Fra­ge an Radio Eri­wan: die Vor­her­sa­ge fürs Fina­le 2016

Die Qua­li­fi­ka­ti­ons­schlach­ten sind geschla­gen, die Wun­den des Ver­lusts von Argo, Dalal & Deen und Kalio­pi sind geleckt, der schwe­di­sche Sen­der SVT hat die Start­rei­hen­fol­ge für das sams­täg­li­che Fina­le hand­ge­schmie­det und dabei – teils unver­meid­lich, teils vor­sätz­lich – dem ein oder ande­ren Land das Mes­ser in den Rücken gerammt bezie­hungs­wei­se den aus­ge­füll­ten Lot­to­schein ins Körb­chen gelegt. Nun gilt es, erneut in die Glas­ku­gel zu schau­en und die Chan­cen zu bewer­ten. Und wäh­rend mein Herz wei­ter­hin für die fan­tas­ti­sche Jama­la und ihr bewe­gen­des ‘1944’ schlägt (sowie für die tol­le Poli Geno­va und den supers­wee­ten Amir) und ich nichts schö­ner fän­de als ein span­nen­des Kopf-an-Kopf-Ren­nen zwi­schen der Ukrai­ne­rin und dem Rus­sen Ser­gey Laza­rev, das sie am Ende knapp für sich ent­schei­det, so fürch­te ich doch, dass es ganz anders aus­geht und die in Ham­burg leben­de Arme­nie­rin Ive­ta Muku­chyan, die sich vor allem durch das Wedeln mit der Flag­ge der umstrit­te­nen Regi­on Berg­ka­ra­bach einen schlech­ten Namen mach­te, mit ihrem Titel ‘Love­Wa­ve’ gewinnt – einem Song und einer Per­for­mance, gegen die tech­nisch nichts ein­zu­wen­den ist, die mich jedoch per­sön­lich kom­plett kalt lässt. Nach­fol­gend, wenn Sie wol­len, die 26 Songs im Ein­zel­nen.

01 Bel­gi­en Lau­ra Tesoro What’s the Pres­su­re

Vom letz­ten Start­platz im zwei­ten Semi zum Show-Ope­ner im Fina­le: die schwe­di­schen Sen­de­ver­ant­wort­li­chen schei­nen dem quir­li­gen Gute-Lau­ne-Song und sei­ner Son­nen­schein-Inter­pre­tin viel zuzu­trau­en. In dem sie den Tanz­flä­cher­fül­ler zu einem Zeit­punkt ver­hei­zen, wo noch nie­mand in Stim­mung ist, gehen aber auch sämt­li­che Chan­cen der Bel­gi­er auf einen Platz im vor­de­ren Tabel­len­drit­tel in Flam­men auf.

Der Song in einem Satz: Fly, Robin, fly, befo­re you bite the Dust (7/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: wenig

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 18

Ergeb­nis: 10 (Tel­e­vo­ting: 17)

02 Tsche­chi­en Gabrie­la Gun­čí­ko­vá I stand

Für die Tsche­chen, bis­lang die offi­zi­ell erfolg­lo­ses­te Euro­vi­si­ons­na­ti­on aller Zei­ten, zählt allei­ne schon, dass sie erst­mals den Final­ein­zug schaff­ten. Dass SVT die hand­werk­lich mus­ter­gül­ti­ge, sehr star­ke Euro­vi­si­ons­bal­la­de auf dem Todes­s­lot zu Gra­be trägt, ist inso­fern ärger­lich, aus Grün­de den Show­kom­po­si­ti­on aber nach­voll­zieh­bar: nach Lau­ras pep­pi­gem Ope­ner bie­tet die hüb­sche, erns­te Gabrie­la den per­fek­ten Kon­trast.

Der Song in einem Satz: Bil­der­buch­bal­la­den gehen halt immer (6/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: wenig

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 24

Ergeb­nis: 25 (Tel­e­vo­ting: 25)

03 Nie­der­lan­de Dou­we Bob Post­hu­ma Slow Down

Es scheint beim Song Con­test wei­ter­hin ein ekla­tan­ter Man­gel an Uptem­po­songs zu herr­schen, wenn sich die Orga­ni­sa­to­ren gezwun­gen sehen, den Zuschauer/innen gleich zwei schnell­wir­ken­de musi­ka­li­sche Schlaf­ta­blet­ten hin­ter­ein­an­der zu ver­pas­sen. Die pein­li­che zehn­se­kün­di­ge Pau­se mit­ten im Song dürf­te so früh am Abend noch mehr für Ver­wir­rung beim Zuschau­er sor­gen.

