Ungarn 2017: Die Wagen so bunt, die Pferdchen so zottig

Die Magyaren haben gewählt. Oder, um genauer zu sein: sie wählten aus dem, was die Jury ihnen übrig ließ. Die holzte den in der Endrunde des heutigen A Dal-Finales alleine abstimmungsberechtigten Zuschauer/innen im ersten Durchgang gezielt ihre bisherigen Favoriten weg, das Trio Toyota Totova nämlich, das zum noch nicht mal notdürftig kaschierten Bühnenhintergrund von Jamalas ‚1944‘ einen äußerst zähen, anstrengenden Song in die Gegend brüllte. Und auch wenn ich die krasse Bevormundung durch die Juroren natürlich als undemokratisch geißeln muss: inhaltlich bin ich schon froh, dass uns das erspart blieb. Unter den verbliebenen Titeln entschieden sich die Ungarn dann für den interessantesten. Um mich selbst zu zitieren‚Origo‘ von Joci Pápai (der Gewinnertitel) verknüpft sehnsuchtsvolles ziganes Geigengefiedel und wehmütige Klagegesänge mit zeitgemäßen, druckvollen Elektrobeats und einer technisch sauber abgelieferten, wenngleich für meinen Geschmack ohne Weiteres verzichtbaren Rap-Einlage. Auf ungarisch. Die in den Contests der Nuller Jahre ganz beliebte, aber natürlich zeitlos schöne Verbindung von Tradition und Moderne, welche der Beitrag liefert, drückte sich auch im Outfit des Sängers aus, der aussah, als habe sich ein Zirkus-Artist mit einem Lederbar-Besucher im Darkroom gepaart. Ein eher außergewöhnlicher, wenngleich gut anhörbarer Ethno-Song also, der die Grand-Prix-Fans vermutlich in zwei unversöhnliche Lager teilen dürfte. Und der ein Risiko für die zuletzt ziemlich erfolgreiche Eurovisionsnation darstellt: denn ob der Zigan-Zauber beim europäischen Publikum, vor allem aber bei den Jurys ankommt und für den Finaleinzug reicht, bleibt eine spannende Frage. Aber genau solche Beiträge, die Risiken eingehen und die Geschmäcker spalten, die sind bekanntlich die besten. Danke, Ungarn!

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber: mit den Manbuns ist es langsam mal gut! (HU)

Schafft Ungarn mit Joci Pápai erneut das Finale?

  • Klar, warum nicht? Der Song fällt auf, und das auf positive Weise. Super! (48%, 50 Votes)
  • Ich würde es mir wünschen, weil Mut belohnt werden sollte, aber das Risiko ist hoch. (32%, 33 Votes)
  • Dieses furchtbare Gejaller? Eher nimmt Orban alle afghanischen Flüchtlinge auf. (20%, 21 Votes)

Total Voters: 104

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4 Gedanken zu “Ungarn 2017: Die Wagen so bunt, die Pferdchen so zottig

  1. war ungarn nicht die europäische nation mit der höchsten selbstmordrate ? das scheint mir jedenfalls die gesungene bastelanleitung

  2. Solche Beiträge sind das Salz in der Suppe beim ESC, genau deshalb liebe ihn!
    Ich drücke Ungarn ganz fest die Daumen, dass der Mut belohnt wird und Joci nicht nur in’s Finale einzieht, sondern weit oben landet!

  3. Zitat: „Oder was denkst Duu?“ : Ich denke oft an Piroschka 😉 @miromuc Aber Spaß beiseite, ich finde das der ungarische Beitrag heuer neben Weißrussland (und natürlich Italien) das Zuschauen lohnt. 🙂 Viel Glück für Joci!

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