Julia­ga­te: EBU droht der Ukrai­ne

Im fest­ge­fah­re­nen Streit zwi­schen der gast­ge­ben­den Ukrai­ne und Russ­land um den Auf­tritt der Sän­ge­rin Julia Samo­yl­o­va beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 übt die Euro­päi­sche Rund­funk­uni­on (EBU) in Genf, Ver­an­stal­te­rin des jähr­li­chen Musik­fes­ti­vals, zuneh­men­den Druck auf die Poli­ti­ker in Kiew aus. Sowohl der Vor­sit­zen­de der Euro­vi­si­on Refe­rence Group (dem zen­tra­len Len­kungs­or­gan des Wett­be­werbs), Dr. Frank-Die­ter Frei­ling vom ZDF, als auch die EBU-Direk­to­rin Ingrid Del­ten­re stell­ten in Zei­tungs­in­ter­views die wil­de Ent­schlos­sen­heit der Fern­seh-Uni­on klar, allen gemel­de­ten Teilnehmer/innen – also auch Julia – einen Auf­tritt in Kiew zu ermög­lich. Die vom rus­si­schen Staats­sen­der Per­wy Kanal intern aus­ge­wähl­te Reprä­sen­tan­tin wur­de auf­grund eines Auf­tritts im Jah­re 2015 auf der annek­tier­ten Krim vom ukrai­ni­schen Geheim­dienst mit einem drei­jäh­ri­gen Ein­rei­se­ver­bot belegt, was ihre Teil­nah­me in Kiew fak­tisch unmög­lich macht. Einen eigent­lich recht cle­ve­ren Ver­mitt­lungs­vor­schlag des nor­we­gi­schen Euro­vi­si­ons-Super­vi­sors Jan Ola Sand, den Kon­flikt tech­nisch zu lösen und Julia extern in die Live-Sen­dung dazu­zu­schal­ten, lehn­ten bei­de Sei­ten bereits kate­go­risch ab. Wäh­rend Dr. Frei­ling am ver­gan­ge­nen Sonn­tag im Ber­li­ner Tages­spie­gel noch etwas kon­zi­li­an­te­re Töne anschlug, droh­te Frau Del­ten­re ges­tern im schwei­ze­ri­schen Blick am Abend der Ukrai­ne unver­hoh­len Sank­tio­nen an, soll­te das Land den Auf­tritt Samo­yl­o­vas wei­ter­hin ver­hin­dern.

ESC-Dad­dy Ola ist sehr ent­täuscht und schickt die Streit­häh­ne bald auf die Stil­le Trep­pe

