Das Ljubav-Gate: wen die Jurys 2016 verhinderten

Nicht nur den rechtmäßigen Sieg des Russen Sergey Lazarev im Finale des Eurovision Song Contest 2016 hat ein kleines Häuflein von 210 willkürlich ausgesuchten Menschen auf dem Gewissen, die mit ihren Entscheidungen den Willen von Millionen (!) von Anrufer/innen aus ganz Europa überstimmen konnten. Wie immer verhinderten die Manipulatoren aus den Jurys auch den Finaleinzug bestimmter Teilnehmer/innen, die ihnen nicht in den Kram passten. Darunter natürlich wieder zwei meiner Lieblingsbeiträge. So unterbanden, wie ich es mir bereits dachte, die Juroren im ersten Semifinale am Dienstag die berechtigte Qualifikation des bosnischen Quartetts mit dem ehemaligen ‚In the Disco‘-Häschen Deen (BA 2004) und dem wunderbar dramatischen ‚Ljubav je‘. Lag es an der das Flüchtlingselend thematisierenden Bühnenshow? Einem Thema übrigens, das auch der veranstaltende Sender SVT in der selben Sendung mit einem hochgelobten Ballett als Pausenact aufgriff. Die politisch wachen und geschmacklich sicheren Zuschauer/innen goutierten das zu Recht und wählten die Bosnier auf Rang acht. Die vertrockneten Geronten von der Juryfront aber begeisterten sich stattdessen für die altbackene, wenn auch zugegebenermaßen sehr starke tschechische Ballade und manipulierten Gabriela Gunčíková ins Finale, wo sie im Televoting komplett punktefrei ausging. Hat sich ja gelohnt, ihr Vollspacken!

Ergreifende Balkanballaden mag die Jury nicht. Sterbt! (BA)

Mit diesem Verhalten bestraften die angeblich auf die Qualität achten sollenden Juroren nicht nur den Mut, etwas Außergewöhnliches und Tiefgehendes zu schicken und belohnten stattdessen die Assimilation der einstmals risikofreudigeren Tschechen, die es nach schiefgegangenen Experimenten mit Rock und Roma-Pop nun mit der klassischen Patentballade versuchten, wie sie auch 1956 schon hätte starten können, und dafür die Zustimmung des Klüngelzirkels ernteten. Nein, sie stießen damit auch eine meiner absoluten eurovisionären Lieblingsnationen vor den Kopf, die es nach schmerzlicher dreijähriger Pause trotz finanziell desolater Lage zu meiner Glückseligkeit doch noch mal versuchte. Ob Bosnien unter diesen Umständen 2017 erneut antritt, muss als sehr unwahrscheinlich gelten. Falls es die Jurys damit tatsächlich schafften, das Balkanland für immer zu verscheuchen, steigert sich mein ohnehin bereits vorhandener Hass gegen sie (und all ihre Unterstützer) ins Unermessliche. Auch abseits dieses Debakels offenbarten sich erneut massive Unterschiede gegenüber der (in einer Demokratie, die Europa ja eigentlich sein möchte, normalerweise einzig relevanten) Wahrnehmung des Publikums: die österreichische Pilzprinzessin Zoë, Zweite im Zuschauerranking, erhielt drei Viertel ihrer Gesamtpunkte von den Anrufer/innen. Genau umgekehrt verhielt es sich bei der schwangeren Malteserin: die Jury zeichnete für 75% der Punkte verantwortlich, die Ira Losco erzielen konnte (für was auch immer). Greta Salóme (IL 2012), für viele überraschte Fans die Kate Ryan (BE 2006) dieses Jahrgangs, landete übrigens ziemlich übereinstimmend auf Rang 14 (gesamt) bzw. 13 (Televoting) – und damit deutlich hinter dem sanmarinesischen Disco-Türken Serhat, den die Zuschauer/innen auf Platz 11 wählten (12 im Gesamtranking).

Nur fünf Punkte trennten Serhat im Zuschauervoting vom zehnten Platz (SM)

ESC 1. Semifinale 2016

Eurovision Song Contest 2016 - Erstes Semifinale. Dienstag, 10. Mai 2016, aus dem Globen in Stockholm, Schweden. 18 Teilnehmer, Moderation: Petra Mede + Måns Zelmerlöw.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01FISandhja KuivalainenSing it away0511501615
02GRArgoUtopian Land0441602214
03MDLidia IsacFalling Stars0331700918
04HUFreddiePioneer1970411903
05HRNina KraljićLighthouse1331005310
06NLDouwe Bob PosthumaSlow down1970509505
07AMIveta MukuchyanLoveWave2430211604
08SMSerhat HacıpaşalıoğluI didn't know0681204911
09RUSergey LazarevYou are the only One3420119401
10CZGabriela GunčíkováI stand1610904112
11CYMinus OneAlter Ego1640809306
12ATZoë StraubLoin d'ici1700713302
13EEJüri PootsmannPlay0241801516
14AZSəmra RəhimliMiracle1850609307
15MEHighwayThe real Thing0601301417
16ISGreta Salóme StefánsdóttirHear them calling0511402413
17BADeen + Dalal Midhat TalakićLjubav je1041107808
18MTIra LoscoWalk on Water2090305409

