Frage an Radio Eriwan: die Vorhersage fürs Finale 2016

Die Qualifikationsschlachten sind geschlagen, die Wunden des Verlusts von Argo, Dalal & Deen und Kaliopi sind geleckt, der schwedische Sender SVT hat die Startreihenfolge für das samstägliche Finale handgeschmiedet und dabei – teils unvermeidlich, teils vorsätzlich – dem ein oder anderen Land das Messer in den Rücken gerammt beziehungsweise den ausgefüllten Lottoschein ins Körbchen gelegt. Nun gilt es, erneut in die Glaskugel zu schauen und die Chancen zu bewerten. Und während mein Herz weiterhin für die fantastische Jamala und ihr bewegendes ‚1944‘ schlägt (sowie für die tolle Poli Genova und den supersweeten Amir) und ich nichts schöner fände als ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Ukrainerin und dem Russen Sergey Lazarev, das sie am Ende knapp für sich entscheidet, so fürchte ich doch, dass es ganz anders ausgeht und die in Hamburg lebende Armenierin Iveta Mukuchyan, die sich vor allem durch das Wedeln mit der Flagge der umstrittenen Region Bergkarabach einen schlechten Namen machte, mit ihrem Titel ‚LoveWave‘ gewinnt – einem Song und einer Performance, gegen die technisch nichts einzuwenden ist, die mich jedoch persönlich komplett kalt lässt. Nachfolgend, wenn Sie wollen, die 26 Songs im Einzelnen.

01 Belgien Laura Tesoro What’s the Pressure

Vom letzten Startplatz im zweiten Semi zum Show-Opener im Finale: die schwedischen Sendeverantwortlichen scheinen dem quirligen Gute-Laune-Song und seiner Sonnenschein-Interpretin viel zuzutrauen. In dem sie den Tanzflächerfüller zu einem Zeitpunkt verheizen, wo noch niemand in Stimmung ist, gehen aber auch sämtliche Chancen der Belgier auf einen Platz im vorderen Tabellendrittel in Flammen auf.

Der Song in einem Satz: Fly, Robin, fly, before you bite the Dust (7/24 Punkten).

Diasporapower: wenig

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 18

Ergebnis: 10 (Televoting: 17)

02 Tschechien Gabriela Gunčíková I stand

Für die Tschechen, bislang die offiziell erfolgloseste Eurovisionsnation aller Zeiten, zählt alleine schon, dass sie erstmals den Finaleinzug schafften. Dass SVT die handwerklich mustergültige, sehr starke Eurovisionsballade auf dem Todesslot zu Grabe trägt, ist insofern ärgerlich, aus Gründe den Showkomposition aber nachvollziehbar: nach Lauras peppigem Opener bietet die hübsche, ernste Gabriela den perfekten Kontrast.

Der Song in einem Satz: Bilderbuchballaden gehen halt immer (6/24 Punkten).

Diasporapower: wenig

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 24

Ergebnis: 25 (Televoting: 25)

03 Niederlande Douwe Bob Posthuma Slow Down

Es scheint beim Song Contest weiterhin ein eklatanter Mangel an Uptemposongs zu herrschen, wenn sich die Organisatoren gezwungen sehen, den Zuschauer/innen gleich zwei schnellwirkende musikalische Schlaftabletten hintereinander zu verpassen. Die peinliche zehnsekündige Pause mitten im Song dürfte so früh am Abend noch mehr für Verwirrung beim Zuschauer sorgen.

Der Song in einem Satz: Der Kaffee ist fertig – da schlaf ich gleich wieder ein (0/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 14

Ergebnis: 11 (Televoting: 18)

04 Aserbaidschan Samra Rahimli Miracle

Wird Samras Backingstimme Sahlene (EE 2002), wie schon im Semi, auch diesmal das Wunder vollbringen und die stimmliche Unpässlichkeit der Sängerin geschickt überdecken? Ansonsten darf sich Samra bei den schwedischen Organisatoren für die verhältnismäßig vorteilhafte Platzierung ihrer schwedischen Song-Stangenware bedanken: nach den zwei vorangegangenen Schnarchliedern ist man für etwas Flotteres derartig dankbar, dass man über die kompositorischen Schwächen hinweg sieht. Gegenüber Erzrivale Armenien hat Samra jedoch die Arschkarte gezogen.

Der Song in einem Wort: Katzengold (0/24 Punkten).

Diasporapower: Hölle, ja.