Dabei ist allen Betei­lig­ten klar, dass der öffent­lich-recht­li­chen TV-Anstalt der Ukrai­ne, UA:PBC (ehe­mals NTU), genau so wie dem rus­si­schen Per­wy Kanal in die­ser Sache die Hän­de gebun­den sind. “Das Gan­ze (ist) von so hoher sym­bo­li­scher Bedeu­tung, dass man davon aus­ge­hen kann, dass die Sen­der viel­leicht nicht ganz so unab­hän­gig agie­ren, wie es mög­li­cher­wei­se in West­eu­ro­pa der Fall wäre,” kon­ze­dier­te der deut­sche Dele­ga­ti­ons­lei­ter Tho­mas Schrei­ber bereits ver­gan­ge­nen Frei­tag gegen­über der Deut­schen Wel­le. ZDF-Mann Frei­ling, der seit 2009 der Refe­rence Group vor­steht, erläu­ter­te im Tages­spie­gel ergän­zend: Nur “Prä­si­dent oder Minis­ter­prä­si­dent könn­ten die Ent­schei­dung der Sicher­heits­ap­pa­ra­te per Dekret außer Kraft set­zen,” wobei es eben­falls ein gang­ba­rer Weg wäre, das Ein­rei­se­ver­bot ledig­lich vor­über­ge­hend bis zum 13. Mai 2017 aus­zu­set­zen, so dass Samo­yl­o­va in Kiew auf­tre­ten könn­te und danach für drei Jah­re zu Hau­se blei­ben muss. Frei­ling wei­ter: “Natür­lich hat in die­ser Fra­ge die EBU ukrai­ni­sche Geset­ze zu beach­ten. Aller­dings hat­ten wir von Beginn an sehr deut­lich gemacht, dass wir erwar­ten, dass alle Teil­neh­mer, die für die Aus­rich­tung des Song Con­tests not­wen­dig sind, auch mit­wir­ken kön­nen.” Dies­be­züg­lich ver­han­delt Frau Del­ten­re gera­de mit dem ukrai­ni­schen Pre­mier­mi­nis­ter Wolo­dy­m­yr Hro­js­man und dem Prä­si­den­ten Petro Poro­schen­ko. Wie es aus­sieht, bis­lang ohne greif­ba­re Fort­schrit­te. Mitt­ler­wei­le schei­nen die Ner­ven blank zu lie­gen, zumal die Zeit davon­rennt: “Die­ses Ver­hal­ten der Ukrai­ne ist abso­lut inak­zep­ta­bel,” sag­te Del­ten­re dem Blick. Nun erhöht man den Druck: für den Fall, dass kei­ne Lösung zustan­de kommt, kün­dig­te die EBU-Direk­to­rin laut Blick Sank­tio­nen an, die bis zum mehr­jäh­ri­gen Aus­schluss der Ukrai­ne vom Euro­vi­si­on Song Con­test rei­chen könn­ten.

Zu Gast bei Freun­den: für Russ­land scheint das 2017 in Kiew nicht so ganz zu gel­ten

Ob eine sol­che Dro­hung die Ver­hand­lun­gen erleich­tert oder erschwert, wird sich wohl erst in den nächs­ten Tagen zei­gen. Der etwas ein­sei­ti­ge Druck auf die Ukrai­ne ist zwar vor dem Hin­ter­grund des hals­star­ri­gen Fest­hal­tens am Ein­rei­se­ver­bot für Samo­yl­o­va ver­ständ­lich, denn auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne bleibt beim flüch­ti­gen Betrach­ter vor allem hän­gen, dass hier aus nied­ri­gen poli­ti­schen Beweg­grün­den eine schwerst­be­hin­der­te jun­ge Frau gehin­dert wird, vor dem größ­ten Publi­kum ihres Lebens zu sin­gen. In wel­cher Form die Roll­stuhl­fah­re­rin die natio­na­le Sicher­heit der Ukrai­ne bedro­hen soll, bleibt deren Geheim­nis. Ande­rer­seits zeigt auch die Ableh­nung des Jan-Ola-Sand-Vor­schla­ges zum vir­tu­el­len Euro­vi­si­ons­auf­tritt per Live-Schal­tung durch das rus­si­sche Fern­se­hen, dass es hier nicht um die Sän­ge­rin, son­dern um eine Stra­te­gie geht. Frei­ling im Tages­spie­gel dazu: “Aller­dings haben wir auch sehr wohl wahr­ge­nom­men, dass bereits vor der ukrai­ni­schen Ent­schei­dung die rus­si­sche Dele­ga­ti­on an eigent­lich ver­bind­li­chen Vor­be­sich­ti­gungs­ter­mi­nen nicht teil­ge­nom­men und auch noch kei­ne Unter­künf­te reser­viert hat, im Gegen­satz zu allen ande­ren Dele­ga­tio­nen”. Was erneut den Ver­dacht erhär­tet, dass es Mos­kau von Anfang an nicht um eine Teil­nah­me Samo­yl­o­vas ging, son­dern ledig­lich dar­um, den Kriegs­geg­ner Ukrai­ne öffent­lich vor­zu­füh­ren. Ein Ziel, das erreicht ist, wenn die EBU das heu­ri­ge Gast­ge­ber­land tat­säch­lich für die nächs­ten Jah­re sper­ren soll­te, zumal eine sol­che Sank­ti­on den euro­pa­feind­li­chen, Mos­kau zuge­wand­ten Kräf­ten im größ­ten Flä­chen­staat des Kon­ti­nents wei­te­ren Zulauf ver­schaf­fen dürf­te.

