Carola und die fünf Flüchtlinge

Das Flüchtlingsdrama beschäftigt derzeit ganz Europa – auch Eurovisionsstars. So findet, wie der Prinz-Blog berichtet, heute Abend im Stockholmer Globen eine große Gala unter dem Namen „Ganz Schweden sammelt“ statt, bei der mehr als 60 Künstler/innen kostenlos auftreten, um Geld für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen einzuspielen, darunter auch Grand-Prix-Repräsentant/innen des Landes wie beispielsweise Lena Philipsson (2004), Ola Salo (The Ark, 2007), Malena Ernman (2009) und Sanna Nielsen (2014) sowie zahlreiche Mello-Stars. Die Show beginnt um 19 Uhr, also in wenigen Minuten, und kann live im Netz verfolgt werden. Auch ihre Heiligkeit, die Grand-Prix-Veteranin Carola Häggkvist (1983, 1991, 2006) gibt sich die Ehre. Die schwedische Schlagerlegende engagiert sich auch persönlich: wie sie der Zeitung Dagens Nyheter anvertraute, flog sie vor zwei Wochen, aufgerüttelt durch das berüchtigte Foto des toten Flüchtlingskindes am türkischen Mittelmeerstrand, mit einer Ladung Kleidung aus dem eigenen Schrank auf die griechische Insel Kos, um dort direkt zu helfen und sich ein eigenes Bild zu verschaffen. „Ich konnte ich nicht mehr still sitzen und zuschauen,“ sagte sie der Zeitung.

Fremde mit dunklen Augen haben’s ihr schon immer angetan: Carola

So flog sie nach Kos, mietete sich ein Fahrrad, radelte zum Strand und verteilte ihre Sachen unter den Scharen der dort gestrandeten Flüchtlinge. „Es war einfach, in Kontakt zu kommen,“ sagt Carola der DN. Es herrschte eine ruhige und freundliche Atmosphäre unter allen.“ Sie erfuhr von teils bewegenden und tragischen Erlebnissen der Geflohenen und von Rettungen in letzter Sekunde. Sie sorgte gemeinsam mit Freunden dafür, dass ein paar Menschen in Hotels unterkommen konnten. Und sie berichtet von der positiven Macht der Musik, die gerade traumatisierten Menschen helfen könne: „Am ersten Abend spielten drei Volksmusiker an einem Ort, wo viele Flüchtlinge sich versammelten. Als die Musiker zu spielen begannen, klatschten und summten alle mit. Für einen Moment konnten sie sich freuen, noch am Leben zu sein und vergessen, was sie durchgemacht hatten.“ Fünf iranische Flüchtlinge, die sie auf Kos kennen lernte und die es mittlerweile bis nach Stockholm schafften, nahm sie nun sogar vorübergehend zu Hause bei sich auf.

Auch sie gibt Flüchtlingen eine Stimme: Malena Ernman

Auch mit ihrem Auftritt bei der heutigen Spendengala möchte sie etwas Gutes tun, wie sie sagt: „Als Künstler, Musiker, Sportler und Wirtschaftsführer haben wir es etwas einfacher, unsere Botschaft zu verbreiten. Ich denke, es ist ein großes Privileg, dass wir unseren sogenannten Ruhm nutzen können, um Dinge zum Besseren zu wenden.“ Besonders beeindruckt habe sie bei ihrer Reise „eine Sache, die mir aufgefallen ist: dass die Ärmsten oft die Freigiebigsten sind. Sie teilen ihr letztes Reiskorn mit jemanden, der in der gleichen Situation ist wie sie.“ Nach den von großer Solidarität geprägten Erfahrungen von Kos, wo noch viele andere Menschen als Freiwillige im Einsatz sind, um den von den europäischen Institutionen im Stich gelassenen Flüchtlingen zu helfen, plädiert die Sängerin für eine „Kultur des Gebens“. Wer sich angesprochen fühlt: spenden kann man direkt über die Homepage der UNO-Flüchtlingshilfe. Und die Hilfsorganisationen vor Ort freuen sich immer über Helfer/innen. In vielen Städten gibt es bereits Koordinationsstellen wie z.B. Frankfurt hilft. Ich sage danke!

23 Gedanken zu “Carola und die fünf Flüchtlinge

  1. Ich kann die Haltung der Slowakei, Polen und Tschechien durchaus nachvollziehen. Da gibt’s kein Pfui, sondern nur an diejenigen, die vor lauter Willkommenskulturbesoffenheit, jeglichen Sinn für die Realitäten verloren haben. Es gibt schon jetzt genügend Probleme mit den Flüchtlingen, das lässt einen für die Zukunft nicht gerade optimistisch werden.

  2. Besoffen bin ich nicht. Ich versuche es aber unter dem Blickwinkel der Menschlichkeit zu sehen. Menschen massenhaft im Mittelmeer ertrinken oder in Lastern ersticken zu lassen, finde ich unmenschlich und unverantwortlich. Deutschland hat in seiner Geschichte oft genug selbst für Flüchtlingsströme gesorgt, und als einer der führenden Waffenlieferanten der Welt tragen wir für die Ursachen der Flucht Mitverantwortung. Im Vergleich zu Ländern wie der Türkei ist der Anteil an Flüchtlingen, die wir gerade aufnehmen, lächerlich gering. Und auch das Geld, das uns die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge kostet, ist lächerlich im Vergleich zu dem, was sich der Staat jährlich bewusst durch die Steuerhinterziehung und Steuerflucht der Einkommensstarken kosten lässt. Die aktuellen Flüchtlingsströme sind eine Herausforderung, keine Frage, und das wird stellenweise schmerzen und uns Geld kosten. Aber so zu tun, als könnten wir das ignorieren und einfach höhere Zäune bauen, wird uns noch mehr mehr Geld kosten und noch mehr schmerzen.