Noch massiver lagen Jurys und Zuschauer/innen im zweiten Semifinale auseinander. Konnten sie sich am Dienstag wenigstens noch auf einen gemeinsamen Favoriten – Sergey Lazarev – einigen, so klappte dies am Donnerstag schon nicht mehr. Während die spätere Gesamtsiegerin Jamala aus der Ukraine wenigstens in ihrer Qualifikationsrunde die meisten Publikumspunkte auf sich vereinigen konnte, bevorzugten die Juroren bereits hier die perfektionistische Stimmakrobatik der australischen Streberin im Glitzerkleid, Dami Im. Der Pole Michał Szpak hingegen, es dürfte niemanden mehr überraschen, erhielt 131 seiner 151 Gesamtpunkte vom Publikum – auch in dieser Runde teilte er also die angeblichen Musik-Professionellen und die tatsächlichen Musik-Konsument/innen wie kein Zweiter. Ich weiß, das spricht aus der Sicht der meisten meiner Leser/innen sicherlich für die Jurys – auch mich schaudert es bei ‚Color of my Life‘. Und natürlich ist es erschütternd, zu sehen, was für einen eminent schlechten Geschmack Europa hat. Trotzdem kann ich nicht damit konform gehen, diesen dergestalt zu missachten. Das gilt sogar im Falle des Weißrussen Ivan – der hätte es nämlich mit seiner kruden Hologramm-Show nach dem Willen der Zuschauer/innen ins Finale geschafft, scheiterte aber ebenso an den Jurys wie die fantastische Kaliopi aus Mazedonien, der das Publikum sogar ihr schwaches Lied verzieh, weil es – zu Recht – ihre Star-Qualität höher wertete.

Ihre Donuts weckten den Appetit des Publikums: Kaliopi (MK)

Die Jurys manipulierten stattdessen Hovi Star und die Young Georgian Lolitaz ins Finale – im Falle der kaukasischen Brit-Rocker zugegebenermaßen zu meiner Freude, begeisterte ihre elektrolastige Nummer ‚Midnight Sun‘ und ihr an alte Musikladen-Zeiten erinnernder Auftritt doch selbst mich, der ich dieses Genre üblicherweise hasse wie die Pest. Letzten Endes bestätigte sich aber auch hier erneut, was wir eigentlich schon länger wissen: in der breiten Masse toleriert das Publikum Rock allenfalls, wenn er in Schlagerform daherkommt – die Kollegen aus Zypern, die am Dienstag einen ähnlichen Auftritt hinlegten, mit ‚Alter Ego‘ aber einen deutlich melodischeren Song offerierten, hätten sich auch ohne Juryhilfe qualifiziert und schnitten im Finale dann auch deutlich besser ab als die Georgier. Eine Lektion, die uns bereits Lordi (FI 2006) lehrten, die ja nun auch mit einem Schlager in Monstermaske gewannen, während im Jahr darauf die hierdurch auf die falsche Fährte gelockten, authentischen tschechischen Rocker Kábát auf dem letzten Platz im Semi landeten. Was die israelische Tunte mit der Lesbenfrisur angeht, den ich aufgrund seiner erfrischenden Offenheit („Ich mag Douwe Bob nun mal einfach nicht. Punkt.“) total in mein Herz geschlossen habe, so überraschte mich sein Finaleinzug bereits am Donnerstag – „och, schön, dass er es geschafft habt, aber zwingend war das jetzt nicht“ dachte ich da schon. Und ja, ich mag ihn lieber als Ivan, aber das rechtfertigt all diese Manipulationen nicht.

Ausziehen hilft: Ivans nudistisches Hologramm-Selfie verkaufte seinen Song erfolgreich an die Zuschauer/innen (BY)

ESC 2. Semifinale 2016

Eurovision Song Contest 2016 - Zweites Semifinale. Donnerstag, 12. Mai 2016, aus dem Globen in Stockholm, Schweden. 19 Teilnehmer, Moderation: Petra Mede + Måns Zelmerlöw.
#LKInterpretTitelPkt
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Pkt
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Pl
TV
01LVJusts SirmaisHeartbeat1320806807
02PLMichał SzpakColor of your Love1510613104
03CHRykkaThe Last of our Kind0281800318
04ILHovi StarMade of Stars1470702016
05BYAlexander IvanovHelp you fly0841205209
06RSSanja VučićGoodbye (Shelter)1051005010
07IENicky ByrneSunlight0461503114
08MKKaliopi BukleDona0881105408
09LTDonny MontellI've been waiting for this Night2220411806
10AUDami ImSound of Silence3300114202
11SIManuElla BrečkoBlue and red0571400817
12BGPoli GenovaIf Love was a Crime2200512205
13DKLighthouse XSoldiers of Love0341702415
14UAJamala19442870215201
15NOAgnete JohnsenIcebreaker0631303413
16GENika Kocharov + Young Georgian LolitazMidnight Gold1230903911
17ALEneda TarifaFairytale0451603512
18BELaura TerosoWhat's the Pressure2740313503

Fassen wir also die wichtigsten Jury-Fehlleistungen 2016 noch einmal zusammen: sie balbierten die endlich, endlich, endlich zurückgekehrten Bosnier und ihr bewegendes Flüchtlingsdrama über den Löffel; erzogen die Tschechen dazu, ranzigen Balladenquark zu schicken statt mutiger Musik; straften Prinzessin Zoë dafür ab, ein fröhliches Chanson in der wunderschönen, zum Singen bestens geeigneten französischen Sprache beizusteuern statt wie alle Anderen Englisch zu wählen; düpierten die Polen und ihren offensichtlich massenwirksamen Musicaltitel erneut (damit dürften wir auch dieses einwohnerstarke Land für den ESC verloren haben) und sorgten im Finale dafür, das extrem siegeswillige Russland auszubooten und ihnen – aus offensichtlich politischen Gründen – einen provokanten Titel aus der Ukraine vor die Nase zu setzen, der weder das Zuschauer- noch das Juryvoting gewinnen konnte, dank der Uneinigkeit beider Abstimmungsberechtigten aber den Gesamtsieg davontrug. Wäre ich ein Russe, ich fühlte mich vom restlichen Europa dermaßen verarscht und beleidigt, dass ich mich nun erst recht in mein Schneckenhaus zurückziehen und den politischen Konfrontationskurs meines Präsidenten befürworten würde. Dem vom schwedischen Moderatorenpärchen so innig beschworenen Frieden auf dem Kontinent, dem leistete die einstmals genau hierfür aus der Taufe gehobene Show heuer ganz sicher keinen Vorschub, im Gegenteil. Die Jurys, so das Fazit, sind nicht mehr nur ein undemokratisches Ärgernis – sie sind mittlerweile gefährlich und müssen endlich, endlich weg!