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 8

Ergebnis: 17 (Televoting: 12)

05 Ungarn Freddie Pioneer

Auch im Falle des hübschen Ungarn mit der heiseren Stimme und den Augen, in denen man sich für immer verlieren möchte, grolle ich den Schweden, dass sie ihn im Todesfeld der ersten Sechs verstecken, die eigentlich auch gar nicht anzutreten bräuchten, weil sich die Zuschauer nach 26 Songs (und dem ein oder anderen alkoholischen Getränk) nicht mehr daran erinnern, was sie da vor gefühlt einem halben Tag mal gesehen haben. Das gilt um so mehr für Beiträge, die auf ihre musikalische Qualität setzen und keine Gimmicks bieten, die im Gedächtnis hängen bleiben. Ein bisschen gewinnt er aber auch dadurch, direkt hinter so einem Billigquark wie Aserbaidschan zu kommen.

Der Song in einem Satz: Schau mir in die Augen, Kleiner (11/24 Punkten).

Diasporapower: moderat

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 12

Ergebnis: 19 (Televoting: 14)

06 Italien Francesca Michelien No Degree of Separation

This is, um mit den Briten zu sprechen, pissing all over Austria’s Chips. Oder auf deutsch: das könnte Zoë ein paar Punkte kosten. Francesca hat sich für die Glamourvariante einer Latzhose für die Gartenarbeit entschieden und das halbe Plastikblumensortiment von Depot auf die Bühne gestellt. Sie grinst auch nicht so impertinent wie ihre österreichische Konkurrentin und wirkt dadurch natürlicher. Selbst der Sprachwechsel im letzten Refrain funktioniert. Nur die Andienung einer angebrüteten Aprikose ganz am Schluss irritiert. Das ist doch Italien, nicht Armenien! Insgesamt ist an so früher Stelle im Line-up kein Top-Ten-Platz zu ernten.

Der Song in einem Satz: Apricot Stone, I will drop it down (3/24 Punkten).

Diasporapower: kaum

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 13

Ergebnis: 16 (Televoting: 18)

07 Israel Hovi Star Made of Stars

Natürlich freue ich mich, meine Lieblingsdiva des aktuellen Jahrgangs im Finale zu sehen. Andererseits ist ‚Made of Stars‘ (von dem ich immer noch finde, dass die elektrolastige Vorentscheidungsversion deutlich besser klang als die Pianoversion, mit der Hovi antritt) eines der verzichtbarsten Lieder, welche die Qualifikation geschafft haben: es ist echt nett, aber es würde auch nicht fehlen, wenn es nicht da wäre. Als langsamstes von drei aufeinanderfolgenden, eher ruhigeren Stücken trägt es an dieser Stelle des Abends auch nicht unbedingt zur Stimmungsaufhellung bei. Das wird den Israeli Stimmen kosten.

Der Song in einem Satz: Dramatisches von der tollen Tunte mit der Lesbenfrisur (5/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 22

Ergebnis: 14 (Televoting: 21)

08 Bulgarien Poli Genovi If Love was a Crime

Wie zu lesen waren, soll es mit dem Illuminieren der Verkehrspfeile auf Polis Dress bei den Proben zum Finale nicht immer geklappt haben. Vorschlag: lass sie ganz aus, das zieht den insgesamt fantastischen Beitrag nämlich eher ein Stück herunter und lässt ihn billiger aussehen, als er ist. Als erster Uptemposong nach einer längeren Balladendurststrecke gewinnt ‚I’m a Loofa‘ deutlich: in einer gerechten Welt würde Poli um den Sieg mitspielen, aber das werden die diabolischen Jurys zu verhindern wissen. Auf jeden Fall sollten die bislang nicht gerade erfolgsverwöhnten Bulgaren ihre bisherige Bestplatzierung toppen.

Der Song in einem Satz: die nächste CSD-Hymne ist gefunden (16/24 Punkten)!

Diasporapower: mäßig

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: Hass

Vorhergesagter Platz: 4

Ergebnis: 4 (Televoting: 5)

09 Schweden Frans Jeppssen-Wall If I were sorry

Der Heimbeitrag, so leid es mir tut, das sagen zu müssen, gehört zu jenen Songs, die deutlich gewinnen, wenn man sie nur hört, statt sie zu sehen. Die Nummer ist ein echter Ohrwurm, der Interpret indes wirkt, als stünde er unter Valium. Er versprüht soviel Lebensfreude und Sympathie wie Alexander Dobrindt, und das Einblenden der Keywords seines mäßig intelligenten Songtextes auf dem Bühnenhintergrund macht alles nur noch schlimmer. Im Anschluss an Publikumsliebling Poli verliert die schwedische Trantüte noch mal ein paar Punkte, was er verschmerzen kann, da er alle skandinavischen 12 Points einsammeln wird. Zum Doppelsieg reicht das aber nicht.