Der Song in einem Satz: Der Kaf­fee ist fer­tig – da schlaf ich gleich wie­der ein (0/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 14

Ergeb­nis: 11 (Tel­e­vo­ting: 18)

04 Aser­bai­dschan Sam­ra Rahim­li Mira­cle

Wird Sam­ras Backing­stim­me Sah­le­ne (EE 2002), wie schon im Semi, auch dies­mal das Wun­der voll­brin­gen und die stimm­li­che Unpäss­lich­keit der Sän­ge­rin geschickt über­de­cken? Ansons­ten darf sich Sam­ra bei den schwe­di­schen Orga­ni­sa­to­ren für die ver­hält­nis­mä­ßig vor­teil­haf­te Plat­zie­rung ihrer schwe­di­schen Song-Stan­gen­wa­re bedan­ken: nach den zwei vor­an­ge­gan­ge­nen Schnarch­lie­dern ist man für etwas Flot­te­res der­ar­tig dank­bar, dass man über die kom­po­si­to­ri­schen Schwä­chen hin­weg sieht. Gegen­über Erz­ri­va­le Arme­ni­en hat Sam­ra jedoch die Arsch­kar­te gezo­gen.

Der Song in einem Wort: Kat­zen­gold (0/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: Höl­le, ja.

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 8

Ergeb­nis: 17 (Tel­e­vo­ting: 12)

05 Ungarn Fred­die Pioneer

Auch im Fal­le des hüb­schen Ungarn mit der hei­se­ren Stim­me und den Augen, in denen man sich für immer ver­lie­ren möch­te, grol­le ich den Schwe­den, dass sie ihn im Todes­feld der ers­ten Sechs ver­ste­cken, die eigent­lich auch gar nicht anzu­tre­ten bräuch­ten, weil sich die Zuschau­er nach 26 Songs (und dem ein oder ande­ren alko­ho­li­schen Getränk) nicht mehr dar­an erin­nern, was sie da vor gefühlt einem hal­ben Tag mal gese­hen haben. Das gilt um so mehr für Bei­trä­ge, die auf ihre musi­ka­li­sche Qua­li­tät set­zen und kei­ne Gim­micks bie­ten, die im Gedächt­nis hän­gen blei­ben. Ein biss­chen gewinnt er aber auch dadurch, direkt hin­ter so einem Bil­lig­quark wie Aser­bai­dschan zu kom­men.

Der Song in einem Satz: Schau mir in die Augen, Klei­ner (11/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: mode­rat

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 12

Ergeb­nis: 19 (Tel­e­vo­ting: 14)

06 Ita­li­en Fran­ce­s­ca Miche­li­en No Degree of Sepa­ra­ti­on

This is, um mit den Bri­ten zu spre­chen, pis­sing all over Austria’s Chips. Oder auf deutsch: das könn­te Zoë ein paar Punk­te kos­ten. Fran­ce­s­ca hat sich für die Gla­mour­va­ri­an­te einer Latz­ho­se für die Gar­ten­ar­beit ent­schie­den und das hal­be Plas­tik­blu­men­sor­ti­ment von Depot auf die Büh­ne gestellt. Sie grinst auch nicht so imper­ti­nent wie ihre öster­rei­chi­sche Kon­kur­ren­tin und wirkt dadurch natür­li­cher. Selbst der Sprach­wech­sel im letz­ten Refrain funk­tio­niert. Nur die Andie­nung einer ange­brü­te­ten Apri­ko­se ganz am Schluss irri­tiert. Das ist doch Ita­li­en, nicht Arme­ni­en! Ins­ge­samt ist an so frü­her Stel­le im Line-up kein Top-Ten-Platz zu ern­ten.

