Erstes Semifinale 2017: no more Drama

Je unsicherer die Zeiten, um so mehr suchen die Menschen fröhlich stimmende Ablenkung und Zerstreuung, so jedenfalls suggeriert es das Ergebnis der ersten Qualifikationsrunde des Eurovision Song Contests 2017, das am gestrigen Dienstagabend im Internationalen Ausstellungszentrum zu Kiew über die Bühne ging. Bestimmten im Vorfeld dieses Jahrgangs noch die schändlichen Ränkespiele um das vom Gastgeberland Ukraine verhängte Einreiseverbot gegen die russische Repräsentantin Julia Samoylova sowie die deutlich verschärften Sicherheitsmaßnahmen rund um die Veranstaltung die öffentliche Wahrnehmung des Wettbewerbs und schufen damit ein mulmiges Klima, so setzten sich im gestrigen Semi größtenteils diejenigen Beiträge durch, die sich an eher uptemporären, aktuellen Sounds orientierten und showtechnisch alten Wein in neue Schläuche gossen. Also irgendwie beruhigend Vertrautes und Bewährtes boten. Von fast ausnahmslos allen Teilnehmer/innen einheitlich befolgte Trends verstärkten dabei den uniformen Eindruck dieses Abends: so das bedauerlicherweise fast durchgängig praktizierte Verstecken der Chorsänger/innen hinter der Bühne; die Dominanz der Unschuld und Reinheit suggerierenden Farbe Weiß für die Garderobe; das gerne genommene Einblenden von Ausschnitten der professionellen Musikvideos oder von überlebensgroßen Porträtfotos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hintergrund sowie der geradezu sklavisch befolgte Modetrend des Flanking (die Kombination von unsichtbaren Sneakersocken und Hochwasserhosen zum Zwecke des kecken Herzeigens eines Streifens Beinfleisches in Höhe der Fesseln).

Zweieinviertel Stunden voller hochprofessioneller TV-Unterhaltung: das komplette erste Semifinale 2017

Wagemutigere, inhaltlich düstere Titel straften die abstimmungsberechtigten Zuschauer/innen und / oder die Jurys (Genaueres wissen wir erst Samstagnacht) hingegen überwiegend ab. Als prominentestes und wohl überraschendstes Opfer ist das finnische Duo Norma John zu nennen, das mit ‚Blackbird‘ eine todtraurige Suizidballade ablieferte, die sich in ihren deprimierenden Molltönen zutiefst im jegliche Lebensfreude auslöschenden Schmerz über den Verlust des Liebsten suhlte, was die Leadsängerin Leena Tirronen durch das Tragen eines hochgeschlossenen schwarzen Witwenkleides, ihren wasserleichenhaften Teint und ihren leblosen Gesichtsausdruck glaubhaft verstärkte. Ergreifend auch ihr Text, in welchem sie der vor ihrem Fenster weilenden Amsel, die einst die fröhliche Melodie zum Liebesspiel Leenas mit ihrem verflossenen Herzblatt sang, nun den Schnabel verbieten wollte. Ein schmerzhaft schönes Lied also, auf dessen tiefe Traurigkeit man sich aber einlassen muss, um es würdigen zu können. Und offensichtlich wollte Europa dies nicht. Oder jedenfalls nicht zweimal an einem Abend, denn auch der Portugiese Salvador Sobral, der gestern vom Geheimtipp zum ernsthaften Verfolger Italiens im Rennen um den Gesamtsieg aufsteigen konnte, stimmte mit der musikalisch völlig aus der Zeit gefallenen, disneyesken Trennungsschmerzballade ‚Amar pelos Dois‘ einen gefühlvollen Tränenzieher an, in dem der introvertierte Interpret sein übervolles Herz ausschüttete. Er jedoch, so kündigte er im hochpoetischen Songtext an, wollte nicht wie die Finnen ins Wasser gehen, sondern weiterhin im Stillen hoffen und für Zwei lieben, was die Zuschauer/innen mit Wohlwollen aufnahmen. Auch der Umstand, dass sich der aufgrund schwerwiegender gesundheitlicher Probleme erst zum Juryfinale angereiste Sänger im Verglich zum portugiesischen Festival da Cançāo, wo er in offenbar aus dem Rot-Kreuz-Container geklauten Lumpen antrat, diesmal in einem schwarzen Oversize-Jackett für Hipster-Verhältnisse geradezu festlich aufbrezelte, und dass er als einziger Künstler des Abends die mitten im Publikum stehende Satellitenbühne nutzte, was seinem Auftritt zusätzliche Intimität verlieh, erwiesen sich als positiv für ihn. Zumal er Fans in Kiew ebenso zu faszinieren vermochte und diese die Nummer nicht, wie zunächst von mir befürchtet, in einem See aus schnatterndem Lärm ertrinken ließen. Respekt!

