Von Wöl­fen und Lum­pen­sä­cken: die Pro­ben zum ers­ten Semi 2016

In Stock­holm gin­gen heu­te die ers­ten Pro­ben­durch­gän­ge für die bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den zu Ende. Seit Mon­tag üben die Teilnehmer/innen aller 42 Natio­nen ihre Auf­trit­te erst­mals auf der ech­ten Euro­vi­si­ons­büh­ne. Noch nicht immer im spä­te­ren Büh­nen­out­fit und oft­mals mit stimm­lich ange­zo­ge­ner Hand­brem­se – in der ers­ten Run­de geht es haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­rapo­si­tio­nen und Büh­nen­hin­ter­grün­de und ums letz­te Fei­len an den Cho­reo­gra­fi­en. Die von den inter­na­tio­na­len Blog­gern vor Ort natür­lich schon flei­ßig ver­brei­te­ten ers­ten Ein­drü­cke sind daher mit Vor­sicht zu genie­ßen, zumal es für zu Hau­se Geblie­be­ne wie mich nur kur­ze Drei­ßigs­ekün­der zu sehen und zu beur­tei­len gibt. Den­noch will, ja muss ich mich an eine ers­te Beur­tei­lung wagen. In die­sem Pos­ting nun zuerst alle Acts des ers­ten Semi­fi­na­les. Auf die Minu­te pünkt­lich los ging es am Mon­tag mit der ers­ten Pro­be von Sandhja Kui­va­lai­nen. Die Fin­nin trat in einem eng­an­lie­gen­den, offen gesagt wenig vor­teil­haf­ten, schul­ter­frei­en Ein­tei­ler auf, umrahmt von fünf schwarz­ge­klei­de­ten, weib­li­chen Backings, die sie alle um Haup­tes­län­ge über­rag­ten. Was optisch leich­te Remi­nis­zen­zen an Mari­ja Šerifo­vić (RS 2007) und die Beau­ty Queens her­vor­rief. Musi­ka­lisch eher nicht: ‘Sing it away’ ist ein net­ter, flot­ter Pop­song, fällt live aller­dings deut­lich zur Stu­dio­ver­si­on ab. So wie wohl auch die Final­chan­cen der Fin­nen.

Das Proll-Out­fit tau­schen die Grie­chen sicher noch gegen etwas Pas­sen­de­res

Als ganz ande­res Kali­ber ent­puppt sich da der dies­jäh­ri­ge hel­le­ni­sche Bei­trag ‘Uto­pi­an Land’ von Argo. Nicht nur die grie­chi­schen und pon­ti­schen Stro­phen sowie die hart an der Gren­ze zur Ohren­fol­ter ent­lang­schram­men­den Dudel­sack-Töne geben Kun­de von der grie­chi­schen Her­kunft des Bei­trags, son­dern auch die dar­ge­bo­te­ne Cho­reo­gra­fie mit jeder Men­ge lan­des­ty­pi­schem Tanz. Wobei der in sei­ner Mélan­ge aus händ­chen­hal­ten­dem Line­dance und teil­wei­se an Mon­ty Phy­tons Minis­try of Sil­ly Walks erin­ner­dem Bein­ge­we­del stel­len­wei­se eher wirkt, als hät­ten die Schü­ler aus der Serie Glee den bekann­ten iri­schen River­dance neu inter­pre­tiert. Nach Blog­ger­be­rich­ten fiel im Pres­se­zen­trum wäh­rend der kom­plet­ten Pro­be von Argo der Ton aus, dem von eurovision.tv bereit­ge­stell­ten Clip nach zu urtei­len hat’s mit dem Sin­gen aber geklappt. Nach wie vor mein Lieb­lings­ti­tel des ers­ten Semis, und dank der Cho­reo­gra­fie ver­mut­lich mit etwas gestie­ge­nen Chan­cen, könn­te es mit der Qua­li­fi­ka­ti­on für die Grie­chen aber zum ers­ten Mal knapp wer­den. Lidia Isac aus Mol­da­wi­en, die zwi­schen­zeit­lich bei einer Pres­se­kon­fe­renz eine Art musi­ka­li­scher Gedenk­mi­nu­te für den geschass­ten Bei­trag aus dem rumä­ni­schen Bru­der­land ein­leg­te, erschien am Mon­tag in einem zum Kleid umge­ar­bei­te­ten Kar­tof­fel­sack auf der Büh­ne. Was aber nicht wei­ter auf­fiel, da alle Augen auf ihrem hoch­gra­dig gut aus­se­hen­den Tän­zer ruh­ten, der in einem schwar­zen Tau­cher­out­fit eine hoch­gra­dig artis­ti­sche Wei­ter­ent­wick­lung von Lore­ens (SE 2012) lus­ti­gem Krab­ben­tanz vor­führ­te. Sehr unter­halt­sam, ret­tet den hoff­nungs­los belie­bi­gen Song aber auch nicht mehr.