Der Song in einem Satz: Apri­cot Stone, I will drop it down (3/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: kaum

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 13

Ergeb­nis: 16 (Tel­e­vo­ting: 18)

07 Isra­el Hovi Star Made of Stars

Natür­lich freue ich mich, mei­ne Lieb­lings­di­va des aktu­el­len Jahr­gangs im Fina­le zu sehen. Ande­rer­seits ist ‘Made of Stars’ (von dem ich immer noch fin­de, dass die elek­tro­las­ti­ge Vor­ent­schei­dungs­ver­si­on deut­lich bes­ser klang als die Pia­no­ver­si­on, mit der Hovi antritt) eines der ver­zicht­bars­ten Lie­der, wel­che die Qua­li­fi­ka­ti­on geschafft haben: es ist echt nett, aber es wür­de auch nicht feh­len, wenn es nicht da wäre. Als lang­sams­tes von drei auf­ein­an­der­fol­gen­den, eher ruhi­ge­ren Stü­cken trägt es an die­ser Stel­le des Abends auch nicht unbe­dingt zur Stim­mungs­auf­hel­lung bei. Das wird den Israe­li Stim­men kos­ten.

Der Song in einem Satz: Dra­ma­ti­sches von der tol­len Tun­te mit der Les­ben­fri­sur (5/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 22

Ergeb­nis: 14 (Tel­e­vo­ting: 21)

08 Bul­ga­ri­en Poli Geno­vi If Love was a Crime

Wie zu lesen waren, soll es mit dem Illu­mi­nie­ren der Ver­kehrs­pfei­le auf Polis Dress bei den Pro­ben zum Fina­le nicht immer geklappt haben. Vor­schlag: lass sie ganz aus, das zieht den ins­ge­samt fan­tas­ti­schen Bei­trag näm­lich eher ein Stück her­un­ter und lässt ihn bil­li­ger aus­se­hen, als er ist. Als ers­ter Uptem­po­song nach einer län­ge­ren Bal­la­den­durst­stre­cke gewinnt ‘I’m a Loo­fa’ deut­lich: in einer gerech­ten Welt wür­de Poli um den Sieg mit­spie­len, aber das wer­den die dia­bo­li­schen Jurys zu ver­hin­dern wis­sen. Auf jeden Fall soll­ten die bis­lang nicht gera­de erfolgs­ver­wöhn­ten Bul­ga­ren ihre bis­he­ri­ge Best­plat­zie­rung top­pen.

Der Song in einem Satz: die nächs­te CSD-Hym­ne ist gefun­den (16/24 Punk­ten)!

Dia­spor­a­power: mäßig

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: Hass

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 4

Ergeb­nis: 4 (Tel­e­vo­ting: 5)

09 Schwe­den Frans Jepps­sen-Wall If I were sor­ry

Der Heim­bei­trag, so leid es mir tut, das sagen zu müs­sen, gehört zu jenen Songs, die deut­lich gewin­nen, wenn man sie nur hört, statt sie zu sehen. Die Num­mer ist ein ech­ter Ohr­wurm, der Inter­pret indes wirkt, als stün­de er unter Vali­um. Er ver­sprüht soviel Lebens­freu­de und Sym­pa­thie wie Alex­an­der Dob­rindt, und das Ein­blen­den der Key­wor­ds sei­nes mäßig intel­li­gen­ten Song­tex­tes auf dem Büh­nen­hin­ter­grund macht alles nur noch schlim­mer. Im Anschluss an Publi­kums­lieb­ling Poli ver­liert die schwe­di­sche Tran­tü­te noch mal ein paar Punk­te, was er ver­schmer­zen kann, da er alle skan­di­na­vi­schen 12 Points ein­sam­meln wird. Zum Dop­pel­sieg reicht das aber nicht.

Der Song in einem Satz: das wird Dir noch leid tun (8/24 Punk­ten)!

