Eurovision Deathmatch #8: der flotte Dreier

Als wir das eurovisionäre Todesduell letzte Woche starteten, befanden sich inklusive des russischen Beitrags offiziell noch 43 Titel im Rennen (wonach es aktuell immer weniger aussieht). Da sich ungerade Zahlen bekanntlich nicht durch zwei teilen lassen, müssen wir diesmal ausnahmsweise ein Oxymoron einschieben, nämlich ein Dreierduell. Gleich drei Damen aus benachbarten Staaten des Balkan steigen also heute in den Ring, um sich die fetten Beats ihrer Dance-Songs um die Ohren zu hauen. Wir beginnen ganz im Süden: unsere erste Kombattantin ist die 25jährige Griechin Dimitra Papadea alias Demy, vom wiederauferstandenen hellenischen Staatssender ERT intern ausgewählt und in einem Song-Vorentscheid mit dem flachen, voll auf die Zwölf gehenden Dance-Stampfer ‚This is Love‘ versorgt. Der klingt wie ein flauer Aufguss von Cascadas ‚Glorious‘ (→ DE 2013), was bekanntlich auch nur ein flauer Abklatsch von Loreens ‚Euphoria‘ (→ SE 2012) war. Von den schlimmen lyrischen Sünden des Songtextes hat man immerhin die fußnägelaufrollendste („This is Love / Rain falls from above“: von wo bitte sonst?) zwischenzeitlich überarbeitet, doch noch immer reimt Demy „There’s an echo in my head“ auf „There’s a crossroad up ahead“. Nun ja, auch mit fett aus den Kopfhörern bollernden Bässen im dröhend leeren Schädel läuft es sich zielgerichtet über die stark befahrenen Straßenkreuzungen Athens, und beim Nahkampf um Leben und Tod gegen ihre beiden Konkurrentinnen kann zuviel Nachdenken ja auch von Nachteil sein.

Feuert aus allen Rohren: Demy (GR)

Damit über die Grenze ins verfeindete Mazedonien (oder, wie die Griechen sagen: nach Skopje), wo die intern ausgewählte Jana Burčeska bereits mit einer serbischwedischen Koproduktion aufwartet, die ebenfalls mit einem ordentlichen Schub und knochentrockenen Beats punkten kann. ‚Dance alone‘ überzeugt daneben aber auch mit doppelten Handklatschern – stets ein verlässliches Zeichen für ein gutes Lied – und einem feinen, modern klingenden Elektrobett. Sowie mit der wunderbar subtil morbid-düsteren Stimme der Leadsängerin, die sehr gut zu dem ziemlich sinnbefreiten, autistischen Songtext passt. Doch wie schon die Helden des Sound of Frankfurt, Culture Beat, einst sangen: „I don’t want no deeper meaning / In the Songs I’m dancing to“. Exakt, und tanzen kann man zu der Nummer ziemlich gut, auch wenn sie zum Ende hin leider ein wenig ausfranst.

Anne Clark geht tanzen: Jana Burčeska (MK)

Nächstes Land, selbes Team: der Beitrag der ebenfalls intern bestimmten serbischen Vertreterin Tijana Bogićević stammt im Wesentlichen von den gleichen Songschreibern wie der von Jana. Und das hört man: auch bei ‚In too deep‘ gibt es ordentlich Beats auf die Mütze, zusammengehalten von einer netten kleinen Melodie, die allerdings deutlich süßlicher vor sich hin plätschert und keinen all zu bleibenden Eindruck hinterlässt. Eher erinnert man sich am Ende an den gigantischen Reif, in dem die Sängerin im Videoclip sitzt wie ein Kanarienvogel im Käfig und der es besser nicht als Bühnenrequisit nach Kiew schaffen sollte. Passt immerhin ein Stück weit zum Text, in dem es unter anderem heißt „Feels like I’ve been sentenced to life“. Und so geht es auch dem Hörer, denn die drei Minuten ziehen sich hier ganz schön lange. Im Dreikampf mit ihren Mitbewerberinnen kann Tijana immerhin ihre Eurovisionserfahrung in die Waagschale werfen, stand sie doch bereit 2011 als Backing für Nina auf der Bühne.

Polly will einen Cracker: Tijana (RS)

Bleibt die Frage: welche der drei Balkan-Mädels kann die stärkste Disco-Power vorweisen? Mit welcher würdet Ihr am liebsten im Euroclub abhotten? Welche kann die Konkurrentinnen an die Wand singen? Stimmt ab – das Voting ist 24 Stunden lang offen, bis Sonntag 15 Uhr.

 

EDM #8: Der flotte Dreier. Welche der drei Damen vom Balkangrill soll es schaffen?

  • Mazedonien: Jana Burčeska - Dance alone (69%, 93 Votes)
  • Serbien: Tijana Bogićević - In too deep (17%, 23 Votes)
  • Griechland: Demy - This is Love (13%, 18 Votes)

Total Voters: 134

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Ergebnis: Oha, das war sehr eindeutig! Mit deutlicher Zweidrittelmehrheit lässt die mazedonische Vertreterin ihre beiden Balkan-Konkurrentinnen im Disconebel stehen. Tschüss, Griechenland und tschüss, Serbien! Und weiter gehts: in der Sonntagsfrage befassen wir uns mit einem der klassischsten Grand-Prix-Zutaten überhaupt, dem Fire-Desire-Reim.

2 Gedanken zu “Eurovision Deathmatch #8: der flotte Dreier

  1. Den flotten Dreier dürfte Frau Burceska als Siegerin verlassen. Mir gefällt F.y.r.o.M heuer ausgesprochen gut 🙂

  2. Zu Griechenland wäre zu sagen, trotz der finanziell angeschlagenen Lage dürfte es gleich viel kosten ein gutes Lied zu schreiben wie ein schlechtes, nä? Und bei Serbien stimme ich zu: Drei Minuten können wirklich verdammt lange sein. Bleibt also noch das Land mit dem ewig langen Namen übrig.

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