Lidi­as Out­fit straft ihren Song­ti­tel Lügen (MD)

Nichts Spek­ta­ku­lä­res gibt es über die unga­ri­sche Dar­bie­tung zu berich­ten. Sexy Fred­die steht im zeit­ge­mäß inter­pre­tier­ten James-Dean-Out­fit recht regungs­los auf der Büh­ne und singt, beglei­tet von drei männ­li­chen Backings, die sich in syn­chro­nen Bewe­gun­gen üben, und einem völ­lig über­flüs­si­gen Schaut­romm­ler, den Suzy (PL 2014) wohl sei­ner­zeit aus Kos­ten­grün­den in Kopen­ha­gen zurück­ließ und der sich zwi­schen­zeit­lich bis Stock­holm durch­schlug. Für den Final­ein­zug von ‘Pioneer’ zählt aber nur die Fra­ge, ob es Fred­die gelingt, ein paar düs­ter-geheim­nis­vol­le Bli­cke in die rich­ti­ge Kame­ra zu schi­cken, und da hege ich wenig Beden­ken. Zuflucht zu einem opti­schen Gim­mick nahm unter­des­sen die Kroa­tin Nina Kral­jić – und tat sich damit kei­nen Gefal­len. Sie steckt zunächst in einem mit “gigan­tisch” nur unzu­rei­chend beschrie­be­nen, zelt­ar­ti­gen Fum­mel, der zwar von einem Baum inspi­riert sein soll, aber eher an ein Schlepp­netz von einem Fisch­kut­ter erin­nert, in dem sich die Abfäl­le einer Glit­ter­fa­brik gesam­melt haben. Sobald sich die Zuschau­er von die­sem opti­schen Schock erholt haben, rup­fen ihre Backings ihr das Teil dann auch her­un­ter: der Rest ist Lan­ge­wei­le. An dem auch ihre zwei hüb­schen männ­li­chen Chor­sän­ger nichts ändern kön­nen, die sich in der Pro­be bei­na­he im lie­gen gelas­se­nen Schlepp­netz ver­fan­gen hät­ten.

Strom­aus­fall im Leucht­turm: so lässt sich das Desas­ter wohl zusam­men­fas­sen (HR)

Dou­we Bob aus den Nie­der­lan­den, der sich von einer zum Play­back auf den Instru­men­ten mimen­den, “authen­ti­schen” Band beglei­ten lässt und im blau­en Anzug sehr über­zeu­gend die Tom-Dice-Kar­te (BE 2010) spielt, ließ bei der Pro­be für die Dau­er eines Refrains den Ton abdre­hen – schein­bar plant er, dass die Fans in der Hal­le an die­ser Stel­le aca­pel­la mit­sin­gen sol­len. Könn­te einen gro­ßen TV-Moment geben, wenn das klappt (und ihm den Final­ein­zug sichern), oder furcht­bar in die Hose gehen. Ich hof­fe natür­lich auf Letz­te­res, weil ich ‘Slow Down’ noch mehr has­se als wei­land ‘Me and my Gui­tar’. Womit klar ist, dass der kal­te hol­län­di­sche Kaf­fee unter den ers­ten Fünf lan­det. Wie man ein Ost­block­flitt­chen-Out­fit trägt, ohne dabei nut­tig zu wir­ken, zeigt uns die Arme­nie­rin Ive­ta Muku­chyan: Bei­ne, die allei­ne schon län­ger wir­ken als Eva Rivas (AM 2010) von Kopf bis Fuß (und die maß über 2 Meter!), ein schwar­zer Bade­an­zug und ein Super­hel­din­nen­cape sowie wenig Bewe­gung. Ive­ta über­zeugt durch Prä­senz und stimm­li­ches Kön­nen. Sowie Holo­gram­men von ihr, mit denen sie sich wäh­rend ihres Auf­trit­tes selbst Gesell­schaft leis­tet, wäh­rend ihre Backings hin­ter der Büh­ne blei­ben müs­sen. Als Gesamt­pa­ket beein­dru­ckend und sicher im Fina­le.