  3. Wow, das aber schon Vermieter in Stadtwohnungen gekündigt wird, weil die betreffende Stadt dort Flüchtlinge unterbringen will, ist dir aber schon bewusst? Frei nach dem Motto, die Deutschen können ja unter der Brücke wohnen, die ach so armen Flüchtlinge bringen wir in den Wohnungen unter? Es geht doch jetzt los, das die sich noch über die Unterkünfte beschweren, anstatt mal dankbar zu sein. Und es gibt schon Gewalt unter den Flüchtlingen. Die EU muß die Außengrenze besser abriegeln, sonst wird das noch ein böses Ende geben. Es kostet uns ganz schön viel Geld, und die Behörden sind damit einfach überlastet. Und man sollte auch die Einheimischen nicht vergessen. Kinder können kein Sportunterricht machen, weil Turnhallen mit Flüchtlingen dauerbelegt sind, die Besitzer von leerstehenden Gewerbeobjekten werden einfach enteignet, Kindergartenkinder werden in Container verfrachtet, während man Flüchtlinge in ihren Räumen unterbringt, all das was früher undenkbar schien, ist jetzt auf einmal möglich. Dazu kommt noch, das die Kultur dieser Flüchtlinge eine ganz andere ist. Die Werte natürlich auch, insbesondere was Toleranz gegenüber Homosexuellen angeht, und die Gleichstellung der Frau. Das wird noch sehr lustig hier in Deutschland. Die Merkel hat uns mit ihrem Egotrip ganz schön in die Scheiße geritten und das nur, damit sie im Ausland gut darsteht. Ich kann verstehen, warum sich die Slowakei, Polen und Ungarn das nicht antun wollen. Ich habe sogar gehört, das die Merkel für den Friedensnobelpreis bekommen soll. Toll, sie wird ausgezeichnet, aber andere haben die Arbeit und die Probleme.

  4. Danke für Deine Einwände, arbeiten wir sie eins nach dem anderen ab.

    Erstens: die Wohnungskündigungen. In fast allen Fällen handelt es sich dabei um ehemalige Flüchtlingsheime oder -wohnungen, die zwischenzeitlich anderweitig vermietet wurden und nun wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden. In anderen Fällen geht es um Wohnungen, die nach den geltenden Baustandards eigentlich nicht mehr als Wohnungen genutzt werden dürften, also abgerissen werden müssten. Da Flüchtlingsunterkünfte von den strengeren Auflagen ausgenommen sind, ist diese Nutzung aber möglich. Und ja, in einem einzelnen Fall wurden städtische Wohnungen gekündigt und als Flüchtlingsunterkünfte genutzt, damit keine Schulturnhallen genutzt werden müssen, was Du ja selbst ebenfalls beklagst. Insgesamt geht es aber deutschlandweit um eine Handvoll Wohnungen. Die meisten rapportierten Fälle sind tatsächlich erfunden. Und dann gibt es noch die mieseste Variante, wo geldgierige Privateigentümer ihren Mietern kündigen, um ihre Hütten für teuer Geld als Flüchtlingsunterkunft an die Stadt zu vermieten. Da können aber die Flüchtlingen nix für, in diesem Fall sind es widerliche, dreckige, verkommene, miese Spekulanten (ich habe gar nicht genug drastische Worte für die), die dafür hoffentlich später in der Hölle schmoren. In der Süddeutschen Zeitung gibt es dazu einen guten Artikel.

    Zweitens: die Beschwerden über die Sammelunterkünfte. Ich war in den letzten Wochen an ein paar Tagen als städtischer Helfer in einer Erstaufnahme eingesetzt. Ich habe die Flüchtlinge dort als extrem friedlich, geduldig und dankbar erlebt. Ich kann aber auch jeden verstehen, der sich beschwert. Stell Dir bitte einmal vor (also wirklich, versetz Dich mal in diese Lage), Du bist über Wochen mit mehreren hundert fremden Menschen in so einer Halle untergebracht, Feldbett an Feldbett, null (!) Privatsphäre, keine Möglichkeit, Deine Sachen einzuschließen, lärmende Kinder den ganzen Tag, Menschen aus verschiedenen Nationen mit völlig unterschiedlichem Hintergrund und Sozialverhalten. Du wartest tagelang auf notdürftige ärztliche Betreuung, selbst wenn Du akute Zahnschmerzen hast. Du stehst ständig an, für die Duschen, fürs Klo, für die Waschmaschine, fürs Essen, für Kleidung, für alles. Und Du weißt nicht, wie es mit Dir weitergeht, ob Du da bleiben kannst, oder wo Du hingeschickt wirst. Niemand kann Dir was genaues sagen. Ständig gibt es neue, oft willkürlich erscheinende Regeln. Hast Du mal erlebt, wie schnell Deutsche ausflippen, wenn sie mal im Supermarkt fünf Minuten an der Kasse anstehen müssen? Bei unsereins hätte es schon längst Massenschlägereien gegeben. Dass es in den Unterkünften früher oder später zum Lagerkoller kommt, ist kein Wunder. Das hat nicht das Geringste mit Undankbarkeit zu tun. Wer so etwas sagt, war noch nicht in so einer Einrichtung. (Und das richtet sich nicht gegen die Hilfsorganisationen, die diese Hallen betreiben, die tun ihr Bestes.)

