Schweiz 2017: Timebelle sinkt im Semi

Sie führte bereits im Vorfeld in allen einschlägigen Fan-Polls, das Schweizer Fernsehen ließ sie extra auf dem letzten Startplatz antreten, dem Pimp Slot, die Leadsängerin Miruna Manescu trug das klassischste Abendkleid und sang von allen sechs Kombattantinnen am wenigsten schief – natürlich gewann, zu niemandes Überraschung, die rumänischweizerische Band Timebelle (mit knapp der Hälfte der Zuschauerstimmen sehr überzeugend) die heutige helvetische Entscheidungsshow. Damit kehren die Eidgenossen zum bewährten Konzept des internationalen Interpreten-Imports zurück: Miruna und ihre zwei Begleitungen stammen aus dem Niedriglohn-EU-Ausland. Ihr Lied ‚Apollo‘, ein völlig belangloser Midtemposeich, bildet musikalisch den Durchschnitt sämtlicher aserbaidschanischen und dänischen Eurovisionsbeiträge der letzten acht Jahre ab und klingt wie schon tausendmal gehört. 2015 boten es seine Songschreiber bereits beim Vorentscheid im Land des Feuers an, wie der in die Auswahl involvierte Wiwiblogger William Lee Adams twitterte.

Die Definiton von „meh“: Timebelle

Dort wollte es aber keiner (und bevor die Regelfetischisten aufschreien: da es nicht öffentlich aufgeführt wurde, verstößt es nicht gegen geltendes EBU-Recht). Nun also dürfen Timebelle damit in Kiew für die Schweizer mal wieder einen hinteren Platz im Semifinale ersingen. Denn auch, wenn sie beim Vorentscheidungsauftritt schon mal vorsichtshalber Rosenblätter über sich regnen ließen: auf eine Punktedusche beim Song Contest braucht das Trio für das fade Hintergrundgesäusel nicht zu hoffen. Fairerweise muss man sagen: in der heutigen Entscheidungsshow, die Moderator Sven Epinay tragischerweise mit einer zehnminütigen Traumsequenz eröffnete, die ausführlich von einem dritten helvetischen Grand-Prix-Sieg und den begeisterten Reaktionen im Land fantasierte (zu viele Alpenkräuter geraucht?), fand sich auch nichts Besseres. Teilweise wusste man schon nicht mehr, ob die aufgerollten Fußnägel vom Katzengesang der Interpretin stammten oder ob diese gar nichts falsch machte und nur das Lied einfach so schlecht war.

Da helfen auch die Trickbildspielereien nichts, wenn man es nicht schafft, synchron zum Backgroundchor vom Band zu singen

Wie zum Beispiel bei Freschtas ‚Gold‘, in dem man selbst beim besten Willen keine Melodie ausmachen konnte. Auch meine Vorabfavoritin Cunt Baku Ginta Biku, deren frankophil-zweisprachiges ‚Cet Air la‘ wenigstens ansatzweise noch so etwas wie einen Puls vorweisen konnte, versuchte vergeblich, mit allerlei Hologramm-Spielereien von ihrer mauvaisen Gesangsleistung, ihrem fehlenden Timing und ihrem frostigen Robotercharme abzulenken. Am überzeugendsten fiel bezeichnenderweise der Pausenauftritt von Sebalter (→ CH 2014) aus, der seine neue Single ‚Weeping Willow‘ bewarb – bei Weitem kein Vergleich mit seinem Eurovisionssong ‚Hunter of Stars‘, aber immer noch mit Abstand das beste Lied des heutigen Abends. Kann man ihn nicht einfach noch mal schicken?

Keine Chance aufs Finale, aber vom Sieg fantasieren: was rauchen die da in der Schweiz nur? (Ganze Show)

Was denkst Du? Hat die Schweiz mit Timebelle eine Chance aufs Finale?

  • Mit diesem Seich nicht. Wer soll dafür anrufen? (41%, 35 Votes)
  • Das könnte sich sogar knapp ins Finale mogeln, dort aber eine Anna Rosselini pullen. (40%, 34 Votes)
  • Ja sicher! Eingängiger Popsong, sie singt gut - wieso sollte das hängenbleiben? (20%, 17 Votes)

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4 Kommentare zu „Schweiz 2017: Timebelle sinkt im Semi

  1. Ich sag es ja, der Interval ist immer das Beste. Zumindest in fast allen Ländern außerhalb Deutschlands. Ich hoffe zumindest, dass unsere zwei Lieder besser sind als das, was uns Herr Schweighöfer anbieten wird.^^

  2. Ja, das war eine Streckbank. Das sollen die besten Songs gewesen sein. Ich denke Timebelle peppen das noch etwas auf. Ich denke, man kann da was draus machen. Hoffentlich wird es am Donnerstag nicht so schlimm bei uns. Dir einmal ganz lieben Dank für die schnellen Berichte, die tollen Links oder einfach, dass du da bist

  3. Ach, guck an, der Sebalter singt ja doch noch, statt nur noch als Anwalt zu arbeiten. Sehr erfreulich. Zu den Songs ansonsten: Timebelle mag zwar „meh“ sein, aber der Rest war „nee“.

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