Thunder and Lightning – das könnte demnächst noch auf uns zukommen, den diabolischen Jurys sei Dank (RU)

ESC Finale 2016

Eurovision Song Contest 2016 - Finale. Samstag, 14. Mai 2016, aus dem Globen in Stockholm, Schweden. 26 Teilnehmer, Moderation: Petra Mede + Måns Zelmerlöw.
#LKInterpretTitelPkt
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TV
01BELaura TesoroWhat's the Pressure1811005117
02CZGabriela GunčíkováI stand0412500026
03NLDouwe Bob PosthumaSlow Down1531103918
04AZSamra RahimliMiracle1171707312
05HUFreddiePioneer1081905614
06ITFrancesca MichielinNo Degree of Separation1241603419
07ILHovi StarMade of Stars1351401122
08BGPoli GenovaIf Love was a Crime3070418005
09SEFrans Jeppsson WallIf I were sorry2610513906
10DEJamie-Lee KriewitzGhost0112601023
11FRAmir HaddadJ'ai cherché2570610909
12PLMichał SzpakColor of your Life2290822203
13AUDami ImSound of Silence5110219104
14CYMinus OneAlter Ego0962105315
15RSSanja VučićGoodbye (Shelter)1151808011
16LTDonny MontellI've been waiting for this Night2000909610
17HRNina KraljićLighthouse0732305316
18RUSergey LazarevYou are the only One4910336101
19ESBareiSay yay!0772201024
20LVJusts SirmaisHeartbeat1321506313
21UAJamala19445340132302
22MTIra LoscoWalk on Water1531201621
23GENika Kocharev + Young Georgian LolitazMidnight Gold1042002420
24ATZoe StraubLoin d'ici1511312008
25UKJoe & JakeYou're not alone0622400525
26AMIveta MukuchyanLoveWave2490713407

Zum zweiten Mal siegte beim ESC nicht der Publikumsfavorit. Müssen die Jurys weg?

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13 Gedanken zu “Das Ljubav-Gate: wen die Jurys 2016 verhinderten

  1. Das System ist, wie es ist, und dem Chor Veränderungen zu predigen, hat in meinen Augen nicht viel Sinn. Wenn eine nach dem System absolut reguläre Niederlage die Russen derart beleidigt, dass sie sich zurückziehen, wünsche ich gute Reise – mir fällt nicht ein einziger russischer Beitrag ein, den ich für den ESC als absolut unverzichtbar erachten würde, und auf ein Land, das in dieser Hinsicht weniger auf die Kette gekriegt hat als Andorra oder Mazedonien, kann ich gut verzichten, Integration hin oder her. Der ESC hat die letzten Jahre ohne die Türkei überstanden, er kann auch ohne Russland. Wobei sich mir sowieso die Frage stellt, ob die Russen nächstes Jahr eine Streitmacht – Verzeihung, Delegation – nach Kiew schicken werden…

    Davon ab: das Televoting ist eben alles andere als demokratisch – es ist in dieser Hinsicht besser als die Jurys, aber da die Stimmen nicht gleichwertig sind (1 Isländer entspricht bei unterstellt gleicher Beteiligungsquote etwa 260 Deutschen oder 500 Russen), werden die Kleinen massiv überbewertet. Die Jurys machen das natürlich noch schlimmer, aber wenn man die Stimmen nicht in einen großen Topf werfen oder eine Stimmgewichtung (wie im Bundesrat oder bei der Sitzverteilung im Europaparlament) einführen will, sehe ich keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen.

  2. Diese ewige Diskussion um Jury und Televoting nervt. Haaallooo – es hat sich NICHTS geändert. Lediglich die Präsentation ist leicht anders.

    Außerdem ist es egal, ob der Favorit der Jury,des Publikums, oder ein Dritter (der bei beiden gut ankam, aber nicht zwangsläufig die No 1 war) gewinnt.

    Hauptsache ist, dass Russland verliert! Alles Andere ist irrelevant. Ich habe es sehr genossen, die Russen und insbesondere, die blöde bulgarische Klemmschwester Philipp Kirkorov, verlieren zu sehen – und das gegen die Ukraine. Eine anständige Erniedrigung, für Vladimir. So muss es sein ;). Auch wenn ich den ukrainischen Song grässlich fand ;)!

    Der angehörige der LGBT Population, der einen russischen Sieg befürwortet, ist für mich kein Mensch. Mir fällt dazu ein hiostorischer Vergleich ein, aber ich halte mich zurück.

    In diesem Land wurden Schwule, per Anzeige gelockt, geschlagen, gefilmt, sie mussten Urin trinken, mit Vibrator in der Hand, den Hitelergruß vollführen und ihre Personalien wurden veröffentlicht. Das Regimes unternahm nichts – aber die Pussy Riots mussten in den Knast.

    … und in diesem Land wollt ihr den ESC wieder sehen??? Haaallooo?!!

    Ich habe nichts gegen das russische Volk. Im Gegenteil. Aber ich bin gegen das Regimes, in diesem Land. So lange Putin und Erdogan an der Macht sind, will ich die Begriffe ESC und Russland, bzw., Türkei, nicht im selben Satz lesen.

    Meine Favoriten waren Armenien, Blugarien, Serbien und Australien.