    Drittens: Grenzen abriegeln. Funktioniert nicht. Die EU riegelt die Grenzen seit Jahren ab, und wir sehen ja, zu was es führt. Menschen ertrinken im Mittelmeer oder ersticken in Lastern. Aber es kommen deswegen nicht weniger. Die Leute haben nichts mehr zu verlieren. Die nehmen in Kauf, lieber auf der Flucht zu sterben als mitten im Krieg zu bleiben. So hohe Zäune kannst Du gar nicht bauen, dass es die abhalten würde. Wir müssen die Ursachen der Flucht dort bekämpfen, wo sie entstehen. Tatsächlich hat die UNO und die EU ihre Mittel für die Flüchtlingscamp im nahen Osten halbiert. Kurzsichtiger geht es kaum. Und so, wie die Lage momentan ist, werden wir uns darauf einstellen müssen, dass noch sehr viel mehr Flüchtlinge kommen, ob wir wollen oder nicht. Mir macht das auch Sorge, aber damit müssen wir umgehen. Die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen, hilft nicht. Und ja, das wird Geld kosten. Aber wir sind eines der reichsten Länder der Erde. Wir haben das Geld. Wir müssen nur endlich die Reichen gerecht besteuern, dann können wir das sogar bezahlen, ohne dass dafür die Bevölkerung leiden muss.

    Viertens: die Turnhallen. Du beklagst zu Recht, dass Kinder keinen Sportunterricht mehr kriegen, weil die Turnhallen mit Flüchtlingen belegt sind. Das ist nicht gut, da bin ich mit Dir einer Meinung. Gleichzeitig beklagst Du, dass Besitzer leerstehender Gewerbeimmobilien, also Spekulanten, enteignet werden. Da müsstest Du Dich bitte mal für eins entscheiden. Die Unterbringung in Turnhallen ist eine Notmaßnahme, weil besagte Spekulanten ihre Immobilien lieber leerstehen lassen, als sie den Kommunen als Flüchtlingsunterkünfte zu vermieten. Das Problem lässt sich nur lösen, in dem noch viel konsequenter und viel schneller als bislang enteignet wird. Denn leerstehende Immobilen gibt es genug. Und im Grundgesetz steht, dass Eigentum verpflichtet und das Gemeinwohl vorgeht. Dann kann man auch die Turnhallen wieder an die Schulkinder zurückgeben. Und im übrigen muss der Staat auch endlich wieder viel mehr Sozialwohnungen bauen, nicht nur für die Flüchtlinge, für alle. Da werden die Programme aber seit Jahrzehnten runtergefahren. Das ist falsch und muss sich jetzt sofort ganz schnell ändern.

    Fünftens: die Werte. Ja, das stimmt. Die Flüchtlinge haben oft andere Wertvorstellungen als wir. Auch gegenüber Frauen und Schwulen. Ich will das nicht relativieren, aber: vor zwei Generationen galten viele dieser heute archaisch anmutenden Werte auch bei uns noch. Ein ebenfalls schwuler Großonkel von mir ist im KZ gestorben. Und in manchen ländlichen Regionen Bayerns und Sachsens erscheinen mir die Deutschen manchmal auch heute noch nicht viel aufgeklärter als die Flüchtlinge (unter denen es übrigens auch große Unterschiede gibt, denn ein paar kommen auch aus großstädtischen Regionen und sind moderner als manche bei uns). Aber ja, das wird schwierig, und es wird Zeit brauchen. Und Investitionen in Bildung, Bildung und noch mal Bildung. Wir können die Menschen aber deswegen nicht weiterhin im Mittelmeer ertrinken lassen.

    Und zuletzt: die Merkel. Ich hab die Frau nicht gewählt, ich mag sie nicht und ich wüsste nicht, wofür sie einen Friedensnobelpreis bekommen sollte. Hier hat sie aber – nach dem Atomausstieg – mal eine von exakt zwei richtigen Entscheidungen ihrer gesamten Kanzlerinnenschaft getroffen. Hier hat sie ausnahmsweise einmal menschlich gehandelt. Dafür zolle ich ihr Respekt. Was mich ankotzt, sind die Brandstifter und Scharfmacher von der CSU oder der de Mazière, die jetzt wieder verbal zündeln und das Asylrecht verschärfen und damit erst die Probleme heraufbeschwören, die dann als Vorlage für die Stimmungsmache gegen die Flüchtlinge genutzt werden. Wie beispielsweise, dass Flüchtlinge künftig bis zu sechs Monate in Erstaufnahmelagern bleiben sollen. Damit schafft man erst die Grundlage für die von Dir kritisierte Gewalt unter Flüchtlingen. Wobei im übrigen das eigentliche Problem eher die Gewalt gegen Flüchtlinge ist, die brennenden Flüchtlingsunterkünfte etc. Denn das ist deutlich häufiger. Und eine Schande für unser Land.

  5. @Aufrechtgehn: Wenn es die sogenannten Scharfmacher aus der CSU nicht geben würde, dann hätten wir noch nicht mal Grenzkontrollen. Es muß ja schließlich noch Politiker geben, die ihren Verstand einsetzen.

    Und ja es gibt den Fall oder Fälle, wo einer Mieterin einer stadteigenen Wohnung gekündigt worden ist, damit die Stadt Flüchtlinge dort reinsetzen kann. Ich habe nix dagegen, wenn man in Absprache mit den Besitzern, leerstehende Gewerbegebäude oder Wohnungen für die Flüchtlinge heranzieht, aber Mieter raussetzen geht gar nicht.

    Nicht jeder der Gewaltfälle hat was mit den eingeengten Zustände in den Unterkünfte zu tun. Sondern es gibt Berichte, das Muslimische Flüchtlinge, christliche Flüchtlinge angreifen, es werden Frauen und Kinder sexuell belästigt (religions unabhängig). Der Präsident der Polizeigewerkschaft Wendt sagt, das hinter den Gewaltausbrüchen schon kriminelle Strukturen dahinterstecken und sich wohl was da zusammenbraut.

