The King of Fun: zweites Semi 2015

Na, das war aber auch an der Zeit! Da musste erst ein kerniger siebzehnjähriger ‚Golden Boy‘ aus Tel Aviv kommen, um den Fluch von ‚Ding-Dong‘Dana (IL 1998, 2011) abzuschütteln und die Israelis nach einer fünfjährigen Durststrecke endlich wieder ins Gelobte Land zu führen. Dramaturgisch geschickt hatte sich der ORF die Verkündung des Finaleinzugs von Nadav Guedj bis ganz am Schluss aufgehoben, und der kollektive Erleichterungsschrei aus über zehntausend Fankehlen ließ die Wiener Stadthalle beinahe in ihren Grundfesten erbeben. Wäre Israel diesmal wieder kleben geblieben, hätte ich auch endgültig den Glauben an die Menschheit verloren. Doch dazu erwies sich die Mischung aus goldenen Schuhen (schon für Schweden 1984 ein Siegesrezept), jugendlicher Energie, bewährter israelischer Engtanzchoreografie, genialen Textzeilen wie „Before I leave / let me show you Tel Aviv“ (sehr gerne!) und dem lustigen Selfie zum Songfinale als zu unwiderstehlich. Daher heute keine Publikumsbeschimpfung, sondern ein herzliches: danke, Europa!

Schön auch die subtile Homoerotik in Nadavs Tanzmoves bei „Do you like my Dancing?“ bei 1:45 Minuten. Yes, Honey, we do! (IL)

Einziger Wermutstropfen des zweiten Semifinales: das Ausscheiden von Tschechien. Und das sage ich nicht nur, weil ich bei einer ORF-Führung durch die Halle heute Nachmittag Václav ‚Noid‘ Bartá im Delegationsbereich noch vis-á-vis gegenüber stand und bei seinem Anblick und angesichts seiner Präsenz der Ohnmacht nahestand! Seine elektrisierend tiefe Stimme möchte ich gerne so bald wie möglich wieder beim Eurovision Song Contest hören, dann vielleicht mit einem etwas zwingenderen Song als der zwar ansprechenden, aber im Vergleich doch etwas unspektakulären Trennungsballade ‚Hope never dies‘ (ohnehin eins der bestimmenden Themen dieses Jahrgangs, vergleiche auch Est- oder Deutschland). Und ohne eine Sangespartnerin, die wie Marta Jandová mitten im Auftritt plötzlich ohne jeden Zusammenhang ihre Pumps über die Bühne feuert. Auch, wenn es sich hierbei um ihr optisches Erkennungszeichen handelt, seit sie das vor ein paar Jahren mal einer tschechischen TV-Show machte: hier irritierte es und lenkte ohne Not ab.

Wer mit Schuhen wirft, wird keine Punkte ernten (CZ)

Alle anderen Nichtqualifikanten hatten sich ihr Ergebnis selbst zuzuschreiben. Irlands Molly Sterling teilte mit ‚Golden Boy‘ Nadav zwar das jugendliche Alter und den Fakt, dass man beiden ihre zarten 17 Lenze nicht ansah, sondern sie für deutlich erwachsener halten konnte. Da endeten aber auch schon die Gemeinsamkeiten: bei Mollys sterbensöder Klavierballade ‚Playing with Numbers‘ interessierte allenfalls die Frage, ob es sich bei dem merkwürdigen Titel um das Geständnis einer jungen Nymphomanin handelte oder eine subtile Kritik an der Austeritätspolitik der EZB, die derzeit auch Irland zwingt, mit dem spitzen Stift zu rechnen. Onkel Ralphie reichte nach dem deutschen Vorentscheid von 1986 (‚Wir gehör’n zusammen‘, Dschinghis Khan Family) und dem Song Contest von 2006 (‚If we all give a little‘, Six4one, Schweiz) den selben Song bereits zum dritten Mal ein – und in der aktuellen Version als ‚Chain of Lights‘ gefällt er mir auch am besten. Natürlich ließ der notorische Grand-Prix-Komponist nichts unversucht: vor dem Contest überschwemmte er die Fans mit blinkenden Ansteckern und während des Auftritts wurde neben permanenten Applaus-Aufforderungen auch ständig die Anweisung eingeblendet, gefälligst die Lampe am Handy einzuschalten, um auch in der Halle eine virtuelle Lichterkette zu entzünden.

