Chart-Watch: Blanche ist nicht alone in the Danger Zone

Fünf der sechsundzwanzig Finaltitel des Eurovision Song Contest 2017 haben es in die am gestrigen Freitagabend offiziell veröffentlichten deutschen Single-Top-100 geschafft. Den höchsten Einstieg konnte die Belgierin Blanche mit ‚City Lights‘ auf Rang 38 verzeichnen, erstaunlicherweise gefolgt vom nach üblichen Maßstäben nicht sehr hitverdächtigen Siegertitel ‚Amar pelos Dois‘ von Salvador Sobral, der auf Platz 43 notiert und damit doch ein paar Verkäufe (sprich: bezahlte Downloads oder Streams) generiert haben muss. Während der in Kiew zweitplatzierte Bulgare Kristian Kostov leer ausging, zogen die Bronzemedaillengewinner vom SunStroke Project mit ‚Hey Mamma!‘ auf Platz 52 in die deutschen Top 100 ein. Ihre rumänischen Kollegen Ilinca und Alex Florea folgen sehr viel tiefer auf Rang 93. Dazwischen reichte es für die mit dem vorletzten Platz heimgekehrte deutsche Vertreterin Levina Lueen, die bereits nach dem heimischen Vorentscheid Unser Song 2017 für genau eine Woche auf Platz 28 in die Charts einzog, zu einer kurzen Rückkehr auf Rang 88. Gibt es so etwas wie Mitleidskäufe? Keine Notierung war hingegen für den im Vorfeld des Wettbewerbs lange Zeit als klarer Sieger vorhergesagten Italiener Francesco Gabbani und sein ‚Occidentali’s Karma‘ zu verzeichnen, das viele bereits als europäischen Sommerhit 2017 gehandelt hatten. Sein Auftritt im ARD-Morgenmagazin Anfang dieser Woche mit einer entkoffeinierten, von ihm selbst am Klavier begleiteten Unplugged-Version dürfte da vermutlich auch nichts mehr retten: in den Tiefschlaf geklimperte Menschen kaufen keine Musikstücke! In den Mid-Week-Charts lagen die fünf Eurovisionstitel übrigens jeweils um einiges höher, woraus sich schließen lässt, dass es sich – wie schon in den vergangenen Jahren – nur um ein kurzes Strohfeuer handelt, also einmalige Käufe direkt im Anschluss an die TV-Show vergangenen Samstag, und dass die Hitparade nächste Woche bereits wieder bereinigt sein dürfte von allen Grand-Prix-Einflüssen. Am meisten profitierte indes die deutsche Schlagerkönigin Helene Fischer vom ESC: die im wie immer völlig unsäglichen Grand-Prix-Rahmenprogramm des Ersten vorgestellten drei Lieder aus ihrem neuen Album stiegen allesamt hoch ein, der Titel ‚Herzbeben‘ sogar auf Rang 18. Und zum Schluss noch ein kurzer Blick zu den Nachbarn: der österreichische Charmer Nathan Trent schaffte es im Heimatland auf Rang 72 der Charts, die schweizerische Band Timebelle zu Hause auf Platz 80.

Hat noch am ehesten Chancen auf ein Crossover ins echte Pop-Leben: Blanche (BE)

6 Gedanken zu “Chart-Watch: Blanche ist nicht alone in the Danger Zone

  1. Na ja, da kann man den Deutschen auch nicht helfen! Dafür ist Francesco Gabbani´s *Occidentali’s Karma* in vielen anderen Ländern, eingeschlagen wie ein Blitz! Und auf Youtube hat es zwischenzeitlich 119 000 000 Views! Sowas gab es noch nie, für einen ESC-Song!
    In diesem Sinne…
    Schönes Weekend.

  2. Ich gehe davon aus, dass die Käufe für Occidentali’s Karma bereits länger zurückliegen.

  3. Waren wieder keine neuen ABBA dieses Jahr dabei…
    Hat ja auch was für sich dass der ESC eine Exotenveranstaltung bleibt ohne Relevanz für die Hitparaden.
    Wobei zumindest National Gabbani schon ein Star ist, aber das war er ja schon vor dem ESC.
    Und schön zu sehen das mit Sobral und Blanche 2 der besten SONGS des ESC in den Charts vorn liegen.

  4. Soweit mir bekannt ist, hat es Gabbani direkt nach dem San Remo Festival in der Schweiz auf #25 geschafft (und in Italien natürlich auf die #1). In Deutschland jedenfalls ward er bislang noch nicht in den Charts gesehen. Und ja, das ist eine Schande!

  5. Vor vier Jahren war wirklich das halbe Finale in den Charts, Emmelie de Forest auf der fünf und Margaret Berger auf der 24. Davon sind wir dieses Jahr weit entfernt. Schade für Francesco, das muss eine Riesenenttäuschung sein. Dass er nur Sechster wird, hätte ich nicht erwartet.
    Salvador hat es im Ausland immerhin in Island und Finnland auf die eins geschafft, damit ist er schon jetzt erfolgreicher als Jamala, die es wohl noch nicht einmal in der Heimat an die Spitze der Charts geschafft haben soll. Auch in den portugiesischen Ex-Kolonien Kap Verde, Macau und Mosambik kommt „Amar pelos dois“ laut Prinz-Blog und ESC-Tracker gut an.
    Hier in Deutschland aber ist der ESC leider weiter auf dem Rückzug, sowohl bei den Einschaltquoten, als auch in den Charts.

  6. @ deutscheland

    Auf Platz eins der offiziellen Charts, echt ??? Ansonsten ist dort in so ziemlich jedem Land der Erde derzeit eine ziemlich geile Nummer in spanischer Sprache (sogar in USA & GB). Hat aber leider so gar nix mit ESC zu tun…..

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