    Ich finde man kann auch von Flüchtlingen verlangen, das sie auf Gewalt verzichten. Wer das nicht schafft, gehört abgeschoben und hat in diesem Land sowieso nix verloren. Natürlich ist das Anzünden von Flüchtlingsheimen zu verurteilen. Für mich sind solche Leute genauso als Terroristen zu bezeichnen, wie die islamistischen Verbrecher.

  6. Noch was zur Ergänzung: Ich fand die Entscheidung von der Merkel, eine allgemeine Einladung an die Flüchtlinge zu schicken, gegenüber unserem Land total verantwortungslos. Da hat die Mutti wohl vergessen, wer sie gewählt hat und für welches Land sie eigentlich einen Eid geleistet hat. Sie hat ja die Probleme mit der Unterkunft ja jetzt nicht, das haben die Kommunen und sie wird auch nicht aus ihrer Mietwohnung rausgeschmissen oder sie wird auch nicht enteignet. Aber Hauptsache ist, das sie sich im Ausland als Mutter Theresia feiern lassen kann.

  7. Ich finde es beschämend, dass es wieder Grenzkontrollen gibt. In Bayern werden jetzt sogar Bürger dafür festgenommen und mit Gefängnis bedroht, die Flüchtlingen aus Mitleid mit den menschenunwürdigen Zuständen in Ungarn mit über die Grenze genommen haben (während sie mit dem Zug problemlos einreisen dürfen). Das ist empörend und ekelhaft. Ich habe in den letzten Wochen, Monaten und Jahren aus den Reihen der CSU nicht eine einzige Äußerung vernommen, die mich schlussfolgern ließe, dass in dieser Partei auch nur ein Politiker wäre, der einen IQ besitzt, der den eines Toastbrots übersteigt. Ganz ehrlich: mir wäre es mittlerweile beinahe schon das Liebste, der „Freistaat“ würde die Bundesrepublik verlassen und mit Ungarn fusionieren, denn wer mit diesem widerlichen Faschisten Orban paktiert, so wie die CSU-Führung, stellt sich für meine Begriffe außerhalb unserer freiheitlich-demokratischen Werteordnung.

    D’accord, Mieter zu kündigen, um Flüchtlinge reinzusetzen, geht nicht. Da können aber die Flüchtlinge nichts dafür.

    Und die Reibereien zwischen Flüchtlingen verschiedener Volksgruppen haben natürlich und ausschließlich mit den beengten Verhältnissen in diesen Massenunterkünften zu tun. Das gilt auch für sexuelle Übergriffe. Nochmal: die Menschen haben dort null Privatsphäre, keinen geschützten Raum, noch nicht mal Verheiratete haben Rückzugsräume für sich. Der Wendt von der GdP erzählt leider sehr viel Unsinn, wenn der Tag lang ist, das macht er bei anderen Themen wie Vorratsdatenspeicherung, Demonstrationsrecht oder Terrorismusbekämpfung auch. Dem geht es immer nur darum, mehr Stellen für die Polizei zu bekommen, deswegen malt der immer Bedrohungen aus, wo keine sind. Er hat aber insofern Recht, dass sich natürlich „etwas zusammenbraut“, wenn man Menschen über mehrere Monate derartig zusammenpfercht. Das ist aber nicht deren Schuld, sondern ein Organisationsversagen unsererseits.

    Und natürlich gelten für die Flüchtlinge die deutschen Gesetze genau so wie für uns, wer dagegen verstößt, gehört nach den Buchstaben des Gesetzes bestraft. Das bestreitet doch auch niemand. Abschiebungen als Strafe sind aber schlichtweg verfassungswidrig, denn wenn jemand Anspruch auf Asyl hat, ist das ein Menschenrecht. Dann kann er auch nicht mehr abgeschoben werden, sondern gehört für seine Tat halt genau so bestraft wie ein Deutscher auch, nicht mehr und nicht weniger.

  8. Sexuelle Übergriffe, egal ob auf Kinder oder auf Frauen, haben nix mit den beengten Zuständen zu tun, sondern hat was mit dem perversen Charakter eines Menschen zu tun. Für mich sind beengte Zustände, egal wo, keine Rechtfertigung für sexuelle Übergriffe. Ich kann ja verstehen, das es in Asylantenheime nicht wie in einem Luxushotel zugeht, trotzdem sollte man sich ein wenig im Griff haben.

    Außerdem finde ich absolut richtig was die Bayrische Regierung macht, man kann doch nicht einfach Flüchtlinge die nicht registriert worden sind, einfach illegal über die Grenze schleußen. Man weiß ja nicht, wen man da mitnimmt. Ich finde das absolut korrekt.

    Ich glaube die Helfer in den Asylantenheimen tun unmenschliches. Und vor allen Dingen ist die Merkel schuld, denn mit ihrer Einladung, hat sie diese Situation doch ausgelöst. Und zu den Abschiebungen als Strafe kann man nur sagen, die Verfassung kann man auch ändern.

    Und der Wendt erzählt nur die Wahrheit und die Wahrheit tut auch manchmal weh. Da wird so manche Friede-Freude-Eierkuchen-Romantik von manchem leider einstürzen.

    Ich finde das die Bayrischen Politiker die einzigen sind, die mal wieder etwas Realität in die ganze Diskussion mit eingebracht haben. Ich bin sonst weder Seehofer- noch CSU-Fan, aber da haben sie recht. Ob man dem Orban wirklich so den roten Teppisch auslegen muss, wie sie es getan haben, darüber kann man streiten. Aber sonst bin ich auf der Seite der CSU. Man hilft den Flüchtlingen und Deutschland nicht, wenn man den Verstand vollkommen außen vor lässt. Ich finde die Diskussion ist wieder mehr von Sachlichkeit geprägt und nicht von übertriebenen Mitleid.

