Euro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end

Eine Trig­ger­war­nung vor­weg: wer selbst gera­de unter Depres­sio­nen lei­det, soll­te die­se Run­de des Euro­vi­si­on Death­match viel­leicht über­sprin­gen, denn heu­te geben wir uns ganz und gar der bit­ter­sü­ßen Melan­cho­lie hin. Und wer bräch­te bei die­sem The­ma mehr Kom­pe­tenz mit als die von Hau­se aus schwer­mü­ti­gen Fin­nen? Die schi­cken das beim dor­ti­gen Vor­ent­scheid UMK sieg­rei­che Duo Nor­ma John ins Ren­nen, und tat­säch­lich klingt des­sen Sän­ge­rin Lee­na Tir­ro­nen wie Ade­le auf Dow­nern. Sie gibt eine herz­zer­rei­ßen­de Tren­nungs­schmerz­bal­la­de zum Bes­ten, in wel­cher sie eine Amsel anfleht, sich zu ver­krü­meln und ihr Nest anders­wo auf­zu­schla­gen, da näm­li­ches Tier mit sei­nem Gesang unter ihrem Fens­ter einst die unver­gess­li­chen Näch­te mit ihrem Ex beglei­te­te und unse­re bedau­erns­wer­te Ade­le, Ver­zei­hung, Lee­na, nun mit sei­nem Gezwit­scher an glück­li­che­re Zei­ten erin­nert. Was die­se nun gera­de über­haupt nicht brau­chen kann. So schlimm steht es um die vom Lie­bes­kum­mer Geschla­ge­ne, dass sie im dazu­ge­hö­ri­gen, nacht­schwar­zen Video­clip gar ins Was­ser geht. Dass sel­bi­ger Clip mit einem Kame­ra­schwenk auf einen mit der fin­ni­schen Lan­des­flag­ge ange­mal­ten Sarg endet, bringt zum Abschluss einen herr­lich mor­bi­den, fast schon wie­der iro­ni­schen Ton ins Spiel. Jeden­falls ertrinkt man als Zuhö­rer eben­so in der moll­schwar­zen Schwe­re der tief­düs­te­ren Kla­vier­bal­la­de wie die gram­ge­beug­te Prot­ago­nis­tin im See. Ein Song für schwar­ze Tage.

Auch live sieht Lee­na übri­gens aus wie eine Was­ser­lei­che (FI)

Und wo wir schon eine Selbst­mör­de­rin haben, singt uns die intern bestimm­te Fran­zö­sin Alma dazu gleich die Toten­mes­se, das ‘Requi­em’. Ihr elek­tro­las­ti­ger Mid­tem­po­song kommt zwar mit fet­ten Beats und deut­lich höhe­rem Tem­po daher, so rich­tig fröh­lich wird er dadurch aber nicht. Und das nimmt auch nicht Wun­der bei dem gedan­ken­schwer phi­lo­so­phi­schen Text, in dem sich die äußer­lich schein­bar jugend­lich-naï­ve Chan­so­net­te mit pro­fun­den Fra­gen nach dem Leben, dem Tod, der Ver­gäng­lich­keit und der Ewig­keit beschäf­tigt. “Ein Jahr, zwei Jah­re, hun­dert Jah­re vol­ler Glück / Dann pflückt das Leben dich wie eine Blu­me,” so beschreibt es Alma auf so poe­ti­sche wie bru­tal-lako­ni­sche Art und Wei­se, “Eines Tages hast du die­ses Her­um­wan­dern satt”. Sie wird doch der fin­ni­schen Ade­le nicht ins Was­ser fol­gen wol­len? Aber nein, sie gehört zu den trau­ern­den Hin­ter­blie­be­nen: “Wir wei­nen, aber gleich­zei­tig über­le­ben wir / Das ist die Schön­heit einer Toten­mes­se”. Ein biss­chen mor­bi­de, aber irgend­wie auch tröst­lich. Über­haupt gibt sie uns den Rat, uns nicht so wich­tig zu neh­men: “Aber mor­gen wird der Tag wie­der­ge­bo­ren / Als hät­ten wir nie gelebt”. Jepp – die Unend­lich­keit kommt auch ganz gut ohne uns klar! Man muss die fran­zö­si­schen Lyrics (zu wel­chen sich die für die Euro­vi­si­ons­fas­sung nach­träg­lich ein­ge­pflanz­ten eng­li­schen Ein­spreng­sel ver­hal­ten wie völ­li­ge Fremd­kör­per) aber auch gar nicht ver­ste­hen, um von der bit­ter­süß-melan­cho­li­schen Schick­sa­l­er­ge­ben­heit der Sän­ge­rin mit­ge­ris­sen zu wer­den. Wenn die­se nicht, wie es bei bis­he­ri­gen Live-Auf­trit­ten lei­der meist der Fall war, bei den höhe­ren Stimm­pas­sa­gen ihres Lie­des vor dem Mikro­fon stirbt…