  3. Ich möchte natürlich nicht noch Salz in deine offene Wunde streuen, aber das AUS für Bosnien hatte in der internationen Gruppe in der ich im Semi stand für Erleichterung gesorgt. Vor lauter Schmalz hätten sich eigentlich die Knoten des Stacheldrahtes selber auflösen müssen – meinten die Schweizer und ein Franzose vermisste noch einen halbtoten Hund irgendwo auf der Bühne im „ersten Akt „des Liedes. Auch käme es besser wenn „etwas Kleid“ im Draht hängen geblieben wäre (Effekt wie 1985 bei Lill) da käme die Dramatik noch besser rüber – meinte ein Österreicher. (…und ja ,wir können schon ganz schön böse sein wenn uns etwas nicht gefällt ) Ich persönlich fand das Lied billig und den Auftritt kalkuliert und trotz der goldenen Wärmefolie blieb alles 3 Minuten lang kühl. Wir erinnerten uns aber und vermissten danach um so mehr einen Dino und einen Nino und auch den Hari …das waren noch Lieder – Damals!
    Ich muss auch den ESC_Freak recht geben … auch ich habe es genossen den Russen verlieren zu sehen. Ich war 8 Tage in Stockholm und hatte eine tolle Zeit. Kurioser Weise hatte ich aber auch ständig Fillipp Kirkorow vor „der Linse „. Ob in der Stadt ,am roten Teppich oder im Grand Hotel ( ich waren nur zum Essen da!) – er war auch da und behandeltete seine vorwiegend russischen Verehrerinnen immer wie den letzten Dreck. Jeder konnte es sehen.
    Ab den 2 Semi Finale waren fast alle Fans da und es ging natürlich im Euro Club auch die Post ab. Klar füllte Sergays Lied die Tanzfläche. Man sang,gröllte oder schrie einfach mit.
    Ich wünschte mir manchmal bei aller Naivität vieler junger internationaler Fans das auf der großen schwarzen Leinwand dazu dann so ein Video wie über Erdogan laufen würde.
    Auf Gay Veranstaltungen in Russland (CSD) ausrastende Polizisten die die Leute lynchen ,lauf Feiernde einschlagende Fanatiker und die blutig am Boden liegenden Frauen und Männer .
    Das ist nun mal die Realität . Da will ich nicht hin und das brauche ich nicht.
    Ich sehe den ESC inszeniert wie die Olympiade 1936 unter den Logo „we all Love “
    Aber in Sotchi ist ja auch nichts passiert und Alle hatten sich soooo lieb.
    Jedenfalls haben wir nach dem letzten Vote hysterisch gejubelt und waren 2 Minuten sehr zufrieden bis uns klar war wo es im nächsten Jahr hingehen soll….

  4. Ich war bis zuletzt ja eigentlich auch immer dafür die Juries abzuschaffen, ich muss jedoch nun gestehen, dass ich zu der Meinung gekommen bin, dass Juries doch notwendig sind, um dem Contest nicht noch das bisschen Glaubhaftigkeit abgehen zu lassen.

    Sehen wir uns die Televoting-Ergebnisse genauer an, merken wir, dass Diaspora und Nachbarschaftsvoting wieder extrem stark waren dieses Jahr. Die „Ausrede“ dafür war immer, dass die Länder ja die selbe Sprache sprechen, einem ähnlichen Kulturkreis angehören oder zur selben Musikindustrie gehören. (Fast) All diese Argumente sind dieses Jahr aber nichtig!
    Beispiel Serbien: Von ihren 80 Televoting-Punkten im Finale kamen 76 von anderen ex-jugoslawischen Staaten plus Österreich und Schweiz, die einen hohen Anteil jugoslawisch-stämmiger Menschen haben. Nun sang Sanja nicht auf Serbisch, sondern Englisch, sie ist selbst in Serbien mehr oder weniger unbekannt und das Lied hat rein gar nichts „serbisches“ oder „jugoslawisches“ und hätte ein Beitrag eines beliebigen anderen Landes sein können.
    Für Kroatien gilt nahezu das selbe (alle 33 Punkte aus Nachbarländern) und auch Bosnien-Herzegowina bekam im Semifinale 36 von 78 Punkten aus Nachbarländern (zugegebenermaßen sticht hier das Argument Sprache und Bekanntheit der Sänger).

    Bei den ex-sowjetischen Staaten ist es das selbe und auf die Diaspora-Votes von Letten, Litauern und Polen aus UK und Irland war auch wieder Verlass.

    Was die EBU bisher nicht begriffen hat, ist, dass die alleinige (!) Lösung nicht das Einführen einer Jury ist, sondern sie muss das Image des ESCs kräftig aufpolieren! Diasporavotes wird es immer geben, aber sie haben nur so lange einen entscheidenden Einfluss auf das Voting eines Landes, wenn die, ich nenne es mal „unbefangene“, Bevölkerung den Contest schaut und auch anruft! Das ist doch das größte Probleme des Contests, es schauen vielleicht viele zu, aber „normale“ Leute rufen nicht an und das führt dazu, dass die Votes eines Landes ganz stark von Diaspora, Nachbarschaftsvotes und sonstigen Anrufen gespeißt werden, die nicht primär dem Lied gelten!

    Der ESC hat ein Imageproblem!

    Da ich nicht glaube, dass dieses Imageproblem in Zukunft gelöst werden kann, halte ich eine Jury nach wie vor sinnvoll. Dennoch ist sie in ihrer jetzigen Form völlig unzureichend und falsch. Erstens sind 5 Leute zu wenig. Zweitens sind die sogenannten Experten in den Juries unnötig, denn diese werten im Endeffekt als Privatleute und sind somit keine Experten. Drittens hat das Votingprozedere (danke Russland für diesen Einblick!) auch nichts mit expertenhaftem Beurteilen zu tun.