    Und ich frage mich was die Flüchtlinge denn erwartet haben? Haben sie etwa erwartet, das sie gleich in 5-Sterne-Hotels untergebracht werden, wenn sie hier her kommen? Niemand hat erwartet, das es diese Flüchtlingsinvasion kommt. Deutschland hat großartiges geleistet. Viele andere Länder haben bei weitem nicht das geleistet, was Deutschland geleistet hat. Ich finde das sollte von den Flüchtlingen und vor allen Dingen mal von den Linken anerkannt werden. Etwas mehr Dankbarkeit gegenüber unserem Land wäre mal ganz schön.

  9. Noch was zur Ergänzung: Das was die EU als Außengrenzenabsicherung versteht, ist doch mehr als lächerlich. Für mich bedeutet die Absicherung der Außengrenzen, das man keinen mehr unkontrolliert auf EU-Gebiet lässt, nur müsste man viel mehr Geld dafür einsetzen. Und zur Not muß man dann auch Leute wieder zurückschicken. So wie es jetzt läuft, kann es nicht mehr weitergehen. Natürlich müssen sie auch versuchen den Krieg in Syrien zu beenden. Aber Deutschland kann nicht ewig 800.000 oder 1 Million Flüchtlinge pro Jahr aufnehmen. Die Kapazitätgrenzen sind erreicht, das weißt du bestimmt auch, wenn du in einem Flüchtlingsheim gearbeitet hast.

  10. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: ich habe bei den Flüchtlingen hier in Frankfurt in der Unterkunft eine große Dankbarkeit und auch eine extrem große Geduld erlebt.

    Gleichzeitig sage ich aber auch, dass kein Mensch, auch nicht der Geduldigste und Gesetzestreueste, die Zustände in den Aufnahmelagern über mehrere Wochen oder gar Monate aushält, ohne irgendwann einmal so genervt zu sein, dass es zu Reibereien kommt. Ich würde das nicht aushalten. Und Du würdest das auch nicht.

    Sexuelle Übergriffe sind natürlich nicht zu rechtfertigen. Wir verschärfen aber die Situation, wenn wir die Menschen über Monate so zusammenpferchen. Nochmal: es gibt genügend leerstehende, ungenutzte Gebäude, die sich relativ fix in menschenwürdige Unterkünfte umbauen lassen. Dazu braucht es nur den Willen und das Geld.

    Von einer „Invasion“ zu reden, geht übrigens fehl, wenn man mal vergleicht, wie wenig Flüchtlinge im Vergleich zu Ländern wie der Türkei derzeit bei uns sind. Wir kannten die Lage im Nahen Osten und erst recht die an der griechischen Außengrenze seit Langem. Dass die Flüchtlinge kommen werden, war abzusehen, die Politik hat nur mutwillig die Augen davor verschlossen. Selbst als die Trecks schon zu Fuß durch Ungarn unterwegs waren, ist hier noch nichts angemessen vorbereitet worden.

    Großes geleistet haben vor allem die vielen freiwilligen Helfer und auch die Organisationen. Der Staat hat allerdings in vielerlei Hinsicht versagt und tut dies auch weiterhin. Seit Jahren heißt es, die Asylverfahren müssen beschleunigt werden, noch immer dauert es Monate, bis es überhaupt zur ersten Anhörung kommt. Die Menschen sind oft traumatisiert, erhalten aber keinerlei psychologische Betreuung. Damit fordert man Verhaltensauffälligkeiten heraus, und die legt man den Flüchtlingen dann wieder zur Last.

    Die CSUler haben noch nicht einen vernünftigen Beitrag zur Lösung der akuten Probleme geleistet, sie blockieren, wo sie können, und hetzen gegen Flüchtlinge. Und Du gehst ihnen leider auf den Leim. Das ist schade. Ich verstehe ja Deine Besorgnis, weil das ein große Herausforderung für uns ist und ja, wir etwas von unserem Wohlstand abgeben müssen. Mir ist auch manchmal mulmig. Ich kann aber nur appellieren, zu versuchen, die Situation mal aus der Lage der Flüchtlinge zu sehen.

    Wir müssen uns endlich von der Illusion lösen, wir könnten uns hier abschotten. Natürlich können wir nicht unbegrenzt alle aufnehmen, das fordert auch niemand. Aber wenn wir nicht überrannt werden wollen, müssen wir jetzt sofort und gleichzeitig
    a) alles tun, was wir können, um die Ursachen der Flucht (Krieg, Unterdrückung, Armut, Wohlstandsgefälle, Korruption) zu bekämpfen.
    b) die Länder in der Region mit unterstützen, welche die Masse an Flüchtlingen aufnehmen, um die menschenwürdig unterbringen zu können (sonst fliehen sie nämlich, wie es derzeit geschieht, weiter zu uns). Dafür müssen wir viel mehr Geld ausgeben als zurzeit. Jetzt!
    c) Griechenland, Ungarn, Italien und die anderen EU-Länder an den Außengrenzen nicht länger im Stich lassen und für ein geordnetes und menschenwürdiges Registrierungs- und Aufnahmeverfahren dort sorgen. Mit finanzieller und logistischer Unterstützung.
    d) auf eine gerechte Verteilung innerhalb Europas dringen, notfalls mithilfe finanzieller Konsequenzen.
    e) die mit Migration befassten Ämter und Einrichtungen hier personell und organisatorisch so ausstatten, dass sie schnell und effizient arbeiten können und die Verfahren schnell abgeschlossen werden können. Die Flüchtlinge müssen so schnell wie möglich raus aus den Massenunterkünften und arbeiten dürfen. Sie brauchen Deutschkurse und ärztliche und psychologische Betreuung. Jetzt sofort.
    f) die Kommunen und Länder finanziell und organisatorisch nicht weiter im Stich lassen. Nehmt die Einnahmen aus dem Solidaritätszuschlag und gebt sie für die zügige Errichtung menschenwürdiger Unterkünfte und was sonst noch erforderlich ist aus. Besteuert endlich die Reichen angemessen.

