Sol­di­ers are com­ing: die Ukrai­ne gewinnt den ESC 2016

Was für ein Abstim­mungs­dra­ma! Das neue, gesplit­te­te Voting­ver­fah­ren, das die EBU auf Drän­gen Schwe­dens die­ses Jahr ein­führ­te, bestand sei­ne Feu­er­tau­fe heu­te Nacht mit Bra­vour. Auf allen Ebe­nen. Es lie­fer­te Span­nung bis in die Haar­spit­zen: tat­säch­lich erst mit der aller­letz­ten Stimm­ver­kün­dung stand die Gewin­ne­rin fest. Es pro­du­zier­te das von mir im Vor­feld her­bei­ge­wünsch­te, hoch­dra­ma­ti­sche und hoch­po­li­ti­sche Kopf-an-Kopf der bei­den Kriegs­par­tei­en Russ­land und Ukrai­ne. Und es sieg­te, sonst eher sel­ten, tat­säch­lich mein per­sön­li­cher Lieb­lings­ti­tel, das eben­falls hoch­po­li­ti­sche, ster­bens­schö­ne, herz­er­grei­fen­de Kla­ge­lied ‘1944’, mit dem die hoch­ta­len­tier­te Krim­ta­ta­rin Jama­la die per­sön­li­che Geschich­te der Depor­ta­ti­on ihrer Fami­lie durch Sta­lin im Zwei­ten Welt­krieg erzähl­te, und das all den Schmerz und die Wut über die abge­schnit­te­nen Wur­zeln kraft­voll und glaub­haft trans­por­tier­te. Sie spiel­te dabei vir­tu­os auf der Kla­via­tur der Con­test-Regu­la­ri­en, denn auch wenn die Par­al­le­len zur aktu­el­len Annek­tie­rung der Krim durch Putin auf der Hand lie­gen: for­mell besingt sie ein zurück­lie­gen­des geschicht­li­ches Ereig­nis, und dies gestat­te­te die EBU auch schon im Vor­jahr beim arme­ni­schen Geno­zid-Lied. Und natür­lich stimmt mich der von mir nicht zu hof­fen gewag­te Sieg Jama­las froh. Aber…

Möch­te Pis­se und Lie­be: Jama­la (UA)

…lei­der kommt die­ser Sieg mei­nes Lieb­lings­lie­des mit einem mehr als scha­len Bei­ge­schmack daher. Denn im zwei­ten Jahr in Fol­ge gewann nicht der Publi­kums­fa­vo­rit – heu­er Ser­gey Laza­rev. Der smar­te Rus­se betör­te die Zuschauer/innen mit einem klas­sisch kon­fek­tio­nier­ten Grand-Prix-Schla­ger (mit­samt Rückung!) im moder­nen Klang­ge­wand und mit aus­ge­feil­ter Rhyth­mik, einer gran­dio­sen Büh­nen­show mit allen Mit­teln der Trick­tech­nik, einer mehr als über­zeu­gen­den Gesangs­leis­tung und einer durch­aus sym­pa­thi­schen Aus­strah­lung. Sei­nen Titel ‘You are the only One’ – dan­kens­wer­ter­wei­se mal kein ver­lo­gen-zyni­sches Frie­dens­lied wie in den Vor­jah­ren, son­dern eine ver­lo­ge­ne Ode an die Mono­ga­mie, hat­te ich auf Rang 5. Und so sehr ich Jama­las Song lie­be: Ser­geys Sieg wäre gerecht gewe­sen. Doch das ver­hin­der­ten die Jurys effek­tiv, in dem sie ihn bis auf den fünf­ten Platz her­un­ter­rank­ten. Also so krass, dass noch nicht ein­mal der Publi­kums­sieg ihn über den drit­ten Rang im Gesamt­klas­se­ment hin­aus­he­ben konn­ten. Statt­des­sen setz­ten sie die Cas­ting­show-erfah­re­ne Aus­tra­lie­rin Dami Im an die Spit­ze, die mit ‘Sound of Silence’ genau wuss­te, wie man Juro­ren becirct: ihr Song, der mich per­sön­lich völ­lig kalt ließ, dien­te ledig­lich als eine Art Sprung­brett für ihre aus­führ­li­che, tech­nisch per­fek­te stimm­li­che Leis­tungs­schau, die sie mit Bra­vour meis­ter­te.