Nur am fal­schen Lachen muss sie noch arbei­ten: Ive­ta (AM)

Der für San Mari­no sin­gen­de Tür­ke Ser­hat gibt uns den ori­en­ta­li­schen Pascha und mur­melt zu ‘I didn’t know’ fel­sen­fest in der Büh­nen­mit­te ste­hend sei­ne Text­zei­len, wäh­rend sei­ne weib­li­chen Begleit­sän­ge­rin­nen und -tän­ze­rin­nen die Kno­chen­ar­beit erle­di­gen. Das High­light: anstel­le der dop­pel­ten Hand­klat­scher hau­en sie sich statt­des­sen auf die Schen­kel – das wirkt sexy und akzen­tu­iert die­ses akus­ti­sche Qua­li­täts­merk­mal des Titels. Bei der Pro­be tru­gen sie nicht auf­ein­an­der abge­stimm­te All­tags­kla­mot­ten, so dass man (auch ange­sichts des Sieb­zi­ger­jah­re-Dis­co­sounds) bei­na­he mei­nen konn­te, dass Ralph Sie­gel doch noch den Bei­trag für die Kleinst­re­pu­blik lie­fe­re. Aber das hier ist ja nicht Lou & Band (DE 2003): für den Semi­fi­nal-Auf­tritt schmei­ßen sie sich sicher in was Schi­cke­re­res. Dann folg­te die Pro­be, auf die alle schon war­te­ten: Russ­land, der – ich muss es lei­der sagen – siche­re Sie­ger 2016. Ser­gey bedient sich für sei­ne spek­ta­ku­lä­re Show bei Ele­men­ten von Kol­dun (BY 2007), Ani Lorak (UA 2008), Con­chi­ta Wurst (AT 2014), Måns Zelmerlöw (SE 2015) und Gre­ta Salo­mé (IS 2016). Letz­te­res ist beson­ders bit­ter für die Islän­de­rin, die im sel­ben Semi star­tet, aber erst spä­ter, so dass es so wirkt, als habe sie die gra­fi­schen Schat­ten­spie­le beim Rus­sen abge­kup­fert und nicht umge­kehrt. Laza­rev spielt die visu­el­le Kar­te per­fekt und zieht trick­tech­nisch alle Regis­ter: er lässt sich Flü­gel wach­sen; klet­tert auf unsicht­ba­re Tritt­stu­fen in der Lein­wand hin­ter ihm, was aus­sieht, als schwe­be er; und legt sich sogar in zwei Meter Höhe hin, wodurch die Dimen­sio­nen end­gül­tig ver­schmel­zen. Dazu lie­fern er und sei­ne fünf Backings stimm­lich auf den Punkt ab. Ich sehe nicht, wer ihm die Kro­ne noch weg­neh­men soll­te.

Fly on the Wings of Homo­pho­bia: 2017 geht’s wohl nach Putin­land (RU)

I stand’ (‘Ich ste­he’) heißt der tsche­chi­sche Song. Und genau das macht Gabrie­la Gun­čí­ko­vá auch, vol­le drei Minu­ten lang. Wie fest­ge­na­gelt. Passt aber zu ihrer fest­li­chen Euro­vi­si­ons­bal­la­de, genau so wie das wei­ße Prin­zes­sin­nen­kleid und der gigan­ti­sche Hals­schmuck. Erst kurz vor Schluss kommt noch mal etwas Bewe­gung in die Num­mer, als sie ihr Haar löst und im Sturm der Wind­ma­schi­ne wehen lässt. Dazwi­schen über­neh­men die Kame­ra­män­ner und die gra­fi­schen Spie­le­rei­en im Hin­ter­grund die Haupt­ar­beit. Wirkt gera­de im Kon­trast zum rus­si­schen Spek­ta­kel davor sehr zurück­ge­nom­men und edel und könn­te damit erst­mals fürs Fina­le rei­chen. Der nächs­te har­te Kon­trast naht mit der zypri­schen Band Alter Ego. Vier der fünf Rocker sind in Käfi­gen gefan­gen (oder auch nicht, bei allen feh­len Sei­ten­wän­de), nur der Lead­sän­ger Fran­cois steht frei. Es gibt, dem Ver­neh­men nach, visu­ell wahn­sin­nig anstren­gen­de Kame­ra­fahr­ten und Spe­zi­al­ef­fek­te, auch ein gemor­ph­ter Wolf (scheint 2016 ein Leit­the­ma zu sein) wird ein­ge­blen­det, der mit Fran­cois zu einer Ein­heit ver­schmilzt. Die tes­to­ste­ron­strot­zen­de Show lenkt erfolg­reich davon ab, dass es sich bei ‘Alter Ego’ um ein Schla­ger­schaf im Wolfs­pelz han­delt. Der Schwach­punkt bleibt aller­dings der Live­ge­sang, der die Qua­li­fi­ka­ti­on doch noch ver­hin­dern könn­te.

