Schlechte Wurst-Parodie sorgt für Kontroverse

„Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung“, dieses Zitat wird Oscar Wilde zugeschrieben. Ob das auf den vorliegenden Fall zutrifft, darüber kann man sich streiten. Wie esctoday heute berichtete, ging vor wenigen Tagen im französischen Fernsehen im Rahmen einer Satiresendung ein Videoclip des Comedians Florent Peyre über den Sender, in dem er sich als Conchita Wurst verkleidet und auch einige Szenen ihres Clips zu ‚Rise like a Phoenix‘ zitiert. Als musikalische Vorlage für seine Parodie nutzte er das Lied ‚Color Gitano‘ des französischen Top-Stars Kendji Girac, der bis vor wenigen Wochen noch gerüchteweise selbst als möglicher (Wunsch-)Vertreter der Grand Nation gehandelt wurde, aber zwischenzeitlich absagte. Den Text arbeitete Peyre, der unter dem Namen Kendji Wurst auftrat, in mäßig bis gar nicht lustige Zeilen  wie „C’est une façon de voir la vie, avec des seins et un zizi“ („Es ist eine Art, das Leben zu sehen, mit Brüsten und einem Puller“) um. Als Stein des Anstoßes erwies sich aber insbesondere der Songtitel ‚Travelo‘.

Eine transphobe Hommage?

Dabei handelt es sich um eine abwertende Bezeichnung (deren Bedeutung im Deutschen wohl irgendwo zwischen „Tunte“, „Transe“ und „Stricherin“ verortet werden kann) für eine Mann-zu-Frau-Transsexuelle, so das französische LGTB-Internetmagazin YAGG, das unter der Überschrift „Nein, Humor rechtfertigt nicht alles“ über den Fall und die in den sozialen Medien Wellen schlagende Empörung berichtete. „Einige Transmenschen wurden schon geschlagen oder gar getötet, nach dem sie sich diese Beleidigung anhören mussten,“ zitiert YAGG einen erbosten Tweet. Der Protest zeigte Wirkung: der Sender TF1 entfernte den Clip aus seiner Mediathek, Comedian Peyre entschuldigte sich öffentlich und sagte, er habe lediglich „amüsieren und unterhalten“ wollen: „Falls sich einige unter Ihnen durch diese Parodie in ihren Gefühlen verletzt sehen, tut es mir leid“. Für ihn sei sein Lied eine „Hymne an die Eigenironie, den gegenseitigen Respekt und die Freiheit, über uns selbst lachen zu können,“ so der Künstler.

Das Vorbild für Conchitas Badewannenszene: die 80er-Gender-Bender-Ikone Pete Burns von Dead or Alive

Nun muss man kein Französisch können, um zu erkennen, dass sich Peyres „Hymne“ vor allem an dem Motiv „Frau mit Penis“ abarbeitet, wie es auch im Refrain „Travelo / Une femme avec un cadeau“ („Transe / Eine Frau mit einem Extra“) anklingt, einem unter Heteros scheinbar paranoiahaft verbreiteten Schreckensszenario. Er betreibt damit so ziemlich das Gegenteil von Conchitas spielerischer gesellschaftlicher Aufklärungsarbeit. Und dass es als Songtitel ausgerechnet ein Schimpfwort sein musste, auch wenn das noch so gut zum Versmaß passen mag, macht die Sache nicht besser. Rechtliche Schritte anzukündigen, wie es laut esctoday einige LGTB-Organisationen bereits erwägen, scheint mir aber dennoch ein wenig überzogen. Immerhin zeigt die Conchita-Parodie, so schlecht und transphob sie auch sein mag, dass die Eurovisionskaiserin als Figur im medialen Mainstream angekommen ist, um den Kreis zu Oscar Wilde wieder zu schließen. Frei nach dem Motto: Du bist erst dann richtig anerkannt, wenn man Witze über Dich macht. Oder wie seht Ihr das?

Ist 'Travelo' eine Verbeugung vor Conchita oder eine Beleidigung?

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