Die Schrankenwärter warten auf den TEE / Am Rand der Stadt versinkt eine Nonne im See (FI)

Vielleicht hätte sich die albanische Vertreterin Lindita Hamili ein Beispiel an Salvador nehmen und ihre hochdramatische Weltfriedensballade ‚World‘ ebenfalls in Landessprache vortragen sollen. Denn obschon die im Kosovo geborene und mittlerweile in den USA lebende Künstlerin, die dort an der Castingshow American Idol teilnahm, ein für albanische Verhältnisse akzeptables Englisch spricht und der Titel im Original in der Weltsprache des Pop geschrieben wurde, verstärkte es den irgendwie gezwungenen, artifiziellen Eindruck ihres Auftrittes, zu dem auch die Tonnen an im Windmaschinensturm wehendem Kunsthaar, ihre Verkleidung als Glitzerbraut und der Salvador-Dalí-inspirierte Videoclip, der als Einspieler im Hintergrund lief, beitrugen. Dennoch sollte die Kombination aus skipetarischem Diaspora-Voting und Jurybepunktung für ihren makellos vorgetragenen, dreißigsekündigen Hochleistungsschrei nach menschlichem Ermessen für die Qualifikation eigentlich ausreichen. Um so überraschender also ihr Ausscheiden in diesem Semifinale, im Gegensatz zur Tschechin Martina Bárta, die für das Hintergrundbild ebenfalls zum Videoclip ihres Titels ‚My Turn‘ griff. Welcher auch, für sich genommen, hervorragend als Tränenstimulant funktioniert, da er in eindrücklichen Bildern die berührende Geschichte von Menschen erzählt, die sich geradezu zärtlich umeinander sorgen und kümmern. In Verbindung mit ihrem Live-Auftritt in einem das Auge beleidigenden, Barbara-Dex-Award-würdigen Schulterpolster-Einteiler in Metallic-Hornhaut-Umbra blieben davon aber nur schemenhaft umherhuschende, halbnackte Personen hängen, welche die musikalische Superdrögheit ihrer Ballade lediglich um einen WTF-Faktor bereicherten. Ohne die Ergebnisse zu kennen, tippe ich auf den gemeinsamen letzten Platz in beiden Abstimmungen, und das zu Recht.

Fokussierte ein bisschen zu arg auf ihr Glanzstück, den 30-Sekunden-Schrei, und vernachlässigte den Rest: Lindita (AL)

Als Favoritinnensturz des Abends muss sicherlich das Ausscheiden der isländischen Vertreterin Svala Björgvinsdóttir gelten. Ihr leicht verschrobener Midtempo-Elektrotrack ‚Paper‘, in seiner Machart dem drittplatzierten norwegischen Eurovisionsknüller ‚I feed you my Love‘ von Margaret Berger (→ 2013) nicht unähnlich, fand im Vorfeld bei vielen Fans Anklang. Doch schon die Nichtqualifikation des ersten Aufgusses ‚Icebreaker‘ von Agnete Johnsson im Vorjahr hätte Warnung sein müssen: mit der sexuell aufgeladenen Energie des Vorbildes konnte der inhaltlich eher wirre Song der Isländerin nicht mithalten, und im Gegensatz zur hochklassigen norwegischen Domina wirkte ihr Auftritt in einem arg press anliegenden weißen Einteiler mit weiträumig freigelegten Brüsten, falschen blonden Haaren, Tattoos, entsetzlich hässlichen Klumpschuhen und einem unpassenden Superheldinnen-Cape vor allem sehr billig. Und das nicht im guten Sinne! Dass Svala dazu in einem deutlich zu schnellen Tempo aufgekratzt tanzte und verkrampft-abgehackte Handbewegungen vollführte, ließ die Frage aufkommen, welche chemischen Stimulanzien sie wohl eingeworfen hatte. Keine Frage hingegen beim lettischen Dance-Projekt Triana Park, die im hoch repetitiven Refrain ihres Rave-Klassikers selbst pausenlos fragten: „Where we snort the Line?“. Offensichtlich hinter der Bühne, kurz vor dem Auftritt! Dass langjähriger Drogenmissbrauch die Stimmbänder angreift, davon legte der fußnägelaufrollend krächzende „Gesang“ der Frontfrau Agnese Rakovska, die optisch als eine Art abgewrackte Jamie Lee Kriewitz (→ DE 2016) in den nuttigsten Stiefeln der Grand-Prix-Geschichte herüberkam, beredt Zeugnis ab. Die audiovisuelle Gesamtkatastrophe überzeugte sogar die sonst üblicherweise sehr hetero orientierten Kameraleute, sie weniger oft ins Bild zu rücken und dafür stärker auf die drei männlichen Bandmitglieder zu fokussieren, insbesondere den sexiesten Drummer aller Zeiten, Edgard Viļums. Danke dafür!