Die ganze Welt dreht sich verkehrt (SM)

Bei der Interpretenauswahl zeigte sich dem deutschen Eurovisions-Urgestein das Glück nicht hold: die Junior-Eurovisions-Sieger/innen Anita und Michele standen auf der großen Bühne wie Rehe im Licht der Autoscheinwerfer: mit angstgeweiteten Pupillen und schreckensstarr. Aber natürlich hätten selbst mit allen Wassern gewaschene Interpreten aus diesem ranzigen Schlagerquark keinen Finaleinzug zaubern können. Dennoch hoffe ich, dass Ralph Siegel sich nicht entmutigen lässt und bis ans Ende der Zeit Beiträge zur Eurovision einreichen wird: ohne ihn würde doch etwas fehlen. Und wenn es nur Stoff zum Lästern ist. Angesichts der klaren Überlegenheit der georgischen Krieger-Kollegin aus dem ersten Semi legte Maltas ‚Warrior‘ Amber inszenatorisch ein paar Schippen drauf und holte pyrotechnisch wirklich alles aus ihrer Performance heraus. Half nichts: trotz massiver Flammenwerferei wollte der Funke nicht überspringen und blieb die maltesische Kriegerin so furchteinflössend wie ein Flauschküken.

Die erobert gar nichts, nicht mal die Tonleiter: Amber (MT)

Obwohl ich die portugiesische Vorentscheidung gesehen hatte, fragte ich mich beim Auftritt von Leonor Andrade zunächst, wer denn diese mir völlig unbekannte offensichtlich Vierzehnjährige mit dem Kochtopfschnitt da ist und was für ein mir völlig unbekanntes Lied sie da singt. Erst beim Refrain konnte ich mich ganz schwach erinnern, so etwas Ähnliches schon mal gehört zu haben. Wenn beim diesjährigen Contest eines vom ersten Tag an feststand, dann das selbstgewählte Ausscheiden Lusitaniens im Semifinale. Ich frage mich immer wieder, aus welchem Zweck das Land überhaupt noch mitmacht, wenn es doch offensichtlich nicht gewillt ist, wettbewerbsfähige Titel zu entsenden. Island schickte diesmal mit Maria Olafs die jüngere Zwillingsschwester von Emmelie de Forest (DK 2013). Ihr Lied ‚Unbroken‘ brachte das Kunststück fertig, fast ausschließlich aus Refrain zu bestehen und dennoch nicht in den Ohren hängen zu bleiben. Da konnte auch die fabelhafte Hera Björk (IS 2010) als Chorsängerin nichts mehr rausreißen, zumal Emmelie, Verzeihung, Maria, über weite Strecken ohrenzermürbend schief trällerte.

Wie unangenehm: Maria ist beim Pieseln wohl in ihre eigene Pfütze getreten! (IS)

Die Schweizer nahmen das vom ORF verkündete Green-Event-Motto des diesjährigen Song Contests ernst und zeigten sich als Recycling-Weltmeister: aus den furchtbarsten ESC-Musical-Hymnen der letzten Jahre, den immer wieder gerne genommenen Bullshit-Bingo-Buzzwörtern wie „Time“ und „Shine“, dem beliebtesten Bühnenhintergrund des Jahrgangs (Wald) und den ausgelutschtesten Trickkleid-Ideen (weißer Tüllpanzer, schwarzes Seidencape, Windmaschinensturm) destillierten die Helvetier den wohl verwechselbarsten und wiederverwertbarsten Grand-Prix-Beitrag der Dekade. Mélanie René bleibt der von eurovision.de verbreitete Twitter-Trost, dass sie „immerhin noch Lothar Matthäus heiraten kann“.

Glanzstoffstrumpfhose auf nacktem Bein: nein! (CH)

Allgemeines Erstaunen löste das Weiterkommen Polens aus, verschlug es der seit einem Verkehrsunfall vor mehreren Jahren im Rollstuhl sitzenden Sängerin Monika Kuszyńska doch angesichts der offenbar in der Hoffnung auf Mitleidspunkte in Dauerschleife eingeblendeten Bildern von ihren früheren Auftritten, als sie noch laufen konnte, die Stimme, so dass sie ihre eins zu eins mit dem schweizerischen Beitrag austauschbare Schlonzballade ‚In the Name of Love‘ völlig verkrächzte. Im Gegensatz zu den punkigen Finnen aus dem ersten Semi zeigten sich die Zuschauer/innen (oder Juroren?) ihr gegenüber aber doch empathisch. Slowenien bewies unterdessen, dass ein wirklich starker Popsong wie ‚Here for you‘ selbst durch eine noch so furchtbare visuelle Präsentation mit gehäkeltem Spitzendeckchen-Omakleid, Kopfhörern (das optische Markenzeicher der Maraaya-Sängerin) und krampfig agierender Luftgeigerin nicht kaputt zu bekommen ist.