Die Uhr tickt: viel Zeit ist nicht mehr, den gor­di­schen Kno­ten zu zer­schla­gen

Es passt zu dem, was Ewan Spence auf ESC Insight über die Geras­si­mow-Dok­trin schreibt, die hier offen­sicht­lich zur Anwen­dung kommt: eine vom rus­si­schen Gene­ral­stabs­chef skiz­zier­te Kriegs­füh­rungs­stra­te­gie, die auf dem “breit gestreu­ten Ein­satz von Des­in­for­ma­tio­nen, von poli­ti­schen, öko­no­mi­schen, huma­ni­tä­ren und ande­ren nicht­mi­li­tä­ri­schen Maß­nah­men” beruht, wie Wiki­pe­dia eine ent­spre­chen­de Rede Geras­si­mows zitiert. Dass Russ­land (wie wir uns erin­nern, am letz­ten Tag der Ein­rei­chungs­frist) Samo­yl­o­va in höchst­wahr­schein­li­cher Kennt­nis ihres Krim-Auf­tritts zu ihrer Reprä­sen­tan­tin ernann­te, lässt kaum eine ande­re Schluss­fol­ge­rung zu, als dass es von vor­ne her­ein um eine Eska­la­ti­on ging, zumal die Ukrai­ne bereits im Sep­tem­ber 2016 ankün­dig­te, für den Euro­vi­si­on Song Con­test kei­ne Aus­nah­me von ihrer Linie der Ein­rei­se­ver­bo­te machen zu wol­len. Dies­be­züg­lich liegt die Ver­su­chung nahe, der EBU, die hier zwi­schen die Fron­ten gera­ten ist und der nun lang­sam die Optio­nen aus­ge­hen, vor­zu­wer­fen, dass sie nicht schon damals ein­ge­schrit­ten ist, als noch genü­gend Zeit war, den Wett­be­werb woan­ders hin zu ver­le­gen. Fai­rer­wei­se muss man aber sagen, dass solch eine Hand­lung zu die­sem Zeit­punkt die Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin Ukrai­ne öffent­lich gede­mü­tigt hät­te und von Russ­land pro­pa­gan­dis­tisch aus­ge­schlach­tet wor­den wäre, also fak­tisch nicht ging. Dass man von Sei­ten der EBU wei­ter dar­auf dringt, in Kiew alle Län­der dabei haben zu wol­len, ist zwar löb­lich und rich­tig, ange­sichts der aktu­el­len Lage aber eher illu­so­risch. Und so rich­tig und not­wen­dig es mir einer­seits erscheint, Druck auf die Poli­ti­ker der Ukrai­ne aus­zu­üben, um eine Teil­nah­me Russ­lands doch noch zu ermög­lich, so kon­tra­pro­duk­tiv erscheint es mir, ein­sei­ti­ge Sank­tio­nen anzu­dro­hen, mit denen man Mos­kau zuar­bei­tet. “Ich bedau­re zutiefst, dass der ESC zu poli­ti­schen Macht­spie­len miss­braucht wird,” so Ingrid Del­ten­re gegen­über dem Blick. Dann soll­te man sich dafür aber auch nicht ein­span­nen las­sen.

