Bulgarien 2016: was lange währt, wird endlich gut

Das Diplom für Attention Whores hat die quirlige Poli Genova schon mal bestanden: bis heute Abend ließ die Bulgarin die ungeduldig mit den Hufen scharrenden Eurovisionsfans warten, die seit über einer Woche nichts sehnlicher tun möchten, als endlich alle 43 diesjährigen Teilnehmertitel gegeneinander zu ranken und die Chancen aller Semifinalisten auszuloten. Doch das Warten hat sich gelohnt: mit ‚If Love was a Crime‘ präsentiert uns die Eurovisionsrückkehrerin einen knalligen, uptemporären (man möchte vor Dankbarkeit weinend niederknien!) Popsong mit einer Art doppeltem Refrain: auf die englischsprachige, gut gemachte Strophe und die etwas blasse, ebenfalls englische Titelzeile folgt ein deutlich besserer, bulgarisch gesungener Einschub, der dem sonst eher durchschnittlichen Beitrag ein gewisses Extra verleiht. Zumal er sich bizarrerweise für meine ignoranten westeuropäischen Ohren fast schon leicht afrikanisch anhört.

Keine lebensverändernde Offenbarung, aber immerhin mit Tempo: Polis Beitrag zählt zu den besseren im 2016er Line-up

Ein vierköpfiges, internationales Songschreiberteam (unter Beteiligung der Interpretin) werkelte an dem Stück, mit dem Bulgarien nach zwei Jahren Grand-Prix-Abstinenz wieder Anschluss finden und nach Möglichkeit die Qualifikation schaffen möchte, was ihnen bei bislang neun Versuchen bekanntlich erst einmal gelang. Diesmal stehen die Chancen gar nicht so schlecht, finden sie sich doch im musikalisch schwächeren zweiten Semi wieder. Inhaltlich knüpft Poli übrigens am Siegersong von 1961, ‚Nous, les Amoureux‘, an und beschreibt das Thema „Verbotene Liebe“. Wobei sich, wie schon weiland bei Jean Claude Pascal, nur vermuten lässt, ob sich die Moderatorin des Junior-ESC 2015 damit auf die auf dem gesamten Balkan nicht sonderlich akzeptierte gleichgeschlechtliche Liebe bezieht: letztlich bleibt ihr Text deutlich vager als die luxemburgische Kampfeshymne. Für ein paar Bonuspunkte aus der Community sollte es trotzdem reichen, und sei es nur, weil sie einen der viel zu raren schnelleren Lieder im Wettbewerbsumfeld hat.

Schafft Poli im zweiten Anlauf für Bulgarien die Qualifikation?

  • Ich denke ja. Der Song ist okay, sie hat Charme und kann singen, und die Konkurrenz ist nicht sehr stark. (79%, 77 Votes)
  • Sie könnte es gerade so eben reinschaffen (und dann im Finale bomben) oder gerade so eben auf Platz 11 kommen. (13%, 13 Votes)
  • Nein. Das ist eine halbgare Nullacht-Fünfzehn-Nummer, da gibt es Besseres. (7%, 7 Votes)

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