Für Monikas Stimme hätte es noch eines Rollators gebraucht (PL)

John Karayiannis aus Zypern (aka Nana Mouskouris Enkelchen) gab den unschuldig-unbedrohlichen Schwiegermutterliebling, was ebenso für den Finaleinzug reichte wie das herzallerliebst vor fröhlich-buntem Bühnenhintergrund vor sich hin plätschernde Frühlingsgefühl-Liedchen ‚This Time‘ von Monika Linkytė und Vaidas Baumila, das in der Mitte eigens für einen Kuss des litauischen Heteropärchens unterbrochen wurde. Und ehrlich: wer von den Fans in der Halle, seien es die 98% schwulen Männer oder die 2% weibliche Fag-Hags, hätte sich an dieser Stelle nicht in die Position von Monika gewünscht? Montenegro, seit seiner Abspaltung von Serbien mit Rock, Trash und Skurrilem stets im Semi kleben geblieben, lernte aus seinem Vorjahreserfolg mit klassischem Balkanschlager und kaufte diesmal gleich bei dessen Großmeister, Željko Joksimović (RS 2004, 2012), ein. Der komponierte den selben Song wie immer und ließ ihn von seinem montenegrinischen Stimmenimitator Knez singen: mit geschlossenen Augen konnte man meinen, Željko persönlich stünde auf der Bühne, was sich auch aus optischen Gründen empfahl, wirkte der gute Knez doch etwas charismafrei.

John dunkles Mørland-Geheimnis: er streichelte einst eine Freundin mit einem Butterblümchen zu Tode (CY)

Die dunkelhäutige lettische Prinzessin der Finsternis, Aminata, sprach mit dem Songtitel ‚Love injected‘ die Lieblingsbeschäftigung der meisten Fans in der Halle an (auch wenn sich der Großteil der Grand-Prix-Homoletten die „Liebe“ eher von Noid injizieren lassen wollen würde, aber ich schweife ab). Mit dem tief wummernden Bass ihres hart auf der Grenze zwischen außergewöhnlich und anstrengend verlaufenden Beitrags sorgte sie für eine wohltuende und willkommene Zwerchfellmassage, mit ihrem Outfit, einem roten Tülltraum-Kleid, für visuelles Entzücken. An sich wähnte ich die Lettin als verloren, weil sie nach dem Auftritt des klaren Hallenfavoriten Nadav Guedj, der die Halle zum Brodeln brachte, einen Stimmungs-Kontrapunkt setzte. Um so erfreulicher ihr Weiterkommen: schön, dass sich Mut manchmal doch auszahlt!

Von einem fremden Sonnensystem direkt nach Wien gebeamt, lehrt uns Hohepriesterin Aminata die Liebe (LV)

Bleiben noch die von Anfang an klaren Finalisten, die auch am Samstag um den Sieg mitspielen dürften. Wobei ich Letzteres beim Aserbaidschaner Elnur Huseynov (AZ 2008) und seinem ‚Hour of the Wolf‘ beinahe schon wieder in Frage stellen möchte. In der Halle setzte er sich stimmlich gegen seinen Begleitchor kaum durch. Und dort, wo er es tat, klang das Ergebnis wenig überzeugend. Der interpretative Tanz der beiden Wolfsmenschen um ihn herum nervte eher, als den Song zu unterstützen. Alles (fast schon zu) glatt verlief hingegen bei Wettquotenkönig Måns Zelmerlöw, wo das niedliche Kreidemännchen-Video, Monzis Fähigkeit zum gleichzeitigen Tanzen, Singen und Grinsen sowie der moderat schwungvolle Popsong ‚Heroes‘ und sein leicht düsterer Text eine perfekte Melange ergaben. Düster auch mein Lieblingslied des aktuellen Jahrgangs, ‚A Monster like me‘ vom Norweger Mørland. Was er nun so Furchtbares in seiner Jugend tat, ob er im Kaufladen einen Lutscher klaute oder seine Schwester mit dem Trecker überfuhr, werden wir nie erfahren. Aber genau das macht den Song, der wie Monzis Beitrag die in uns allen wohnenden inneren Dämonen thematisiert, so ergreifend. Und natürlich die perfekt brüchige Stimme seiner hinreißenden Gesangspartnerin Debrah Scarlett, deren fantastische rote Haare selbst Niamh Kavanagh (IE 1993, 2010 und bester Stargast im Euro Fan Café zu Wien) vor Neid erbleichen lassen dürften.