Eine Frisur wie ein Stromtransformator: Agnese (LV)

So erwart- wie verschmerzbar hingegen das Semifinal-Aus der Vertreter/innen aus Georgien und Slowenien. Der Kaukasusstaat schickte Tamara Gachechiladze, die 2009 in Moskau schon einmal als Teil des Projektes 3G antreten wollte, mit dem provokanten ‚We don’t wanna put in‘ jedoch an der EBU-Zensur scheiterte. Ihre düster gefärbte Durchhalteballade ‚Keep the Faith‘, vom grandprixesken Aufbau mit gleich zwei → Rückungen her das überflüssige 2017er Update zu Michael Jacksons ‚Earth Song‘, verzichtete sogar auf die Präsentation des apokalyptischen Hintergrund-Videos mit Bildern von Krieg, Umweltzerstörung und der Einblendung der Zeitungsmeldung „Russia invades Georgia“, wirkte aber trotz gesanglich kompetenten Vortrags der in einem stierkämpferroten Abendkleid angetretenen Sängerin schlichtweg verzichtbar. Der wie so viele Künstler/innen dieses Jahrgangs von der → Jury zur Teilnahme manipulierte Omar Naber (→ SI 2005) scheiterte bereits zum zweiten Mal in einer Eurovisions-Qualifikationsrunde in Kiew. Und dies zu Recht, erwies sich seine durchkalkulierte Musicalballade ‚On my Way‘ doch als besonders zähen Pfropfen musikalischen Schleimes, den noch nicht mal Andrew Lloyd-Webber mit der Kneifzange anfassen würde. Omars abgegriffen-hohlen Siegerposen wirkten dabei nicht selbstsicher, sondern creepy. Skandalös hingegen das Ausscheiden des schillerndsten Paradiesvogels des Jahrgangs, des montenegrinischen schwulen Glitzer-Elfs Slavko Kalezić und seiner discotastischen Trash-Nummer ‚Space‘ (oder, wie sie in Fan-Kreisen heißt: „Masudo“, abgeleitet von der schwer verständlichen Refrainzeile „I have my Suit on“). Hier fürchte ich geradezu die Veröffentlichung der getrennten Jury- und Televotingergebnisse am kommenden Sonntag, bin ich mir doch ziemlich sicher, dass die Spaßbremsen von der „Profi“-Bewertungsfront den Beitrag auf dem Gewissen haben, was in mir erschreckend detaillierte, grausame Mordgedanken hervorruft, die ich eigentlich nicht haben möchte.

Slavko und sein orientalischer Lover Masudo müssen weiterhin alleine im Weltall kreisen (ME)