Dia­spor­a­power: sehr stark, durch das Aus­schei­den aller ande­ren Skan­dis

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 19

Ergeb­nis: 5 (Tel­e­vo­ting: 6)

10 Deutsch­land Jamie-Lee Krie­witz Ghost

Einen unvor­teil­haf­te­ren Start­platz hät­ten wir kaum erwi­schen kön­nen. Kommt Frans schon als leben­de Schlaf­ta­blet­te daher, wirkt Jamie-Lee auf dem Fried­hof der toten Bäu­me noch­mal ein paar Schat­tie­run­gen leb­lo­ser. Und gegen das drö­ge ‘Ghost’ ist ‘If I were sor­ry’ im Ver­gleich gera­de­zu ein Tech­no­klas­si­ker. Ich möch­te nicht unken, aber wir soll­ten uns schon mal auf ein wei­te­ren letz­ten Platz ein­stel­len.

Der Song in einem Satz: Die Eis­be­cher-Kopf­de­ko­ra­ti­on hilft lei­der auch nicht mehr (0/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 26

Ergeb­nis: 26 (Tel­e­vo­ting: 22)

11 Frank­reich Amir Had­dad J’ai cher­ché

Gott sei Dank kommt nach den bei­den Depres­si­ons­lie­dern der schö­ne Fran­zo­se, um uns aus dem kol­lek­ti­ven Tief­schlaf zu rei­ßen. Allei­ne dafür und für das herr­lichs­te Laus­bub­grin­sen aller Zei­ten soll­te ihm der Sieg zuste­hen. Doch lei­der ver­geigt Amir die Prä­sen­ta­ti­on: so sehr ich nur Augen für ihn habe, so wenig füllt er allei­ne die Büh­ne.

Der Song in einem Satz: cher­che non plus, je suis ici (20/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 6

Ergeb­nis: 6 (Tel­e­vo­ting: 9)

12 Polen Mich­ał Szpak The Color of your Life

Ich habe immer noch kei­ne Erklä­rung dafür, wie es Kapi­tän Szpak Spar­row ins Fina­le schaf­fen konn­te, außer dem Dia­spo­ra-Voting. Davon dürf­te Mich­ał auch im Fina­le pro­fi­tie­ren, weni­ger jedoch vom Start­platz direkt zwi­schen Frank­reich und dem atem­be­rau­ben­den Auf­tritt Aus­tra­li­ens, gegen den sein Musi­cal-Kitsch noch mal pom­pö­ser und alt­mo­di­scher wirkt, als er schon ist.

Der Song in einem Satz: Die Lehr­buch­de­fi­ni­ti­on eines Songrie­mens (0/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: Höl­le, ja

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 21

Ergeb­nis: 8 (Tel­e­vo­ting: 3)

13 Aus­tra­li­en Dami Im Sound of Silence

Das Vor­zei­ge­bei­spiel eines sieg­rei­chen Cas­ting­show-Auf­tritts. Alles an ‘Sound of Silence’ ist auf Show gebürs­tet, ihr Lied weni­ger ein Pop­stück, das eine Geschich­te erzäh­len möch­te, son­dern eine Hoch­glanz-Bewer­bungs­map­pe, die als Grund­stock für stimm­li­che Show­ef­fek­te dient. Wür­de Frau Muku­chyan aus Arme­ni­en nicht das­sel­be Spiel betrei­ben, aller­dings auf einem deut­lich güns­ti­ge­ren Start­platz, könn­te Dami gewin­nen. So zieht sie den Kür­ze­ren.

Der Song in einem Wort: Stre­be­rin (0/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ein biss­chen

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 5

Ergeb­nis: 2 (Jury­sie­ge­rin, Tel­e­vo­ting: 4)

14 Zypern Minus One Alter Ego

Zwei Rock­songs schaff­ten es ins Fina­le, an bei­den sind schwe­di­sche Kom­po­nis­ten betei­ligt, und die­ser ist der schla­ger­haf­te­re von ihnen. Klau­en die spä­ter star­ten­den Geor­gi­er, die zudem mit einer visu­ell deut­lich ein­präg­sa­me­ren Prä­sen­ta­ti­on reüs­sie­ren, den Zyprio­ten also die Punk­te? Glau­be ich nicht: bei­de Songs spre­chen ein jeweils ande­res Spek­trum an Fans an.

