Die Schwei­zer wol­len die Letz­ten sein

Zeit­gleich mit Däne­mark wähl­te heu­te Abend auch die Schweiz ihren Bei­trag für den Euro­vi­si­on Song Con­test. Und ähn­lich wie bei unse­ren nörd­li­chen Nach­barn grif­fen auch unse­re süd­li­chen dabei so rich­tig ins Klo. Letz­tes Jahr gewann die rus­si­sche Blon­di­ne Poli­na Gaga­ri­na in Wien bekannt­lich bei­na­he den Bewerb – war­um also nicht einen opti­schen Abklatsch nach Stock­holm schi­cken, abzüg­lich der Aus­strah­lung und des stimm­li­chen Talents? So ähn­lich muss wohl die Über­le­gung aus­ge­se­hen haben bei den hel­ve­ti­schen Jury­mit­glie­dern und Tel­e­vo­tern, anders lässt sich der Sieg der in Kana­da auf­ge­wach­se­nen Chris­ti­na Maria Rie­der ali­as Rykka nicht erklä­ren. Oder war es gar dies: der Bezug zu Kana­da, Her­kunft der letz­ten schwei­ze­ri­schen Sie­ge­rin, Céli­ne Dion (1988)? Ich weiß es nicht, sicher scheint mir nur: mit ‘The Last of our Kind’, die­ser mit­tel­lah­men, tau­send mal gehör­ten Mid­tem­po­bal­la­de ohne jeden Fun­ken von Inno­va­ti­on oder Eigen­stän­dig­keit, wird Rykka Ähn­li­ches wie Poli­na oder Céli­ne nicht gelin­gen. Zumal sie es erst gar nicht ins Fina­le schaf­fen dürf­te, vor allem nicht, wenn es bei der heu­te Abend gezeig­ten schreck­li­chen Gesangs­leis­tung bleibt. Über das bra­ve wei­ße Kleid­chen und den Fri­su­ren­un­fall sowie die ein­falls­lo­se Prä­sen­ta­ti­on auf einen Ple­xi­glas­tisch­chen soll des Kom­men­ta­tors Höf­lich­keit lie­ber schwei­gen.

Die letz­te ihrer Art (näm­lich der stimm­schwa­chen Dau­er­wel­len­op­fer) wird Rykka sicher nicht blei­ben

Gut, vie­le Alter­na­ti­ven boten sich bei der Gro­ßen Ent­schei­dungs­show auch nicht: wie immer sieb­te das Schwei­zer Fern­se­hen in den Vor­run­den sämt­li­che auch nur ansatz­wei­se ori­gi­nel­len Bei­trä­ge her­aus. Bis auf einen Titel, der die Vor­auswahl wohl ver­se­hent­lich über­lebt hat­te: ‘Dis­que d’Or’ der Band Kaceo aus der Roman­die, ein ganz char­man­tes Pro­test­lied gegen die raff­gie­ri­gen Metho­den der Musik­in­dus­trie. So etwas muss­te im Schwarz­geld­land Schweiz natür­lich auf Unver­ständ­nis sto­ßen, lei­der ver­stärkt durch die Prä­sen­ta­ti­on: jah­res­zeit­lich pas­send zum Fasching ver­klei­de­te sich der Kaceo-Lead­sän­ger als sil­ber­nes Ein­horn und turn­te wie wild durch eine mit Papp­auf­stel­lern zuge­ka­chel­te Büh­nen­land­schaft – der Ver­gleich mit Alf Poiers legen­dä­rem Euro­vi­si­ons­auf­tritt von 2003 lag auf der Hand. Doch anders als die Öster­rei­cher bewie­sen die Hel­ve­ten kei­nen Sinn für sub­ver­si­ven Humor; selbst das im Vor­feld erfolg­te frei­wil­li­ge Ent­schär­fen des Song­tex­tes um anstö­ßi­ge Begrif­fe wie “Pute” und “Cul” nutz­te nichts. Über die rest­li­chen vier Konkurrent/innen lohnt die Rede erst gar nicht. Und so blei­ben die ein­zi­gen span­nen­den Fra­gen nach die­sem Abend: wird Rykka die Letz­te (ihrer Art) im zwei­ten Semi­fi­na­le zu Stock­holm? Und war­um möch­ten die Eid­ge­nos­sen um kei­nen Preis der Welt Erfolg haben beim Song Con­test?