An Azeri Werewolf im Wienerwald (AZ)

Doch egal, welche TV-Anstalt den Contest nächstes Jahr austrägt: bitte reduziert auf jeden Fall die Anzahl der Moderator/innen! So sehr ich Arabella Kiesbauer ja mag, aber sie und ihre beide Kolleginnen verspielten notgedrungen dermaßen viele Bälle beim ständigen Ping-Pong-Spiel ihrer Ansagen, das war schon nicht mehr schön. Eine alleine bekommt das auch hin, und besser.

ESC 2. Semifinale 2015

Eurovision Song Contest 2015 - Zweites Semifinale. Donnerstag, 21. Mai 2015, aus der Stadthalle in Wien, Österreich. 17 Teilnehmer, Moderation: Mirjam Weichselbraun, Alice Tumler und Arabella Kiesbauer.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Rkg
TV
Pl
TV
1LTMonika Linkytė + Vaidas BaumilaThis Time0670709806
2IEMolly SterlingPlaying with Numbers0351201416
3SMAnita Simoncini + Michele PerniolaChain of Lights0111601615
4MENenad 'Knez' KneževićAdio0570905809
5MTAmber BondinWarrior0431103212
6NOMørland + Debrah ScarlettA Monster like me1230410405
7PTLeonor AndradeHá um Mar que nos sepera0191402413
8CZMarta Jandová + Václav 'Noid' BártaHope never dies0331305110
9ILNadav GuedjGolden Boy1510315702
10LVAminata SavadogoLove injected1550211603
11AZElnur HuseynovHour of the Wolf0531003711
12ISMaría ÓlafsdóttirUnbroken0141502114
13SEMåns ZelmerlöwHeroes2170119501
14CHMélanie RéneTime to shine0041700617
15CYGiannis KaragiannisOne Thing I should have done0870608008
16SIMaraayaHere for you0920509507
17PLMonika KuszyńskaIn the Name of Love0570811404

11 Gedanken zu “The King of Fun: zweites Semi 2015

  1. Zunächst mal die Verlierer, bevor der Artikel hier erweitert wird:

    Der große Verlierer ist der ESC 2015 an sich !!! Was sollen diese Jubeleinspieler, die so manchen Auftritt ramponieren, wie z.B. den von Norwegen? Ich bin vor dem TV fast wahnsinnig geworden.
    Die vielfach kritisierten Einspieler finde ich nicht schlecht und die Hintergrundmusik am Ende, wenn man die Teilnehmer auf einem Plakat an irgendeinem Ort in Wien seht, geht mir irgendwie sehr ans Herz.

    Das Ausscheiden Tschechiens hat mich rasend gemacht. Zwei Monate lang habe ich dem großen Auftritt von Marta Jandova und Vaclav Noid Barta entgegengefiebert und es gab auch nichts auszusetzen mit Ausnahme des plötzlichen Euphorieausbruchs von Marta, als sie sich ihrer Schuhe entledigte. BUUUUUHHHHH !!!!!!!

    Die Schweiz hatte ich sicher im Finale gesehen. Dummerweise habe ich aber nicht die Backings einkalkuliert, die mir schon nach der ersten Ansicht von Melanies VE-Auftritt missfielen. Aber auch die Kleiderwahl war nicht gelungen. Sehr, sehr schade, denn „Time to shine“ ist an sich nicht schlecht und Melanie ist an sich durchaus hübsch. Aber Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch Verlierer.