Caro­lin Rei­ber hat ange­ru­fen und will ihr Kleid zurück (AT)

Da muss es wohl Pro­ble­me mit dem Zoll gege­ben haben: Zoë, die dem Hören­sa­gen nach seit ihrem Sieg in der öster­rei­chi­schen Vor­ent­schei­dung Tag und Nacht auf dem Lauf­band prob­te, muss bei ihrem Euro­vi­si­ons­auf­tritt auf das Requi­sit ver­zich­ten. Scha­de! Auch hier sorgt die blu­men­bun­te Gra­fik, eine geschick­te Kame­ra­ar­beit und die Wind­ma­schi­ne, die ihr apri­cot­far­be­nes (‘It was accep­ta­ble in the 80s’, wie Cal­vin Har­ris sagen wür­de) Chif­fon­kleid lus­tig flat­tern lässt, aber dafür, dass die Num­mer nicht sta­tisch wirkt. Beim ers­ten, hier mit­ge­film­ten, Durch­gang noch etwas ver­hal­ten sin­gend, soll sich Frau Straub stimm­lich in den nächs­ten Pro­berun­den jedoch gestei­gert haben. Ich fürch­te zwar einer­seits immer noch, dass Zoë mit ‘Loin d’ici’ den Kate-Ryan-Award (BE 2006) für den über­ra­schend geschei­ter­ten Fan-Favo­ri­ten abräu­men könn­te. Ande­rer­seits: so viel wirk­lich bes­se­re Kon­kur­renz gibt es nicht, so dass ich dann doch mal auf den Final­ein­zug tip­pe. In Taschen­spie­ler­tricks ver­sucht sich dage­gen Jüri Poots­mann. Er zieht wäh­rend sei­ner Per­for­mance aller­lei Spiel­kar­ten aus den Taschen sei­nes Casi­no-Jacketts (und natür­lich ein As aus dem Ärmel) und schnickt sie ins Publi­kum. ‘Play’ halt. Auch die Gra­fik greift das The­ma auf. Bei der Pro­be am Mon­tag trug Jüri Bril­le, anders als noch in der Eesti Laul. Schon beim est­ni­schen Vor­ent­scheid wirk­te der Sän­ger auf mich ein wenig schnö­se­lig, gera­de­zu korps­stu­den­ten­haft – ein Ein­druck, der sich lei­der ver­stärk­te. Könn­te daher tat­säch­lich knapp wer­den.

Gleich­zei­tig grin­sen und spre­chen kann Sam­ra. Sin­gen eher nicht so (AZ)