    Und ja, es mag auch unter den Flüchtlingen den einen oder anderen bösen Buben geben. Genau so wie unter den Deutschen. Die übergroße Mehrzahl sind aber Menschen, die unvorstellbar Schreckliches erlebt haben und hier nur in Frieden und menschenwürdig leben wollen.

    Und noch mal: Asyl ist ein Grundrecht. Und die Grundrechte sind nicht verhandelbar, auch nicht per Verfassungsänderung. Die gehören zum geschützten Kern der Verfassung. Wer so etwas fordert, so leid es mir tut, das so hart sagen zu müssen, ist ein Verfassungsfeind.

  11. Ich will nicht das Grundrecht für Asyl abschaffen. Aber ich bin der Meinung, das es eine rechtliche Möglichkeit geben sollte, das man Flüchtlinge als Strafe wieder abschieben kann, wenn diese in Flüchtlingsheimen Straftaten begehen. Soviel ich weiß sind sexuelle Übergriffe und Prügeleien immer noch Straftaten. Denn deutsche Gefängnisse sehen die doch noch als Belohnung an, wenn man weiß, woher die kommen.

  12. Ich habe wirklich Angst, das die ganzen Fortschritte, die Deutschland im Bereich Frauenrechte und Schwulenrechte, durch die ganzen Flüchtlinge, die ja schließlich meistens Moslems sind, in Gefahr geraten. In der arabischen Welt gibt es eine solch schlimme Homophobie, das selbst Russland dagegen tolerant wirkt. Das Gleich gilt für die Gleichstellung von Frauen. Es gab schon Vorfälle, wo sich die muslimischen Machos weigerten, mit Frauen zu reden. Sowas ist nicht duldbar. Wir müssen den Flüchtlingen aus muslimischen Ländern unmissverständlich klar machen, das sie sich hier an unseren Werten und unseren Regeln anzupassen haben, wenn sie hier auf Dauer leben wollen. Wenn nicht, die Grenzen sind offen. Auch glaube ich das der Israelhass durch die Syrischen Flüchtlingen wieder größer werden wird, denn Syrien war in der Vergangenheit nicht als großer Israelfreund aufgefallen. Ich habe wirklich Angst um unsere Demokratie. Aber wenn man sowas sagt, wird man ja gleich als Nazi von den Medien und anderen hingestellt. Oder diese Probleme werden verniedlicht. Das sollte man auch als Helfer sehen. Es ist schon eine Form von Gesinnungsdiktatur entstanden, die keine kritischen Gedanken mehr zulässt.

  13. 1. Die Türkei ist ein bedeutend größeres Land wie Deutschland.
    2. Die kulturellen Unterschiede zwischen Türken und Arabern sind bei weitem nicht so groß wie zwischen Deutschen und Arabern.

  14. Nein, eine solche Möglichkeit kann es nicht geben: Asyl erhält ja nur, wer glaubhaft darlegen kann, im Heimatland verfolgt oder bedroht zu werden. Eine Abschiebung wäre somit potentiell gleichbedeutend mit der Todesstrafe, und die ist bei uns aus gutem Grund verboten. Nochmal: wer hier Straftaten begeht, muss nach deutschem Recht bestraft werden, ggf. mit Gefängnis. Wenn er aber einen Asylanspruch hat, darf er nicht mehr abgeschoben werden, das wäre ein Grundrechtsverstoß. Und Grundrechte gelten auch für Straftäter.
    Im Übrigen kenne ich Menschen, die schon im Gefängnis saßen: wirklich niemand sieht das als „Belohnung“ an.

  15. Ja, das ist nicht hilfreich. Man kann Ängste nur überwinden, wenn man sie äußern und darüber auch reden kann. Und ich kann diese Ängste ja verstehen. Mich betrübt das auch: wir haben die letzten vierzig Jahre für schwule Emanzipation gekämpft und riesige Fortschritte gemacht, und jetzt sieht es so aus, dass wir wieder bei Null anfangen müssen. Hab ich auch keinen Bock drauf.

    Wir dürfen uns aber auch nicht von unseren Ängsten übermannen lassen. Was die Flüchtlinge angeht, die ich hier kurz kennengelernt habe: davon sind bei Weitem nicht alle Moslems, es sind auch viele Christen darunter. Und es gibt auch nur einen kleinen Anteil strenger Fundamentalisten. Denn, wenn man mal genauer schaut, sind es ja in allen Religionen die besonders Rückwärtsgewandten, die Fundamentalisten, die den gesellschaftlichen Fortschritt ablehnen. Da stehen die Evangelikalen Christen, die Abtreibung und Homo-Ehe bekämpfen und Schwule „heilen“ möchten, den Moslem-Fundis in nichts nach. Und von solchen Extremisten gibt es sogar in der CDU/CSU welche.