Die Euro­vi­si­on, sie ist nur ein Spiel, wuss­ten schon 1973 die Ben­dik Sin­gers

Und natür­lich ist das Ver­hal­ten der Ukrai­ne dumm: grif­fe man in Kiew den Vor­schlag auf, das Ein­rei­se­ver­bot bis nach dem Con­test aus­zu­set­zen, könn­te das Land nach mei­nem Dafür­hal­ten sein Gesicht wah­ren und mensch­li­che wie poli­ti­sche Grö­ße bewei­sen, ohne sei­nen nach­voll­zieh­ba­ren poli­ti­schen Selbst­ver­tei­di­gungs­an­spruch in Sachen Krim zu ver­ra­ten. Und der Ball läge wie­der bei den Rus­sen, die sich momen­tan dank der flei­ßi­gen Arbeit der EBU ent­spannt zurück­leh­nen und das Pop­corn aus­pa­cken kön­nen. Blie­ben sie auch nach einem tem­po­rä­ren Aus­set­zen des Banns der Ver­an­stal­tung fern, wie es zu ver­mu­ten steht, hät­ten sie sich inter­na­tio­nal bla­miert und ihre schä­bi­ge Stra­te­gie als sol­che für jeder­mann sicht­bar ent­tarnt. Inso­fern hof­fe ich natür­lich instän­dig, dass Frau Del­ten­re doch noch Erfolg beschie­den sei und sich in Kiew der Ver­stand durch­setzt. Soll­te das noble Unter­fan­gen aber schei­tern, muss die EBU ihre Euro­vi­si­ons­sta­tu­ten für die Zukunft anpas­sen und unmiss­ver­ständ­lich hin­ein­schrei­ben, dass jedes Land, das den Wett­be­werb aus­zu­rich­ten gedenkt, die Teil­nah­me aller Natio­nen stets sicher­stel­len muss, selbst wenn die­se die größ­ten Schur­ken schi­cken. Für 2017 aber ist der Drops wohl lei­der gelutscht: schal­ten die Macht­ha­ber in Kiew wei­ter­hin auf stur, kann Russ­land halt nicht teil­neh­men. Was ich zwar wirk­lich zutiefst bedau­ern wür­de, für Julia Samayl­o­va wie für den Euro­vi­si­on Song Con­test und für Euro­pa. Was sich Mos­kau aber auch selbst zuzu­schrei­ben hät­te. Eine Bestra­fung der Ukrai­ne sprä­che den bis­he­ri­gen Ansa­gen der EBU, man müs­se “natür­lich” natio­na­le Geset­ze ach­ten, Hohn. Ich hiel­te sie per­sön­lich für genau so inak­zep­ta­bel wie das Ver­hal­ten des Gast­ge­ber­lan­des. Im Julia­ga­te hat sich kei­ne Sei­te mit Ruhm bekle­ckert: die Rus­sen nicht, die Ukrai­ner nicht, die EBU nicht. Jetzt heißt es aus Feh­lern ler­nen und es für die Zukunft bes­ser machen. Am dies­jäh­ri­gen Desas­ter wird sich – wenn Frau Del­ten­re nicht noch eine Kat­ja Ebstein pullt – wohl ver­mut­lich nichts mehr ändern las­sen.

Wun­der gibt es immer – hof­fen wir, dass sie bis Mai noch geschehn!

8 Gedanken zu “Julia­ga­te: <span class="caps">EBU</span> droht der Ukrai­ne”

  1. Ein sehr guter Arti­kel!

    Russ­land hat es ganz schlau gemacht, man kann kaum ande­rer Mei­nung sein, als dass sie das gan­ze nur ins Rol­len gebracht haben, um eine Eska­la­ti­on bzw. Demü­ti­gung her­bei­zu­füh­ren. Das ist nun echt Kin­der­gar­ten! Dass die EBU sich anmaßt Ein­fluss auf die Poli­tik aus­üben zu wol­len hal­te ich fast für skan­da­lös! Der ESC soll frei von Poli­tik sein und dann bege­ben sie sich selbst auf die­ses Ter­rain? Klar ist es löb­lich, dass sie jedem eine Teil­nah­me garan­tie­ren wol­len, aber man soll­te nicht ver­ges­sen, dass sie sowohl dies mit dem Gast­ge­ber­land klar abspre­chen, aber genau­so muss jedem Teil­neh­mer­land klar gemacht wer­den, dass sie Sor­ge zu tra­gen haben, dass ihre Künst­ler gegen kei­ne Geset­ze o.ä. ver­sto­ßen!