Der Song in einem Satz: das wird Dir noch leid tun (8/24 Punkten)!

Diasporapower: sehr stark, durch das Ausscheiden aller anderen Skandis

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 19

Ergebnis: 5 (Televoting: 6)

10 Deutschland Jamie-Lee Kriewitz Ghost

Einen unvorteilhafteren Startplatz hätten wir kaum erwischen können. Kommt Frans schon als lebende Schlaftablette daher, wirkt Jamie-Lee auf dem Friedhof der toten Bäume nochmal ein paar Schattierungen lebloser. Und gegen das dröge ‚Ghost‘ ist ‚If I were sorry‘ im Vergleich geradezu ein Technoklassiker. Ich möchte nicht unken, aber wir sollten uns schon mal auf ein weiteren letzten Platz einstellen.

Der Song in einem Satz: Die Eisbecher-Kopfdekoration hilft leider auch nicht mehr (0/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 26

Ergebnis: 26 (Televoting: 22)

11 Frankreich Amir Haddad J’ai cherché

Gott sei Dank kommt nach den beiden Depressionsliedern der schöne Franzose, um uns aus dem kollektiven Tiefschlaf zu reißen. Alleine dafür und für das herrlichste Lausbubgrinsen aller Zeiten sollte ihm der Sieg zustehen. Doch leider vergeigt Amir die Präsentation: so sehr ich nur Augen für ihn habe, so wenig füllt er alleine die Bühne.

Der Song in einem Satz: cherche non plus, je suis ici (20/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 6

Ergebnis: 6 (Televoting: 9)

12 Polen Michał Szpak The Color of your Life

Ich habe immer noch keine Erklärung dafür, wie es Kapitän Szpak Sparrow ins Finale schaffen konnte, außer dem Diaspora-Voting. Davon dürfte Michał auch im Finale profitieren, weniger jedoch vom Startplatz direkt zwischen Frankreich und dem atemberaubenden Auftritt Australiens, gegen den sein Musical-Kitsch noch mal pompöser und altmodischer wirkt, als er schon ist.

Der Song in einem Satz: Die Lehrbuchdefinition eines Songriemens (0/24 Punkten).

Diasporapower: Hölle, ja

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 21

Ergebnis: 8 (Televoting: 3)

13 Australien Dami Im Sound of Silence

Das Vorzeigebeispiel eines siegreichen Castingshow-Auftritts. Alles an ‚Sound of Silence‘ ist auf Show gebürstet, ihr Lied weniger ein Popstück, das eine Geschichte erzählen möchte, sondern eine Hochglanz-Bewerbungsmappe, die als Grundstock für stimmliche Showeffekte dient. Würde Frau Mukuchyan aus Armenien nicht dasselbe Spiel betreiben, allerdings auf einem deutlich günstigeren Startplatz, könnte Dami gewinnen. So zieht sie den Kürzeren.

Der Song in einem Wort: Streberin (0/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: ein bisschen

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 5

Ergebnis: 2 (Jurysiegerin, Televoting: 4)

14 Zypern Minus One Alter Ego

Zwei Rocksongs schafften es ins Finale, an beiden sind schwedische Komponisten beteiligt, und dieser ist der schlagerhaftere von ihnen. Klauen die später startenden Georgier, die zudem mit einer visuell deutlich einprägsameren Präsentation reüssieren, den Zyprioten also die Punkte? Glaube ich nicht: beide Songs sprechen ein jeweils anderes Spektrum an Fans an.

Der Song in einem Satz: Das Schlagerschaf im Wolfspelz (4/24 Punkten).

Diasporapower: ja, anstelle Griechenlands

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 9

Ergebnis: 21 (Televoting: 15)

15 Serbien Sanja Vučić Goodbye (Shelter)

Das muss man SVT lassen: zumindest in diesen Breitengraden schaffen sie es, musikalische Abwechslung zu präsentieren. Sanjas Nummer verpackt ein wichtiges Thema – Gewalt in Beziehungen – in eine Powerballade mit packender Präsentation. Man möchte es mögen, aber irgendwie strengt ‚Goodbye‘ doch eher an. Das wird das Lied sein, das jeder irgendwie gut findet, aber für das dann doch keiner anruft. Bis auf die Balkan-Diaspora.