Der eigent­li­che Sie­ger des Euro­vi­si­on Song Con­test 2016: Sehr­gay Laza­rev (RU)

Und wie immer, wenn zwei sich strei­ten, freut sich die Drit­te: Jama­la konn­te sich ange­sichts des offen­sicht­li­chen Zwis­tes zwi­schen Publi­kum und Jury sowohl an Ser­gey als auch an Dami vor­be­schie­ben. Sie ist damit die ers­te Grand-Prix-Gewin­ne­rin, die weder bei den Jurys noch bei den Zuschau­ern, also streng­ge­nom­men über­haupt nicht sieg­te. Auch bei ande­ren Inter­pre­ten offen­bar­ten sich mas­si­ve Unter­schie­de in der Wahr­neh­mung des will­kür­lich aus­ge­such­ten Häuf­leins von “Exper­ten” und der brei­ten Mas­se. Am kras­ses­ten im Fal­le des pol­ni­schen Kapi­tän Szpak Spar­row: der schlimm ondu­lier­te Musi­cal­sän­ger kas­sier­te gera­de mal trau­ri­ge sie­be Pünkt­chen von den Jurys, aber ful­mi­nan­te 222 von den Zuschauer/innen. Für einen nach mei­nem Emp­fin­den schreck­li­chen, total alt­mo­di­schen Songrie­men, der aber offen­sicht­lich bei geschmack­lich anders­be­gab­ten Men­schen, von denen es deut­lich mehr gibt, als man das im All­tag wahr­nimmt (oder wahr­neh­men möch­te), gut ankam. Den­sel­ben Men­schen im Übri­gen, die letz­tes Jahr auch die ita­lie­ni­schen Schmalz­te­nö­re Il Volo mit ihrer von Kli­schees nur so trie­fen­den Musi­cal-Num­mer ‘Gran­de Amo­re’ ganz nach vor­ne wähl­ten. Beim Song Con­test voten eben auch Men­schen mit, die sonst nicht die Charts bestim­men, was man ganz ger­ne ver­gisst.

Sang ordent­lich und akzen­tu­iert. Wenn da nur der furcht­ba­re, furcht­ba­re Auf­zug und das schlim­me, schlim­me Lied nicht wären: Michal Szpak (PL)

Auch, wenn Szpak bei rei­nem Tel­e­vo­ting nicht gewon­nen hät­te: die Polen kön­nen sich nach dem Voting­de­sas­ter von 2014 mit den fabel­haf­ten But­ter­mäd­gen erneut von den Jurys (man möge mir die wenig blu­men­rei­che Wort­wahl ver­zei­hen) gefickt füh­len. TVP hat­te im Vor­feld durch­bli­cken las­sen, bei einem Ergeb­nis unter­halb Rang 10 auf eine künf­ti­ge Euro­vi­si­ons­teil­nah­me zu ver­zich­ten. Dies ist nun abge­wen­det, aber ohne Kon­se­quen­zen kann die­ses sehr offen­sicht­li­che Straf­vo­ten für unser Nach­bar­land nicht blei­ben. Ich kann mir auch nicht vor­stel­len, dass Russ­land die schmäh­li­che Nie­der­la­ge kom­men­tar­los hin­nimmt – und das aus­ge­rech­net gegen den lied­ge­wor­de­nen Feh­de­hand­schuh aus der Ukrai­ne. Zu einem fried­li­che­ren Euro­pa trägt das heu­ti­ge Ergeb­nis sicher nicht bei! Und auch die schwu­len Fans, die nun kol­lek­tiv auf­at­men, 2017 nicht nach Mos­kau zu müs­sen, wo sie Gefahr lau­fen, bei­spiels­wei­se von homo­pho­ben Zöll­nern gede­mü­tigt und schi­ka­niert zu wer­den, wie es dem israe­li­schen Ver­tre­ter Hovi Star (auch er ein mas­si­ver Jury­lieb­ling mit einem ach­ten Platz im Jury­ran­king und einem 21. Platz beim Publi­kum) pas­sier­te, soll­ten sich nicht zu sehr freu­en: im aktu­el­len Ran­king der Regen­bo­gen­or­ga­ni­sa­ti­on ILGA liegt die Ukrai­ne in Sachen Ach­tung der Rech­te von LGBTI-Men­schen auf Rang 44 von 49 euro­päi­schen Staa­ten – und damit nur vier Plät­ze ober­halb von Russ­land. Deutsch­land schnei­det hier übri­gens auf einem beschä­men­den Mit­tel­feld­rang 16 ab, immer­hin deut­lich bes­ser als beim Euro­vi­si­on Song Con­test.