    Was wäre, wenn ein in Deutsch­land gesuch­ter Straf­tä­ter die Vor­ent­schei­dung in einem Land gewinnt, aber wenn er nach Deutsch­land ein­reist die­ser sofort fest­ge­nom­men wür­de? Die Situa­ti­on ist ver­gleich­bar, der Straf­tä­ter hat gegen gel­ten­des Recht in Deutsch­land ver­sto­ßen und ihm droht die Ver­haf­tung (wenn Yulia in die Ukrai­ne ein­rei­sen wür­de, wür­de sie nicht rein­ge­las­sen oder wenn sie da ist wür­de sie wahr­schein­lich auch fest­ge­nom­men). Nach der Logik der EBU müss­te sie also dafür Sor­gen, dass das Straf­recht in Deutsch­land geän­dert wird, die Stra­fe fal­len gelas­sen oder aus­ge­setzt oder der Straf­tä­ter begna­digt wird. Das wäre nun wirk­lich Schwach­sinn!

    Noch­mal, die EBU soll­te es so akzep­tie­ren wie es ist, sie rei­tet sich nur noch mehr in das Dilem­ma. Ob Russ­land von dem Ein­rei­se­ver­bot wuss­te oder nicht ist egal, denn es hat Sor­ge dafür zu tra­gen, dass die Künst­le­rin eine wei­ße Wes­te hat, um es mal so zu bezeich­nen. Dumm­heit oder Nicht­wis­sen ist dann auch kei­ne Ent­schul­di­gung. Dann ist es eben dumm gelau­fen. Pech gehabt! Eine Nicht­teil­nah­me Russ­lands wäre mei­ner Mei­nung nach die ein­zi­ge Opti­on.

  2. Ich stim­me Dei­nem Arti­kel und den Kom­men­ta­ren eben­falls zu. Die gute Frau Del­ten­re begibt sich da auf extrem glat­tes Eis. Hat­te die EBU nicht gesagt, dass sie das im Gast­ge­ber­land gel­ten­de Gesetz ach­ten will? Die Macht­ha­ber nun dazu zu zwin­gen, das Gesetz für Frau Samo­yl­o­va außer Kraft zu set­zen, ist der denk­bar fal­sche Weg.

    Ich fra­ge mich, war­um man nicht ver­sucht, die Rus­sen dazu zu brin­gen, die Künst­le­rin aus­zu­tau­schen. DAS ist näm­lich der aus mei­ner Sicht ein­zig gang­ba­re Weg. Der Scha­den ist aber so oder so da.

    Bis­her hat die EBU in der Sache nicht all­zu viel falsch gemacht, aber wenn man jetzt ver­sucht, die Ukrai­ne dazu zu zwin­gen, Samo­yl­o­va ins Land zu las­sen, wird der Scha­den immens. Die­se Ent­schei­dung kann die ukrai­ni­sche Regie­rung nur allein tref­fen – FREI­WIL­LIG, wohl­ge­merkt.

    Und ich blei­be bei mei­ner For­de­rung, dass die EBU sich end­lich mal einen ver­bind­li­chen Wer­te­ko­dex geben muss. Sonst wer­den sol­che Geschich­ten näm­lich immer wie­der kom­men, genau so wie das, was zwei gewis­se Kau­ka­sus­staa­ten schon seit Jah­ren auf­füh­ren.

  3. Ein Gestz hat neben der juris­ti­schen Sei­te auch eine mora­li­sche Sei­te.
    Schwar­ze Lis­ten und Ein­rei­se­ver­bo­te wenn man den fal­schen Grenz­über­gang benutzt bestra­fen doch nur die Men­schen auf der Krim, in der Ukrai­ne und in Russ­land glei­cher­ma­ßen die noch Freunde/Familie oder beruf­li­che Kon­tak­te zur jeweils ande­ren Sei­te haben.
    Sie kön­nen auch die beruf­li­che Exis­tenz des Künst­lers bedro­hen.
    Sie erin­nern mich auch fatal an die dama­li­gen Auf­tritts­ver­bo­te west­deut­scher Künst­ler in der DDR!