Der Song in einem Satz: Ne Bosna Kaviar (0/24 Punkten).

Diasporapower: ja

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 17

Ergebnis: 18 (Televoting: 11)

16 Litauen Donny Montell I’ve been waiting for this Night

Die Frage ist: empfindet man Donnys oberflächlichen Popsong sowie seine Dauerwelle und seine albernen Pirouetten nach der Düsterkeit des serbischen Songs als erholsam oder hohl? Ich fürchte, die meisten Zuschauer (und noch mehr die Juroren) werden der zweiten Betrachtungsweise zuneigen, zumal auch der nächste Song ihn überschattet.

Der Song in einem Satz: Du magst auf diese Nacht gewartet haben, sie aber nicht auf Dich (2/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: Hass

Vorhergesagter Platz: 23

Ergebnis: 9 (Televoting: 10)

17 Kroatien Nina Kraljić Lighthouse

Ich bin ja immer noch unentscheiden, ob Ninas Barbara-Dex-Outfit ihr Stimmen bringt (weil sie visuell im Gedächtnis bleibt) oder sie welche kostet (weil es ihren Song der Lächerlichkeit preisgibt). Vermutlich beides.

Der Song in einem Satz: Auch unter einem hässlichen Kleid kann ein gutes Lied stecken (1/24 Punkten).

Diasporapower: ja

Profitiert vom Startplatz: weder noch

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 10

Ergebnis: 23 (Televoting: 16)

18 Russland Sergey Lazarev You are the only One

Die Schweden wollen schon nicht, dass Russland gewinnt. Unter den Startpositionen in der (besseren) zweiten Hälfte, die der glückliche Sergey zog, ist das eine der schlechteren. Und nach Ninas Qualitätsballade wirkt der eher altmodische Eurovisionsschlager aus der Feder von Kirkorov noch etwas oberflächlicher. Es sollte mich nicht wundern, wenn er dennoch gewinnt, und es wäre berechtigt. Aber Armeniens Choreografie wirkt – bei allem technischen Zauber – doch irgendwie stimmiger.

Der Song in einem Satz: komm, Sehrgay, das versprichst Du doch allen (13/24 Punkten).

Diasporapower: ja

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: Hass

Vorhergesagter Platz: 2

Ergebnis: 3 (Televoting: 1)

19 Spanien Barei Say yay!

Die Schweden haben schon was gegen die Big Five, das ist sehr offensichtlich. Direkt im Anschluss an das russische High-Tech-Spektakel wirkt Bareis Schuh-Shuffle-Tanz mit dem eingebauten Sturz (ob sich das jedem Zuschauer erschließt?) etwas, wie soll ich sagen, minder. Und warum man gleich zwei Uptempostücke am Stück verballert, leuchtet mir nicht ein. Spanien wird auch heuer wieder, wie immer, mindestens zehn Plätze zu schlecht abschneiden.

Der Song in einem Satz: ich sage ja (15/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: Hölle, nein

Jury: Hass

Vorhergesagter Platz: 20

Ergebnis: 22 (Televoting: 23)

20 Lettland Justs Sirmais Heartbeat

Auch wenn ‚Heartbeat‘ eine Ballade ist, bleibt der Energielevel hoch. Hier wirkt die eher schlichte Präsentation ehrlich und passend. Ein weiterer Sargnagel für Spanien, ohne dass Justs selbst davon profitieren wird. Denn bis zur Abstimmung hat man das blasse Jüngelchen trotzdem wieder vergessen.

Der Song in einem Satz: Aminata (LV 2015) schreibt jetzt bitte jedes Jahr den lettischen Beitrag, okay? (14/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: nicht so

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 16

Ergebnis: 15 (Televoting: 13)

21 Ukraine Jamala 1944

Auch nicht gerade eine berauschende Idee, das sehr düstere ‚1944‘, meinen persönlichen Lieblingstitel, hinter das ebenfalls eher düstere, aber energetischere ‚Heartbeat‘ zu packen. Ein Titel, der teilt: die einen (wie mich) berührt er tief und sorgt für Gänsehaut und das ein oder andere Tränchen, den anderen geht er auf den Keks. Gott sei Dank können ja nur erstere anrufen. In einer gerechten Welt würde Jamala siegen, aber das haben die Schweden effektiv verhindert.

