Soldiers are coming: die Ukraine gewinnt den ESC 2016

Was für ein Abstimmungsdrama! Das neue, gesplittete Votingverfahren, das die EBU auf Drängen Schwedens dieses Jahr einführte, bestand seine Feuertaufe heute Nacht mit Bravour. Auf allen Ebenen. Es lieferte Spannung bis in die Haarspitzen: tatsächlich erst mit der allerletzten Stimmverkündung stand die Gewinnerin fest. Es produzierte das von mir im Vorfeld herbeigewünschte, hochdramatische und hochpolitische Kopf-an-Kopf der beiden Kriegsparteien Russland und Ukraine. Und es siegte, sonst eher selten, tatsächlich mein persönlicher Lieblingstitel, das ebenfalls hochpolitische, sterbensschöne, herzergreifende Klagelied ‚1944‘, mit dem die hochtalentierte Krimtatarin Jamala die persönliche Geschichte der Deportation ihrer Familie durch Stalin im Zweiten Weltkrieg erzählte, und das all den Schmerz und die Wut über die abgeschnittenen Wurzeln kraftvoll und glaubhaft transportierte. Sie spielte dabei virtuos auf der Klaviatur der Contest-Regularien, denn auch wenn die Parallelen zur aktuellen Annektierung der Krim durch Putin auf der Hand liegen: formell besingt sie ein zurückliegendes geschichtliches Ereignis, und dies gestattete die EBU auch schon im Vorjahr beim armenischen Genozid-Lied. Und natürlich stimmt mich der von mir nicht zu hoffen gewagte Sieg Jamalas froh. Aber…

Möchte Pisse und Liebe: Jamala (UA)

…leider kommt dieser Sieg meines Lieblingsliedes mit einem mehr als schalen Beigeschmack daher. Denn im zweiten Jahr in Folge gewann nicht der Publikumsfavorit – heuer Sergey Lazarev. Der smarte Russe betörte die Zuschauer/innen mit einem klassisch konfektionierten Grand-Prix-Schlager (mitsamt Rückung!) im modernen Klanggewand und mit ausgefeilter Rhythmik, einer grandiosen Bühnenshow mit allen Mitteln der Tricktechnik, einer mehr als überzeugenden Gesangsleistung und einer durchaus sympathischen Ausstrahlung. Seinen Titel ‚You are the only One‘ – dankenswerterweise mal kein verlogen-zynisches Friedenslied wie in den Vorjahren, sondern eine verlogene Ode an die Monogamie, hatte ich auf Rang 5. Und so sehr ich Jamalas Song liebe: Sergeys Sieg wäre gerecht gewesen. Doch das verhinderten die Jurys effektiv, in dem sie ihn bis auf den fünften Platz herunterrankten. Also so krass, dass noch nicht einmal der Publikumssieg ihn über den dritten Rang im Gesamtklassement hinausheben konnten. Stattdessen setzten sie die Castingshow-erfahrene Australierin Dami Im an die Spitze, die mit ‚Sound of Silence‘ genau wusste, wie man Juroren becirct: ihr Song, der mich persönlich völlig kalt ließ, diente lediglich als eine Art Sprungbrett für ihre ausführliche, technisch perfekte stimmliche Leistungsschau, die sie mit Bravour meisterte.

Der eigentliche Sieger des Eurovision Song Contest 2016: Sehrgay Lazarev (RU)

Und wie immer, wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte: Jamala konnte sich angesichts des offensichtlichen Zwistes zwischen Publikum und Jury sowohl an Sergey als auch an Dami vorbeschieben. Sie ist damit die erste Grand-Prix-Gewinnerin, die weder bei den Jurys noch bei den Zuschauern, also strenggenommen überhaupt nicht siegte. Auch bei anderen Interpreten offenbarten sich massive Unterschiede in der Wahrnehmung des willkürlich ausgesuchten Häufleins von „Experten“ und der breiten Masse. Am krassesten im Falle des polnischen Kapitän Szpak Sparrow: der schlimm ondulierte Musicalsänger kassierte gerade mal traurige siebe Pünktchen von den Jurys, aber fulminante 222 von den Zuschauer/innen. Für einen nach meinem Empfinden schrecklichen, total altmodischen Songriemen, der aber offensichtlich bei geschmacklich andersbegabten Menschen, von denen es deutlich mehr gibt, als man das im Alltag wahrnimmt (oder wahrnehmen möchte), gut ankam. Denselben Menschen im Übrigen, die letztes Jahr auch die italienischen Schmalztenöre Il Volo mit ihrer von Klischees nur so triefenden Musical-Nummer ‚Grande Amore‘ ganz nach vorne wählten. Beim Song Contest voten eben auch Menschen mit, die sonst nicht die Charts bestimmen, was man ganz gerne vergisst.

