Alba­ni­en mas­sa­kriert sein Mär­chen

Kaum tade­le ich die Alba­ner, dass sie noch immer nicht die anglo­ter­ri­fi­zier­te Fas­sung ihres Euro­vi­si­ons­bei­trags abge­lie­fert haben, da kommt der Sen­der mit dem Video von ‘Fai­ry­ta­le’ um die Ecke. So heißt die ehe­mals ergrei­fend schö­ne Bal­kan­bal­la­de ‘Për­ral­lë’ jetzt, und das Adria-Land inves­tier­te erkenn­bar viel Mühe und Geld, aus dem stol­zen Song­schwan ein bil­li­ges Plas­ti­kent­chen zu machen. Es gelang: alles, was ‘Për­ral­lë’ groß und edel mach­te – die schwel­ge­ri­schen Gei­gen, der dra­ma­ti­sche Lied­auf­bau, Ene­da Tarifas geschmack­vol­les Abend­kleid vom FiK-Auf­tritt – wur­de her­aus­ope­riert und durch Tal­mi ersetzt. Sei es die bei­na­he quä­ki­ge Instru­men­tie­rung, der durch­lau­fen­de und äußerst unpas­sen­de Plas­tik­beat oder die Flur­schä­den, die das (immer­hin recht tadel­lo­se) Eng­lisch anrich­te­te. Im Clip setz­te man die Sän­ge­rin vor Win­ter­wald­ku­lis­se auf einen von prol­lig dicken, gol­de­nen Ket­ten gehal­te­nen Grill­rost bzw. vor eine direkt aus einem Acht­zi­ger­jah­re-Video impor­tier­te Uhren­sze­ne­rie, was wohl Mär­chen­land-Asso­zia­tio­nen aus­lö­sen soll: Ziel ver­fehlt. Die beim FiK noch so über­aus ele­gan­te Ene­da wirkt nun, als müs­se sie aus finan­zi­el­ler Not her­aus Wer­bung für in Ban­gla­desch pro­du­zier­te Dis­coun­ter-Mode machen. Dabei muss ich zuge­ste­hen, dass die Alba­ner in der Ver­gan­gen­heit schon weit­aus schlim­me­re Mas­sa­ker an ihren Bei­trä­gen anrich­te­ten als in die­sem Jahr, in dem zumin­dest die Melo­die des Ursprungs­lie­des noch zu erah­nen ist. Den­noch tut es mir in der See­le weh, was man die­sem Lied antat.

Youd­diph (RU 1994) hat ange­ru­fen und will ihr Trick­kleid zurück

Zum Ver­gleich, weil schon eine gan­ze Wei­le her: das alba­ni­sche Ori­gi­nal. Hört und weint.

Wel­che Fas­sung fan­dest Du bes­ser: die alba­ni­sche oder die eng­li­sche?

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4 Gedanken zu “Alba­ni­en mas­sa­kriert sein Mär­chen

  1. Du hast ja so recht. Seufz. Gera­de noch war Alba­ni­en (wie fast immer) auf Platz 1 mei­ner Rang­lis­te, jetzt ist es wüst abge­rutscht und hat Platz für Jama­la gemacht. War­um tun die sowas immer?

  2. Ja, Për­ral­lë wur­de regel­recht getö­tet. Und dann noch auf Eng­lisch!
    Dabei hät­te man es im blut­lee­ren 2. Halb­fi­na­le gar nicht mal so schwer gehabt. So aber wird Ene­da Tarifa das ESC-Fina­le nicht bestrei­ten. Scha­de!

  3. Es wer­den sich schon genü­gend Fern­seh­zu­schau­er und Jury­mit­glie­der für die­sen polier­ten und auf Esc-getrimm­ten Song erwei­chen las­sen. Irgend­wie schafft es Alba­ni­en immer ins Fina­le zu rut­schen.

  4. @Tyyphoon: “Irgend­wie schafft es Alba­ni­en immer ins Fina­le zu rut­schen”. Wie bit­te? Alba­ni­en schickt eigent­lich fast immer rich­tig gute Bei­trä­ge (zumin­dest bevor sie dann ver­eng­lischt wer­den) und ist oft genug (mei­ner mei­nung nach völ­lig unver­dien­ter­wei­se) im Semi hän­gen­ge­blie­ben: 2014, 2013, 2011, 2007, 2006. Das sind 5 von 12!

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