Der Song in einem Satz: niemand leidet so schön wie die Bosnier™ Krim-Tartaren (24/24 Punkten).

Diasporapower: ein wenig

Profitiert vom Startplatz: nicht so

Jury: Liebe, sonst Haue

Vorhergesagter Platz: 3

Ergebnis: 1 (Televoting: 2)

22 Malta Ira Losco Walk on Water

Grrrr. Hinter Jamala profitiert jeder eher konventionell gestrickte Song, weil er als Versöhnungsangebot für alle fungiert, die der ukrainische Beitrag verstört hat. Und dann muss man diesen Premiumplatz ausgerechnet an die Losco geben, die eh nicht im Finale sein sollte? Hier hättet ihr Barei hinpacken sollen, ihr Flitzpiepen!

Der Song in einem Satz: Welcher Song? Das sind ja mehrere. (0/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: Liebe

Vorhergesagter Platz: 15

Ergebnis: 12 (Televoting: 20)

23 Georgien Nika Kocharov + Young Georgian Lolitaz Midnight Gold

Eine der größten Überraschungen des Semis, gehört Britrock sonst eher nicht so zu den beim Grand Prix goutierten Spielrichtungen. Aber Song und Präsentation überzeugen einfach sehr. Im Vergleich zur öden Konventionalität des maltesischen Angebotes um so mehr.

Der Song in einem Satz: Macht ein bisschen schwindlig, aber auf die gute Art. (12/24 Punkten).

Diasporapower: wenig

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: Hass

Vorhergesagter Platz: 7

Ergebnis: 20 (Televoting: 19)

24 Österreich Zoë Straub Loin d’ici

Balsam für alle, die sich bei der georgischen Attacke auf alle Sinne hinter der Couch verstecken mussten, bietet die zuckersüße Zoë und ihr zuckersüßes Lied. Allerdings könnte es an dieser Stelle etwas zu diabetes-induzierend wirken, und sowohl Frankreich wie Italien werden sie Stimmen kosten, fürchte ich.

Der Song in einem Satz: Eine Minute weniger hätte es auch getan (9/24 Punkten).

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: ja

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 11

Ergebnis: 13 (Televoting: 8)

25 Großbritannien Joe & Jake You’re not alone

Vom süßesten Gefrierlächeln zum süßesten Oberlippenflaum: das britische Barely-Legal-Duo und ihr süßes Geheimnis gehören zu meinen Favoriten, profitieren aber nicht gerade davon, zwischen einen ähnlich niedlichen Beitrag und dem größten audiovisuellen Kracher des Abends gequetscht zu sein, gegen den sie etwas amateurhaft wirken. Ich sag ja, die Schweden haben was gegen die Big Five.

Der Song in einem Satz: Kommt, wir wissen es doch alle (10/24 Punkten)!

Diasporapower: nein

Profitiert vom Startplatz: nein

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 25

Ergebnis: 24 (Televoting: 24)

26 Armenien Iveta Mukuchyan LoveWave

Dafür, dass die EBU die armenische Delegation noch am Mittwoch wegen des Flaggen-Zwischenfalls maßregelte, serviert ihnen Christer nun ihren Sieg auf dem Silbertablett. Iveta findet überall das richtige Maß: ihre Hologramme beeindrucken, ohne übertrieben zu wirken. Outfit und Präsentation sind sexy, aber nicht billig. Kamera und Schnitt machen aus einem statischen Auftritt ein visuelles Fest, ohne in übertriebene Hektik zu verfallen. Ihr Song klingt modern, ohne zu nerven (mich lässt er kalt, aber ich kann ihm seine Qualität nicht absprechen). Als letzter Beitrag des Abends bleibt sie natürlich im besonderen Maße im Gedächtnis hängen. So lange sie nicht noch mal die Karabach-Fahne wedelt, sollte sie den Sieg in der Tasche haben. Leider.

Der Song in einem Satz: Ich fühl da nix (0/24 Punkten).

Diasporapower: Hölle, und wie!

Profitiert vom Startplatz: Hölle, und wie!

