Die Schweiz melo­di­fes­ti­va­li­siert ihren Vor­ent­scheid

Es stand zu erwar­ten: nach­dem das Schwei­zer Fern­se­hen sich im Juni 2017 als Reak­ti­on auf die fast durch­ge­hend schlech­ten Ergeb­nis­se der Eid­ge­nos­sen­schaft beim euro­päi­schen Wett­be­werb in den letz­ten Jah­ren einem Euro­vi­si­ons-Work­shop mit den schwe­di­schen ESC-Pro­du­zen­ten Chris­ter Björk­man (→ SE 1992) und Mar­tin Öster­dahl unter­zog, prä­sen­tier­te der SRF heu­te die wenig über­ra­schen­den Ergeb­nis­se des gemein­sa­men Brain­stor­mings, wel­che unter ande­rem die Ein­füh­rung einer inter­na­tio­na­len Jury beinhal­ten, wie sie beim von Björk­man ver­ant­wor­te­ten Melo­di­fes­ti­va­len schon seit Jah­ren zum Ein­satz kommt. Auch will man, dem deut­schen Bei­spiel fol­gend, den Fokus bei der Bei­trags­su­che stär­ker auf das Lied legen und zunächst mit Hil­fe einer sowohl mit Musik­schaf­fen­den als auch mit Euro­vi­si­ons­fans besetz­ten, rund zwan­zig­köp­fi­gen Aus­wahl­ju­ry vor­aus­sicht­lich sechs mög­lichst wett­be­werbs­fä­hi­ge Titel für die Ent­schei­dungs­show am 4. Febru­ar 2018 fin­den.

Der schwei­ze­ri­sche Bibo von 2017 muss­te im Semi­fi­na­le Federn las­sen.

Bis zum 22. Sep­tem­ber 2017 kön­nen Songschreiber/innen aus dem In- und Aus­land Vor­schlä­ge ein­rei­chen. Dabei kön­nen die Komponist/innen zwar auch eige­ne Interpret/innen benen­nen, müs­sen dies aber nicht. Der SRF behält sich zudem die Mög­lich­keit vor, den Sän­ger aus­zu­tau­schen. Reto Peritz, der Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che des Sen­ders, dazu gegen­über dem Schwei­zer Por­tal dou­ze­points: “Die Schweiz ist ein klei­nes Land, gute Inter­pre­ten gibt es nicht belie­big vie­le und die Kom­bi­na­ti­on von gutem Inter­pret mit gutem Song ist eine hohe Anfor­de­rung”. Des­we­gen wol­le man die aus­ge­wähl­ten Lie­der mög­lichst mit meh­re­ren Künstler/innen tes­ten, um die idea­le Kom­bi­na­ti­on zu fin­den. Durch die Beset­zung des Aus­wahl­gre­mi­ums nicht nur mit Musik­ex­per­ten, son­dern auch mit Grand-Prix-Fans wol­le man sicher­stel­len, dass der Song nicht nur die Jury befrie­digt, son­dern auch “im Bauch stim­mig ist und Euro­vi­si­on-Poten­zi­al hat” (auf­ge­merkt, NDR!). Hun­dert­pro­zen­tig scheint man beim Sen­der den Fans aber nicht zu trau­en, denn der SRF behält es sich vor, neben der Jury-Aus­wahl zur Not wei­te­re Bei­trä­ge per Wild­card zu bestim­men.

Es wäre für die Schweiz mal wie­der Zeit, zu schei­nen: mit bes­se­ren Songs als die­sem.

Span­nend dürf­te wer­den, wie unter­schied­lich beim öffent­li­chen Vor­ent­scheid am 4. Febru­ar 2018 aus den Sen­de­stu­di­os in Zürich das hei­mi­sche TV-Publi­kum und die inter­na­tio­nal besetz­te Jury, die jeweils zu 50% zäh­len, abstim­men (bei Punk­te­gleich­heit genießt das Tele­vo­ting Vor­rang). Beim letz­ten Melo­di­fes­ti­va­len kam es auf­grund der Unei­nig­keit der Schwed/innen mit dem rest­li­chen Euro­pa ja bereits zu einem klei­ne­ren Eklat. Gera­de die Schweiz dürf­te jedoch, wie auch schon Por­tu­gal 2017, über­durch­schnitt­lich von einer geschmack­li­chen Bevor­mun­dung durch das Aus­land pro­fi­tie­ren. Das sieht auch Peritz so: “Der ESC ist ein inter­na­tio­na­ler Wett­be­werb. Eine Schwei­zer Fach­ju­ry ist zu sehr von Schwei­zer Ein­flüs­sen geprägt”. Noch bes­ser wäre es frei­lich, die – je nach Zusam­men­set­zung eher zufäl­li­ge Ergeb­nis­se erzie­len­de – “Fach­ju­ry” durch inter­na­tio­na­les Publi­kum zu erset­zen, den­noch muss man das neue For­mat als Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung loben.

Reli­giö­se Orga­ni­sa­tio­nen sind laut Regle­ment 2018 von der Teil­nah­me am Schwei­zer Vor­ent­scheid strikt aus­ge­schlos­sen. Wor­an das wohl liegt?

2 Gedanken zu “Die Schweiz melo­di­fes­ti­va­li­siert ihren Vor­ent­scheid

  1. Da bin ich mal gespannt, wie­vie­le Schwe­den (+Kon­sor­ten) in der Jury hocken wer­den. Für mich genau die fal­sche Rich­tung, liegt der Reiz des Con­tests doch gera­de in der regio­na­len Viel­falt. Auch hat sich die Fixie­rung auf den Song hier­zu­lan­de doch nur sehr bedingt als wei­se Idee erwie­sen. So kann ich nur hof­fen, dass die­se Ände­run­gen NICHT zur ange­peil­ten inter­na­tio­na­len Anbiederung/Schwedisierung des Schwei­zer Bei­trags füh­ren und andern­falls direkt abge­straft wer­den.

  2. Klingt nach dem übli­chen Cas­ting­kon­zept, das in den jüngs­ten Jah­ren über­all geschei­tert ist. Rich­tig authen­ti­sche Künst­ler fin­det man so wohl kaum, wer gibt sich denn dafür auch her ?? Dabei haben die Schwei­zer 24 Punk­te an Sal­va­dor ver­ge­ben und die Ver­ant­wort­li­chen schei­nen dar­aus kei­ner­lei Leh­ren gezo­gen zu haben. Die­ser Schwe­den­wahn ist zudem ziem­lich ätzend.…..

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