    Ein Vorschlag: 20 Juroren pro Land aufgesplittet in 4 oder 5 Altersgruppen, um einen ersten Querschnitt zu erhalten. Den zweiten Querschnitt erhält man durch die Konstellation 10 Männer und 10 Frauen. Meinetwegen könnte man dann noch länderspezifische Charakteristika ermitteln und diese mit einfließen lassen, z.B. jeder 10. in Deutschland ist homosexuell (ich weiß nicht ob das so ist, das ist ein reines Zahlenspiel! 😉 ), hieße dann 2 homosexuelle Jurymitglieder und/oder den Anteil von türkischstämmigen Deutschen einrechnen usw…
    Mir ist klar, dass das ein hoher Aufwand ist und sicherlich für die Länder verschieden gut angewendet werden kann, aber die EBU muss um des Contest Willen mal wirklich was tun!

  5. auch wenn ich Oliver sehr gut verstehen kann – den grandiosen tschechischen Roma-Pop fanden in Moskau auch die Televoter nicht ueberzeugend, anders sind die 0 Punkte im Semi damals nicht zu erklaeren. Ob es etwa daran liegt, dass Europas Televoter und Eurovisions-Zuschauer eben nicht nur aufgeklaerte Demokraten und Weltverbesser sind, die „Love“ und „Peace“ wollen, sondern durchaus auch Rassisten, Israel-Hasser und Homophobe sind? Und das hier die Juries zumindest teilweise eine ganz sinnvolle Korrektur sein koennen, um nicht alles dem blanken, visuellen Show-Effekt a la Russe (oder a la Belarusse) zu opfern? Und selbst mit reinem Televoting haette es nicht „Warschau 2017“ geheissen. Let’s face it – das perfekte Abstimmungsverfahren gibt es nicht, aber das gegenwaertige erscheint mir, alles in allem, durchaus nicht sooo tragisch, auch wenn man ggf. mehr noch ueber die Zusammensetzung reden koennte…

  6. @AlexanderK

    Ich glaube, Du hast hier etwas grundlegend falsch verstanden. Der ESC ist kein Ethnoopop Festival und auch kein Worldmusic Festival. Zwar gab es oft Beiträge, die aus den Bereichen Woldmusic, oder Ethnopop stammten, aber das bedeutet nicht, dass die einzelnen Beiträge, nationale Merkmale und Eigenheiten wiederspiegeln müssen. Insofern musste Sanja nicht auf Serbisch, bzw., Serbokroatisch, singen und auch kein Kolo, mit Begleitausruf „Opa! Opa, Bato, bre!“, tanzen und der Chor ein Tablett mit Cevapcici, im Hintergrund schwenken ;).

    Das Nachbarländer Punkte austauschen ist völlig normal. Sie kennen die Interpreten (auch wenn es No Names sind, besuchen sie die Nachbarländer), verstehen oftmals die Sprache und teilen den selben Musikgeschmack. Sanjas Song hatte übrigends auch eine serbische Fassung, „Iza osmeha“, welche in der Songpräsentation vorgestellt wurde und die Balkan Frula, tat wohl das Übrige. Oder glaubst Du etwa, Kroatien gibt Serbien 12 Punkte, weil sie sich so gern haben ;)? Denkst Du ernsthaft, die Norweger mögen die Schweden, die sie Jahrhunderte lang belagert haben?!

    Das Deutschland diesen Genuss nicht teilen kann, ist halt Pech. Balkan, Skandinavien, ex UDSSR … machen es besser. Es ist kein Geheimnis, dass alle ex UDSSR Länder Russland hassen, wie die Pest – aber sie mögen die Russendisco ;). Sehr sogar. Nostalgie wirkt Wunder. Da vergisst man Vladimir schnell.

    Auch das Diaspora Voting finde ich völlig normal und richtig. Die Migranten, die oft bereits in der dritten, oder vierten Generation irgendwo leben und die Staatsangehörigkeit, des jeweiligen Landes, besitzen, sind eben Teil des jeweiligen Landes. DU bist DEUTSCHLAND ;)! Das sie die Sprache der Ahnen verstehn und deren Musik im Blut haben ist auch keine Schande. Es ist ein Korrekter Spiegel der Länder, die viele Migranten verzeichnen.

    „Befangen“ sind wir alle. Der Eine, hat eine ungarische Arbeitskollegin, denkt beim ungarischen Beitrag unwillkürlich an sie und greift zum Telefon und stimmt für Ungarn ;). Ein Anderer hat einen kroatischen Schwager und achtet daher auf den kroatischen Beitrag. Wieder ein Anderer denkt an den schönen Urlaub, in Itaka. Alles ganz normal.

    Das Märchen, vom salomonisch urteilenden Televoter … es bleibt ein Märchen.

    Unser Lied war, höflich ausgedrückt, der hinterletzte Mist. Das wissen wir alle. Ich wusste sofort, das wir wieder letzter werden. Eigentlich hätten wir einen dicken Nuller verdient. Jamie-Lee kann dafür am Wenigsten. Die ARD hat sich nie sonderlich darum bemüht, gute und erfahrene Musiker für eine ESC Teilnahme zu interessieren. Für andere Länder nehmen bekannte und erfahrene Künstler teil. Die ARD kümmert sich nicht um Werbung, Jamie-Lee war, so weit ich weiß, auch nicht in Amsterdam, Riga, Israel, London, wo sonst unzählige Teilnehmer waren und für ihre Lieder Werbung gemacht haben. Das macht schon etwas aus. Die eingefleischten Fans schauen sich das an und es ist ein Unterschied, ob da jemand singt, der mir zuvor irgendwo positiv aufgefallen ist, oder jemand gänzlich Neues.