Mein Freund der Baum ist tot: Jamie Lee (DE)

Hät­te ich mal auf mein Bauch­ge­fühl gehört und Geld auf den von mir nach der Bekannt­ga­be der Start­rei­hen­fol­ge vor­her­ge­sag­ten letz­ten Platz für Jamie Lee Krie­witz gesetzt! “Wir machen offen­sicht­lich etwas falsch,” fass­te ein kon­ster­nier­ter Peter Urban die ins­ge­samt elf deut­schen Armut­spünkt­chen (acht aus dem Schwei­zer Tel­e­vo­ting, zwei von den öster­rei­chi­schen Nach­barn und einer von der geor­gi­schen Jury) in der After­show-Sen­dung zusam­men, ohne aller­dings eine Erklä­rung fin­den zu kön­nen. Dabei ist die­se ganz leicht: es lag am Lied! ‘Ghost’ mag ein okay­er Song sein, aber das reicht beim Euro­vi­si­on Song Con­test nicht. Das schlep­pen­de Lieddra­ma über eine erlo­sche­ne Lie­be war weder pep­pig noch ergrei­fend genug, um irgend­je­mand sagen zu las­sen: “das hier ist DER EINE Song heu­te Abend, für den ich anru­fen wer­de”. Ja, es gab schlech­te­re Dar­bie­tun­gen, wie zum Bei­spiel die der bei­den bri­ti­schen Ober­stu­fen­schü­ler – aber Joe & Jake weck­ten Wel­pen­schutz­ge­füh­le (bei mir jeden­falls schoss bei ihrem Anblick und ihrer unbe­hol­fe­nen Bro­mance-Lie­bes­er­klä­rung ‘You’re not alo­ne’ spon­tan die Milch ein). Oder der mut­maß­lich unter Ket­amin ste­hen­de Schwe­de Frans, der so über­haupt kei­nen Bock haben zu schien und sei­ne Num­mer mit der größt­mög­li­chen Lust­lo­sig­keit her­un­ter­nu­schel­te, dafür aber im Gegen­satz zu unse­rem Man­ga­mäd­chen wenigs­tens über einen ech­ten Ohr­wurm ver­füg­te. Wenig hilf­reich auch das depri­mie­ren­de herbst­li­che Büh­nen­bild mit den toten Bäu­men. Ob der Spiel­wa­ren­la­den und die Eis­be­cher­pu­schel auf Jamies Kopf uns nun Stim­men kos­te­ten oder die paar weni­gen bescher­ten, dar­über mag sich strei­ten, wer will.

