Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: in der Ukrai­ne schum­melt schon der Nach­wuchs

Es wäre kei­ne ech­te ukrai­ni­sche Euro­vi­si­ons-Vor­ent­schei­dung ohne (angeb­li­che oder tat­säch­li­che) Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che. So auch in die­sem Jahr: wie Euro­fire berich­tet, habe es laut dem Sen­der STB, der in Koope­ra­ti­on mit dem öffent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen NTU die Vor­auswahl orga­ni­siert, Betrugs­ver­su­che bei der Online-Abstim­mung für die Wild­card-Run­de gege­ben. “Am Diens­tag, dem 8. Novem­ber, gegen 16 Uhr Orts­zeit ent­deck­ten unse­re tech­ni­schen Admi­nis­tra­to­ren eine gro­ße Zahl von Anfra­gen auf die Daten­bank unse­rer Sei­te und anul­lier­ten daher die Stim­men. Alle Anfra­gen kamen von Bots anstel­le von ech­ten Men­schen,” so ein Sen­der­spre­cher. Zu den Schumm­lern gehört die Goth-Rock-Band Aghiaz­ma mit dem hüb­schen beti­tel­ten Bei­trag ‘Zom­bie Dogs’, die mit viel Kajal und wei­ßer Schmin­ke sowie düs­te­ren Sounds das Andenken an den längst im Orkus des Ver­ges­sens ver­schwun­de­nen Mari­lyn Man­son hoch­hält. Sowie an die Brit-Punk-Legen­de John­ny Rot­ten, des­sen ver­heim­lich­ter Sohn in der Band mit­spielt. Eben­falls zu den angeb­li­chen Falsch­spie­lern zählt ein gewis­ser Kuz­net­sov, der aller­dings zum jet­zi­gen Zeit­punkt bereits wie­der auf knapp 6.000 Stim­men kommt (ein nun­mehr etwas geschick­ter getarn­ter Bot oder tat­säch­lich ech­te Fans?) und damit erneut zum Spit­zen­rei­ter Denis Pova­liy (10.000 Stim­men) auf­schließt, des­sen wat­te­wölk­chen­wei­ches ‘Writ­ten on your Heart’ klingt wie ein belie­bi­ges Acht­zi­ger­jah­re-Dudel­funk-Hin­ter­grund­ge­plät­scher. Und beim Bügeln sicher gute Diens­te leis­tet, wäre da nur nicht der völ­lig ungla­mou­rö­se Lead­sän­ger an der Wan­der­klamp­fe, gegen den selbst Chris de Burgh noch sexy wirkt.

Beschrei­ben sich selbst als “Mix aus Unter­was­ser-Kat­zen­ge­schrei, gefärb­ten Haa­ren und sur­rea­lis­ti­schem Gitar­ren­sound”: Aghiaz­ma

Da nur der Sie­ger der Inter­net-Abstim­mung ins natio­na­le Fina­le ein­zieht, steht hier eini­ges auf dem Spiel. Inso­fern ver­wun­dert es nicht, wenn der eine oder ande­re (oder des­sen Plat­ten­fir­ma) der Ver­su­chung nicht stand­hal­ten kann, das Voting im eige­nen Sin­ne zu mani­pu­lie­ren. Kann eine gewis­se Gra­cia Baur (→ DE 2005) ja auch ein Lied von sin­gen! Lei­der nur im Mit­tel­feld (mit etwas über 1.000 Stim­men) liegt im Übri­gen mei­ne per­sön­li­che Favo­ri­tin, die – wie Roy Dela­ney von Euro­vi­si­on Apo­ca­lyp­se sie so tref­fend beschreibt – “rüs­tig-uri­ge Maid mit Blu­men in ihrem Haar”, Nata­li­ya Pil­i­ponyuk. Die ent­bie­tet in ihrem Bei­trag zu den fol­kig-säu­se­li­gen Klän­gen eines sie beglei­ten­den Man­do­li­nen­zup­fers eine hoch­gra­dig patrio­ti­sche ‘Sere­na­da’ an die gelieb­te Hei­mat, die im fuß­ball­sta­di­on­taug­li­chen Refrain “U- kra – i – na, olé Ukrai­na, U – kra – i – na, olé, olé” mün­det. Da knat­tern ja förm­lich die Kas­ta­gnet­ten! Dazu kommt eine kaum zu fas­sen­de Abfol­ge natio­na­lis­ti­scher Kitsch­bil­der, abge­mil­dert nur von ein paar Auf­nah­men der guten Nata­li­ya, wie sie in bes­ter Kel­ly-Fami­ly-Manier mit Spen­den­hut im Park ste­hend singt. Man­gels Sprach­kennt­nis weiß ich nicht, ob sie Putin in dem Song gera­de den Krieg erklärt oder (wofür das kirch­li­che Umfeld spricht) Schwu­len und Les­ben das Fege­feu­er androht, aber als köst­li­che Vor­ent­schei­dungs­per­le liegt es in mei­nem Schatz­käst­lein für pos­sier­lich-patrio­ti­sches Lied­gut gleich­auf mit ‘I love Bela­rus’ (→ BY 2011). Immer­hin konn­te Frau Pipi-Pony deut­lich mehr Lands­leu­te zur Stimm­ab­ga­be über­zeu­gen als ihr äußerst jugend­li­cher Kon­kur­rent Koly Buchak, und das, obwohl der doch im Brust­ton der Über­zeu­gung von sich behaup­tet ‘I am sexy’. Und damit noch nicht mal völ­lig Unrecht hat. Auch wenn sei­ne Stär­ke offen­sicht­lich eher im Syn­chrontanz als in der lip­pen­syn­chro­nen Gesangs­si­mu­la­ti­on liegt.

Raps, das war sein letz­tes Wort: Nata­li­ya singt von der Schön­heit des ukrai­ni­schen Land­le­bens

Die männ­li­che Sabri­na Saler­no ist gefun­den: und bil­lig, ey, da steh ich drauf!

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