    Für Irland und San Marino war das Spiel von vornherein verloren (wie gut, dass im Gastgeberland die wasserfeste Wimperntusche erfunden wurde, sonst hätte Molly ein Problem gehabt).
    Verloren war das Spiel auch für „Ha um mar Knusper“ (Peter Urban) aus Portugal, genauso auch für Malta, das dem anderen „Warrior“ nicht folgen konnte. Sieg für die georgische Kriegerin!

    Auch Islands Ausscheiden ist nicht allzu überraschend. Nur aus optischer Sicht sehr bedauerlich, denn Maria sah hinreißend aus. Aber sie hat schlecht gesungen und mir war die Anwesenheit von Hera Björk überhaupt nicht bewusst.

  2. Ich freue mich, dass Nana Mouskouris Enkelchen weiter gekommen ist! Es hat sich gezeigt, dass gerade die nicht von den LED-Effekten erschlagenen Titel (eben Zypern, Norwegen, Slowenien) intensiver berühren. Polens Weiterkommen verstehe ich nicht, hätte ich gerne mit Tschechien getauscht. Bei Knez mache ich auch große Fragezeichen – der Rest geht schon in Ordnung so.

    Schlecht: Das Moderatorinnen-Quarett – das ist to much, verwirrt und ist vollkommen überflüssig.

    Ganz schlecht: Die Postkarten, Unverhohlene Tourismuswerbung.

    Übel: Das Defilee aller Länder zu Beginn, hält nur auf und nimmt bereits die Spannung auf die einzelnen Acts.

  3. Eieiei, jetzt hat es aber dann doch viele meiner Lieblinge geschrägt. Aber zum einen kenne ich das ja schon, so ist das ja nornalerweise immer, da war der letzte Dienstag echt eine Ausnahme, und zum anderen musste es natürlich auch so kommen, wo doch dieses Halbfinale das weitaus stärkere ist, was bedeutet, dass meine Top 10 komplett auf der linken Seite der (40er-) Tabelle liegen und rechts leider so sichere Weiterkommer wie Schweden und Israel lauern, so dass klar war, dass ich mich von einigen verabschieden musste.
    Aber dass es ausgerechnet Melanie erwischen musste, obwohl sie wieder so gut war wie im schweizerischen Finale (nur die Abmischung mit den Backings war nicht optimal), und die ja mein erster Platz hätte sein sollen, trifft mich dann doch hart.
    So ist von den 3 Ländern, für die ich heftig angerufen habe (Schweiz, Lettland und Tschechien) gerade mal eines weitergekommen.
    Na immerhin. Go Aminata!

    Die Überraschung war bei mir auch geringfügig höher als beim ersten Semi. Diesmal habe ich nur 7 von 10 richtig getippt: Sicher weiter hatte ich Schweden, Slowenien, Norwegen, Israel, Azerbaidschan, Lettland und Litauen gesehen. Das hat ja auch gestimmt.
    Allerdings glaubte ich fest, dass Malta, San Marino, Portogal und Montenegro draußen wären, wobei ich mich im Fall Montenegros getäuscht habe. Allerdings hat mir sein Auftritt tatsächlich besser gefallen als erwartet. Der war wirklich stimmig.
    Von den 6 meiner Meinung nach unsicheren Kandidaten (Island, Tschechien, Schweiz, Polen, Irland, Zypern) hatte optimistischerweise ich auf Island, Schweiz und Tschechien getippt, was sich als
    dreimal falsch erwies.

    Von meinen erhofften Top Ten blieben dann gerade mal die üblichen 4, in diesem Fall Lettland, Slowenien, Norwegen und (mit Abstand) Polen.

    Aber ich versuche es mal, positiv zu sehen: immerhin sind aus meiner Gruppe „finde ich gut, sollte weiterkommen“ insgesamt nur 3 Kandidaten ausgeschieden (Irland, Tschechien, Island), auf die ich (bis auf Tschechien) wirklich getrost verzichten kann, und es sind aus der Gruppe „mag ich nicht“ nur 2 weitergekommen, nämlich Belgien und Israel.
    Nur leider ist von den 4 „finde ich echt toll“ (Schweiz, Frankreich, Armenien, Lettland) der Spitzenkandidat weg …

  4. Ergänzung zur litauischen Knutsch-Performance: Es hat sich nicht nur das Hetero-Pärchen der beiden Sänger geküsst, sondern auch die mit auf der Bühne herumhüpfenden Tänzer und Tänzerinnen tauschten einen jeweils gleichgeschlechtlichen Kuss aus.