    Um es auf den Punkt zu bringen: es ist nicht nur eine Religion, die Probleme macht, es sind alle Religionen – bzw. die zu strikte, rückwärtsgewandte Auslegung von zum Teil zweitausend Jahren alten Regeln, durch einen Teil ihrer Anhänger. Da hilft nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung. Vor allem aber muss man den Menschen eine Perspektive bieten. Viele wenden sich ja dem Fundamentalismus zu, weil sie – nicht ganz zu Unrecht – von unserer modernen, turbokapitalistischen Gesellschaft enttäuscht sind. Wir haben leider im Zuge des Siegeszugs des Neoliberalismus wichtige Grundwerte wie Solidarität und Gleichheit verkauft, jetzt haben wir Menschen, die Halt und Werte suchen, kaum noch etwas Überzeugendes mehr anzubieten. Das muss sich ändern.

    Und ja, ich gebe Dir Recht: wir müssen den hier Lebenden unsere gesellschaftlichen Regeln und Werte und deren Gültigkeit vermitteln und auf deren Einhaltung bestehen. Meine Erfahrung ist aber auch, dass die meisten Flüchtlinge das akzeptieren, wenn man ihnen gleichzeitig eine Perspektive anbietet und sie in die Gesellschaft aufnimmt. Integration ist keine Einbahnstraße. Und man kann auch nicht erwarten, dass Menschen bisherige Grundüberzeugungen, die sie ein Leben lang begleiten, einfach so ablegen. Angenommen, ich würde heute in die USA auswandern: dann würde ich dennoch meine Überzeugung beibehalten, dass kaum geregelter Waffenbesitz und die Todesstrafe falsch sind und bekämpft werden müssen. Auch wenn die US-Amerikaner beides mehrheitlich wollen. Und es gibt auch deutsche Machos, die Frauen schlagen.

    Wir müssen aber insgesamt, da hast Du völlig Recht, mehr auf die Einhaltung und Durchsetzung liberaler gesellschaftlicher Werte achten. Da spielen meines Erachtens die Kindergärten und Schulen eine entscheidende Rolle, hier werden die Weichen gestellt. Hier brauchen wir viel mehr Personal, und hier muss genauer hingeschaut werden. Hier müssen auch die Jugendämter mehr Freiraum bekommen, in die Familien eingreifen zu können, wenn es Defizite gibt. Es muss mehr gegengesteuert werden, dazu braucht es viel mehr Sozialarbeiter, Jugendhäuser, Angebote, Integrationskurse, Deutschkurse. Dafür müssen wir Geld ausgeben.

    Aber noch mal: die Menschen, die ich in der Erstaufnahme kennen gelernt habe, machen mir keine Angst. Vor denen müssen wir uns nicht fürchten. Die wollen nur in Frieden hier leben.

  16. Die Türkei nimmt auch im Verhältnis zu ihrer Größe und Einwohnerzahl ein Vielfaches der Flüchtlinge auf als wir. Da könnten rein rechnerisch noch ein paar Millionen kommen, bis wir mit der Türkei pari wären.

    Was die Außengrenzenabsicherung angeht, gebe ich Dir ja Recht: dort müsste die EU mit vereinter Anstrengung große, menschenwürdige Erstaufnahmeeinrichtungen bauen, wo die Asylverfahren an Ort und Stelle durchgeführt werden können. Natürlich nur unter gleichen rechtsstaatlichen Standards wie bei uns. Wenn es die schon geben würde und nicht diese unmenschlichen Zustände dort herrschen würden wie im Moment, hätte Merkel auch nicht in einem Anfall von Menschlichkeit die Grenze aufmachen müssen, damit die Lage dort nicht weiter eskaliert.

    Wir müssen uns aber auch mit dem Herumhantieren mit solchen Zahlen hüten. Nein, wir können nicht auf ewig jedes Jahr 1 Million Flüchtlinge aufnehmen, richtig. Aber unsere „Kapazitätsgrenzen“ sind auch bei weitem noch nicht erreicht. Wir haben im Osten noch weite, menschenleere Landstriche (blöd nur, dass man da derzeit kaum Flüchtlinge hinschicken kann, wegen der ganzen Nazis. Vielleicht müssten wir die ausweisen *Sarkasmus off*). Wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Wir können und wir müssen abgeben. Wenn wir das nicht freiwillig tun, werden wir überrannt. Aber auch nur dann. Wenn wir den Druck auf die anderen europäischen Länder erhöhen, haben wir die Chance, die Leidtragenden der Kriege (an denen wir, auch dass muss ich immer wieder betonen, ja mitverdienen als eine der führenden Rüstungsnationen der Welt) gerecht und solidarisch zu verteilen.

    Wir können uns jetzt entscheiden, in was für einer Welt wir leben wollen: eine voller Stacheldrahtzäune und Selbstschußanlagen, voller Angst und Hass, voller Verteilungskämpfe? Oder in einer der Hilfsbereitschaft, Mitmenschlichkeit und Solidarität?

  17. So lange sich die Flüchtlingskrise nicht direkt auf mein eigenes Leben auswirkt, können die Flüchtlinge gerne bleiben, so lange sie sich unseren Gesetzen und unseren Werten anpassen. Ich fürchte nur, das das beschlagnahmen von ungenutztem Wohneigentum oder Kündigen von Mietern nur der Anfang sein könnte. Was passiert, wenn man Hausbesitzern dazu zwingt Flüchtlinge aufzunehmen, kann ich nicht abschätzen. Ich denke das wäre nicht gut für die Stimmung in Deutschland. Sollte ich davon betroffen sein, ich würde jede juristische Möglichkeit nutzen um das zu verhindern.

  18. Wow… in Deiner Haut möchte ich nicht stecken. Ich denke ja oft, dass ich ängstlich und sicherheitsfixiert bin, aber so schlimm ist bei mir dann doch nicht.

    Ich kann Dich ja sogar verstehen. Du möchtest nicht, dass sich irgendetwas ändert, alles so so bleiben, wie es ist. Das wäre schön. Wünsche ich mir auch. Wird aber nicht passieren. Leben ist Veränderung, immer schon gewesen, wird es auch immer sein. Ob wir das wollen oder nicht.