Der Nusch­ler im rent­ner­bei­gen Out­fit: Frans (SE)

Klar ist nur: solan­ge der NDR die deut­sche Vor­ent­schei­dung wei­ter in den Klau­en von Brain­pool und den deut­schen Plat­ten­fir­men belässt und bei der Bestü­ckung des Events haupt­säch­lich auf Main­streamtaug­lich­keit ach­tet, kön­nen wir uns auf eine wei­te­re, lang­an­hal­ten­de Serie letz­ter Plät­ze beim Song Con­test ein­stel­len. Denn im deut­schen Aus­wahl­gre­mi­um regiert haupt­säch­lich die Angst: bloß nichts vor­schla­gen, das all zu sehr aus der Rol­le fällt und vom ver­mu­te­ten Kon­sens­ge­schmack abweicht. Ange­sichts des Total­de­sas­ters um die Direkt­no­mi­nie­rung Xavier Nai­doos gelang dem NDR 2016 so ganz gegen sei­nen Wil­len zwar doch noch eine erstaun­lich diver­si­fi­zier­te Vor­ent­schei­dung – bestückt aller­dings über­wie­gend mit Acts, die ihre bes­ten Tage ent­we­der schon hin­ter sich hat­ten oder das Event als Mar­ke­ting-Mög­lich­keit nutz­ten, um den Bekannt­heits­grad zu stei­gern oder schnell noch ein paar Plat­ten zu ver­kau­fen, ohne tat­säch­lich glaub­haft für den ESC zu bren­nen. Also: bit­te ein neu­es Aus­wahl­ko­mi­tee, eines, das bei der Sich­tung der Bei­trä­ge nicht an die deut­schen Air­play­charts denkt, son­dern an die euro­pa­wei­te Wett­be­werbs­taug­lich­keit!

Da sind ein paar Anre­gun­gen für künf­ti­ge Bei­trä­ge. Beach­tet sie!

Mehr Ana­ly­sen, Ergeb­nis­se und eine aus­führ­li­che Nach­be­spre­chung dann im Lau­fe des Tages.

ESC Fina­le 2016

Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 – Fina­le. Sams­tag, 14. Mai 2016, aus dem Glo­ben in Stock­holm, Schwe­den. 26 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Petra Mede + Måns Zelmerlöw.
#LKInter­pretTitelPkt
gs
Pl
gs
Pkt
TV
Pl
TV
01BELau­ra TesoroWhat’s the Pres­su­re1811005117
02CZGabrie­la Gun­čí­ko­váI stand0412500026
03NLDou­we Bob Post­hu­maSlow Down1531103918
04AZSam­ra Rahim­liMira­cle1171707312
05HUFred­diePioneer1081905614
06ITFran­ce­s­ca Michie­linNo Degree of Sepa­ra­ti­on1241603419
07ILHovi StarMade of Stars1351401122
08BGPoli Geno­vaIf Love was a Crime3070418005
09SEFrans Jepps­son WallIf I were sor­ry2610513906
10DEJamie-Lee Krie­witzGhost0112601023
11FRAmir Had­dadJ’ai cher­ché2570610909
12PLMich­ał SzpakColor of your Life2290822203
13AUDami ImSound of Silence5110219104
14CYMinus OneAlter Ego0962105315
15RSSan­ja VučićGood­bye (Shel­ter)1151808011
16LTDon­ny MontellI’ve been wai­ting for this Night2000909610
17HRNina Kral­jićLight­house0732305316
18RUSer­gey Laza­revYou are the only One4910336101
19ESBareiSay yay!0772201024
20LVJusts Sir­maisHeart­beat1321506313
21UAJama­la19445340132302
22MTIra LoscoWalk on Water1531201621
23GENika Koch­arev + Young Geor­gi­an Loli­tazMid­ni­ght Gold1042002420
24ATZoe StraubLoin d’ici1511312008
25UKJoe & JakeYou’re not alo­ne0622400525
26AMIve­ta Muku­chyanLove­Wa­ve2490713407

14 Gedanken zu “Sol­di­ers are com­ing: die Ukrai­ne gewinnt den ESC 2016

  1. Dan­ke für die­sen Bei­trag, du triffst jeden Nagel auf den Kopf. Ändern wird sich trotz­dem nichts, Gra­bosch steckt bei Schrei­ber bis zur Hals­krau­se hin­ten drin und der wie­der­um hält sich für unfehl­bar. Also ver­giss es.