Der Song in einem Satz: Das Schla­ger­schaf im Wolfs­pelz (4/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: ja, anstel­le Grie­chen­lands

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 9

Ergeb­nis: 21 (Tel­e­vo­ting: 15)

15 Ser­bi­en San­ja Vučić Good­bye (Shel­ter)

Das muss man SVT las­sen: zumin­dest in die­sen Brei­ten­gra­den schaf­fen sie es, musi­ka­li­sche Abwechs­lung zu prä­sen­tie­ren. San­jas Num­mer ver­packt ein wich­ti­ges The­ma – Gewalt in Bezie­hun­gen – in eine Power­bal­la­de mit packen­der Prä­sen­ta­ti­on. Man möch­te es mögen, aber irgend­wie strengt ‘Good­bye’ doch eher an. Das wird das Lied sein, das jeder irgend­wie gut fin­det, aber für das dann doch kei­ner anruft. Bis auf die Bal­kan-Dia­spo­ra.

Der Song in einem Satz: Ne Bos­na Kavi­ar (0/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: ja

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 17

Ergeb­nis: 18 (Tel­e­vo­ting: 11)

16 Litau­en Don­ny Montell I’ve been wai­ting for this Night

Die Fra­ge ist: emp­fin­det man Don­nys ober­fläch­li­chen Pop­song sowie sei­ne Dau­er­wel­le und sei­ne alber­nen Pirou­et­ten nach der Düs­ter­keit des ser­bi­schen Songs als erhol­sam oder hohl? Ich fürch­te, die meis­ten Zuschau­er (und noch mehr die Juro­ren) wer­den der zwei­ten Betrach­tungs­wei­se zunei­gen, zumal auch der nächs­te Song ihn über­schat­tet.

Der Song in einem Satz: Du magst auf die­se Nacht gewar­tet haben, sie aber nicht auf Dich (2/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: Hass

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 23

Ergeb­nis: 9 (Tel­e­vo­ting: 10)

17 Kroa­ti­en Nina Kral­jić Light­house

Ich bin ja immer noch unent­schei­den, ob Ninas Bar­ba­ra-Dex-Out­fit ihr Stim­men bringt (weil sie visu­ell im Gedächt­nis bleibt) oder sie wel­che kos­tet (weil es ihren Song der Lächer­lich­keit preis­gibt). Ver­mut­lich bei­des.

Der Song in einem Satz: Auch unter einem häss­li­chen Kleid kann ein gutes Lied ste­cken (1/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: ja

Pro­fi­tiert vom Start­platz: weder noch

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 10

Ergeb­nis: 23 (Tel­e­vo­ting: 16)

18 Russ­land Ser­gey Laza­rev You are the only One

Die Schwe­den wol­len schon nicht, dass Russ­land gewinnt. Unter den Start­po­si­tio­nen in der (bes­se­ren) zwei­ten Hälf­te, die der glück­li­che Ser­gey zog, ist das eine der schlech­te­ren. Und nach Ninas Qua­li­täts­bal­la­de wirkt der eher alt­mo­di­sche Euro­vi­si­ons­schla­ger aus der Feder von Kir­ko­rov noch etwas ober­fläch­li­cher. Es soll­te mich nicht wun­dern, wenn er den­noch gewinnt, und es wäre berech­tigt. Aber Arme­ni­ens Cho­reo­gra­fie wirkt – bei allem tech­ni­schen Zau­ber – doch irgend­wie stim­mi­ger.

Der Song in einem Satz: komm, Sehr­gay, das ver­sprichst Du doch allen (13/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: ja

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: Hass

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 2

Ergeb­nis: 3 (Tel­e­vo­ting: 1)

19 Spa­ni­en Barei Say yay!

Die Schwe­den haben schon was gegen die Big Five, das ist sehr offen­sicht­lich. Direkt im Anschluss an das rus­si­sche High-Tech-Spek­ta­kel wirkt Bareis Schuh-Shuf­f­le-Tanz mit dem ein­ge­bau­ten Sturz (ob sich das jedem Zuschau­er erschließt?) etwas, wie soll ich sagen, min­der. Und war­um man gleich zwei Uptem­po­stü­cke am Stück ver­bal­lert, leuch­tet mir nicht ein. Spa­ni­en wird auch heu­er wie­der, wie immer, min­des­tens zehn Plät­ze zu schlecht abschnei­den.