Sang ordentlich und akzentuiert. Wenn da nur der furchtbare, furchtbare Aufzug und das schlimme, schlimme Lied nicht wären: Michal Szpak (PL)

Auch, wenn Szpak bei reinem Televoting nicht gewonnen hätte: die Polen können sich nach dem Votingdesaster von 2014 mit den fabelhaften Buttermädgen erneut von den Jurys (man möge mir die wenig blumenreiche Wortwahl verzeihen) gefickt fühlen. TVP hatte im Vorfeld durchblicken lassen, bei einem Ergebnis unterhalb Rang 10 auf eine künftige Eurovisionsteilnahme zu verzichten. Dies ist nun abgewendet, aber ohne Konsequenzen kann dieses sehr offensichtliche Strafvoten für unser Nachbarland nicht bleiben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Russland die schmähliche Niederlage kommentarlos hinnimmt – und das ausgerechnet gegen den liedgewordenen Fehdehandschuh aus der Ukraine. Zu einem friedlicheren Europa trägt das heutige Ergebnis sicher nicht bei! Und auch die schwulen Fans, die nun kollektiv aufatmen, 2017 nicht nach Moskau zu müssen, wo sie Gefahr laufen, beispielsweise von homophoben Zöllnern gedemütigt und schikaniert zu werden, wie es dem israelischen Vertreter Hovi Star (auch er ein massiver Juryliebling mit einem achten Platz im Juryranking und einem 21. Platz beim Publikum) passierte, sollten sich nicht zu sehr freuen: im aktuellen Ranking der Regenbogenorganisation ILGA liegt die Ukraine in Sachen Achtung der Rechte von LGBTI-Menschen auf Rang 44 von 49 europäischen Staaten – und damit nur vier Plätze oberhalb von Russland. Deutschland schneidet hier übrigens auf einem beschämenden Mittelfeldrang 16 ab, immerhin deutlich besser als beim Eurovision Song Contest.

Mein Freund der Baum ist tot: Jamie Lee (DE)

Hätte ich mal auf mein Bauchgefühl gehört und Geld auf den von mir nach der Bekanntgabe der Startreihenfolge vorhergesagten letzten Platz für Jamie Lee Kriewitz gesetzt! „Wir machen offensichtlich etwas falsch,“ fasste ein konsternierter Peter Urban die insgesamt elf deutschen Armutspünktchen (acht aus dem Schweizer Televoting, zwei von den österreichischen Nachbarn und einer von der georgischen Jury) in der Aftershow-Sendung zusammen, ohne allerdings eine Erklärung finden zu können. Dabei ist diese ganz leicht: es lag am Lied! ‚Ghost‘ mag ein okayer Song sein, aber das reicht beim Eurovision Song Contest nicht. Das schleppende Lieddrama über eine erloschene Liebe war weder peppig noch ergreifend genug, um irgendjemand sagen zu lassen: „das hier ist DER EINE Song heute Abend, für den ich anrufen werde“. Ja, es gab schlechtere Darbietungen, wie zum Beispiel die der beiden britischen Oberstufenschüler – aber Joe & Jake weckten Welpenschutzgefühle (bei mir jedenfalls schoss bei ihrem Anblick und ihrer unbeholfenen Bromance-Liebeserklärung ‚You’re not alone‘ spontan die Milch ein). Oder der mutmaßlich unter Ketamin stehende Schwede Frans, der so überhaupt keinen Bock haben zu schien und seine Nummer mit der größtmöglichen Lustlosigkeit herunternuschelte, dafür aber im Gegensatz zu unserem Mangamädchen wenigstens über einen echten Ohrwurm verfügte. Wenig hilfreich auch das deprimierende herbstliche Bühnenbild mit den toten Bäumen. Ob der Spielwarenladen und die Eisbecherpuschel auf Jamies Kopf uns nun Stimmen kosteten oder die paar wenigen bescherten, darüber mag sich streiten, wer will.