  2. Jetzt haben die Jurys wirk­lich mal Sinn gemacht und nu ist es auch wie­der nicht Recht. ? Mal ganz ehr­lich: Russ­land als Sie­ger und Polen noch wei­ter vor­ne- das hät­te jetzt auch nicht sein müs­sen…

  3. Also so schlecht wie es hier beschrie­ben wur­de fand ich Jamie Lee im Ver­gleich zu vie­len Ande­ren über­haupt nicht – war daher über­rascht das so gar kei­ne Punk­te kamen. Aber viel­leicht ist mein Geschmack wirk­lich “dane­ben” ich fand vie­les Nichts­sa­gend – auch Aus­tra­li­en hät­te ich nie so weit vor­ne gese­hen (wenigs­tens da geh ich mit dem Autor hier kon­form)

    Die Bekannt­ga­be der Ergeb­nis­se fand ich hin­ge­gen durch die neue Art der Bekannt­ma­chung der Punk­te­ver­ga­be span­nend. Jama­la hat sich da durch­aus ver­dient noch an die Spit­ze gescho­ben, wobei wahr­schein­lich das Lied­the­ma – nach­dem es allen schön über­setzt und in die Köp­fe gehäm­mert wur­de – sicher hilf­reich war.

    Aber alles ande­re war halt ESC wie immer – ich per­söhn­lich fand das Lied die Stim­me der letz­ten Teil­neh­me­rin aus Rumä­ni­en sehr gut – aber das “sexy Out­fit” war wohl vor 10 Jah­ren viel­leicht ange­bracht, der­zeit kriegt man dafür zu Recht kei­ne Stim­men mehr.

  4. Ich mag die Jurys von Jahr zu Jahr weni­ger. Und da die Ukrai­ne weder das Tel­e­vo­ting noch die Jury-Ent­schei­dung gewon­nen hat, fühlt sie sich für mich noch weni­ger als Sie­ger an als Schwe­den im letz­ten Jahr. Mag zwar schwach­sin­nig sein, trotz­dem neh­me ich das nun ein­mal lei­der so wahr.

    Ich gehö­re übri­gens auch zu den geschmacks­ge­stör­ten Men­schen, die den pol­ni­schen und letz­tes Jahr den ita­lie­ni­schen Song moch­ten. Zur Ehren­ret­tung: Mei­ne Stim­men gin­gen die­ses Jahr aller­dings an Geor­gi­en.

    Was man auch beden­ken könn­te: Als Anru­fer inves­tiert man Geld für sei­ne Stim­men. Wenn dann die Jury (macht die das eigent­lich umsonst oder bekommt die eine Art Auf­wands­ent­schä­di­gung?) schon im zwei­ten Jahr den Tel­e­vo­ting­sie­ger ver­hin­dert und den Tel­e­vo­ting-Drit­ten mas­siv her­un­ter­ge­wer­tet, dann kann man das nur unge­recht fin­den. Was macht die Jury-Mit­glie­der bes­ser oder schlech­ter als ande­re Men­schen?

    Und selbst Jamie-Lee wäre mit rei­nem Tel­e­vo­ting nicht letz­te gewor­den. Ganz zu schwei­gen davon, dass Bos­ni­en und Maze­do­ni­en mit rei­nem Tel­e­vo­ting im Fina­le gewe­sen wären (wenn ich das rich­tig gese­hen habe), um da mal die Wun­de unse­res lie­ben Web­mas­ters auf­zu­rei­ßen. 😉