    Es ist leider eine Illusion, zu glauben, wir könnten diese Überflussgesellschaft, in der wir leben, auf Dauer so fortführen. Wir verbrauchen und vernichten in immer schnellerem Tempo die Ressourcen der gesamten Erde, um immer schneller kaputt gehenden Konsumkrempel zu produzieren, den wir wegwerfen und neu kaufen, wegwerfen und neu kaufen. Wir schmeißen Lebensmittel weg, die wir aus aller Welt haben einfliegen lassen, anderswo verhungern Menschen. Die neuen Industrienationen wie China machen es uns jetzt nach, und vernichten für ihren Fleischhunger die Reste des Regenwaldes, die wir noch nicht haben abholzen lassen, um billiges Palmöl herstellen zu können oder Futter für Rinder zu ziehen, die dann zu Burgern verarbeitet werden. Wir sind immer noch fixiert auf „Wachstum“ um jeden Preis, dabei bedeutet Wachstum in einer Welt mit endlichen Ressourcen, dass das, was wir mehr haben, anderswo fehlt. Und, ich hoffe, ich verrate da nichts Neues, Hunger und Armut sind die Hauptursachen von Terrorismus und Krieg. Da sind Flüchtlings“ströme“ noch die harmlose Variante.

    Aber, um darauf noch mal zurück zu kommen: auch wenn da jetzt dieses Jahr 800.000 kommen sollten und nächstes Jahr auch, wir haben genug Geld, um die hier menschenwürdig unterbringen zu können, auch ohne Zwangseinweisungen. Wenn allerdings aus Spekulationsgründen leer stehender Wohnraum beschlagnahmt werden würde, fände ich das nur richtig. Das sollte generell und immer gemacht werden, denn es fehlt bezahlbarer Wohnraum nicht nur für Flüchtlinge. Und nicht erst seit Gestern. Deswegen muss jetzt der Staat die bewussten Versäumnisse der letzten Jahre ausgleichen und schnell und viel Sozialwohnungen bauen lassen. Und dafür braucht es halt endlich eine gerechte Besteuerung, um das bezahlen zu können. Da ist der deutsche Fiskus nämlich nicht viel besser als der griechische, auch hier zahlen die Vermögenden viel, viel weniger als die Normal- oder Wenigverdiener. Allerdings habe ich unter einer CDU-Regierung wenig Hoffnung, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändert. Und dann werden doch wieder Du und ich die Zeche zahlen. Dafür können aber die Flüchtlinge nichts.

    Ob natürlich irgendwas davon zu Dir durchkommt, ist die Frage. Wer schließlich die ganze Zeit mit prophylaktischem Schreien beschäftigt ist, kann nichts hören. Auch keinen Rat, wie man die Schmerzen vielleicht vermeiden könnte. Schade.

    Ich wünsch Dir von Herzen alles Gute.

  19. Der Terrorismus findet immer ne Rechtfertigung um unschuldige Menschen umzubringen. Das war bei der RAF so und das ist jetzt bei dem islamistischen Terrorpack auch so. Wenn dir das Leben hier in Deutschland oder im Westen so über ist, und du so ein schlechtes Gewissen hast, wegen unserer angeblichen Überflussgesellschaft, hast du schon mal daran gedacht in ein 3. Welt-Land zu gehen? Ich sehe nicht,das wir in einer Überflußgesellschaft leben. Ich glaube kaum, das Hartz4-Empfänger, arme Renter und Familien die mit wenig Einkommen auskommen müssen im Überfluß leben. Das Bißchen was ich habe, habe ich mir hart erarbeitet. Bei dir dürfte es nicht viel anders sein. Du müsstest doch mit der Merkel total glücklich sein, sie ist doch die Mutter Theresia von der Uckermark was die Flüchtlinge angeht. Sie tut doch praktisch alles dafür, das der halbe Nahe Osten nach Deutschland kommt und tut nix dagegen um eine Überfremdung zu vermeiden. Also mit der Merkel müsstest du eigentlich richtig zufrieden sein.

    Ach ja, ist es wirklich so abwegig, wenn man nachdem was in den letzten Monaten passiert ist, zu glauben, das die Behörden doch tatsächlich Hausbesitzer dazu zwingen, Flüchtlinge aufzunehmen, wenn es schon Kündigungen von Mietern gegeben hat und Enteignung von Gewerbeflächen? Da die Flüchtlingsinvasion weiterhin unvermindert anhält, ist das nicht so abwegig und hat mit Überängstlichkeit gar nix zu tun. Sondern mit Weitblick. Es hat auch nix mit Überängstlichkeit oder Angst vor Veränderungen zu tun, wenn die Veränderungen in diesem Fall, alles andere als gut ist. Da der Islam eine Religion ist, deren Haltung alles andere als demokratiefreundlich ist, und angesichts dessen, was in den letzten 14 Jahren passiert ist, ist es da ein Wunder, das die Menschen gewisse Vorbehalte gegen eine Invasion von islamischen Flüchtlingen haben? Außerdem bin ich mit meinen Sorgen nicht alleine, immerhin 51% der Deutschen macht die Flüchtlingsflut Angst. Sind das alles Nazis? Die Linken und die meisten Promis machen es sich viel zu einfach. Besonders solche reichen Leute wie der Schweiger, Winterscheidt, Grönemeyer und Konsorten, sollte mal ein wenig von ihrem hohen Ross runterkommen und nicht Leute aus ihrem Elfenbeinturm heraus verurteilen. Sie müssen ja die Auswirkungen der Flüchtlingskrise am allerwenigsten auslöffeln.

Oder was denkst Du?