  5. Hier noch meine Gesamtschau des gestrigen Finales (meine Platzierungen vorher (in Klammern insgesamt von 40), Veränderungen und Kommentare):

    Gruppe: finde ich echt toll

    1 (1). Schweiz.Dieser Titel hatte mich von Anfang an, beim Schweizer Finalem geflasht. Natürlich ist Titel und Thema nicht sehr innovativ, aber Frau Renée strahlt wirklich, und live bringt sie das super rüber. So auch gestern wieder. Zum Glück machte sie ja nicht diesen Indianerquatsch aus dem Video, und auch der Soundtrack ist wieder besser (vor allem die rockigen Gitarrenpassagen). Eigentlich hat alles gestimmt, sogar der Startplatz (ja, außer, dass gegen Ende die Backings zu laut waren), so dass ich mir echt ein paar Hoffnungen gemacht hatte …
    Für mich nach wie vor ein Siegerlied.
    2 (4). Lettland. Sehr eigen, sehr gut. Braucht wenig Worte.

    Gruppe: gefällt mir, sollte ins Finale kommen

    3 (7). Slowenien. Da habe ich ja glücklicherweise eine Überschneidung mit dem Geschmack der mehrheit.
    4 (8). Norwegen. Auch dies wahrscheinlich nicht erklärungsbedürftig.
    5 (10). Island. Das war gestern wirklich nichts. Offensichtlich war Maria zu aufgeregt, so dass sie den Gesang verzittert hat. leider verdient draußen.
    6 (13). Irland. Etwas nichtssagend vielleicht, aber eigentlich nicht schlecht.
    7 (14). Tschechien. Super guter Gesang, absolut stimmige Präsentation. Nur hätte ich den beiden einen besseren (düsteren Hardrock z.B.) Song gegönnt. Tut mir echt leid, dass die rausgeflogen sind.
    8 (16). Zypern. Hätte ich echt nicht gedacht, dass der weiterkommt, freut mich aber.

    Gruppe: ist mir eigentlich egal

    9 (19) Malta. Zwar hat sie ein wenig zugelegt, aber insgesamt doch ziemlich nichtssagend. Füllmaterial eben.
    10 (20). Polen. Eigentlich nicht schlecht, aber es reißt mich auch nicht vom Hocker. Recht geringer Wiedererkennungswert.
    11 (21). Litauen. Nichtssagendes Trällerliedchen, auch wenn die beiden ganz knuffig sind. Die haben mich allerdings gestern Live positiv überrascht. Daher verdient weiter.
    12 (25). Montenegro. Nicht mein Musikgenre, aber solide. Dann gestern der zweite Beitrag, der mich positiv überrascht hat. Sehr professionell und stimmig dargeboten. Ebenfalls verdient weiter.
    13 (28). Schweden. Ich verstehe den Hype um diesen itel echt nicht. Ohne die perfekt einstudierte Videopräsentation (die bis auf das Redesign des Heinzels 100%ig identisch mit der Darbietung im Mello ist), hat der Song absolut gar nichts (einfach mal mit geschlossenen Augen hören!), also ähnliche Situation wie bei der ukrainischen Sandmalerei. JUnd da das meiner Meinung nach immer noch ein SONG Contest sein sollte, gehört das nicht ins Finale. Außerdem gehen mir die arroganten Sprüche von „Monz“ („alles außer Top 3 wäre eine echte Enttäuschung“) auf den Sack. Ich hätte es ihm gegönnt, im Semi rauszufliegen.
    14 (30). Portugal. kam gestern unerwartet frisch rüber, ist aber trotzdem nicht der Stoff, aus dem Siegertitel gemacht werden.
    15 (32). Azerbaidschan. Elnur kann ohne zweifel gut singen. Aber ich finde das Gesamtmachwerk einfach überproduziert, wie so oft aus diesem land. Seinen früheren Auftritt fand ich da wesentlich besser, trotz der damals häufigeren falschen Töne.
    16 (33). San Marino. Nichts gegen Siegel (wirklich nicht), aber das haut mich nicht vom Hocker. Und außerdem haben die beiden (vor allem sie) dasgestern echt versiebt.