Jury: neutral

Vorhergesagter Platz: 1

Ergebnis: 7 (Televoting: 7)

Also dann (seufz), Jerewan 2017! Mal schauen, ob Aserbaidschan dabei ist…

aufrechtgehn.de-Wertung und Vorhersage für das ESC Finale 2016

Eurovision Song Contest 2016 - Finale. Samstag, 14. Mai 2016, aus dem Globen in Stockholm, Schweden. 26 Teilnehmer, Moderation: Petra Mede + Måns Zelmerlöw.
#LKInterpretTitela: Platza: VorhersagePl
01BELaura TesoroWhat's the Pressure121810
02CZGabriela GunčíkováI stand132425
03NLDouwe Bob PosthumaSlow Down261411
04AZSamra RahimliMiracle210817
05HUFreddiePioneer081219
06ITFrancesca MichielinNo Degree of Separation161316
07ILHovi StarMade of Stars142214
08BGPoli GenovaIf Love was a Crime030404
09SEFrans Jeppsson WallIf I were sorry111905
10DEJamie-Lee KriewitzGhost202626
11FRAmir HaddadJ'ai cherché020606
12PLMichał SzpakColor of your Life222108
13AUDami ImSound of Silence2405 02
14CYMinus OneAlter Ego150922
15RSSanja VučićGoodbye (Shelter)231718
16LTDonny MontellI've been waiting for this Night172309
17HRNina KraljićLighthouse181023
18RUSergey LazarevYou are the only One060203
19ESBareiSay yay!042022
20LVJusts SirmaisHeartbeat051615
21UAJamala19440103 01
22MTIra LoscoWalk on Water251512
23GENika Kocharev + Young Georgian LolitazMidnight Gold070720
24ATZoë StraubLoin d'ici101113
25UKJoe & JakeYou're not alone092524
26AMIveta MukuchyanLoveWave190107

4 Gedanken zu “Frage an Radio Eriwan: die Vorhersage fürs Finale 2016

  1. Wann hat denn letztmalig die letzte Startnummer gewonnen? So häufig ist das doch auch nicht. Gut, letztes Jahr die Italiener das Televoting, aber sonst kamen die Gesamtsieger der letzten Jahre doch immer eher aus dem letzten Drittel der ersten oder dem zweiten Drittel der zweiten Hälfte. Und Lovewave mag visuell beeindruckend sein, musikalisch dürften es aber viele zu anstrengend finden. Ich will den Sieg nicht ausschließen – das kann ich dieses Jahr bei vielen nicht – aber so sicher sehe ich das noch nicht.

  2. Natürlich entscheidet nicht die Startreihenfolge allein, und der letzte Startplatz garantiert nicht automatisch den Sieg. Man muss schon auch einen guten Song und eine überzeugende Performance haben. Ich schließe auch nicht aus, dass Russland gewinnt, oder Australien, oder die Ukraine, oder Frankreich (bei den letzten Beiden zugegebenermaßen eher Wunschdenken). Ich denke nur, je offener der Jahrgang und je mehr potentielle Sieger, um so wichtiger der Startplatz. Bei Alexander Rybak war das egal – der war ja praktisch konkurrenzlos und hätte auch von Startplatz 2 aus gewonnen, genau so wie Loreen.
    Mir ist LoveWave übrigens auch zu anstrengend, ich mag es gar nicht, und ich würde mich freuen, wenn ich mich irre.

  3. Ich bin genervt von der Übertragung. Habe schon später eingeschaltet und dann die unqualifizierten, wirklich dummen Kommentare von Herrn Urban, die einfach nur peinlich sind…..
    Da sollte man wirklich mal nachdenken, etwas zu ändern und ihm nicht noch den Rentenstand versüßen. Wir sehen ja grad ganz deutlich, wie sehr viele, viele junge und sehr junge Kommentatoren bzw. Punkteansager der verschiedenen Länder dem ganzen Event eine frischere Richtung geben. Das ist schon toll. Allerdings sollte man bei aller Lockerheit und Coolness nicht vergessen, dass es trotzdem sehr befremdlich und unhöflich wirkt, wenn diese jungen Herren zwar mit Kravatte, aber doch mit den Händen in den Hosentaschen vor der Kamera stehen. So geschehen in Malta und Griechenland. Vielleicht bin ich da zu altmodisch, trotzdem fand ich es unpassend und störend. Die tollen jungen Frauen
    zeigen sich in wunderschönen Kleidern und dann steht daneben so ein Flegel.
    Alles in allem war es heute ziemlich unspektakulär und ein wenig lahm. Mal schauen, ob ich da nächstes Jahr noch mal Lust habe. Momentan wohl eher nicht.

Oder was denkst Du?