Kleingeister mögen nun vielleicht die nicht vorhandenen Gesangskünste Slavkos als Einwand vorbringen. Und verfehlen damit natürlich meilenweit das Thema, handelt es bei dem (im Übrigen auch von der wie stets herrlich bissigen Spiegel-Kolumnistin Anja Rützel gelobten) Camp-Meisterwerk doch um Konzeptkunst, die als Gesamtes zu betrachten ist. Zumal die basslastig tiefe, hypermaskuline Sprechstimme, mit welcher der als Zentaur verkleidete Interpret die erste Strophe seines Beitrags vorbrummte, das extreme sexuelle Innuendo des Textes („ready to blow“, „come into me“, „drunken Love“„wet Dreams“ etcetera) noch weiter auf die Spitze trieb. Den Refrain übernahmen ohnehin Slavkos Backings, was ihm die Gelegenheit bot, befreit von allen Gesangspflichten seinen überdimensionalen Pferdeschwanz zu schwingen und suggestive Blicke in die Kamera zu schicken, welche den Bildschirm von innen beschlugen ließen. Und auch, wenn zu konzedieren ist, dass diese wohl offensiv schwulste Bühnenshow in der Eurovisionsgeschichte für oberflächliche Betrachter den Blick auf die sich im Schlussvers des Liedes offenbarende inhaltliche Tiefe seines Beitrags verstellte, der auf seine sehr eigene Weise die gesellschaftliche Unfreiheit nicht heteronormativer Lebensentwürfe (nicht nur) im slawischen Raum thematisiert, wo Glitzerwesen wie Slavko nur im Weltall (also außerhalb der Realität) vereint und gleich sein können, so kann ich nicht anders, als sein schändliches Semifinal-Aus als persönlichen Dealbreaker zu betrachten, der mir die Freude und das Interesse am Rest des aktuellen Jahrgangs fast vollständig nimmt. Schäm Dich, Europa!

Wartete verzweifelt aufs montenegrinische Raumschiff, dass sie wegbeamen sollte: Blanche (BE)

Überraschungen gab es auch bei den Qualifikant/innen, hier insbesondere bei der Fan-Favoritin Blanche aus Belgien. Zwar besteht an der musikalischen Exzellenz ihres düsteren Elektrotracks ‚City Lights‘ nicht der geringste Zweifel, dennoch ließen die Berichte der Live-Blogger von den Proben, bei denen die erst Sechzehnjährige als von nackter Panik erfasstes, schreckensstarres Rehkitz in Licht der heranbrausenden Scheinwerferkegel erschien, wenig Raum für die Hoffnung auf einen Finaleinzug. Beim gestrigen Live-Auftritt schöpfte Blanche dann zwar, getragen von der Liebe und dem Zwischenapplaus des Kiewer Hallenpublikums, zur Songmitte für ungefähr eine halbe Minute so etwas wie vorsichtige Zuversicht und mildes Selbstvertrauen. In den restlichen fünf Sechsteln ihrer Performance aber schien sie sich mit jeder einzelnen Faser ihres Wesens so weit weg wie möglich zu sehnen und sichtbar unter massivem Lampenfieber zu leiden. Selbst bei der Verkündung ihres Finaleinzugs, dramaturgisch geschickt an letzter Stelle vorgelesen, war sie offensichtlich den Tränen nah: den Tränen der Verzweiflung wohlgemerkt, nicht denen der Freude! Insofern ist unklar, ob das Publikum hier aus Mitleid handelte oder aus purem Sadismus. Wenig nachvollziehbar erscheint zudem die Qualifikation des australischen Epheben Isaiah Firebrace, der (wie sich herausstellte, aufgrund eines nicht funktionierenden In-Ohr-Monitors) stellenweise mit brüchiger Stimme vor sich hin winselte, als sei gerade Slavko Kalezić in ihm gekommen; insbesondere aber der Polin Kasia Moś und ihres rundheraus unerträglichen Machwerkes ‚Fleshlight‘, Verzeihung, ‚Flashlight‘ mit seinen haarsträubenden „Fire-Desire-Higher-Wire“-Reimen. Da muss wohl die Jury, eigentlich eingeführt, um das → Diasporavoting schrecklicher Ostblocktitel zu konterkarieren, auf ganzer Linie versagt haben.

Seine Liebe kommt Dich nicht billig: Edel-Escort Isaiah (AU)

Wie sehr sich das hemmungslose Kopieren erfolgreicher Beiträge der jüngeren Vergangenheit auszahlt, bewiesen die eingängigen Stumpf-ist-Trumpf-Nummern aus Griechenland (Vorbild: ‚Glorious‘, → DE 2013), Moldawien (Vorbild: ‚Run away‘, → MD 2010), Schweden (Vorbild: ‚Heroes‘, → SE 2015) und Zypern: der besonders diebische Hovig Demirjan klaute seinen Song ‚Gravity‘ eins zu eins beim Rag’n’Bone Man und seine Bühnenshow mit illustrierter Quaderwand, wackligen gymnastischen Übungen und Bodenturnen eins zu eins beim letztjährigen Publikumssieger Sergej Lazarev aus Russland. Etwas kreativer präsentierten sich immerhin die beiden A-Listen-Länder Armenien und Aserbadischan, die mit spannend-artifiziellen Elektrotracks antraten: die zopfig-kregle Artsvik channelte hierzu erfolgreich ihre innere Ofra Haza (→ IL 1983) bzw. Sertab Erener (→ TR 2003); DiHaj schlüpfte in die Rolle einer gestrengen Kunstlehrerin, die von den Freuden des organisierten Organhandels („Have my Lungs, my Millions“) berichtete und dies mit einem auf einer Feuerleiter sitzenden Herrn mit Pferdekopf illustrierte, was sicherlich irgendetwas Spektakulär-Sinnvolles auf irgendeiner Metaebene bedeuten sollte, wenn auch nicht klar wurde, was genau. Kann man so machen!