Der Song in einem Satz: ich sage ja (15/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: Höl­le, nein

Jury: Hass

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 20

Ergeb­nis: 22 (Tel­e­vo­ting: 23)

20 Lett­land Justs Sir­mais Heart­beat

Auch wenn ‘Heart­beat’ eine Bal­la­de ist, bleibt der Ener­gie­le­vel hoch. Hier wirkt die eher schlich­te Prä­sen­ta­ti­on ehr­lich und pas­send. Ein wei­te­rer Sarg­na­gel für Spa­ni­en, ohne dass Justs selbst davon pro­fi­tie­ren wird. Denn bis zur Abstim­mung hat man das blas­se Jün­gel­chen trotz­dem wie­der ver­ges­sen.

Der Song in einem Satz: Ami­na­ta (LV 2015) schreibt jetzt bit­te jedes Jahr den let­ti­schen Bei­trag, okay? (14/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nicht so

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 16

Ergeb­nis: 15 (Tel­e­vo­ting: 13)

21 Ukrai­ne Jama­la 1944

Auch nicht gera­de eine berau­schen­de Idee, das sehr düs­te­re ‘1944’, mei­nen per­sön­li­chen Lieb­lings­ti­tel, hin­ter das eben­falls eher düs­te­re, aber ener­ge­ti­sche­re ‘Heart­beat’ zu packen. Ein Titel, der teilt: die einen (wie mich) berührt er tief und sorgt für Gän­se­haut und das ein oder ande­re Trän­chen, den ande­ren geht er auf den Keks. Gott sei Dank kön­nen ja nur ers­te­re anru­fen. In einer gerech­ten Welt wür­de Jama­la sie­gen, aber das haben die Schwe­den effek­tiv ver­hin­dert.

Der Song in einem Satz: nie­mand lei­det so schön wie die Bos­ni­er™ Krim-Tar­ta­ren (24/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: ein wenig

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nicht so

Jury: Lie­be, sonst Haue

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 3

Ergeb­nis: 1 (Tel­e­vo­ting: 2)

22 Mal­ta Ira Losco Walk on Water

Grrrr. Hin­ter Jama­la pro­fi­tiert jeder eher kon­ven­tio­nell gestrick­te Song, weil er als Ver­söh­nungs­an­ge­bot für alle fun­giert, die der ukrai­ni­sche Bei­trag ver­stört hat. Und dann muss man die­sen Pre­mi­um­platz aus­ge­rech­net an die Losco geben, die eh nicht im Fina­le sein soll­te? Hier hät­tet ihr Barei hin­pa­cken sol­len, ihr Flitz­pie­pen!

Der Song in einem Satz: Wel­cher Song? Das sind ja meh­re­re. (0/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: Lie­be

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 15

Ergeb­nis: 12 (Tel­e­vo­ting: 20)

23 Geor­gi­en Nika Koch­arov + Young Geor­gi­an Loli­taz Mid­ni­ght Gold

Eine der größ­ten Über­ra­schun­gen des Semis, gehört Britrock sonst eher nicht so zu den beim Grand Prix gou­tier­ten Spiel­rich­tun­gen. Aber Song und Prä­sen­ta­ti­on über­zeu­gen ein­fach sehr. Im Ver­gleich zur öden Kon­ven­tio­na­li­tät des mal­te­si­schen Ange­bo­tes um so mehr.

Der Song in einem Satz: Macht ein biss­chen schwind­lig, aber auf die gute Art. (12/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: wenig

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: Hass

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 7

Ergeb­nis: 20 (Tel­e­vo­ting: 19)

24 Öster­reich Zoë Straub Loin d’ici

Bal­sam für alle, die sich bei der geor­gi­schen Atta­cke auf alle Sin­ne hin­ter der Couch ver­ste­cken muss­ten, bie­tet die zucker­sü­ße Zoë und ihr zucker­sü­ßes Lied. Aller­dings könn­te es an die­ser Stel­le etwas zu dia­be­tes-indu­zie­rend wir­ken, und sowohl Frank­reich wie Ita­li­en wer­den sie Stim­men kos­ten, fürch­te ich.