Gon­na take a Mira­cle to save us now” lau­tet eine Text­zei­le des aser­bai­dscha­ni­schen Bei­trags, und die könn­te sich als sehe­risch erwei­sen. Die ers­te Pro­be setz­te Sam­ra näm­lich schon mal kom­plett in den Sand. Erkäl­tung? Stimm­band­zer­rung? Ner­ven­flat­tern? Oder ein­fach nur man­geln­des Talent? Ihre schwe­di­schen Backings lie­fer­ten dage­gen per­fekt ab, trotz Hoch­leis­tungs­cho­reo­gra­fie. Ein vir­tu­el­les und rea­les Büh­nen-Feu­er­werk gab’s zum Schluss auch noch. Doch das haben wir in die­ser Art alles schon tau­send mal gese­hen und gehört. Falls Fräu­lein Rəhim­li bis zum Diens­tag ihre Stim­me nicht wie­der­fin­det, könn­te der ewi­ge Qua­li­fi­kant vom Kas­pi­schen Meer gar erst­mals schei­tern. Kei­ne Sor­gen müs­sen sich dar­ob die Jungs von High­way aus Mon­te­ne­gro machen: die haben ohne­hin kei­ne Chan­ce. Auch bei ihrem Auf­tritt muss die BBC wie­der eine Epi­lep­sie­war­nung ein­blen­den: tota­les Stro­bo-Over­kill. Inter­es­san­ter­wei­se wir­ken sie im Ver­gleich zu den zypri­schen Kol­le­gen eher wie Poser, obwohl sie den authen­ti­sche­ren Rock­song im Gepäck haben. Liegt es an der mit­ge­brach­ten Tän­ze­rin, die klas­si­sche rhyth­mi­sche Sport­gym­nas­tik betreibt, wäh­rend die Ker­le ihre Instru­men­te schän­den?

MC Ham­mer hat ange­ru­fen und will sei­ne Hose zurück (BA)

Wenig über­ra­schend über­nimmt Gre­ta Salo­mé ihre Söng­vakepp­nin-Per­for­mance (inklu­si­ve des Fran­sen­fum­mels) eins zu eins für Stock­holm. Glück­li­cher­wei­se scheint man im Glo­ben mehr Geld für die Aus­leuch­tung der Künstler/innen zu haben als in Island – dies­mal sieht man sie sogar in Per­son und nicht nur ihren Schat­ten­riss. Beim ers­ten Durch­gang stimm­ten die Posi­tio­nen hin­ten und vor­ne nicht, so dass die visu­el­len Effek­te (bei­spiels­wei­se die toxi­schen Ver­dau­ungs­ga­se, die ihr in einer Art Ver­puf­fung aus der Bauch­höh­le bre­chen) völ­lig ins Lee­re lie­fen. Das klapp­te spä­ter dann aber bes­ser. Ein wenig schien ihr der Stress auch auf die Stim­me zu schla­gen, aber das fin­det sich sicher noch. Die span­nen­de Fra­ge bleibt, ob die Zuschau­er ihren Auf­tritt – unge­rech­ter Wei­se – als Abklatsch der rus­si­schen Dar­bie­tung wahr­neh­men und Gre­ta dafür abstra­fen. Das bos­ni­sche Quar­tett greift in sei­ner Büh­nen­show das schänd­li­che Umge­hen Euro­pas mit den Flücht­lin­gen auf: Deen und Dalal sin­gen sich durch einen Sta­chel­draht­zaun an, und die Cel­lis­tin Ana Ruc­ner, die zwi­schen­zeit­lich gar einen wei­te­ren Bogen ihres Gei­gen­ge­rip­pes ver­kau­fen muss­te, um die Schleu­ser zu bezah­len, sitzt zunächst von einer sil­ber­nen Ret­tungs­de­cke umhüllt auf der Büh­ne, als habe sie Fron­tex gera­de aus dem Mit­tel­meer gefischt und wol­le sie nun vor dem Erfrie­rungs­tod bewah­ren. Unten­drun­ter trägt sie aber ein schi­ckes Klei­nes Schwar­zes. Inter­es­san­ter­wei­se bringt erst ISIS-Rap­per Jala alle zusam­men, spielt also hier den Good Guy. Ob die euro­päi­schen Zuschau­er die­se Sicht­wei­se gou­tie­ren? Ich mag’s sehr!

Als nächs­tes ver­wan­delt sie Was­ser in Wein: Ira Losco (MT)