Das letz­te sei­ner Art: das Faschings-Ein­horn

Hat die Schweiz mit Rykka eine Chan­ce auf den Final­ein­zug?

  • Ha ha ha ha. Ha. Selbst dann nicht, wenn es nur elf Lie­der gäbe im zwei­ten Semi. (44%, 40 Votes)
  • Falls Madame Rie­der bis Stock­holm ihre Stim­me wie­der­fin­det, viel­leicht. Der Song ist ja ganz okay. (37%, 33 Votes)
  • Mir geht die­ses Schweiz-Bashing lang­sam auf den Keks. Tol­le Sän­ge­rin, tol­les Lied, Fina­le, bas­ta! (19%, 17 Votes)

Total Voters: 90

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5 Gedanken zu “Die Schwei­zer wol­len die Letz­ten sein

  1. bevor man so einen mist auf rei­sen schickt, soll­te man lie­ber gar nicht erst mit­ma­chen. ein­fach nur pein­lich.

  2. Lie­ber Rai­ner Mai­er, ich muss jetzt mal was klar stel­len, weil ich sel­ber schon lang­sam anfan­ge, zu glau­ben, dass ich ein Schweiz-Has­ser sei. Aber nichts könn­te von der Wahr­heit wei­ter ent­fernt sein. Es gibt so vie­le Din­ge, die ich an der Schweiz mag: ich fin­de es vor­bild­lich, wie die Eid­ge­nos­sen es schaf­fen, trotz kul­tu­rel­ler und sprach­li­cher Diver­si­tät ihr Land so fried­lich am Lau­fen zu hal­ten. Da könn­ten sich zum Bei­spiel die Bel­gi­er die eine oder ande­re Schei­be von abschnei­den. Und hät­ten die Jugo­sla­wen sich Euch zum Vor­bild genom­men, viel­leicht gäbe es das Land heu­te noch als Gan­zes. Vor­bild­lich ist die Schweiz mei­nes Wis­sens auch in Sachen Eisen­bahn und öffent­li­cher Nah­ver­kehr: nir­gends gibt es ein so gut funk­tio­nie­ren­des, so gut gepfleg­tes Netz. Löb­lich eben­falls die Expe­ri­men­te in Sachen Dro­gen­po­li­tik (Stich­wort: Züri­cher Modell). Da sind die Hel­ve­tier echt inno­va­tiv. Einem Schwei­zer haben wir das LSD zu ver­dan­ken, eben­falls pri­ma! Erstaun­lich fin­de ich auch, wie Ihr es schafft, Eure Städ­te so blitz­sauber zu hal­ten: ich war mal zu Besuch in Basel und kam mir dort vor, als sei ich in eine Märk­lin-Modell­bau-Anla­ge hin­ein­ge­be­amt wor­den. Nir­gends auch nur ein Papier auf dem Boden, nir­gends Ver­fall, alles frisch her­aus­ge­putzt. Völ­lig sur­re­al. Aber toll! Und selbst in Sachen ESC gibt es ja gele­gent­lich inno­va­ti­ve Ide­en, wie die Inter­net-Nach­wuchs­för­de­rungs-Vor­run­de. Ein For­mat, dass wir ja von Euch über­nom­men haben (und lei­der nicht mehr fort­ge­führt). Gera­de des­halb fin­de ich es so scha­de, dass die Schweizer/innen am Ende dann fast immer so – für mei­nen Geschmack – drö­ge, lang­wei­li­ge Lie­der aus­wäh­len. Und sich wun­dern, wenn sie damit im Semi­fi­na­le hän­gen blei­ben. Da wür­de ich mir so sehr wün­schen, dass Ihr end­lich mal Mut beweist und etwas Abge­fah­re­nes schickt, wie zum Bei­spiel Inge Gins­berg. Aber die­se Hoff­nung wird halt Jahr für Jahr ent­täuscht, und des­we­gen kri­ti­sie­re ich das auch Jahr für Jahr. Man sagt ja, Hass ent­ste­he aus ent­täusch­ter Lie­be, und viel­leicht wirkt es des­we­gen so, als has­se ich die Schweiz. Tat­säch­lich bin ich nur ein ent­täusch­ter Lieb­ha­ber, der die ver­pass­ten Chan­cen betrau­ert.

  3. Das ist nicht Mari­lyn, das ist Mela­nie Mül­ler, unse­re Dschun­gel­kö­ni­gin aus 2014. Schön zu sehen, dass es auch nach dem Camp noch eine Kar­rie­re geben kann.^^

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