Eurovision Deathmatch #3: I heard it all before

Runde 3 im Zweikampf der Grand-Prix-Teilnehmer/innen 2017. Diesmal schicken wir zwei Künstler/innen in die tödliche Schlacht, die es in Sachen musikalischer Originalität nicht all zu genau nehmen: Zypern gegen Deutschland oder der Zweikampf der „Plagiat!“-Titel lautet unsere heutige Auslosung. Für die sonnige Mittelmeerinsel tritt der 28jährige Hovig Demirjan an, Sohn armenischer und zyprischer Eltern, der – wie so viele Andere – erstmalig durch eine Teilnahme an einer Castingshow (in seinem Falle: X Factor Ellada) ins Rampenlicht trat. Der optisch durchaus kernige, dafür stimmlich nicht unbedingt besonders gesegnete Sänger bediente sich für seinen Eurovisionsbeitrag ‚Gravity‘ unverkennbar am 2016er Monsterhit ‚Human‘ von Rag’n’Bone Man. Dabei steht das brandaktuelle Klanggerüst dem Titel sehr gut, insbesondere die charakteristischen, verschleppten Beats verleihen dem mit lediglich 75 BPM eigentlich extrem langsamen Song (zum Vergleich: die portugiesische Ballade ‚Amar pelos Deus‘ ist mit 92 Schlägen pro Minute deutlich schneller) einen ordentlichen Schub. Textlich kann Hovig mit seinem großen Vorbild allerdings nicht mithalten: handelt ‚Human‘ von großen Themen wie menschlicher Ambivalenz, Schuld und der Überforderung durch die Kompliziertheit der Welt, so reiht der Zyprer in ‚Gravity‘ lediglich Klischees aneinander – und kriegt noch nicht mal das Sujet richtig auf die Reihe: „Let me be your wings / When you’re flying high / I’m gonna raise you up till you touch the sky,“ beginnt der Refrain, „I’ll catch you when you fall / When you’re falling free / Let me be, be your gravity“. Nun ist die Schwerkraft meinen rudimentären Physik-Kenntnissen zufolge doch eigentlich genau das, was uns am Fliegen hindert. Und was dafür sorgt, dass wir stürzen und uns beim Fallen weh tun. Wenn Hovig unsere Schwingen sein und unseren Sturz abfedern möchte – ist er dann nicht das genaue Gegenteil dessen, was er besingt?

Hat im Unterricht wieder nicht richtig zugehört: Hovig (CY)

Etwas komplexer geht es die 27jährige Bonnerin Levina Lueen an, die für Deutschland mit ‚Perfect Life‘ in den Ring steigt. Sie scheint hierfür bestens gewappnet: „What is a prize without a fight,“ fragt sie sich und uns in ihrem Titel, einer philosophischen Betrachtung darüber, dass Irrungen und Wirrungen zum „perfekten Leben“ dazugehören, und zeigt sich jederzeit bereit, „outside the comfort zone“ zu agieren und Stürme zu überstehen. So wie beispielsweise den Shitstorm, der in den sozialen Netzwerken ausbrach, kaum dass sie die heimische Vorentscheidung als Siegerin überstanden hatte, und der sich daran festmachte, dass ihr Lied doch deutliche Parallelen zum 2011er Hit ‚Titanium‘ von David Guetta und Sia aufweise. Was sich wiederum an den charakteristischen, wenngleich weniger innovativen Drumpattern und der Melodieführung in der ersten Strophe festmachte. Interessanterweise ist ihr Song mit 124 BPM annähernd doppelt so schnell wie der ihres Konkurrenten, obgleich er deutlich dröger wirkt. So oder so: besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht, dürften sich beide heutigen Kombattanten (beziehungsweise ihre Songschreiber/innen) also gedacht haben. Die Frage, ob dies gelang und ob es nun geschickter ist, von einem fast noch tagesaktuellen oder einem bereits etwas abgehangenen Stück abzukupfern, die gebe ich zur Klärung hiermit an meine Leser/innen.

Her mit den gleichschenkligen Dreiecken! (DE)

Also: ein zypriotischer Rag’n’Bone-Man-Klon oder eine deutsche Guetta-Nachahmerin? Ihr entscheidet! Wie immer ist der Poll für 24 Stunden geöffnet, also bis Dienstag um 15 Uhr.

EDM #3: I heard it all before. Wer soll gewinnen?

  • Deutschland: Levina Lueen - Perfect Life (51%, 78 Votes)
  • Zypern: Hovig Demirjan - Gravity (49%, 75 Votes)

Total Voters: 153

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Ergebnis: hui, das war ja noch knapper als gestern! Mit gerade mal drei Stimmen Vorsprung setzte sich die heimische Vertreterin Levina in dieser Runde gegen Zypern-Schnuckel Hovig durch. Danke für die Beteiligung – und fleißig weitergestimmt im innerbaltischen Zwiekampf!

3 Gedanken zu “Eurovision Deathmatch #3: I heard it all before

  1. Ich bin ganz klar auf der Rag’n’Bone Man Seite. Den Text muss man ja nun nicht so genau nehmen… Perfect life ist mir in der Tat in der aktuellen Version viel zu dröge. Für’s Finale hoffe ich immernoch auf eine herausragende Bühnenshow und eine Knaller-Absmischung… pardon „Verdichtung“ des Titels. Aber so richtig daran glauben kann ich nicht.

  2. Ich hätte eher ein Match zwischen Katy Perrys Firework (Serbien) und Young and Wild von Aleksandra Kovac (Deutschland) erwartet.

  3. Türkiye, Türkiye, Türkiye!…..oops, falsche Nationalismus-Baustelle *rot-werd*
    Ein paar Beiträge hätte es schon gegeben in Konkurrenz zu Levina, um bei einer Stimme für Sie nicht in den Verdacht erdoganscher Bejubelungen zu geraten. Aber da hier beide Lieder durch Gleichförmigkeit bestechen von Anfang bis Schluss, würde ich mal sagen: Unentschieden.

Oder was denkst Du?