    Die Moti­ve für Russ­lands Aus­wahl inter­es­sie­ren mich weni­ger, es ist mir auch zuviel Kaf­fee­satz-Lese­rei dabei.
    War­um soll­ten sie auch über hun­dert Künst­ler in vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam vom ESC aus­schlie­ßen nur weil sie der Ukrai­ne nicht genehm sind und auf einer schwar­zen Lis­te lan­den??

    Den Scha­den hat in ers­ter Linie der ESC wenn er sich den Aus­schluß eines Künst­lers aus nie­de­ren poli­ti­schen Moti­ven des Ver­an­stal­ter­lan­des fol­gen­los gefal­len lässt.

    Ich hof­fe sehr das sich die ande­ren Künst­ler in Kiev beim ESC mit Julia Samo­yl­o­va in irgend einer Form soli­da­risch zei­gen wer­den falls ihr der Auf­tritt tat­säch­lich ver­wei­gert wird.

  4. Natür­lich hat in die­ser Fra­ge die EBU ukrai­ni­sche Geset­ze zu beach­ten. Aber, Bit­te­schön, für die EBU dürf­te es nicht nur, es MUSS sogar Aus­nah­men geben. Was FIFA und IOC mit ihren selbst­herr­li­chen Bestim­mun­gen für die Gast­ge­ber­län­der ver­an­stal­tet, soll­te uns doch bil­lig sein!“ – so wird aus der Aus­sa­ge ein Schuh.
    Geht’s noch? Natür­lich kann man die­ses ukrai­ni­sche Gesetz kri­ti­sie­ren, aber es ist nun mal da. Und schon lan­ge bekannt. Dar­auf konn­te sich jedes Teil­neh­mer­land ein­stel­len. Die rus­si­schen Ver­ant­wort­li­chen – die Schul­di­gen, weil Ver­ur­sa­cher des Kon­flikts – kochen ihr Süpp­chen ganz nach per­sön­li­chem Gus­to und ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te.
    Noch kei­ne Hotel­zim­mer gebucht? Dann sol­len sie halt doch kom­men und auf dem Cam­ping­platz zel­ten. Das wäre dann noch das Hoch­wer­tigs­te am kom­plet­ten Auf­tritt der rus­si­schen Dele­ga­ti­on.

  5. Heu­te ist der gesam­te Brief von Frau Ingrid Del­ten­re gele­akt.

    https://oikotimes.com/2017/03/31/breaking-news-several-countries-to-withdraw-if-yulia-not-allowed-to-participate/

    Es über­le­gen sich wohl bereits meh­re­re Dele­ga­tio­nen den dies­jäh­ri­gen ESC zu boy­kot­tie­ren.
    Das ist zwar nicht die Art von Soli­da­ri­tät die ich mir wün­schen wür­de aber bringt die Ver­ant­wort­li­chen in der Ukrai­ne viel­leicht eher an den Ver­hand­lungs­tisch…
    Außer­dem droht der Ukrai­ne der Aus­schluß von zukünf­ti­gen ESC-Ver­an­stal­tun­gen
    to be con­ti­nued …

