Israel 2016: die Sterne stehen gut

So viel Sterne leuchteten selten gleichzeitig auf an nur einem Abend: die als israelisches Vorentscheidungsformat verwendete Castingshow Rising Star brachte soeben einen Sänger namens Hovi Star als Sieger (und Grand-Prix-Vertreter) hervor. Mit dem Titel ‚Made of Stars‘. Drei mal Star in einem Aufwasch: mehr Stern geht nicht! Wobei: geht doch, denn gleich zwei der insgesamt vier Rising-Star-Finalisten interpretierten heute Abend ‚Made of Stars‘ und verdoppelten so noch einmal die Anzahl der Himmelskörper. Neben dem siegreichen Hovi, einem zur figürlichen Fülle und zu einer leichten Effeminiertheit neigenden jungen Mann mit einer eigenwilligen Emo-Frisur und großem Starappeal, versuchte sich auch die vergleichsweise schüchterne Nofar Salman an der Nummer, die sie aber bei weitem nicht so überzeugend darbot und bei der sie vor allem die Rückung (hurra!) ziemlich vergeigte – eine Stelle, an welcher der sehr offensichtlich zur Familie gehörende Hovi noch mal so richtig einen drauf setzte. Dennoch schaffte sie es im (reinen Zuschauer-)Voting-Duell bis auf 2 Prozentpunkte an den von bösen Zungen bereits als Maria Serifovics verschollenen Cousin“ betitelten Mitbewerber heran, der schlussendlich mit 68 zu 66% (bitte nicht nach der Sinnhaftigkeit der Abstimmungsskala fragen, es ist halt eine Castingshow) denkbar knapp gewann.

Tijana Dapčević (MK 2014) hat angerufen und will ihre Frisur zurück: Hovi Star

Und zu Recht, schaffte er es doch, mit seinen Star-Qualitäten, seiner wundervoll kratzigen Stimme und seiner emotional aufgeladenen, kraftvollen Darbietung erfolgreich von den Schwächen des Songs abzulenken, der sogar recht vielversprechend beginnt, im Refrain aber in eine schwache siegeleske Kitschballade abkippt, dann im Mittelteil plötzlich die Beats auspackt, schließlich in einem llyodwebberhaften Crescendo mündet und alles in allem eher an einen fünfplatzierten Beitrag aus einem maltesischen Finale der Nuller Jahre erinnert. Jedenfalls in Nofars Interpretation. Hovis äußere Erscheinung hingegen bietet Spaltpotenzial, was ihn einerseits Stimmen kosten könnte, ihm andererseits zusätzliche Sympathien beschert und so einen Finaleinzug Israels in Stockholm gar nicht so unwahrscheinlich macht. Ein bisschen schade ist es um die Drittplatzierte von Rising Star, Ella Daniel, die mit ‚Somebody Out There‘ über das deutlich bessere Lied verfügte und mit einem ebenfalls bemerkenswerten Dutt und einer hinreißend winehousesken Stimme einen tollen Auftritt hinlegte, aus mir unerfindlichen Gründen aber lediglich 58% erreichte. Die vierte Mitbewerberin, Gil Hadash, schied bereits in der ersten, aus zwei Duellen bestehenden Runde aus, in der die Vier jeweils mit Coverversionen gegeneinander antreten mussten, und konnte so noch nicht mal ihren Wettbewerbstitel ‚Follow The Sun‘ vorstellen. Im Gegensatz zu Ella, die ihr Duell ebenfalls verlor, aber von der vierköpfigen Jury (u.a. Harel Skaat, IL 2010) ins Superfinale „gerettet“ wurde. Wiederum: bitte nicht nach der Sinnhaftigkeit des Verfahrens fragen, es ist halt eine Castingshow!

Schafft Israel mit Hovi Star den Finaleinzug?

  • Never. Furchtbar altbackenes Lied und der Typ sieht schlimm aus. (46%, 29 Votes)
  • Klar. Packendes Lied, tolle Stimme, fantastische Ausstrahlung. Wie soll das nicht weiterkommen? (32%, 20 Votes)
  • Ich mag ihn, aber der Song ist einfach nicht stark genug und die Konkurrenz zu groß. (22%, 14 Votes)

Total Voters: 63

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2 Gedanken zu “Israel 2016: die Sterne stehen gut

  1. Mann, war das eine grottige Veranstaltung. Und dann hat auch noch dieser echt widerliche Typ gewonnen, mit einem wirklich belanglosen Lied.
    Am liebsten wäre mir eigentlich die bereits anfangs ausgeschiedene Gil gewesen. Dummerweise zu Recht ausgeschieden, denn das von ihr in dieser Runde vorgetragene Stück hat es wirklich nicht gebracht. So kam sie leider gar nicht dazu, ihren eigentlich für die Eurovision gedachten Beitrag zu präsentieren, den ich eindeutig für den besten der 3 Titel halte.
    Als dann auch noch die Dame mit der echt guten Stimme ausgeschieden war, habe ich das Interesse verloren.

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