Ein Schiff wird kommen: ERT greift zur Sage

Heute gab der Sender ERT offiziell bekannt, dass das Sextett Argo Griechenland beim Song Contest in Stockholm vertritt. Die Band existiert bereits seit über zehn Jahren, allerdings als Europond (da mit sieben Mitgliedern), und mixt traditionelle hellenische Klänge mit Elektro und Ska. Der mysteriöse Namenswechsel gehört zum Gesamtpaket, schließlich suchte der ERT-Senderchef Dionysis Tsaknis den Act persönlich aus. Der frühere Singer-Songwriter Tsaknis, der selbst auf eine langjährige Musikkarriere mit 27 veröffentlichten Alben zurückblickt, führt den im Zuge der von der Troika zwangsverordneten Austeritätspolitik im Jahre 2013 gegen massive Proteste (auch solche der EBU) geschlossenen Staatssender seit seiner Wiedereröffnung als öffentlich-rechtliche Anstalt im Juni 2015. Er äußerte sich schon vor einiger Zeit zu dem ebenfalls bereits ausgewählten, jedoch noch nicht bekannt gegebenen Beitrag, dieser verfüge über „starke Ethno- und Balkansounds“. Der (griechische) Text befasse sich „mit der Flüchtlingskrise und den finanziellen Schwierigkeiten, in denen wir stecken,“ und bringe „die Identität des Landes zum Contest“. Der Song sei dabei aber „fröhlich und temporeich“. Das passt zum neuen Bandnamen: in der griechischen Mythologie heißt so ein sagenhaft schnelles Schiff, mit dem der Königssohn Jason, begleitet von seiner Heldencrew, den Argonauten, das Goldene Vlies holte. Eine eigentlich als unerfüllbar angesehene Aufgabe, so wie z.B. der aussichtslose Kampf der aktuellen Regierung gegen die bitteren Folgen der Bankenkrise und der massiven Flüchtlingsströme, mit denen das restliche Europa die Griechen so schnöde im Stich lässt. Es scheint, 2016 wird das Jahr der clever konstruierten politischen Protestlieder!

Fröhliche Kampfansage: Europond kommen als Speedboot Argo nach Stockholm (Repertoirebeispiel)

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