  5. @Nuuskamuikkunen: dan­ke, ist kor­ri­giert. Ich hat­te es ges­tern Nacht nicht mehr nach­rech­nen wol­len, son­dern aus dem Gedächt­nis gemacht, und das hat mir offen­sicht­lich einen Streich gespielt. Russ­land stand irgend­wann im Lau­fe der Jury-Abstim­mung mal in der rech­ten Tabel­len­hälf­te, das ist mir offen­sicht­lich hän­gen­ge­blie­ben.
    @Bernd: die letz­te Teil­neh­me­rin kam aus Arme­ni­en. Und nein, Jamie-Lee war auch nicht schlecht. Wir hat­ten schon viel Schlech­te­res. Wir muss­ten uns für sie nicht schä­men. Aber “nicht schlecht” bedeu­tet beim ESC eben nicht “die Bes­te”. Die Men­schen rufen in der Regel nur für ihr abso­lu­tes Lieb­lings­lied an, das Bes­te aus 26. Und das Bes­te aus 26 war ‘Ghost’ halt nicht. Das war wie letz­tes Jahr bei Ann-Sophie: sie lag über­all irgend­wo im Mit­tel­feld, durch­schnitt­lich etwa an 17. Stel­le oder so. Und nur die ers­ten Zehn krie­gen Punk­te.
    @Ajlen: nein, es ist mir nicht recht, dass mein Lieb­lings­lied nur wegen der doo­fen Jurys gewinnt. Wenn die Zuschau­er den Rus­sen bes­ser fan­den, ist er der Sie­ger. Und das wäre auch okay gewe­sen. Und ja, Polen fand ich auch sehr, sehr schlimm – aber selbst in der Run­de von Freun­den, mit denen ich ges­tern Abend geschaut habe, gab es Men­schen, denen die Num­mer gefiel.

  6. Ich war sel­ten so zufrie­den mit dem Aus­gang eines ESCs wie die­ses Jahr. Abge­se­hen davon, dass tat­säch­lich dies­mal weni­ge mei­ner Lieb­lin­ge zwi­schen­zeit­lich auf der Stre­cke blie­ben oder im Fina­le ganz weit unten lan­de­ten, hat sich mei­ner Mei­nung nach gera­de gezeigt, wie sinn­voll es ist, Jurys und Tel­e­vo­ting ein­an­der als Kor­rek­tiv gegen­über­zu­stel­len, näm­lich um die typi­schen Blind­hei­ten die­ser “Orga­ne” wenigs­tens etwas aus­zu­glei­chen, näm­lich ein zu star­kes “Flie­gen” der Tel­e­vo­ter auf vor­der­grün­di­ge Effekt­ha­sche­rei (heu­er z.B. RUS) und eine zu star­ke Fixie­rung auf hand­werk­lich gut Pro­du­zier­tes, wenn auch See­len­lo­ses, viel­leicht ten­den­zi­ell auch eher “klas­si­sches” (Bei­spiel AUS). Gera­de das hat sich die­ses Jahr her­vor­ra­gend bewährt. Her­aus­ge­kom­men ist ein Sieg der ech­ten Kunst. Was könn­te bes­ser sein.
    Und wenn hier stän­dig dar­über lamen­tiert wird, wenn Juries etwas anders sehen als der Volks­ge­schmack: das ist ja gera­de der Witz! Wenn da genau das Glei­che her­aus­kä­me wie beim Tel­e­vo­ting, wären sie über­flüs­sig.
    Und es ist schon eine merk­wür­di­ge Defi­ni­ti­on von “Gerech­tig­keit” der Behaup­tung zugrun­de­ge­legt, RUS wäre der “gerech­te” Sie­ger gewe­sen. Das hat über­haupt nichts mit Gerech­tig­keit zu tun, son­dern ledig­lich mit Regle­ment, und das war vor­her bekannt.
    Ansons­ten bewe­gen wir uns schon nahe an Auf­fas­sun­gen wie bei Pegi­da und Kon­sor­ten (“wir sind das Volk”).

    Das neue Prä­sen­ta­ti­ons­sys­tem hat sich wirk­lich bewährt. So war es tat­säch­lich span­nend bis zum Schluss. Und dass nur die 12 Punk­te ange­sagt wur­den, hat sich als nicht so schlimm her­aus­ge­stellt, wie ich befürch­tet hat­te. Der Unter­schied, nun 1 bis 10 statt 1 bis 7 ein­zu­blen­den, ist mar­gi­nal. Außer­dem kann ich die Tabel­len eh im Video­st­and­bild oder online nach­schla­gen.