Der Nuschler im rentnerbeigen Outfit: Frans (SE)

Klar ist nur: solange der NDR die deutsche Vorentscheidung weiter in den Klauen von Brainpool und den deutschen Plattenfirmen belässt und bei der Bestückung des Events hauptsächlich auf Mainstreamtauglichkeit achtet, können wir uns auf eine weitere, langanhaltende Serie letzter Plätze beim Song Contest einstellen. Denn im deutschen Auswahlgremium regiert hauptsächlich die Angst: bloß nichts vorschlagen, das all zu sehr aus der Rolle fällt und vom vermuteten Konsensgeschmack abweicht. Angesichts des Totaldesasters um die Direktnominierung Xavier Naidoos gelang dem NDR 2016 so ganz gegen seinen Willen zwar doch noch eine erstaunlich diversifizierte Vorentscheidung – bestückt allerdings überwiegend mit Acts, die ihre besten Tage entweder schon hinter sich hatten oder das Event als Marketing-Möglichkeit nutzten, um den Bekanntheitsgrad zu steigern oder schnell noch ein paar Platten zu verkaufen, ohne tatsächlich glaubhaft für den ESC zu brennen. Also: bitte ein neues Auswahlkomitee, eines, das bei der Sichtung der Beiträge nicht an die deutschen Airplaycharts denkt, sondern an die europaweite Wettbewerbstauglichkeit!

Da sind ein paar Anregungen für künftige Beiträge. Beachtet sie!

Mehr Analysen, Ergebnisse und eine ausführliche Nachbesprechung dann im Laufe des Tages.

ESC Finale 2016

Eurovision Song Contest 2016 - Finale. Samstag, 14. Mai 2016, aus dem Globen in Stockholm, Schweden. 26 Teilnehmer, Moderation: Petra Mede + Måns Zelmerlöw.
#LKInterpretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01BELaura TesoroWhat's the Pressure1811005117
02CZGabriela GunčíkováI stand0412500026
03NLDouwe Bob PosthumaSlow Down1531103918
04AZSamra RahimliMiracle1171707312
05HUFreddiePioneer1081905614
06ITFrancesca MichielinNo Degree of Separation1241603419
07ILHovi StarMade of Stars1351401122
08BGPoli GenovaIf Love was a Crime3070418005
09SEFrans Jeppsson WallIf I were sorry2610513906
10DEJamie-Lee KriewitzGhost0112601023
11FRAmir HaddadJ'ai cherché2570610909
12PLMichał SzpakColor of your Life2290822203
13AUDami ImSound of Silence5110219104
14CYMinus OneAlter Ego0962105315
15RSSanja VučićGoodbye (Shelter)1151808011
16LTDonny MontellI've been waiting for this Night2000909610
17HRNina KraljićLighthouse0732305316
18RUSergey LazarevYou are the only One4910336101
19ESBareiSay yay!0772201024
20LVJusts SirmaisHeartbeat1321506313
21UAJamala19445340132302
22MTIra LoscoWalk on Water1531201621
23GENika Kocharev + Young Georgian LolitazMidnight Gold1042002420
24ATZoe StraubLoin d'ici1511312008
25UKJoe & JakeYou're not alone0622400525
26AMIveta MukuchyanLoveWave2490713407

14 thoughts on “Soldiers are coming: die Ukraine gewinnt den ESC 2016

  1. Danke für diesen Beitrag, du triffst jeden Nagel auf den Kopf. Ändern wird sich trotzdem nichts, Grabosch steckt bei Schreiber bis zur Halskrause hinten drin und der wiederum hält sich für unfehlbar. Also vergiss es.