    Der ESC hat KEIN Imageproblem!!! WIR (!) haben ein Imageproblem, weil wir das Selbige stets bei Anderen suchen, statt bei uns selbst. Nochmal – unser Lied war Mist und wir sind zu Recht Letzter!!! Kein Wunder, hasst uns jeder. Denkst Du, es dringt nicht nach außen, dass bei uns nach jedem ESC das Genörgel beginnt?!

    In einer Sache gebe ich Dir Recht – 5 Personen in den Juries sind zu wenig. Früher waren es 16. 8 Fachleute und 8 musikinteressierte Laien. Das war so besser. Ich denke durchaus, das ein gewissenhafter Juror fachlich wertet. Ob das Lied qualitativ gut ist, wie es gesungen wurde … die Zuschauer werten immer für das Gesangspaket. Ein Beispiel ;). Ich habe selbst auf einer Seite täglich gewertet ;). Dem Polen habe ich eine gute Wertung gegeben, weil ich ihn süß und sein Styling stark finde ;). Den Song fand ich ziemlich blass und mäßig. So wertet auch das allgemeine Publikum.

    So lange der ESC ein Wettbewerb bleibt, wird über die Wertung diskutiert werden. Das liegt in der Natur der Sache.

    Wenn wir wieder nach vorne wollen, müssen gute Leute ans Werk. Mark Foster, Sarah Connor, Yvonne Catterfeld … oder ein Fachmann, wie der gute, alte Raab. Sonst sehe ich rabenschwarz, für uns. Ein Wettbewerb, mit verschiedenen Teilnehmern ist FALSCH! Das Publikum wird wieder Müll wählen. Einzig eine Direktnominierung kann uns retten. Das denke zumindest ich.

  7. Leider fehlt es hier so manchem Neunmalklugen an „emotionaler Intelligenz“. Das Publikum hat Polen auf Platz 3 gewählt, und das absolut zurecht! Wer das polnische Lied als „schmalzig“ abtut, der hat genauso wenig Ahnung wie die „Experten“. Die Jurys müssen weg!

  8. @ ESC_Freak

    Ich habe meinen Kommentar nicht geschrieben wegen des deutschen Ergebnisses. Da muss ich Europa recht geben, es wirkte von allen Beiträgen einfach zu blass.

    Ich verstehe deine Argumentation nicht. Du sagst im Prinzip, dass Befangenheit gut ist. Ich gebe dir recht, wenn du sagst, dass ungefäht jeder in irgendeiner Weise befangen ist, aber es muss wenigstens das Ziel sein diese Befangenheit irgendwie zu mindern, denn warum sollte der Contest dann weiterhin noch „Eurovision SONG Contest“ heißen, wenn der Song nicht entscheidet, sondern weil man z.B. die selbe Sprache spricht?

    Und ich halte es auch für falsch für ein Land anzurufen, nur weil es die selbe Kultur hat oder wo die selbe Sprache gesprochen wird wie in meinem Land. Das hieße ja, dass ich jedes deutschsprachige Lied mag und Gott bewahre das ist keinesfalls so! 😉

    Mir ist klar, dass die Zuschauer immer subjektiv voten und das ist auch gut so, aber die Motive für das Voting sind meines Erachtens nach bei vielen die falschen. Es geht um das Lied, da ist es erst mal egal, ob ich den Sänger kenne oder in welcher Sprache es ist, aber viele lassen sich ja geradezu von solchen Sachen blenden. Man kennt das vielleicht von sich selbst, man mag einen Sänger und der hat ein neues Lied, da geht man erst einmal mit gutem Gefühl ans Hören und wenn es nicht so gut ist hadert man erst einmal mit sich und mag nicht glauben, dass es nicht gut ist.

    Die EBU sollte versuchen diesen „Bias“ der Zuschauer zu minimieren. Das ist im Grunde so wie ein Vorurteil, nur eben im positiven Sinn und der Contest ist doch gerade dazu da, um Vorurteile abzubauen und über seinen Kulturkreis hinauszuschauen.

    Das wird sehr mühsam und vielleicht auch unmöglich sein, aber ich halte es für wichtig, dass sich die Zuschauer von solchen Dingen nicht allzu blenden lassen.

    PS: Nochmal zum serbischen Beitrag: Wie ich schon sagte, Sanja ist selbst in Serbien fast unbekannt und das Lied hatte nun wirklich gar nichts, was man mit Serbien verbindet. Also wegen des Liedes hat Serbien keine 12 Punkte von den Nachbarn bekommen..

  9. Ich verstehe Deine Argumentation und gebe Dir, im Großen und Ganzen, auch vollkommen Recht. Allerdings bezweifle ich, dass es für dieses „Problem der Befangenheit“, eine Lösung gibt. Menschen sind ihren Emotionen unterworfen.

    Natürlich ist es nicht „gut“, aber es ist „normal“ und menschlich. So neutral und gerecht, wie die Waltons und Ingalls, wird ein Televoter wohl niemals sein ;).

    Außer Begleitsendungen, in denen die Interpreten näher vorgestellt werden und die Zuschauer so eine gewisse Nähe zu ihnen aufbauen, fällt mir hier nichts ein.

    Deutschland war, bis auf das Phänomen des guten, alten Deutschen Schlagers, von den 1950ern, bis Ende der 1970er, nie ein Land, in dem Musik auf Muttersprache geschätzt wurde. Meist wird im Radio englischsprachige Musik gespielt. Zwar gibt es, in den letzten Jahren endlich wieder einen Trend, auf Deutsch zu singen, aber das ist noch nicht so lange her.