    Ich bin jeden­falls heu­te früh rich­tig glück­lich ins Bett gesun­ken.

  7. @ Def

    (…) näm­lich um die typi­schen Blind­hei­ten die­ser „Orga­ne“ wenigs­tens etwas aus­zu­glei­chen, näm­lich ein zu star­kes „Flie­gen“ der Tel­e­vo­ter auf vor­der­grün­di­ge Effekt­ha­sche­rei (heu­er z.B. RUS) und eine zu star­ke Fixie­rung auf hand­werk­lich gut Pro­du­zier­tes, wenn auch See­len­lo­ses, viel­leicht ten­den­zi­ell auch eher „klas­si­sches“ (Bei­spiel AUS)”

    Nur komisch, dass die­se Blind­hei­ten die­ses Jahr genau anders­her­um waren als im letz­ten. Ita­li­en als Tel­e­vo­ting-Sie­ger klas­sisch und Schwe­den als Jury-Sie­ger effekt­ha­sche­risch. So typisch kann das also gar nicht sein. Wobei natür­lich gut pro­du­ziert und see­len­los auf Heroes dann wie­der zutrifft.

  8. @Kowalski
    Weil du sehr tref­fend Gra­bosch und Schrei­ber ansprichst! Auch Peter Urban gehört drin­gend abge­löst! Der Mann ist längst im Ren­ten­al­ter, und sein per­sön­li­cher Geschmack in Ehren, die­ses falsch Able­sen vom Skript, 1:1-Wiederholungen aus den Semis im Fina­le, das sich stän­di­ge Kor­ri­gie­ren und sei­ne sprach­li­chen Hol­pe­rer – es reicht nach über 20 Jah­ren ESC-Kom­men­ta­ren. Dass Deutsch­land KEIN ESC-Land wie etwa die Skan­di­na­vi­schen oder die auf dem Bal­kan und im Osten sind, liegt zum Teil auch an ihm.

  9. @Peter Edel­weiß
    Auch wenn ich (seit Jah­ren) gegen Peter Urban war, da ich den­ke, dass sei­ne Ver­un­glimp­fun­gen vor allem von Namen den Teil­neh­mern wrk­lich nicht gerecht wer­den, so muss ich sagen, dass er sich die­ses Mal wohl arg zusam­men­ge­ris­sen hat, denn die Hol­pe­rer waren dies­mal erfreu­lich weni­ge, was mir sehr wohl­wol­lend auf­ge­fal­len ist.

  10. @Def
    Peter Urban ist aber Teil des Sys­tems, wenn ich das mal so for­mu­lie­ren darf! Das deut­sche Vor­ent­scheid-Modell muss drin­gend und grund­le­gend refor­miert wer­den. Wer sich die “Experten”-Runden auf esc.de und auf Eins­fes­ti­val ange­se­hen hat, dem muss das kal­te Grau­sen kom­men! Was Herr U. hier geäu­ßert hat, dis­qua­li­fi­ziert ihn. Fed­der­sen, Moor und Kon­sor­ten sind hier keinn Deut bes­ser!

  11. Also auf das Jury-Bashing laß ich mich gar nicht mehr ein. Wir haben erlebt, wohin rei­nes Tel­e­vo­ting führt, es war schreck­lich.

    Bzgl. der Pro­ble­me in Deutsch­land: Die lie­gen ja genau dar­in, daß die deut­schen Bei­trä­ge *nicht* mas­sen­taug­lich sind. Ghost war ja schon vor dem deut­schen ESC-Vor­ent­scheid im Han­del. Es hat damals nicht ein­mal für einen Platz unter den Top 10 gereicht, obwohl das Cas­ting-Show-Stern­chen gera­de die vol­le Wer­be­ma­schi­ne­rie von “The Voice” im Rücken hat­te. Das hät­te eine glat­te Nr.1 wer­den müs­sen damals im Dezem­ber, war aber sogar in Deutsch­land selbst ein Flop. Wie soll man erwar­ten, daß irgend­wer im Rest Euro­pas an die­sem Song gefal­len fin­det? Jemand, der das wochen­lan­ge “The Voice”-Theater nicht mit­be­kom­men hat?

