Euro­vi­si­on Death­match #6: Ein Schlaf­sack und eine Gitar­re

Hand­ge­klampf­te Gitar­ren, Lager­feu­er­ro­man­tik, som­mer­li­che Fröh­lich­keit und hoch repe­ti­ti­ve Lyrics kenn­zeich­nen die Bei­trä­ge der Kom­bat­tan­ten im sechs­ten Euro­vi­si­ons­batt­le um Leben und Tod. Für das demo­kra­tisch unter­ent­wi­ckel­te Weiß­russ­land steigt das beim dor­ti­gen Vor­ent­scheid von der Jury mas­siv gegen die Zuschau­er­mehr­heit durch­ge­box­te Folk-Duo Navi in den Ring. Die 2013 in Minsk gegrün­de­te Band erzählt uns die ‘Histo­ry­ja majho žyccia’, also die Geschich­te ihres Lebens – und die­se scheint text­lich nicht beson­ders umfang­reich zu sein, dafür aber um so schwung­vol­ler: mit 155 BPM lie­fern die Bela­rus­sen den rasan­tes­ten Song der Sai­son ab. Von der Idee her pas­send wirkt das in einem durch­ge­hen­den Take im Wald gedreh­te Video, demons­triert es doch die beson­de­re Natur­ver­bun­den­heit des pos­sier­li­chen, locken­köp­fi­gen Pär­chens, das auf der Klamp­fe spie­lend einen Abhang hin­un­ter zu einem klei­nen See tollt und dabei vom Fun­keln der Son­ne in ihrem Blut berich­tet. Scha­de nur, dass sie den Clip noch zum Win­ter­en­de hin dre­hen muss­ten: dem som­mer­lich-leicht klin­gen­den Lied mit sei­nen vie­len “La la la“s hät­te etwas mehr Grün (und etwas mehr von der besun­ge­nen Son­ne) bes­ser gestan­den. Doch das ist Jam­mern auf hohem Niveau: die lan­des­sprach­lich (!) into­nier­te Wei­se zählt frag­los zu den Fan-Favo­ri­ten die­ses Jahr­gangs.

Ver­scheu­chen noch die letz­ten Rehe aus dem Gehölz: Navi (BY)

Von den hei­mi­schen Fans eher gehasst wird hin­ge­gen der spa­ni­sche Ver­tre­ter Manel Navar­ro, der eben­falls allei­ne auf­grund der Gunst der Juro­ren gewann, was im RTVÉ-Sen­de­stu­dio zu tumult­ar­ti­gen Sze­nen führ­te und in dem etwas demo­kra­ti­scher orga­ni­sier­ten Big-Five-Land in einem par­la­men­ta­ri­schen Nach­spiel resul­tier­te. Auch der blond­ge­lock­te Sur­fer­boy Navar­ro bedient sich der Wan­der­klamp­fe und erzeugt som­mer­lich anmu­ten­de, bei­na­he schon reg­ga­es­ke Töne, zu denen wir sei­nem Wun­sche fol­gend schön brav mit­klat­schen sol­len: ‘Do it for your Lover’ lau­tet die ziem­lich erpres­se­risch daher­kom­men­de und von Bezie­hungs­ego­is­mus kün­den­de Bit­te. Das mari­ti­me Flair sei­nes Songs such­te Manel im Video­clip mit Sze­nen vom Sur­fen und Strand­le­ben mit Freun­den zu unter­strei­chen – dass hier­bei das übli­cher­wei­se ver­läss­li­che ibe­ri­sche Wet­ter nicht mit­spiel­te und im Land, wo sonst “die Son­ne scheint bei Tag und Nacht”, regen­schwan­ge­re Wol­ken auf­fuhr, dürf­ten etli­che Mire­la-Fans als Kar­ma emp­fin­den. Genau so, wie sie bei dem im Song­text erwähn­ten “gräss­li­chen Geräusch, das jeden Sonn­tag aus dem Radio tönt,” ver­mut­lich an das auf hei­mi­schen Hör­funk­wel­len in Dau­er­ro­ta­ti­on gespiel­te spa­ni­sche Grand-Prix-Lied den­ken. All die­se Nega­ti­vi­tät lächelt der Hawaii­hem­den tra­gen­de Son­ny­boy jedoch sto­isch weg und “la la la“t sich, elek­tro­nisch ver­zerrt, durch sei­ne musi­ka­li­sche End­los­schlei­fe.

Schö­nes Haar ist Dir gege­ben: Manel (ES)

Kann er mit die­ser Dau­er­g­rin­se auch den Todes­zwei­kampf der Jury­günst­lin­ge im Euro­vi­si­on Death­match gewin­nen? Eure Ent­schei­dung! Stimmt jetzt bis mor­gen Nach­mit­tag (Frei­tag, 15 Uhr) ab. Do it for your Haus­herr! 😉

EDM #6: Ein Schlaf­sack und eine Gitar­re. Gewin­nen soll:

  • Weiß­russ­land: Navi – Histo­ry­ja majho žyccia (78%, 116 Votes)
  • Spa­ni­en: Manel Navar­ro – Do it for your Lover (22%, 33 Votes)

Total Voters: 149

Loading ... Loa­ding …

Ergeb­nis: und auch die­se Run­de endet mit einem son­nen­kla­ren Ergeb­nis: das weiß­rus­si­sche Folk-Duo ringt den spa­ni­schen Sur­fer­boy mit fast vier Fünf­teln der Stim­men nie­der. Gut gewählt, dan­ke! Wei­ter geht es mit einem Diven­du­ell rea­ler Erz­fein­de.

7 Gedanken zu “Euro­vi­si­on Death­match #6: Ein Schlaf­sack und eine Gitar­re

  1. Ich feie­re die Remi­nis­zenz an Rena­te und Wer­ner Leis­mann in der Über­schrift 🙂

    Für mich ganz klar heu­te: Manel Navar­ro. Sein Lied wird mei­nes Erach­tens unter­schätzt und über­la­gert durch den Jury-Skan­dal.

  2. Manel, der Spa­ni­er, müss­te eigent­lich Fünf­ter wer­den mit die­sem Gleich­klang des Frans-Schla­gers von 2016. Aber klar, der war ja Schwe­de… Somit müss­te die­ser “Do It For Your Lover” sin­gen (für Schwe­den), und die Top-Plat­zie­rung wäre in tro­cke­nen Tüchern.

  3. Zwi­schen “Do It for Your Lover” und “If I Were Sor­ry” sind die Unter­schie­de immens. Ästhe­tisch, rhyth­misch, kom­po­si­to­risch, wha­te­ver.

  4. .….. um die Zeit bis zum nächs­ten Duell etwas zu über­brü­cken habe ich gera­de das “Pil­ze suchen und dar­an naschen” Video der Navi­band stumm lau­fen – dafür träl­lern recht fröh­lich im ande­ren Fens­ter Alek­san­dra & Kon­stan­tin ” My Gali­leo” (2004 -upps, schon wie­der so lan­ge her ) – passt super.
    Ich mei­ne nun auch das ein oder ande­re Reh zu sehen.…

  5. Die Über­ar­bei­tung des spa­ni­schen Bei­trags holt durch­aus eini­ges raus. Trotz­dem bin ich hier für Folk­lo­re ohne Jal­la – Navi ist lus­tig.

Oder was denkst Du?