  2. Jetzt haben die Jurys wirklich mal Sinn gemacht und nu ist es auch wieder nicht Recht. ? Mal ganz ehrlich: Russland als Sieger und Polen noch weiter vorne- das hätte jetzt auch nicht sein müssen…

  3. Also so schlecht wie es hier beschrieben wurde fand ich Jamie Lee im Vergleich zu vielen Anderen überhaupt nicht – war daher überrascht das so gar keine Punkte kamen. Aber vielleicht ist mein Geschmack wirklich „daneben“ ich fand vieles Nichtssagend – auch Australien hätte ich nie so weit vorne gesehen (wenigstens da geh ich mit dem Autor hier konform)

    Die Bekanntgabe der Ergebnisse fand ich hingegen durch die neue Art der Bekanntmachung der Punktevergabe spannend. Jamala hat sich da durchaus verdient noch an die Spitze geschoben, wobei wahrscheinlich das Liedthema – nachdem es allen schön übersetzt und in die Köpfe gehämmert wurde – sicher hilfreich war.

    Aber alles andere war halt ESC wie immer – ich persöhnlich fand das Lied die Stimme der letzten Teilnehmerin aus Rumänien sehr gut – aber das „sexy Outfit“ war wohl vor 10 Jahren vielleicht angebracht, derzeit kriegt man dafür zu Recht keine Stimmen mehr.

  4. Ich mag die Jurys von Jahr zu Jahr weniger. Und da die Ukraine weder das Televoting noch die Jury-Entscheidung gewonnen hat, fühlt sie sich für mich noch weniger als Sieger an als Schweden im letzten Jahr. Mag zwar schwachsinnig sein, trotzdem nehme ich das nun einmal leider so wahr.

    Ich gehöre übrigens auch zu den geschmacksgestörten Menschen, die den polnischen und letztes Jahr den italienischen Song mochten. Zur Ehrenrettung: Meine Stimmen gingen dieses Jahr allerdings an Georgien.

    Was man auch bedenken könnte: Als Anrufer investiert man Geld für seine Stimmen. Wenn dann die Jury (macht die das eigentlich umsonst oder bekommt die eine Art Aufwandsentschädigung?) schon im zweiten Jahr den Televotingsieger verhindert und den Televoting-Dritten massiv heruntergewertet, dann kann man das nur ungerecht finden. Was macht die Jury-Mitglieder besser oder schlechter als andere Menschen?

    Und selbst Jamie-Lee wäre mit reinem Televoting nicht letzte geworden. Ganz zu schweigen davon, dass Bosnien und Mazedonien mit reinem Televoting im Finale gewesen wären (wenn ich das richtig gesehen habe), um da mal die Wunde unseres lieben Webmasters aufzureißen. 😉

  5. @Nuuskamuikkunen: danke, ist korrigiert. Ich hatte es gestern Nacht nicht mehr nachrechnen wollen, sondern aus dem Gedächtnis gemacht, und das hat mir offensichtlich einen Streich gespielt. Russland stand irgendwann im Laufe der Jury-Abstimmung mal in der rechten Tabellenhälfte, das ist mir offensichtlich hängengeblieben.
    @Bernd: die letzte Teilnehmerin kam aus Armenien. Und nein, Jamie-Lee war auch nicht schlecht. Wir hatten schon viel Schlechteres. Wir mussten uns für sie nicht schämen. Aber „nicht schlecht“ bedeutet beim ESC eben nicht „die Beste“. Die Menschen rufen in der Regel nur für ihr absolutes Lieblingslied an, das Beste aus 26. Und das Beste aus 26 war ‚Ghost‘ halt nicht. Das war wie letztes Jahr bei Ann-Sophie: sie lag überall irgendwo im Mittelfeld, durchschnittlich etwa an 17. Stelle oder so. Und nur die ersten Zehn kriegen Punkte.
    @Ajlen: nein, es ist mir nicht recht, dass mein Lieblingslied nur wegen der doofen Jurys gewinnt. Wenn die Zuschauer den Russen besser fanden, ist er der Sieger. Und das wäre auch okay gewesen. Und ja, Polen fand ich auch sehr, sehr schlimm – aber selbst in der Runde von Freunden, mit denen ich gestern Abend geschaut habe, gab es Menschen, denen die Nummer gefiel.

