Kroatien 2017: die singende Discokugel darf ran

Sechs Mal trat er seit 2002 vergeblich beim kroatischen Vorentscheid, der DORA, an, wo er zwischenzeitlich gefühlt zum Inventar gehörte. Zuletzt unterlag er 2011 der aus Aschaffenburg stammenden Daria Kinzer im Divenzweikampf. Nun hatte der Sender HRT endlich ein Einsehen und nominierte den mittlerweile 35jährigen Jacques Houdek direkt als Vertreter für Kiew. Der ist mir aus den DORAs (DORAen? DORAta? DORi? DORAnten?) der Nuller Jahre vor allem als menschgewordene Discokugel in Erinnerung, der trotz wirklich enormer Körperfülle – er sah stets aus, als habe er gerade Chiara (→ MT 1998, 2005, 2009) verspeist – zu herrlich campen Discoschlagern über die Bühne hüpfte, als seien seine Kniegelenke aus Titan. Und dabei eine angesichts des schweißtreibenden Tuns meist erstaunlich gute stimmliche Leistung ablieferte! Trotz (oder gerade wegen) der verdächtigen musikalischen Präferenzen und seines flamboyanten Auftretens soll sich der (mit einer Frau!) verheiratete zweifache Vater jedoch in der Vergangenheit angeblich mehrfach in homophober Weise geäußert haben, wie OnEurope recherchierte. So tauche er unter anderem im Jahre 2005 in einem Bericht der Homorechte-Organisation ILGA über kroatische Prominente auf, die in der Öffentlichkeit dummes Zeug redeten. Allerdings habe er sich, wie andere Quellen berichten, 2011 in einem persönlichen Statement von diesen Vorwürfen distanziert: er habe im Kollegenkreis selbst schwule Freunde, jeder könne machen, was er wolle, er möchte nur singen… das Übliche. Viel wichtiger scheint mir aber zu sein, dass er sich von seinem damaligen Stammkomponisten trennte, so dass wir für Kiew wohl leider nicht mit einer weiteren schlagerhaften Eurotrashnummer rechnen können. Wie außerordentlich schade! Jaques‘ Eurovisionslied, wie immer es klingen mag, soll in Kürze veröffentlicht werden.

Erstaunlich leichtfüßig: der Haudegen Jaques (HR)

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