Der Song in einem Satz: Eine Minu­te weni­ger hät­te es auch getan (9/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: ja

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 11

Ergeb­nis: 13 (Tel­e­vo­ting: 8)

25 Groß­bri­tan­ni­en Joe & Jake You’re not alo­ne

Vom süßes­ten Gefrier­lä­cheln zum süßes­ten Ober­lip­pen­flaum: das bri­ti­sche Bare­ly-Legal-Duo und ihr süßes Geheim­nis gehö­ren zu mei­nen Favo­ri­ten, pro­fi­tie­ren aber nicht gera­de davon, zwi­schen einen ähn­lich nied­li­chen Bei­trag und dem größ­ten audio­vi­su­el­len Kra­cher des Abends gequetscht zu sein, gegen den sie etwas ama­teur­haft wir­ken. Ich sag ja, die Schwe­den haben was gegen die Big Five.

Der Song in einem Satz: Kommt, wir wis­sen es doch alle (10/24 Punk­ten)!

Dia­spor­a­power: nein

Pro­fi­tiert vom Start­platz: nein

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 25

Ergeb­nis: 24 (Tel­e­vo­ting: 24)

26 Arme­ni­en Ive­ta Muku­chyan Love­Wa­ve

Dafür, dass die EBU die arme­ni­sche Dele­ga­ti­on noch am Mitt­woch wegen des Flag­gen-Zwi­schen­falls maß­re­gel­te, ser­viert ihnen Chris­ter nun ihren Sieg auf dem Sil­ber­ta­blett. Ive­ta fin­det über­all das rich­ti­ge Maß: ihre Holo­gram­me beein­dru­cken, ohne über­trie­ben zu wir­ken. Out­fit und Prä­sen­ta­ti­on sind sexy, aber nicht bil­lig. Kame­ra und Schnitt machen aus einem sta­ti­schen Auf­tritt ein visu­el­les Fest, ohne in über­trie­be­ne Hek­tik zu ver­fal­len. Ihr Song klingt modern, ohne zu ner­ven (mich lässt er kalt, aber ich kann ihm sei­ne Qua­li­tät nicht abspre­chen). Als letz­ter Bei­trag des Abends bleibt sie natür­lich im beson­de­ren Maße im Gedächt­nis hän­gen. So lan­ge sie nicht noch mal die Kara­bach-Fah­ne wedelt, soll­te sie den Sieg in der Tasche haben. Lei­der.

Der Song in einem Satz: Ich fühl da nix (0/24 Punk­ten).

Dia­spor­a­power: Höl­le, und wie!

Pro­fi­tiert vom Start­platz: Höl­le, und wie!

Jury: neu­tral

Vor­her­ge­sag­ter Platz: 1

Ergeb­nis: 7 (Tel­e­vo­ting: 7)

Also dann (seufz), Jere­wan 2017! Mal schau­en, ob Aser­bai­dschan dabei ist…

aufrechtgehn.de-Wertung und Vor­her­sa­ge für das ESC Fina­le 2016

Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 – Fina­le. Sams­tag, 14. Mai 2016, aus dem Glo­ben in Stock­holm, Schwe­den. 26 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Petra Mede + Måns Zelmerlöw.
#LKInter­pretTitela: Platza: Vor­her­sa­gePl
01BELau­ra TesoroWhat’s the Pres­su­re121810
02CZGabrie­la Gun­čí­ko­váI stand132425
03NLDou­we Bob Post­hu­maSlow Down261411
04AZSam­ra Rahim­liMira­cle210817
05HUFred­diePioneer081219
06ITFran­ce­s­ca Michie­linNo Degree of Sepa­ra­ti­on161316
07ILHovi StarMade of Stars142214
08BGPoli Geno­vaIf Love was a Crime030404
09SEFrans Jepps­son WallIf I were sor­ry111905
10DEJamie-Lee Krie­witzGhost202626
11FRAmir Had­dadJ’ai cher­ché020606
12PLMich­ał SzpakColor of your Life222108
13AUDami ImSound of Silence2405 02
14CYMinus OneAlter Ego150922
15RSSan­ja VučićGood­bye (Shel­ter)231718
16LTDon­ny MontellI’ve been wai­ting for this Night172309
17HRNina Kral­jićLight­house181023
18RUSer­gey Laza­revYou are the only One060203
19ESBareiSay yay!042022
20LVJusts Sir­maisHeart­beat051615
21UAJama­la19440103 01
22MTIra LoscoWalk on Water251512
23GENika Koch­arev + Young Geor­gi­an Loli­tazMid­ni­ght Gold070720
24ATZoë StraubLoin d’ici101113
25UKJoe & JakeYou’re not alo­ne092524
26AMIve­ta Muku­chyanLove­Wa­ve190107