Da hat die Kreativabteilung aber wieder Überstunden geschoben! (CY)

Nur sehr bedingt originell hingegen die Moderation des ukrainischen Herrentrios Volodymyr („Vulva“) Ostaptschuk, Oleksandr Skitschko und Timur Miroschnytschenko alias Tick, Trick und Track, die sich in cool und eigenironisch gemeinten, tatsächlich aber arg oberflächlichen Witzchen erschöpften und vergeblich versuchten, ihr offensichtliches Job-Vorbild Måns Zelmerlöw (→ SE 2015, Moderation 2016) zu übermönzen. Besonders unterirdisch dabei die Green-Room-Auftritte von Track Timur, der fast null mit den anwesenden Künstler/innen interagierte, sondern in ZuRisikenUndNebenwirkungenFragenSieIhrenArztOderApothekerhafter Geschwindigkeit seine völlig humorfreien Lobhudeltexte in den Bart nuschelte. Oh, apropos Nuscheln: der von mir nach wie vor hoch geschätzte deutsche Kommentator Peter Urban sollte bei der Bemessung seiner Anmoderation künftig vielleicht einen kleinen zeitlichen Puffer für das Stolpern über die eigene Zunge mit einplanen, um das von mir stark verhasste Hineinlabern in den Songanfang zu vermeiden. Nur so als Tipp. Etwas unterhaltsamer dafür der Pauseneinspieler mit der legendären Verka Serduchka (→ UA 2007) und ihrer „Mutter“, einer Art von humorvollen Einlagen und Eurovisionsbezügen unterbrochener Tourismuswerbefilm für Kiew und die Ukraine, auf dessen Fortsetzung im zweiten Semifinale am morgigen Donnerstag ich schon mal gespannt bin. Verka stahl der Vorjahressiegerin Jamala, die es sich natürlich nicht nehmen ließ, ihren Song ‚1944‘ nochmals in einem sehr gut gelungenen Remix vorzustellen, damit glatt die Schau.

Russia goodbye: niemand steht so sehr für die Ukraine wie Verka

ESC 2017, 1. Semi

1. Semifinale des Eurovision Song Contest 2017, Dienstag, der 9. Mai 2017, 21 Uhr, aus dem International Exhibition Center in Kiew, Ukraine. Moderation: Oleksandr Skichko, Volodymyr Ostapchuk und Timur Miroshnychenko, 18 Teilnehmer.
#LandInterpret/inTitelPkt. TVPl. TVPkt. ges.Pl. ges.
1SERobin BengtssonI can't go on1030422703
2GETamara GachechiladseKeep the Faith0371309911
3AUIsaiah FirebraceDon't come easy0211516006
4ALLindita HalimiWorld0381207614
5BEBlancheCity Lights1250316504
6MESlavko KalezićSpace0391105616
7FINorma JohnBlackbird0511009212
8AZDiHajSkeletons0630815008
9PTSalvador SobralAmar pelos Dois1970137001
10GRDemyThis is Love0540911510
11PLKasia MośFlashlight0690611909
12MDSunstroke ProjectOh Mamma1800229102
13ISSvala BjörgvinsdóttirPaper0311406015
14CZMartina BártaMy Turn0021808313
15CYHovig DemirjianGravity1030516405
16AMArtsvik HarutyunyaFly with me0650715207
17SIOmar NaberOn my Way0201603617
18LVTriana ParkLine0201702118

15 Gedanken zu “Erstes Semifinale 2017: no more Drama

  1. Schön, dass Du wieder da bist! Beste Nachricht des heutigen Tages.

    Zum gestrigen Abend nur so viel: Nicht mal das Ausscheiden von Paolo Meneguzzi weiland hat mich so deprimiert hinterlassen. Wir haben auf dem Sixtus-Blog eine alte Trauerflagge recycelt (ratet mal von wann). Bei Paolo konnte ich es im Nachhinein verstehen, dieses Mal nicht. Ich hoffe, das wird im zweiten Semi besser (Österreich! Weißrussland! Niederlande! Rumänien!)