Im Gegen­satz zu ‘Walk on Water’. Ira Losco erscheint uns zunächst in Form einer Pro­jek­ti­on, die dann auf den Rücken eines Tän­zers wan­dert, bevor Ihre Hei­lig­keit geruht, doch noch selbst auf der Büh­ne zu erschei­nen. In einem Trick­kleid, mit dem sie sich ein hei­ßes Kopf-an-Kopf-Ren­nen mit Nina Kral­jić um den dies­jäh­ri­gen Bar­ba­ra-Dex-Award lie­fern dürf­te. Iras Tän­zer wir­belt dazu in einem offen­sicht­lich aus Lum­pen zusam­men­ge­näh­ten Gewand in wil­den Zuckun­gen über die Flä­che, als sei er beses­sen. Kein Wun­der, dass die vier Backing-Sän­ge­rin­nen, dar­un­ter die Schwe­din Mol­ly Pet­ters­son Hammar, sich lie­ber hin­ter der Büh­ne ver­ste­cken. Wie auch Iras Song will die­se Dar­bie­tung zu krampf­haft zu viel und schei­tert dar­an. Damit ist das Feld der Teilnehmer/innen des ers­ten Semi­fi­na­les am kom­men­den Diens­tag kom­plet­tiert, mei­ne aktua­li­sier­ten Ein­schät­zun­gen fin­den sich in der unten­ste­hen­den Tabel­le: unter “a:Tipp” mei­ne Vor­her­sa­ge für das Ergeb­nis (die ers­ten zehn tip­pe ich somit fürs Fina­le am Sams­tag) und unter “a:Platz” mei­ne per­sön­li­chen Lieb­lings­lie­der. Dane­ben prob­te vor­ges­tern auch der schwe­di­sche Frans, der als Reprä­sen­tant des Gast­ge­ber­lan­des direkt für das Fina­le gesetzt ist. Sei­ne Dar­bie­tung unter­schied sich aller­dings nur in Nuan­cen vom Mel­lo – er nutzt die Satel­li­ten­büh­ne für eine Stro­phe, das war’s aber auch. Die Ein­schät­zun­gen fürs zwei­te Semi ste­hen hier.

aufrechtgehn.de-Wertung und Vor­her­sa­ge für das 1. Semi­fi­na­le 2016

Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 – Ers­tes Semi­fi­na­le. Diens­tag, 10. Mai 2016, aus dem Glo­ben in Stock­holm, Schwe­den. 18 Teil­neh­mer, Mode­ra­ti­on: Petra Mede + Måns Zelmerlöw. (Stand der Vor­her­sa­ge: 05.05.2016)
#LandInter­pretTitela: Platza: TippErgeb­nis
01FISandhja Kui­va­lai­nenSing it away111515
02GRArgoUto­pi­an Land010916
03MDLidia IsacFal­ling Stars131717
04HUFred­diePioneer050304
05HRNina Kral­jićLight­house151110
06NLDou­we Bob Post­hu­maSlow down180805
07AMIve­ta Muku­chyanLove­Wa­ve140202
08SMSer­hat HacıpaşalıoğluI didn’t know041612
09RUSer­gey Laza­revYou are the only One020101
10CZGabrie­la Gun­čí­ko­váI stand080409
11CYMinus OneAlter Ego070508
12ATZoë StraubLoin d’ici060707
13EEJüri Poots­mannPlay091418
14AZSəm­ra Rəhim­liMira­cle161006
15MEHigh­wayThe real Thing121813
16ISGre­ta Saló­me Ste­fáns­dót­tirHear them cal­ling101314
17BADeen + Dalal Mid­hat Tala­kićLju­bav je030611
18MTIra LoscoWalk on Water171203

6 Gedanken zu “Von Wöl­fen und Lum­pen­sä­cken: die Pro­ben zum ers­ten Semi 2016

  1. Ich sehe nicht, wer ihm die Kro­ne noch weg­neh­men soll­te” – ich schon! Go for it, Amir! Paris 2017!

  2. Na was den nun? Erst steht im Text Zoe´ wird sicher­lich die Kate beer­ben und dann kommt unten in dei­ner per­sön­li­chen Wer­tung ihr Final­ein­zug (was ich auch glaube).Wenn du aber befürch­test, das sie es nicht schafft – soll­tet du es doch auch so tip­pen. Oder?
    Der gan­ze Kate Tru­bel kam ja durch ihre dama­li­ge Prä­senz und inter­na­tio­na­le Bekannt­heit – die Ihr dann bekannt­lich nichts nütz­te.
    Soll­te es Zoe‘ wie­der Erwar­tens doch nicht schaf­fen ‚wird es in den deut­schen Foren wohl nur für Unver­ständ­nis sor­gen.
    In Bel­gi­en ‚Frank­reich ‚Schweiz wohl weni­ger …
    Zu Ser­gay – Ich per­sön­lich weiß jetzt schon, das ich im nächs­ten Jahr nicht nach Russ­land fah­ren wer­de ich befürch­te es nicht mal
    – ich glau­be an Paris :-)) Bes­te Grü­ße

