Nie­der­lan­de 2017: Viel Schat­ten, wenig Licht

Heu­te Vor­mit­tag prä­sen­tier­te das gefühlt bereits vor der Erfin­dung des elek­tri­schen Lich­tes für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 aus­ge­wähl­te nie­der­län­di­sche Geschwis­ter­trio O’gene (ultra­prä­ten­tiö­se Eigen­schrei­bung: O’G3NE) end­lich sei­nen Grand-Prix-Titel. Der heißt dann auch ‘Lights and Shadows’, wur­de vom Vater der drei Gra­zi­en und dem Freund von Shel­ley, einer der drei Schwes­tern, geschrie­ben und klingt wie die drit­te oder vier­te Sin­gle­aus­kop­pe­lung aus einem Wil­son-Phil­lips-Album. Also wie das mit sehr viel Glück womög­lich noch für einen klei­nen Hit aus­rei­chen­de Mate­ri­al, das aber nicht mehr so ganz an die rich­tig gro­ßen Erfol­ge anknüp­fen kann. Als “Power­bal­la­de” ange­kün­digt (wobei ich die ers­te Hälf­te die­ser Zuschrei­bung für eine gering­fü­gi­ge Über­trei­bung hal­te), dient der Song in ers­ter Linie als Vehi­kel, um die har­mo­ni­schen Fähig­kei­ten der drei hol­län­di­schen Schwes­tern her­aus­zu­stel­len. Von denen man drei Minu­ten spä­ter aber immer noch nicht sagen kann, ob sie nun vor­han­den sind oder nicht, da es sich zumin­dest in der vor­ge­stell­ten Stu­dio­ver­si­on des Titels um eine ein­zi­ge Auto­tu­ne-Orgie han­delt. Und ja, ich weiß, der Ein­satz die­ses elek­tro­ni­schen Stim­men­glatt­schleif­mit­tels mag für die in die­sem Jahr­tau­send gebo­re­ne Genera­ti­on so eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein wie Zäh­ne­put­zen, aber als stein­al­ter und stein­har­ter Tra­di­tio­na­list emp­fin­de ich den Dampf­büg­ler noch immer als see­len­rau­ben­den Betrug am Hörer. Außer natür­lich bei Cher. Nun bin ich per­sön­lich ein gro­ßer Fan von Har­mo­nie­ge­sang, und wenn ich mal für einen kur­zen Moment bei­sei­te schie­be, dass die Bal­la­den­to­le­ranz­ober­gren­ze beim dies­jäh­ri­gen Song Con­test spä­tes­tens seit Mit­te Janu­ar 2017 mas­siv über­schrit­ten ist, dann gefällt mir der nie­der­län­di­sche Bei­trag den­noch ganz gut. Zumin­dest ab der → Rückung bei 2:30 Minu­ten, wo die zuvor ein biss­chen mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se sin­gen­den Mädels end­lich aus­pa­cken und ein schö­nes Song­fi­na­le lie­fern. Inso­fern weist ‘Lights and Shadows’ eine gewis­se Ver­wandt­schaft zu ‘Push for­ward’ auf, Lena May­er-Land­ruts (→ DE 2010) Vor­ent­schei­dungs­ti­tel von 2011, der auch erst kurz vor dem Ende so rich­tig aus dem Quark kommt.

Drei Mäd­lein steh’n im Wal­de und sind nicht stumm (NL)

[Nach­trag 04.03.2017]: Mitt­ler­wei­le ist ein Video mit einem Live­auf­tritt des Tri­os in der nie­der­län­di­schen RTL Late Night Show auf­ge­taucht. Das taugt natür­lich nur bedingt für die Beur­tei­lung der Live-Qua­li­tä­ten der drei Schwes­tern, die sich in dem engen TV-Stu­dio ohne jeg­li­che Show drum­her­um erst mal nur aufs Sin­gen kon­zen­trier­ten und dabei makel­lo­se Fähig­kei­ten unter Beweis stel­len konn­ten, aller­dings auch ziem­lich ste­ril und char­me­frei wirk­ten. Und gera­de in der wich­ti­gen ers­ten Stro­phe, in der man als Zuhö­rer einen Song übli­cher­wei­se sofort ins Herz schließt oder ablehnt, blieb ‘Lights and Shadows’ extrem blass. Spä­ter, als die Mädels sich anschei­nend warm­ge­sun­gen hat­ten, hin­ter­ließ der Auf­tritt einen stär­ke­ren Ein­druck, den­noch bleibt ins­ge­samt noch sehr viel zu tun, wenn die Hol­län­der mit die­ser Num­mer ins Fina­le ein­zie­hen wol­len.

Wun­der­schö­ne Har­mo­ni­en, blas­ser Auf­tritt: die nie­der­län­di­schen Power­puff Girls

Schaf­fen es die Nie­der­lan­de mit Wil­son Phil­lips in Kiew ins Fina­le?

  • Hängt davon ab, ob sie es live hin­krie­gen. Ich bin noch nicht über­zeugt. (37%, 37 Votes)
  • Das gehört schon noch zum Bes­ten im Line-up. Also ja, die schaf­fen es. (24%, 24 Votes)
  • Nee, das ist zu glatt und zün­det nicht. Bleibt kle­ben. (22%, 22 Votes)
  • Aber so was von! Wun­der­schö­ne Har­mo­ni­en, wun­der­schö­ne Frau­en, ein wun­der­schö­nes Lied! (16%, 16 Votes)

Total Voters: 99

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3 Gedanken zu “Nie­der­lan­de 2017: Viel Schat­ten, wenig Licht

  1. Sor­ry, das Lied – nach zwei­ma­li­gem Hören blieb nichts hän­gen – ist schwach, Die Dar­bie­tung – Ver­zei­hung – so etwas nennt man Stimm­band-Wich­se­rei. Viel Mühe um ein nichts an Song.

  2. Drei Maedels die *richig* sin­gen koen­nen. Das hat es schon lan­ge nicht mehr gege­ben bei der ESC. Kein halb nack­te Koer­per, Frau mit Bart, oder Feu­er Orgi­en … ein­fach Leu­te die es hin­krie­gen zu sin­gen. Und das ist wo es drum geht doch. Euro­vi­si­on SONG con­test. Nicht Euro­vi­si­on LAST UNS MAL GANZ EXTREM TUN con­test.

  3. Die “Frau mit Bart” sang sehr gut (und hat­te eine Mes­sa­ge). Ich wer­de nie ver­ste­hen, war­um eine tol­le Show (Feu­er-Orgi­en oder nack­te Kör­per) nicht mit guten Stim­men ein­her­ge­hen darf. Und extrem ist so was schon gar nicht. Hof­fent­lich wird der ESC nie zu einem rei­nen “Wer hat die bes­te Stimme”-Wettbewerb. Wie lang­wei­lig! Zum Glück geht es um das Gesamt­pa­ket: tol­ler Song, gute Stim­me, inter­es­san­te Dar­bie­tung, unter­halt­sa­me Show. “Rich­tig” sin­gen kön­nen beim ESC zum Glück fast alle. Die­se drei Mädels sin­gen gut, aber das reicht nicht, um aber die­ser Wil­son-Phil­lips-Abklatsch reicht nicht, um mich von Hocker zu reis­sen.

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