    Ansonsten drehen Portugal und Belgien jetzt bei den Bookies ordentlich auf. Mal sehen, was das am Samstag wird.

  2. „Fröhlich stimmende Ablenkung und Zerstreuung?“ Polen? Australien? Portugal? Schade um den Kopfpropeller! Schade um die finnischen Galgenvögel! Dafür Seichtkram von den Hellenen, den Schweden und den Moldawiern. Aserbaidschans Klassenzimmer des Schreckens – kann man machen. Muss aber nicht. Der Pferdekopfmann ist mir heute Nacht im Traum erschienen, ich wachte schweißgebadet auf.

  3. Vielen Dank für diese bitterböseliebe Betrachtung des ersten Semi!

    Deine kunstvoll arrangierten Wortschöpfungen haben mir mal wieder die Lachtränen in die Augen getrieben und mir bei der Verarbeitung der immer noch tiefsitzenden Trauer über den unerwarteten und plötzlichen Tod der finnischen Amsel geholfen. Nochmals muy obrigado! (in der Sprache meines verbliebenen Favoriten)

  4. Das mit den Blöcken hat Hovig gleichzeitig 1:1 bei Loïc Nottet geklaut. Auf diese Feststellung lege ich Wert, weil Loïc Nottet immer noch toll ist.

  5. Tick, Trick und Track als Moderatoren, vielleicht finde ich sie heute Abend lustiger wenn ich ab jetzt ein Donald-Duck Heft bei Ihrem Anblick im Kopf hab…
    Großartige Analyse des Abends!
    Ich finde die die Jurys ziemlich spaßbefreit. Sie killen alles was anders ist und aus dem Rahmen fällt.
    Siehe auch die Punker-Finnen mit Down-Syndrom letztes (vorletztes?) Jahr.
    Mit Sicherheit gabs für Slavko 0 Jurypunkte. Würde mich nicht mal wundern wenn Finnland auch nicht mehr Punkte von der Jury als Griechenland bekommen hat. Und heute Abend droht Jacques Houdek der Jury-Tod…

  6. Werter Blogger – wieder einmal eine Freude, hier zu lesen und an Deinen pointierten Ansichten teilzuhaben – ich stimme überraschenderweise größtenteils zu. Die 3 Moderatoren sahen aus wie diese verhätschelten Jungprofis vom BVB oder vom VfL Wolfsburg – und so agierten sie meiner Meinung nach auch. Völlig unlustig. Und ja, irgendwie hätte ich mir auch Slavko statt Isaiah im Finale gewünscht und selbstverständlich Norma John statt Demy. Und ja, Text und Song von Kasia Mos waren …., aber gesungen hat sie prima. Ich freue mich aber schon auf das weitere Schauen und spätere Nach-Lesen. Danke.

  7. Na Gott sei Dank geht es hier weiter – ich habe mir schon Sorgen gemacht!
    Nach der Verbannung von RapunzelSlavko habe ich schon „Oliver mit den Scherenhänden“
    umherirren sehen, immerzu schreiend „Rache für Slavko – jetzt werden Zöpfe rollen“!
    Kein Verlass mehr auf die Community!
    Ich als fast Glatzkopf (aber mit Bart!)hatte ihn auch nicht auf meinen Zettel.
    Nicht aus Neid – sondern eher ganz banal, weil er schlecht gesungen hat!
    Ansonsten genau so überrascht vom Aus für Finnland und dafür nicht überrascht das diesmal auch das polnische Putzmänner Diaspora funktionierte.
    Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass Aserbaidschan den Contest am Samstag eröffnet, ich mag die Kunstlehrerin echt nicht noch mal sehen wollen – lieber 3 Minuten nur das Pferd!
    Sie wird mein PPP ! (PinkelPausenPlan)
    Ja und dann sang ja auch noch Blanche.
    Da stand sie nun *Wie eine Blume am Winter beginnt so wie ein Feuer im eisigen Wind, wie eine Puppe, die keiner mehr mag, sang Sie sich in diesen Tag* Jetzt ging es nur noch darum wer schneller heult – Ich oder Sie.
    Bei 1:23 dann das zarte Lächeln – da hatte sie mich wieder. So was muss geschützt werden!
    Kaum zu glauben,jetzt wurden doch noch die drei Grazien aus Österreich in der Moderation getoppt!
    Hätte der eine Pfadfinder statt der fetter Rolex Daytona am Handgelenk das Geld lieber in einen Moderations und Sprachtrainer investiert ,käme wenigsten „Track“ etwas „flüssiger“ rüber. -oder halt Trick …egal