    In Griechenland, Italien, den ex UDSSR Staaten und den ex YU Staaten, wirde stets in der Landessprache gesungen. Letztes Jahr habe ich ein Interview von Bojana Stamenov gelesen. Dort sagte sie, ihr war klar, wenn sie Erfolg auf den Balkan haben will, auf serbokroatisch gesungen werden muss, aber um eventuell ein gutes Ergenis, beim ESC, zu erzielen, eine Interpretation auf Englisch, unter Umständen, vorteilhafter sein könnte. Wir wissen alle, das es in der Türkei, Serbien, Griechenland … nicht gern gesehen wurde, wenn in einer Fremdsprache gesungen wurde.

    Darin ist es auch begründet, dass die Länder hohe Wertungen, aufgrund der selben Sprache, vergeben – es ist gängig in der Landessprache zu singen (sie sind es gewohnt). Wenn sie dann zig Lieder hören, die sie nicht verstehen und ein paar, die sie verstehen, stimmen sie eher für das bekannte. Auch beim Diaspora Voting trifft das wohl zu. Jeder, der mal ein Auslandssemester, im Studium, gemacht hat, weiß, wie schnell man Dinge aus der (alten) Heitat verklärt und vermisst.

    Allerdings muss ich gestehen, dass ich keine Antwort darauf habe, weshalb grundsätzlich „verfeindete Nachbarn“, in ganz Europa, für einander, beim ESC, werten, während das im Falle „D-A-CH“, nicht der Fall ist – selbst wenn der Song gut ist. Weißt Du vielleicht woran das liegt? Ich bin ratlos. Diese Aversion, die uns Österreich und die Schweiz entgegenbringen, ist schon fast krankhaft.

    Rivalität scheidet auf. Die gibt es auch zwischen Schweden und Norwegen, Serbien und Kroatien, Frankreich und Italien … .

    Mir tat Jamie-Lee, bei der Live-Schaltung, zur Reperbahn, richtig leid. Es hat mir fast das Herz gebrochen, das arme Mädchen, so enttäuscht und traurig zu sehen. Der NDR muss umdenken. Als erstes muss der Schreiber endlich weg. Mittlerweile werden ja auch schon Stimmen laut, der NDR müsse das Zepter abgeben. Am meisten nervt mich, dass stets behauptet wird, der Song sei ja sooo guuut gewesen und wir hätten sie mit einer groooßen Mehrheit gewählt. Sie hat gewonnen, weil die Teenies, die sie schon bei „The Voice“ unterstützt hatten, für sie angerufen haben. … und der Song war blass, dröge, eintönig und nichtssagend. Sie hat zwar das Beste aus diesem „Nichts“, von Song rausgeholt, aber das half auch nichts mehr. Wenn da nichts geschieht, läuft das 2017 wieder so.

    Es ist wohl richtig, dass Sanja in Serbien und den anderen Balkanstaaten, kaum bekannt ist und der Song, bis auf die Brigde, mit der Frula, nichts balkanesisches beinhaltet. Insofern müsste man fast meinen, sie hätte wegen ihrer guten Stimme und dem Auftritt, von allen Jugos kollektiv 12 Punkte bekommen ;). … oder sie kannten doch die serbokroatische Fassung des Beitrags. Eines von beiden muss es sein.

  10. Aber gerade heuer gab es doch Punkte aus Österreich und der Schweiz und das, wo der deutsche Song eben nicht sonderlich geistreich war 😉

    Es ist schon alles sehr schwierig und es bleibt natürlich spannend – allerdings finde ich absolut befremdlich, dass es Boss-Hoss nie einzeln gibt, DAS hat mich an der Zusammensetzung der deutschen Jury schon arg „gestört“ – ist das repräsentativ?

    Egal ob por- oder contra Jury – die Zusammensetzung und das einzelne Werten ist sehr auffällig (Dänemark’s Jurywertung für Australien: 1 Juror wertet runter und es gibt direkt 2 Punkte weniger; oder die Gleichheit seit Jahren auch der deutschen Jury – dieses Jahr für Israel 2-1-1-1-1 – vor 2 Jahren für Dänemark 1-1-1-1-1 und das wo die Songs auch künstlerisch sehr weit auseinanderliegen.

  11. Gerade wegen der Befangenheit der Zuschauer, die man nie gänzlich abschaffen kann (was ja auch ok ist) halte ich für Juries als „objektives Korrektiv“ – leider – noch angebracht. Aber klar, die aktuelle Zusammensetzung ist nicht dafür geeignet.

    Bei Jamie-Lee habe ich mich schon von Anfang an gefragt, warum sie mitmacht. Gerade erst The Voice gewonnen, da will oder sollte man doch erst einmal diese Erfolgswelle ausnutzen, bevor man sich einem ganz anderen Projekt widmet.
    Man konnte bei ihren Kommentaren auf der Reeperbahn ja rausklingen hören, dass sie mitmacht, um international bekannt zu werden und Kontakte zu knüpfen. Meiner Meinung nach ist hierfür der ESC aber nicht geeignet. Das war ein kapitaler Fehler zu glauben, dass sie das selbe Publikum beim ESC erreicht wie bei The Voice. Der ESC ist ein kleiner mehr oder weniger geschlossener Kosmos, zur dauerhaften Berühmtheit gelangen nur wenige und die, die es geschafft haben, sind auch schon lange dabei (ABBA, Celine Dion..). Auch Überfliegerin Loreen ist aktuell international nicht mehr präsent.

    Das meine ich auch mit Imageproblem. Das ESC-Publikum ist im Grunde nicht das selbe, welches für die offiziellen Single-Charts repräsentativ ist. Klar, es gibt bei einigen Liedern Überschneidungen, aber der ESC ist alles andere als repräsentativ für die aktuelle Entwicklung in der europäischen Musikindustrie (und war es wohl auch nie). Das ist auch der Grund, warum uns manchmal die Ergebnisse merkwürdig vorkommen, denn die, die tatsächlich abstimmen sind ESC-affine Menschen (die sowieso schräg drauf sind 😉 ) und eben viel Diaspora, was nicht schlimm wäre, wenn die Proportionen der Anrufe die tatsächlichen Anteile in einem Land wiederspiegeln würden.