  6. Frau Del­ten­re scheint wirk­lich einen ander Waf­fel zu haben…oder ist die Dame so blöd das Schau­spiel nicht begrei­fen. Es war bereits 2016 bekannt, dass die Ukrai­ne kei­ne Künst­ler ein­rei­sen lässt, die gegen das ukrai­ni­sche Gesetz ver­stos­sen haben. Was macht Russ­land? Anstatt sich vor­nehm zurück zu zie­hen führt man die Ukrai­ne vor…alles ande­re wäre ja ein Schuld­ein­ge­ständ­nis von Russ­land. Russ­land wuss­te genau, wen sie da nom­mi­nie­ren und wel­che Pro­ble­me das mit sich bringt (schließ­lich kennt Russ­land die urkai­ni­schen Gest­ze). Um dem Gan­zen noch die Kro­ne auf­zu­set­zen wur­de eine behin­der­te Sän­ge­rin im Roll­stuhl nom­mi­niert (von dem besch…Lied wol­len wir gar nicht reden) – und so die Ukrai­ne als den “Bösen” daste­hen zu las­sen, wenn die Künst­le­rin nicht ein­rei­sen darf. Die Rus­sen wol­len doch gar nicht teil­neh­men, wür­den sich aber eher die Zun­ge abbeis­sen dies zuzu­ge­ben. War­um sind von der Dele­ga­ti­on noch kei­ne Hotel­zim­mer gebucht? Alles rei­ne poli­ti­sche Tak­tik. Es soll­te eher Sank­tio­nen gegen Russ­land geben (wirt­schaft­li­che gibt es ja schon, war­um nicht auch beim ESC). Das Gan­ze ist ein Armuts­zeug­nis und wirft ein schlech­tes Licht auf den Gast­ge­ber (ob letz­tes Jahr ver­dienst gewo­nenn oder nicht). Ob ich den ESC die­ses Jahr über­haupt schaue, weiß ich noch nicht; mir ist die Lust vergangen.…und das, obwohl die­se Ver­an­stal­tung seit 1972 regel­mä­ßig schaue.…

  7. @ESC-Fan
    Das ist SO nicht rich­tig. Es wird beim rus­si­schen bei­trag nur sehr genau von der Ukrai­ne drauf geach­tet das die­ses ‘gesetz’ ein­ge­hal­ten wird. Es geht also eher um eine demo­stra­ti­on als die durch­set­zung eines dum­men geset­zes. Änlich wie die kaf­fee­satz­lee­se­re um die nicht­ge­buch­ten rus­si­schen zim­mer könn­te man nach der ableh­nung des vir­tu­el­len auf­tritts auch durch die Ukrai­ne auf­grund win­di­ger begrün­dun­gen auch davon aus­ge­hen das ein ande­rer rus­si­schenr bei­trag eben­falls sank­tio­niert wür­de.
    Nur steht eine sank­tio­nie­rung maxi­mal der EBU zu und eben nicht einem ein­zel­ne mit­glieds­staat.

    Vor­ges­tern trat z.B. die rus­si­sche come­dy­trup­pe ‘Come­dy Women’ in Kiew auf. Die sind bekann­ter­mas­sen auch bereits mehr­mals auf der Krim auf­ge­tre­ten, was aus ihrem insta­gra­mac­count her­vor­geht. Das die damen da über land ange­reist wären und so dem gesetz genü­ge zu tun kann man ins reich der fabel ver­wei­sen.
    https://www.concert.ua/eventpage/comedy-woman
    vor­ges­tern: https://www.instagram.com/p/BSRmB6xDW5C/?taken-by=kravacomedy&hl=de
    Jal­ta 7.6.16: https://www.instagram.com/p/BHku99rgjIa/?taken-by=kravacomedy&hl=de

    Hier schaut man offen­bar im all­täg­li­chen leben auch mal weg, da das gesetz sel­ber eine schan­de für euro­päi­sche wer­te ist. Beim ESC wird dada­gen auch von der Ukrai­ne die trumpf­kar­te gegen den geg­ner gezo­gen und auf die exe­ku­ti­on des geset­zes gedrängt.

    Natür­lich ist die aus­wahl russ­lands poli­tisch, aber eben genau­so wie der ver­such der Ukrai­ne den rus­sen vor­zu­schrei­ben wenn sie sci­cken dür­fen, und das bereits im som­mer 2016. Bei­des ist genau­so ver­werf­lich.
    Wenn man also von kon­se­quen­zen sprict muss man bei­de beden­ken.
    Übrgens geht ein aus­tausch des rus­si­schen bei­trag nach dem regel­werk des ESC nicht da der bei­trag gegen kei­ne der regeln ver­stösst.

Oder was denkst Du?