    Fazit des Abends — nun hat die Ukrain (e) auch ihre eigene Loreen — !
    Volkslied hin oder her – mich hat ihr „Tipitanz“ eher an Betty White´s Fruchtbarkeitstanz aus
    „Selbst ist die Braut“ erinnert –
    Semi 2 – ich bin gespannt…..

  8. Zur Frage von „und dies mit einem auf einer Feuerleiter sitzenden Herrn mit Pferdekopf illustrierte, was sicherlich irgendetwas Spektakulär-Sinnvolles auf irgendeiner Metaebene bedeuten sollte, wenn auch nicht klar wurde, was genau“ – kann ich aufklären. Übersetzt heißt das: Setze Springer auf h4

  9. Ich bin auch gespannt, ob es die Jurys wieder verbrochen haben: Kuunkuikaajat-Gate, Norma-John-Gate; Who-see-Gate, Slavko-Gate, es trifft immer dieselben Länder. Wobei ich mir bei den Finnen dieses Jahr auch das Publikum als „Schuldigen“ vorstellen kann.

  10. @ Torsten

    Es heißt „muite“ obrigado – kann man aber leicht verwechseln….. Für mich ist Salvador einfach nur großes Kino. In einigen anderen Blogs gibt es leider auch viele Hasser (oder sind es vielleicht nur Neider ???) Endlich mal wieder große Emotionen beim ESC. Wann gab es das zuletzt ?? Dann nimmt vielleicht der für mich schlechteste Jahrgang aller Zeiten doch noch ein gutes Ende. Hätte aber auch nichts gegen den tanzenden Gorilla als Sieger – halte ich auch für realistischer.

  11. @Torsten & Mariposa
    Eigentlich heißt das muito obrigado.

    Und dieses Jury gebashe schon wieder ohne das nur irgendwer die Ergebnisse kennt ist jedes mal zum todlachen und kann ich mittlerweile nicht mehr ernst nehmen. Und Slavko ist auch völlig zu Recht ausgeschieden. Ansonsten gute und unterhaltsame Analyse, Olliver

  12. danke, oliver, wieder was schönes von dir gelesen zu haben. für mich hinterlässt das ergebnis einige große fragezeichen. griechenland besser als finnland? und warum kommt frau mos weiter, die ihre keimfreie ballade derart wegmoduliert, dass man nun gar keine erinnerung mehr daran hat? wieso belgien (das ich für eine meiner lieblingsnummern halte, aber live so geht das gar nicht)? es gab so wenig gesangsqualität, dass ich eigentlich finnland und portugal für gesetzt hielt… zu slavko (ich liebe deine ihn betreffende analyse!) denke ich, dass so viel laszive homosexualität dem kontinent (und nicht den juries) immer noch große angst macht, erst recht, wenn sie so mies gesungen und gehopst daherkommt – ich hatte trotzdem meinen spaß bei diesem auftritt, sah ihn aber nie im finale. und wer andere lieder und inszenierungen derart dreist nachmacht oder verfälscht wie zypern oder nachgemachte oder verfälschte lieder und inszenierungen in umlauf bringt, sollte eigentlich mit finalentzug bestraft werden – aber das klingt ja auch so ähnlich wie finaleinzug. naja, es gibt ja noch italien (und bulgarien und ungarn…). grüße aus berlin!

  13. Also das Montenegro nicht weitergekommen ist, hat mich absolut nicht gewundert. Ich hatte gute Kopfhörer auf, konnte die Show selbst aber nicht sehen, weil ich an etwas arbeitete, das mir den Blick auf den Fernseher versperrte. Ich wurde daher nicht durch die Show von der Stimme abgelenkt. Slavko hat mehrmals den Ton total verfehlt. Da waren Stellen drin, die waren schmerzhaft für die Ohren (aka wer jault den da so?). Dass die Jury sowas abstraft ist klar und absolut berechtigt.

  14. Slavko lag auch im Televoting nur auf Platz 11 – ich fand die Show eher klischeehaft und ziemlich nervig.

Oder was denkst Du?