4 Gedanken zu “Fra­ge an Radio Eri­wan: die Vor­her­sa­ge fürs Fina­le 2016

  1. Wann hat denn letzt­ma­lig die letz­te Start­num­mer gewon­nen? So häu­fig ist das doch auch nicht. Gut, letz­tes Jahr die Ita­lie­ner das Tel­e­vo­ting, aber sonst kamen die Gesamt­sie­ger der letz­ten Jah­re doch immer eher aus dem letz­ten Drit­tel der ers­ten oder dem zwei­ten Drit­tel der zwei­ten Hälf­te. Und Love­wa­ve mag visu­ell beein­dru­ckend sein, musi­ka­lisch dürf­ten es aber vie­le zu anstren­gend fin­den. Ich will den Sieg nicht aus­schlie­ßen – das kann ich die­ses Jahr bei vie­len nicht – aber so sicher sehe ich das noch nicht.

  2. Natür­lich ent­schei­det nicht die Start­rei­hen­fol­ge allein, und der letz­te Start­platz garan­tiert nicht auto­ma­tisch den Sieg. Man muss schon auch einen guten Song und eine über­zeu­gen­de Per­for­mance haben. Ich schlie­ße auch nicht aus, dass Russ­land gewinnt, oder Aus­tra­li­en, oder die Ukrai­ne, oder Frank­reich (bei den letz­ten Bei­den zuge­ge­be­ner­ma­ßen eher Wunsch­den­ken). Ich den­ke nur, je offe­ner der Jahr­gang und je mehr poten­ti­el­le Sie­ger, um so wich­ti­ger der Start­platz. Bei Alex­an­der Rybak war das egal – der war ja prak­tisch kon­kur­renz­los und hät­te auch von Start­platz 2 aus gewon­nen, genau so wie Lore­en.
    Mir ist Love­Wa­ve übri­gens auch zu anstren­gend, ich mag es gar nicht, und ich wür­de mich freu­en, wenn ich mich irre.

  3. Ich bin genervt von der Über­tra­gung. Habe schon spä­ter ein­ge­schal­tet und dann die unqua­li­fi­zier­ten, wirk­lich dum­men Kom­men­ta­re von Herrn Urban, die ein­fach nur pein­lich sind.….
    Da soll­te man wirk­lich mal nach­den­ken, etwas zu ändern und ihm nicht noch den Ren­ten­stand ver­sü­ßen. Wir sehen ja grad ganz deut­lich, wie sehr vie­le, vie­le jun­ge und sehr jun­ge Kom­men­ta­to­ren bzw. Punk­te­an­sa­ger der ver­schie­de­nen Län­der dem gan­zen Event eine fri­sche­re Rich­tung geben. Das ist schon toll. Aller­dings soll­te man bei aller Locker­heit und Cool­ness nicht ver­ges­sen, dass es trotz­dem sehr befremd­lich und unhöf­lich wirkt, wenn die­se jun­gen Her­ren zwar mit Kra­vat­te, aber doch mit den Hän­den in den Hosen­ta­schen vor der Kame­ra ste­hen. So gesche­hen in Mal­ta und Grie­chen­land. Viel­leicht bin ich da zu alt­mo­disch, trotz­dem fand ich es unpas­send und stö­rend. Die tol­len jun­gen Frau­en
    zei­gen sich in wun­der­schö­nen Klei­dern und dann steht dane­ben so ein Fle­gel.
    Alles in allem war es heu­te ziem­lich unspek­ta­ku­lär und ein wenig lahm. Mal schau­en, ob ich da nächs­tes Jahr noch mal Lust habe. Momen­tan wohl eher nicht.

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