Früh­ling in Paris / Immer wie­der und wie­der / Die Pär­chen sin­gen la la la / Die neu­es­ten Lie­bes­lie­der (FR)

Und nun ist es an Euch: wel­ches der bei­den schwer­mü­ti­gen Schwer­ge­wich­te zieht Euch tie­fer mit sich hin­ab? Geht Ihr lie­ber mit Nor­ma John ins Was­ser oder tanzt Ihr lie­ber mit Alma auf der Toten­mes­se? Wer soll das Depres­si­on-Dop­pel über­le­ben? Stimmt jetzt ab, bit­te bis mor­gen um 15 Uhr. Mer­ci bien!

EDM #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end. Wer soll über­le­ben?

  • Frank­reich: Alma – Requi­em (55%, 76 Votes)
  • Finn­land: Nor­ma John – Black­bird (45%, 62 Votes)

Total Voters: 138

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Ergeb­nis: ja, zuge­ge­ben, dies war ein fie­ses Duell – es kom­men noch gemei­ne­re. Wie schon im Video ging die Fin­nin auch hier unter und unter­lag mit 45% der Stim­men ihrer fran­zö­si­schen, ins­ge­samt doch etwas lebens­fro­her wir­ken­den Her­aus­for­de­rin. Vie­len Dank fürs Mit­vo­ten! In der nächs­ten Run­de tre­ten mal wie­der schrei­en­de Stimma­kro­ba­tin­nen gegen­ein­an­der an – von denen gehen heu­er ja drei­zehn aufs Dut­zend…

4 Gedanken zu “Euro­vi­si­on Death­match #11: Hel­lo Darkness, my old Fri­end

  1. Bei­de auf ihre Wei­se groß­ar­tig. Fie­ses Duell! Aber der eng­li­sche Text bei Requi­em bringt das eigent­li­che The­ma des Songs wirk­lich nicht so rich­tig zur Gel­tung. Scha­de. Den­noch bleibt Frank­reich eines mei­ner Lieb­lings­lie­der die­ses Jahr. Die Fin­nin muss ohne mich ins Was­ser gehen.

  2. War genau mein Gedan­ke! Fie­ses Duell !

    HAALL­LOOONIX Ade­le !
    Die fin­ni­sche jun­ge Ali­son Moy­et singt gegen die fran­zö­si­sche Lie­be an ?

    So böser “Ver­ur­sa­cher” nun hast du den Salat.
    Heu­te Vote ich noch­mals per Han­dy und so bekommt jede eine Stim­me und ich kei­ne Depres­sio­nen 🙂

  3. Wer braucht schon “Schö­ner Woh­nen”? “Schö­ner Ster­ben mit Nor­ma John” ist das neue Mot­to

  4. Genau: Fie­ses Duell
    Gibt’s noch ne Andra Schan­zen? (oder wie immer man das schreibt..) sonst muss ich mit Nor­ma ins Was­ser – schluuchz

Oder was denkst Du?