  6. Ich war selten so zufrieden mit dem Ausgang eines ESCs wie dieses Jahr. Abgesehen davon, dass tatsächlich diesmal wenige meiner Lieblinge zwischenzeitlich auf der Strecke blieben oder im Finale ganz weit unten landeten, hat sich meiner Meinung nach gerade gezeigt, wie sinnvoll es ist, Jurys und Televoting einander als Korrektiv gegenüberzustellen, nämlich um die typischen Blindheiten dieser „Organe“ wenigstens etwas auszugleichen, nämlich ein zu starkes „Fliegen“ der Televoter auf vordergründige Effekthascherei (heuer z.B. RUS) und eine zu starke Fixierung auf handwerklich gut Produziertes, wenn auch Seelenloses, vielleicht tendenziell auch eher „klassisches“ (Beispiel AUS). Gerade das hat sich dieses Jahr hervorragend bewährt. Herausgekommen ist ein Sieg der echten Kunst. Was könnte besser sein.
    Und wenn hier ständig darüber lamentiert wird, wenn Juries etwas anders sehen als der Volksgeschmack: das ist ja gerade der Witz! Wenn da genau das Gleiche herauskäme wie beim Televoting, wären sie überflüssig.
    Und es ist schon eine merkwürdige Definition von „Gerechtigkeit“ der Behauptung zugrundegelegt, RUS wäre der „gerechte“ Sieger gewesen. Das hat überhaupt nichts mit Gerechtigkeit zu tun, sondern lediglich mit Reglement, und das war vorher bekannt.
    Ansonsten bewegen wir uns schon nahe an Auffassungen wie bei Pegida und Konsorten („wir sind das Volk“).

    Das neue Präsentationssystem hat sich wirklich bewährt. So war es tatsächlich spannend bis zum Schluss. Und dass nur die 12 Punkte angesagt wurden, hat sich als nicht so schlimm herausgestellt, wie ich befürchtet hatte. Der Unterschied, nun 1 bis 10 statt 1 bis 7 einzublenden, ist marginal. Außerdem kann ich die Tabellen eh im Videostandbild oder online nachschlagen.

    Ich bin jedenfalls heute früh richtig glücklich ins Bett gesunken.

  7. @ Def

    „(…) nämlich um die typischen Blindheiten dieser „Organe“ wenigstens etwas auszugleichen, nämlich ein zu starkes „Fliegen“ der Televoter auf vordergründige Effekthascherei (heuer z.B. RUS) und eine zu starke Fixierung auf handwerklich gut Produziertes, wenn auch Seelenloses, vielleicht tendenziell auch eher „klassisches“ (Beispiel AUS)“

    Nur komisch, dass diese Blindheiten dieses Jahr genau andersherum waren als im letzten. Italien als Televoting-Sieger klassisch und Schweden als Jury-Sieger effekthascherisch. So typisch kann das also gar nicht sein. Wobei natürlich gut produziert und seelenlos auf Heroes dann wieder zutrifft.

  8. @Kowalski
    Weil du sehr treffend Grabosch und Schreiber ansprichst! Auch Peter Urban gehört dringend abgelöst! Der Mann ist längst im Rentenalter, und sein persönlicher Geschmack in Ehren, dieses falsch Ablesen vom Skript, 1:1-Wiederholungen aus den Semis im Finale, das sich ständige Korrigieren und seine sprachlichen Holperer – es reicht nach über 20 Jahren ESC-Kommentaren. Dass Deutschland KEIN ESC-Land wie etwa die Skandinavischen oder die auf dem Balkan und im Osten sind, liegt zum Teil auch an ihm.

  9. @Peter Edelweiß
    Auch wenn ich (seit Jahren) gegen Peter Urban war, da ich denke, dass seine Verunglimpfungen vor allem von Namen den Teilnehmern wrklich nicht gerecht werden, so muss ich sagen, dass er sich dieses Mal wohl arg zusammengerissen hat, denn die Holperer waren diesmal erfreulich wenige, was mir sehr wohlwollend aufgefallen ist.

