta) zur Anzei­ge zu brin­gen. Es han­de­le sich um “grü­ne Kli­en­tel­po­li­tik und Steu­er­geld­ver­schwen­dung in Rein­kul­tur,” so der FPÖ-Mann Toni Mah­da­lik laut Kro­nen­zei­tung. Da Bei­des nicht ver­bo­ten ist, begrün­de­te die FPÖ die Anzei­ge offi­zi­ell mit einem “Ver­stoß gegen die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung” – und muss­te sich prompt beleh­ren las­sen, dass in der StVO “ledig­lich die Far­ben -Rot, Grün, Gelb - gere­gelt [sind], jedoch nicht die Form”, so Son­ja Vicht von der Wie­ner Stadt­ver­wal­tung. Es gilt übri­gens noch­mals dar­auf hin­zu­wei­sen, dass unter den drei Moti­ven auch ein Hete­ro-Pär­chen zu sehen ist – was uns wun­der­bar auf die ers­ten Star­ter im zwei­ten Euro­vi­si­ons­se­mi hin­lei­tet…

Bes­te Stel­le bei 0:48 Minu­ten: ich weiß nicht war­um, aber irgend­wie scheint mir das mit der erhöh­ten Auf­merk­sam­keit nicht ganz zu funk­tio­nie­ren! 

Näm­lich die fabel­haf­ten Moni­ka Lin­ky­tė und Vai­das Baumi­la aus Litau­en. Er im Anzug, sie im Som­mer­kleid­chen, per­for­men sie, unter­stützt von zwei gemischt­ge­schlecht­li­chen Chor­sän­ger­pär­chen, vor einem har­mo­nisch-bun­ten Büh­nen­hin­ter­grund, der den Nied­lich­keits­fak­tor ihrer Hete­ro­se­xua­li­täts­wer­bung noch mal auf die Spit­ze treibt. Eben­so wie die Ampel­männ­chen belas­sen sie es der­zeit noch beim ver­lieb­ten Händ­chen­hal­ten und ent­hal­ten uns den beim Vor­ent­scheid gezeig­ten Kuss vor, ver­mut­lich um den Authen­ti­zi­täts­fak­tor frisch zu hal­ten. Herz­er­wär­mend! Und seht ihr, lie­be Heten, ich füh­le mich von die­sem Auf­tritt nicht dis­kri­mi­niert!

1 LT Moni­ka Lin­ky­tė + Vai­das Baumi­la This Time

Aufrechtgehn.de-Wertung: 6 Punk­te. Fina­le: ja

Irlands Mol­ly Ster­ling sitzt (heu­er mit gewa­sche­nen Haa­ren) vor einem herbst­li­chen Wald­hin­ter­grund an einem etwas bil­lig aus­se­hen­den Kla­vier, tut sich schwer mit dem Kame­ra­kon­takt und singt, umran­det von zwei Chor­sän­ge­rin­nen und drei Fake-Musi­kan­ten, ihre in mei­nen Ohren nach wie vor ster­ben­s­öde Lie­bes­bal­la­de. Die nach OnU-Defi­ni­ti­on aller­dings auch eine ver­steck­te Kri­tik der Iren an der Aus­te­ri­täts­po­li­tik der EZB sein könn­te – und das macht mir die Num­mer fast schon wie­der sym­pa­thisch! Bal­la­den­freun­de (aka die Jurys) wer­den es lie­ben.

Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te. Fina­le: ich fürch­te, ja

Ste­ter Trop­fen höhlt den Stein: als Ralph Sie­gel die­sen Song 1986 zum ers­ten Mal als ‘Wir gehör’n zusam­men’ von der Dschinghis Khan Fami­ly vor­stell­te, fand ich ihn noch furcht­bar. Zwan­zig Jah­re spä­ter, als ‘If we all give a litt­le’ von Six4One, gefiel er mir schon ein biss­chen bes­ser. Und heu­te, als ‘Chain of Lights’, kann ich mich sei­ner nicht mehr erweh­ren, vor allem dank des “Chain of Lights for you”-Kanons. Mein Guil­ty Plea­su­re die­ses Jahr­gangs!

Aufrechtgehn.de-Wertung: 2 Punk­te. Fina­le: natür­lich nicht!

Ste­ter Trop­fen kann auch ver­wäs­sern: ‘Adio’ ist der pro­to­ty­pi­sche Jok­si­mo­vić-Bal­kan­schla­ger, und das Sta­ging mit fünf Chor­sän­ge­rin­nen und einer text­buch­mä­ßi­gen Hand-Cho­reo­gra­fie unter­stützt die Num­mer effek­tiv. Den­noch will sich der übli­che Zau­ber nicht ein­stel­len, und da außer Slo­we­ni­en kein wei­te­res Ex-Jugo-Land in die­sem Semi abstimmt, sehe ich schwarz für Knez.

Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te. Fina­le: nein

Die mal­te­si­sche Krie­ge­rin steht in einem schwar­zen, boden­lan­gen Kleid völ­lig allei­ne auf der Büh­ne und schreit her­um wie beses­sen. Im Hin­ter­grund wabern ein paar Gra­fi­ken über den Moni­tor, die sich von Qual­len in Phoe­nix-Schwin­gen ver­wan­deln und so wei­ter. Ret­tungs­los ver­lo­ren gegen die geor­gi­sche Krie­ge­rin und im Lah­me-Bal­la­den-See des zwei­ten Semis.

Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te. Fina­le: nein

Oh mein Gott! Wer hat Mør­land und Debrah Scar­lett nur ange­zo­gen? Er trägt ein schief geschnit­te­nes wei­ßes Shirt und schwar­ze Tau­cher­ho­sen, sie ein wei­ßes, bauch­frei­es Sei­ten­spoi­ler-Kleid, das sie fast auf­zu­fres­sen scheint. Lei­der lenkt kei­ne Hin­ter­grund-Pro­jek­ti­on vom Mode­de­sas­ter ab – laut Prinz-Blog habe der NRK sei­ne Wün­sche zu spät ein­ge­reicht. Dafür ent­schä­di­gen Debrahs gol­de­ne Pumps und fan­tas­ti­schen roten Haa­re – und natür­lich der Song, der so gut ist, dass er die­ses Sta­ging über­le­ben soll­te.

6 NO Mør­land + Debrah Scar­lett A Mons­ter like me

Aufrechtgehn.de-Wertung: 12 Punk­te. Fina­le: ja

Och nö. Müs­sen wir jetzt wirk­lich über den por­tu­gie­si­schen Bei­trag spre­chen? Grad hat­te ich noch gute Lau­ne! Wir müs­sen? Okay: Leo­nor im schwar­zen Flat­ter­lap­pen im Wind­ma­schi­nen­sturm, ein paar schwarz geklei­de­te Backings mit wagen­rad­gro­ßen Hüten, irgend­was im Hin­ter­grund, schlim­mes Lied. Letz­te in die­sem Semi. Bit­te? Ich geb mir kei­ne Mühe? Na, Por­tu­gal doch auch nicht!

Aufrechtgehn.de-Wertung: 0 Punk­te. Fina­le: no no never!

Fan­gen wir mit dem Posi­ti­ven an: Noid ist der mit Abstand best­aus­se­hends­te Mann die­ses Jahr­gangs, und im engen dunk­len Anzug mit offe­nem Hemd ein Fest für die Augen. Die im Ver­gleich zum tsche­chi­schen Hünen zier­li­che Mar­ta in ihrem klei­nen Schwar­zen übri­gens nicht min­der! Die Che­mie und Inter­ak­ti­on zwi­schen den Bei­den stimmt, Noids ras­pel­raue Stim­me jagt mir woh­li­ge Schau­er über den Rücken und passt sehr gut zur Düs­ter­keit des Songs, der aller­dings an die­ser Stel­le des Abends ver­lo­ren ist. Und war­um Mar­ta mit­ten im Song ihre Schu­he über die Büh­ne feu­ern muss, gibt Rät­sel auf.

Aufrechtgehn.de-Wertung: 5 Punk­te. Fina­le: nein, dem ORF sei Dank.

Damit sind wir durch den drit­ten Pro­be­tag, der vier­te folgt auf der nächs­ten Sei­te.

6 Gedanken zu “Schwe­den und die HJ: ers­te Pro­ben zwei­tes Semi 2015

  1. Ha! Na siehs­te! Doch noch nicht alles ver­lo­ren! Die Ein­schät­zung ver­söhnt mich doch wie­der sehr 🙂 (bis auf die zwei Punk­te für San Mari­nos fal­schrum­dre­hen­de Erd­ku­gel, aber als Guil­ty Plea­su­re lass ich das mal gel­ten).

    Auf jeden Fall mal wie­der bril­li­ant geschrie­ben wie immer – es war högg­schd plä­sier­lich zu lesen! Mer­ci!

  2. Das ist wohl die Reve­renz des Alt­meis­ters an das Aus­tra­gungs­land – Stel­la Jones, AT 1995, ‘Die Welt dreht sich ver­kehrt’…

  3. @ Oli­ver Rau / auf­recht­gehn: Denkst du eigent­lich immer noch, dass der Sieg ans Bal­ti­kum geht? 😉 Für Tsche­chi­en wür­de es mir in die­sem Jahr so Leid tun, die waren bei der Pro­be doch so gut, wie du auch schreibst: Stimm­lich top, die Che­mie stimmt, vor allem Noid ist ein Eye-Cat­cher… Und Deutsch­land sowie Polen sind stimm­be­rech­tigt? Noch ist das Pro­tek­to­rat Böh­men und Mäh­ren mMn noch nicht ganz ver­lo­ren… 😉

  4. San Mari­no ist auch mein Guil­ty Plea­su­re die­ses Jahr. 🙂

    Und Mar­ta setzt nur die im letz­ten Jahr von Mol­da­wi­en begon­ne­ne Tra­di­ti­on fort, irgend­et­was abzu­wer­fen, was bis­her noch nie­mand beim ESC abge­wor­fen hat. Fif­fi, Schu­he, ich bin gespannt, was nächs­tes Jahr fliegt. 😀

  5. Ist Dir schon auf­ge­fal­len, dass Du bei Dei­nen Vor­aus­sa­gen in die­sem Semi 11 als Wei­ter­kom­mer ange­nom­men hast? Wel­che Kan­di­da­ten sind denn da als Alter­na­ti­ven ange­se­hen? IRL und PL?

Oder was denkst Du?