    Stich­wort Main­stream: Der ESC kann nur funk­tio­nie­ren (und über­le­ben), wenn er Main­streamtaug­li­ches Pro­du­ziert. Er wäre vor eini­gen Jahr­zehn­ten fast gestor­ben, weil er sich zu sehr vom “rich­ti­gen Leben” ent­fernt hat­te. “1944” ist sicher kein mas­sen­kom­pa­ti­bler Song. Ich mag ihn irgend­wie, aber ich will ihn kei­nes­falls in der Früh im Radio hören. Als Sie­ger des ESC 2016 eigent­lich eine ziem­li­che Kata­stro­phe für die Ver­an­stal­tung. Die EBU hat sich mit der Zulas­sung der Num­mer kei­nen Gefal­len getan: Mit einem ande­ren Text hät­te Jama­la sicher nicht gewon­nen. Und auf den Text soll­te es auf gar kei­nen Fall ankom­men.

  12. Ich bin froh über den Sieg der Ukrai­ne, hät­te zwar Aus­tra­li­en noch lie­ber gehabt, aber den Song kön­nen ja vie­le auch nicht aus­ste­hen.

    Das rus­si­sche Lied fand ich per­sön­lich fürch­ter­lich. Die Show war beein­dru­ckend – auch wenn mich der Anfang zu sehr an Heroes erin­nert hat – aber das Lied geht für mich gar nicht. Bil­ligs­ter Dis­co­trash der mir das Schau­dern über den Rücken lau­fen lässt, ähn­lich wie auch beim pol­ni­schen Song. Habe das über­haupt nicht gepackt dass der beim Publi­kum so gut ange­kom­men ist, aber so sind halt die Geschmä­cker ver­schie­den.

    Ach­ja, als Öster­rei­cher habe ich mir die Semis auf ORF ange­schaut, aber auf­grund der bes­se­ren Bild­qua­li­tät das Fina­le dann auf ARD. Urban fin­de ich fürch­ter­lich, da ist mir Knoll um eini­ges lie­ber, aber dafür zeigt der ORF das Pau­sen­pro­gramm nicht, oder nur eing­schränkt. Hat­te kurz zum ORF gezappt als Lin­da Woo­d­ruff dran war, und da lief auf ORF Wer­bung. Scha­de, gera­de weil ich die gesam­te Mode­ra­ti­on die­ses Jahr so fan­tas­tisch fand.

  13. Es ist schon erstaun­lich, dass Herr Schrei­ber im Vor­feld von einer Top10-Plat­zie­rung spricht, sich aber alle Hard­core-Fans einig waren, dass Ghost eher unter den LAST10 zu fin­den wird (sie­he Tipp-Spiel der Prinz­blog­ger, Odd­che­cker, etc.).
    Mir tut das Mädel leid, das ein­fach instru­men­ta­li­siert wor­den ist (der ent­spre­chen­de Kom­men­tar zum Ergeb­nis auf der FB-Sei­te unse­rer letzt­jäh­ri­gen Teil­neh­me­rin A.-S. spricht Bän­de). In der Tat hat der NDR den ESC ein­fach immer noch nicht ver­stan­den…

    By the way: Es ist schon erstaun­lich, wie unter­schied­lich die Songs wir­ken, wenn man sie live vor Ort oder am TV auf­neh­men.
    Dami und Hovi haben in der Hal­le (eben­so wie Jama­la) Emo­tio­nen geweckt, die in der Nach­be­trach­tung am TV nur bedingt rüber­ka­men.….

Oder was denkst Du?