  3. Du hast Recht, Felix, das war nicht ganz stim­mig. Ich hab den Text jetzt nach­ge­ar­bei­tet.
    Ich wür­de mich natür­lich freu­en wie ein Keks, wenn der swee­te Amir gewin­nen soll­te anstatt Ser­gey. Nicht nur, weil ich ihn und sein Lied sehr, sehr, sehr mag und es per­sön­lich dem rus­si­schen Bei­trag auch vor­zie­he, son­dern natür­lich auch, weil es mich bei der Vor­stel­lung graust, dass es wie­der nach Mos­kau / Peters­burg geht. Ich fürch­te nur, Amir wird bes­ten­falls Zwei­ter. Zum einen, weil Frank­reich als Big-Five-Land seit jeher ten­den­zi­ell unter­be­wer­tet wird (schließ­lich hät­te auch die Kaas sie­gen müs­sen, wenn es Gerech­tig­keit gäbe), zum ande­ren, weil ich glau­be, dass das im Osten nicht ganz so prall ankommt wie bei den Fans hier­zu­lan­de. Und der rus­si­sche Bei­trag zieht halt ein­fach alle Regis­ter und wird ver­mut­lich über­all ein­sam­meln. Viel­leicht ver­feh­len aber auch bei­de das Ziel und wir haben wie 2011 wie­der einen Ver­le­gen­heits­sie­ger. Arme­ni­en zum Bei­spiel oder Aus­tra­li­en.
    Schau­en wir mal, ich bin ja eh schlecht im Vor­her­sa­gen und fän­de es natür­lich klas­se, wenn ihr Recht behal­tet und ich mich täu­sche.

  4. Russ­land und Aser­bai­dschan sind die Län­der, die jedes Jahr auf Teu­fel komm raus tod­pro­du­zie­ren. Ich muss geste­hen, dass es immer wie­der Songs gibt, denen ich mich dann doch nicht ent­zie­hen kann, obwohl ich das zutiefst unsym­pa­thisch fin­de. Es funk­tio­niert ja jedes Jahr mit Top-Plat­zie­run­gen. In dem meis­ten Fäl­len (so auch die­ses Jahr) fehlt den Songs jedoch ein­fach Herz­blut, Kan­te, ein biss­chen Imper­fek­ti­on. Unver­dien­ter­wei­se hat es tat­säch­lich für RUS und AZB je ein­mal geklappt mit dem Sieg. Man­gels Alter­na­ti­ven. Die­ses Jahr sieht das anders aus. Neben Frank­reich (DER gewinnt, seufzzz) soll­te man min­des­tens auch Lett­land nicht aus­ser Acht las­sen. Fern von den “Wer gewinnt”-Diskussionen bin ich echt ent­täuscht, dass Mon­te­ne­gro so wenig Zuspruch bekommt. Das Ding ist sau­geil und fest in mei­ner per­sön­li­chen TOP 3. Die hat aller­dings noch nie zu Pro­gno­sen gereicht. Ich darf noch nicht mal dafür mei­ne Tele­fon­rech­nung explo­die­ren las­sen. Fal­sches Semi – Scha­de

  5. Oli­ver, ent­schie­de­ner Wider­spruch. Amir hat, was den Instant Appeal angeht, unglaub­lich viel von dem, was auch Lena hat­te. Den sehen und lieb­ha­ben ist eins. Dazu kommt der Song: Sicher­lich nicht die Rie­sen­kom­po­si­ti­ons­kunst, aber unglaub­lich catchy, fröh­lich und macht anste­ckend gute Lau­ne. Wenn Amir auf der Büh­ne nicht ver­sagt, ist das eigent­lich nicht zu schla­gen. Ich gehe sogar fest davon aus, dass das ein Omni­poin­ter wird (= Punk­te von allen Län­dern).

  6. ‚I stand‘ (‚Ich ste­he‘)” hmm… heißt das nicht “ich blei­be”? Kam bei ihrem Auf­tritt ja auf das Glei­che (wenn nicht sogar Sel­be) raus – wobei natür­lich Dei­ne Poin­te bes­ser ist. Ich bin noch­mal über des Blog­gers Semi1-Pro­gno­se gegan­gen und weil ich mich so doll über das Fina­le für Tsche­chi­en (und Öster­reich) freue, bin ich an dem Text hän­gen geblie­ben.

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