    Man könnte sich Stunden über solche Sachen unterhalten, aber letztlich ist man nur frustriert, weil man weiß, dass die EBU eher schlecht als recht (wenn überhaupt!) etwas ändern wird…

  12. @Rainer: Das hat mich dieses Jahr besonders gestört. Alle Welt lästert über alle möglichen Seltsamkeiten in den Juryvotings diverser Länder (Armenien vs Aserbaidschan), aber dass die deutsche Jury aus fünf Musikern bestand, davon zwei aus der gleichen Band, ist so in Ordnung? Gab es nicht mal eine Vorgabe der EBU, dass die Jury ein Querschnitt durch musikalische Professionen sein sollte? Ich fände eine solche Vorgabe durchaus sinnvoll – die Musikszene besteht eben nicht nur aus den Leuten an den Instrumenten und hinter dem Mikrofon. Plattenunternehmer, Musikprofessoren, Musiklehrer, Gesangslehrer, Tänzer, Komponisten, Texter…es gäbe so viele Möglichkeiten, das diverser zu gestalten. Und das sollte es eigentlich sein, sonst verlieren die Jurys wirklich ihre Existenzberechtigung. Wenn man sie behalten will, brauchen sie etwas, das sie im positiven Sinne von der Televoter-Masse abhebt, und was soll das sein, wenn nicht Fachkenntnis? (Die natürlich bei so etwas Emotionalem wie Musik wieder eine ganz eigene Frage ist.)

  13. @All

    In der serbischen Jury saß Mari Mari, welche die Background Vocals, für „Goodbye (Shelter)“, auf der Studioaufnahme eingesungen hatte. Bojana Stamenov hatte alle Lieder bereits, auf der Website des OGAE Serbia, öffentlich, zusammen mit anderen Prominenten und Clubmitgliedern bewertet. Slobodan Markovic, der einst Dirigent, in Rom (Brazil … Samba, Rumba, Cha-Cha-Cha) war, hat auch wieder zum fünfhundertsten mal mitgemacht.

    Mir fiel das auf, weil die CD verlost wurde, dann sah ich Mari Mari, unter den Mitwirkenden und dachte, „Jetzt schaue ich mal genau …“ … dann fiel mir noch so manch Anderes auf.

    Die EBU sollte sich da was einfallen lassen. Das alte System, mit 16 Personen, 8 Fachleute, 8 Laien, Männlein, Weiblein, jung und alt … und das Erbenis wäre einigermaßen okay. grundsätzlich finde ich es jedoch gut, dass das Ergebniss 50%/50% ist. Nicht nur wegen dem Korrekiv, sondern schlichtweg, der Spannung wegen.

    Meiner Auffassung nach, muss auch gar nicht der Favorit der Jury, oder der Televoter gewinnen. Es ist völlig okay, wenn jemand gewinnt, der bei beiden solide ankam, aber nicht zwangsläufig die No 1, bei einer der beiden Instanzen war. Aus welchem Grund wäre es gerechter gewesen, wenn jemand gewinnt, der vielleicht, beim Televoting, die 1 war, aber bei der Jury die 6? Oder umgekehrt?

    Was Jamie-Lee angeht. Was weiß das Kind schon. Sie ist gerade einmal 18. Natürlich hätte sie erst einmal ihren Sieg, bei The Voice, auskosten sollen, sich Rang und Namen machen und erst DANN, wenn sie es denn (noch) will, mit einem gut ausgesuchten Song und durchdachten Konzept (Project ESC), beim deutschen Vorentscheid mitmachen sollen.

    So hat man sie überrumpelt und verheizt, wie Brennholz. Natürlich ist es für ein junges Mädchen verlockend, wenn einer sagt, „Komm, ich bringe Dich zum ESC! Ganz Europa, Asien, Ozeanien uuund die USA werden Dich sehen und hören! Du wirst der Next German Fräulein-Superstar!“. Sie tat mir einfach nur leid, als sie noch sagte, „Vielleicht bekomme ich jetzt internationale Angebote“. Klar … wer will, schon mit der Letztplatzierten, vom ESC, kooperieren.

    Der Song war einfach nicht der Richtige, für den ESC. Das kann man morgens, im Radio laufen lassen, während die Bevölkerung zur Arbeit fährt und nur berieselt werden will. Aber der Song bewegt niemanden, er dringt nicht zu einem durch. Auf dem roten Teppich, bei der Eröffnungsfeier, sagte sie ja selbst, zu wiwibloggs, „I had to go with this song. I had no other choice!“. Sie wurde am Tag nach dem The Voice Finale gefragt, ob sie zum Vorentscheid will. Die ARD dachte sich, die gratis Reklame, für den Vorentscheid, könne ja nur gut sein. Das aber das Lied eventuell völlig untauglich ist, haben sie wohl außer Acht gelassen. Der NDR ist, in meinen Augen, schlichtweg unfähig.

    Das sie ernsthaft denken, es könnte am Styling liegen, ist noch lächerlicher. In einer Zeit, in der die Japanische und Koreanische Kultur nach Europa schwappt, hat selbst der hinterletzte Bauer sowas mal in den Medien gesehen und ist kein bisschen verwundert.

    Ich persönlich hätte es begrüßt, wenn Australien gewonnen hätte. Der Song ist weltklasse und auch Charts-tauglich. Das hätte der Reputation des ESC sehr gut getan (Förderung der Produktion von Original-Liedern 😉 ). Bei allem gebührendem Respekt vor dem empfindlichen Thema, das die Ukraine da besingt, aber ich finde den Song total grässlich.

Oder was denkst Du?