    Gruppe: mag ich nicht

    17 (35). Israel. Auch wenn jetzt vermutlich gleich die Steine auf mich fliegen: Sowas kann ich überhaupt nicht ausstehen.
    Natürlich kann Nadav wirklich gut singen. Das Stück fängt ja auch verheißungsvoll an, erinnert fast an Boaz Mauda seinerzeit. Abefr bereits der Übergang lässt Schlimmes erahnen, und dann folgt genau das, was ich beim Song Contest NICHT sehen will, so ein Happy-Party-mit-Tänzern-unterlegter Quatsch a la Basim oder gar Eric Saade. Und dann auch noch auf orientalisch. Trotz des Humors (gefällt mir: am Schluss der Verweis auf die 3-Minuten-Regel), ist swas für mich ein absolutes No-Go. Aber ich weiß ja, dass ich da leider ziemlich allein dastehe … Jedenfalls gestern der EINZIGE Song von 17, den ich überhaupt nicht mochte, und von dem ich leider annahm, dass er sicher weiterkommt, was ja auch geschah.

  6. Das mit den Jubeleinspielern finde ich auch sowas von daneben! Hatte das zuerst gar nicht mitbekommen, und gedacht, dass es sich um eine spontane Reaktion handelt. Aber sowas? Wo sind wir denn hier? Schlimm genug, dass das bei Fernsehserien schon der Normalfall ist, das will ich nicht auch noch beim ESC haben.

  7. A propos „Ha um mar Knusper“. Der Urban ist mir ja wieder sowas von auf den Sack gegangen. Immerhin hat er es gestern tatsächlich einmal geschafft, sich bei einer Kandidatin für die grausamen Namensverstümmelungen zu entschuldigen. Kann es sein, dass er Legastheniker ist?
    Übrigens: die Übertragung auf Eins Plus hat nicht nur den Mehrwert der Gebärdenübersetzung, sondern auch den, dass sie ohne den blöden Urban.Kommentar gesendet wird. leider ist natürlich das Bild nicht formatfüllend, also wäre vielleuicht eine Kombi aus Eins Plus Ton und Phoenix Bild ratsam … (werde ich vielleicht noch herstellen, aufgenommen habe ich beides, aber ich kann natürlich auch auf die DVD warten).

  8. Nochmal zu Urban:

    Ich habe mir nochmal angehört, wie er das portugiesische Lied genannt hat. Tatsächlich war es: „A uma Knuspera“. 😀

  9. Nun die Finalisten:

    Ich finde, dass die ganze Sache glimpflich ausgegangen ist. Ein Ausscheiden Israels hätte mich nicht überrascht bei der Auswahl, die da wieder getroffen wurde. Polen?! Der langweiligste ESC-Song ever, sogar noch vor den sterilen Machwerken aus Dänemark!

    Wenigstens hat man Lettland ins Finale gelassen, genauso wie auch Litauen und natürlich Israel. Wenn man Nadav Guedj heimgeschickt hätte, dann wäre wohl die IBA endgültig draußen gewesen.
    Aminata hat mich wieder tief beeindruckt. Die Süße hat alles an die Wand geschrieen ohne irgendwie nervig oder gar schräg schief zu klingen. Monz hingegen hat mir gar nichts gegeben. Tolle Show wieder, wenn auch nicht ganz so toll wie im Melodifestivalen. Stimmlich begrenzt.

    Knez wirkte auf mich wie einer, der auf Kreuzfahrtschiffen über die Meere dieser Welt tingelt, um den Zeljko zu geben. Trotzdem nicht unverdient im Finale, auch wenn „Adio“ lange nicht an mich rangegangen ist.

    Norwegen hat zwar wie gesagt leicht unter dem Konservenjubel gelitten, ist aber trotzdem nicht so kaputt gemacht worden von der Regie, wie befürchtet. Das Kleid von Debrah war leider nicht vorteilhaft.

  10. Tschechien und Polen hätte ich auch gerne getauscht. Wahrscheinlich bleibt das Land dem ESC jetzt erst mal wieder längere Zeit fern. 🙁

  11. Poah, Leute, habt Ihr mal Monzis Punktequote im zweiten Semi ausgerechnet? Der hat ÜBER NEUNZIG PROZENT der erreichbaren Punkte bekommen, das ist ein ziemlich unfasslicher Wert. Den bisherigen Semirekord hat Conchi letztes Jahr aufgestellt (irgendwas um die 82,5 %). Also, das ist echt heftig.

Oder was denkst Du?