  10. @Def
    Peter Urban ist aber Teil des Systems, wenn ich das mal so formulieren darf! Das deutsche Vorentscheid-Modell muss dringend und grundlegend reformiert werden. Wer sich die „Experten“-Runden auf esc.de und auf Einsfestival angesehen hat, dem muss das kalte Grausen kommen! Was Herr U. hier geäußert hat, disqualifiziert ihn. Feddersen, Moor und Konsorten sind hier keinn Deut besser!

  11. Also auf das Jury-Bashing laß ich mich gar nicht mehr ein. Wir haben erlebt, wohin reines Televoting führt, es war schrecklich.

    Bzgl. der Probleme in Deutschland: Die liegen ja genau darin, daß die deutschen Beiträge *nicht* massentauglich sind. Ghost war ja schon vor dem deutschen ESC-Vorentscheid im Handel. Es hat damals nicht einmal für einen Platz unter den Top 10 gereicht, obwohl das Casting-Show-Sternchen gerade die volle Werbemaschinerie von „The Voice“ im Rücken hatte. Das hätte eine glatte Nr.1 werden müssen damals im Dezember, war aber sogar in Deutschland selbst ein Flop. Wie soll man erwarten, daß irgendwer im Rest Europas an diesem Song gefallen findet? Jemand, der das wochenlange „The Voice“-Theater nicht mitbekommen hat?

    Stichwort Mainstream: Der ESC kann nur funktionieren (und überleben), wenn er Mainstreamtaugliches Produziert. Er wäre vor einigen Jahrzehnten fast gestorben, weil er sich zu sehr vom „richtigen Leben“ entfernt hatte. „1944“ ist sicher kein massenkompatibler Song. Ich mag ihn irgendwie, aber ich will ihn keinesfalls in der Früh im Radio hören. Als Sieger des ESC 2016 eigentlich eine ziemliche Katastrophe für die Veranstaltung. Die EBU hat sich mit der Zulassung der Nummer keinen Gefallen getan: Mit einem anderen Text hätte Jamala sicher nicht gewonnen. Und auf den Text sollte es auf gar keinen Fall ankommen.

  12. Ich bin froh über den Sieg der Ukraine, hätte zwar Australien noch lieber gehabt, aber den Song können ja viele auch nicht ausstehen.

    Das russische Lied fand ich persönlich fürchterlich. Die Show war beeindruckend – auch wenn mich der Anfang zu sehr an Heroes erinnert hat – aber das Lied geht für mich gar nicht. Billigster Discotrash der mir das Schaudern über den Rücken laufen lässt, ähnlich wie auch beim polnischen Song. Habe das überhaupt nicht gepackt dass der beim Publikum so gut angekommen ist, aber so sind halt die Geschmäcker verschieden.

    Achja, als Österreicher habe ich mir die Semis auf ORF angeschaut, aber aufgrund der besseren Bildqualität das Finale dann auf ARD. Urban finde ich fürchterlich, da ist mir Knoll um einiges lieber, aber dafür zeigt der ORF das Pausenprogramm nicht, oder nur eingschränkt. Hatte kurz zum ORF gezappt als Linda Woodruff dran war, und da lief auf ORF Werbung. Schade, gerade weil ich die gesamte Moderation dieses Jahr so fantastisch fand.

  13. Es ist schon erstaunlich, dass Herr Schreiber im Vorfeld von einer Top10-Platzierung spricht, sich aber alle Hardcore-Fans einig waren, dass Ghost eher unter den LAST10 zu finden wird (siehe Tipp-Spiel der Prinzblogger, Oddchecker, etc.).
    Mir tut das Mädel leid, das einfach instrumentalisiert worden ist (der entsprechende Kommentar zum Ergebnis auf der FB-Seite unserer letztjährigen Teilnehmerin A.-S. spricht Bände). In der Tat hat der NDR den ESC einfach immer noch nicht verstanden…

    By the way: Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Songs wirken, wenn man sie live vor Ort oder am TV aufnehmen.
    Dami und Hovi haben in der Halle (ebenso wie Jamala) Emotionen geweckt, die in der Nachbetrachtung am TV nur bedingt rüberkamen…..

Oder was denkst Du?