EBU lanciert asiatischen ESC-Ableger

Die European Broadcasting Union (EBU), Veranstalterin des Eurovision Song Contest, befindet sich offensichtlich auf geradezu zwanghaftem Expansionskurs: neben dem 2003 ins Leben gerufenen und nach anfänglichem Schlingerkurs mittlerweile stabil laufenden Kinderableger, dem Junior-ESC (an welchem sich das deutsche Fernsehen nicht beteiligt), den im jeweiligen zweijährlichen Wechsel stattfindenden und von der Öffentlichkeit wenig beachteten Wettbewerben für junge Tänzer/innen bzw. Musiker/innen sowie dem gerade erst im Juli diesen Jahres vom Stapel gelaufenen Chöre-Wettsingen Eurovision Choir of the Year wollen die Genfer ihr Portfolio nun auch um den etwas stolprig betitelten Eurovision Asia Song Contest erweitern. An dem sollen sich bis zu 20 Länder aus dem asiatisch-pazifischen Raum beteiligen dürfen, wie die heute lancierte offizielle Website informiert. Und die Nachfrage besteht dort durchaus: so meldeten in den vergangenen Jahren bekanntlich sowohl China als auch das bislang bei der Türkvizyon sehr erfolgreiche Kasachstan ihren festen Willen zum Mittun am ESC an, was bekanntlich nicht bei allen westeuropäischen Fans auf Gegenliebe stößt, steht doch eine immer stärkere Verwässerung der identitätsstiftenden Funktion des Musikspektakels für den politisch ohnehin schon bröckelnden Kontinent zu befürchten. Mit der Installierung des Eurovision Asia Song Contests schlägt die EBU zwei Fliegen mit einer Klappe: sie kann diese Länder elegant vom europäischen Wettbewerb fernhalten und verfügt sogleich über potentielle starke Zugpferde (sowie Zuschauer/innen en masse) für die neue Show, an welcher auch Japan und Südkorea Interesse bekundet haben. „Mit seinen brillanten Popstars, seiner glamourösen Mode und der absoluten Leidenschaft für Popmusik sind Asien und die Eurovision wie füreinander geschaffen,“ so schmiert eurovisionasia.tv den Adressaten denn auch gleich Honig uns Maul. Als mögliche Austragungsstädte für die Premiere sind Hongkong, Singapur und Sydney im Gespräch. Weitere Details sind derzeit nicht zu erfahren, man befinde sich noch „in der Entwicklung“ – vor 2018 dürfte der neue Event, der sich inhaltlich und organisatorisch nicht von seinem europäischen Vorbild unterscheiden soll, also kaum über die Bühne gehen. Das einzig Traurige: da Eurofire zufolge der australische Sender SBS bei der Eurovision Asia das Heft in der Hand hält, dürfte uns das seit 2015 regelmäßig auf „Einladung“ der EBU am Eurovision Song Contest teilnehmende Down Under, das mit seinen qualitativ hochwertigen Wettbewerbsbeiträgen die Latte für alle ein wenig höher gelegt hat, vermutlich wieder flöten gehen. Schade! [Nachtrag 24.08.2017]: Wie heute gemeldet wurde, nimmt der australische Sender SBS auch 2018 am Eurovision Song Contest in Lissabon teil.

Tschüss, Dami Im (AU 2016): Dein Auftrittsrahmen dürfte wohl künftig beim Asia-Ableger liegen.

6 Gedanken zu “EBU lanciert asiatischen ESC-Ableger

  1. Auch wenn ich es sehr begrüßen würde, denke ich nicht, dass Australien dem ESC fernbleibt. Dafür sind Herrn Sand Geld und Zuschauer zu wichtig.

  2. Ich brauche Australien nicht beim ESC (obwohl ich „Sound of Silence“ sehr stark finde). Sorry….

    Allerdings kann ich mir vorstellen, dass dieser Contest um einiges interessanter sein könnte als der ESC (da muß ich jetzt mal Salvador Sieg ausblenden, das fällt mir schwer, grins…….): Ausschließlich Beträge in Landessprache und meilenweit keine „Schwedenmafia“ in Sicht.

  3. Ich kann jetzt auf australien auch gut verzichen. Die teilnahme von down under ist eh nur ein schwedisch-björkmanischer furz, der hoffentlich bald wieder verdampft.
    Die asia variante find ich ne gute idee. Ich wär nicht unglücklich, wenn neben australien auch die türkei und aserbaidschan dabei wären.

  4. Meine Frage ist etwas off-topic aber weiß hier jemand, wann der Türkvizyon Song Contest stattfindet? Verschiedene Quellen geben immer andere Daten an. Ende August, Anfang September… und eine Uhrzeiten finde ich sowieso nirgendwo.
    Danke im Voraus 🙂

  5. @Kejtil

    Der Türkvizyon Song Contest wird wohl vorerst nicht stattfinden, da sowohl der austragende Sender TMB TV, als auch TRT (es hat 2013 den ersten Wettbewerb mit übertragen) aufgrund von Urheberrechtsverletzungen erfolgreich verklagt wurden.

    Irgendein Typ namens Furat soll wohl bereits 2008 einen Wettbewerb („Turcavision“) geplant und angemeldet haben.
    Angeblich soll der Wettbewerb Ende des Jahres irgendwo in der Türkei stattfinden, dann aber von besagtem Furat-Typen produziert. Durch die Klage sind übrigens auch sämtliche Videos von YouTube verschwunden.

    Es wird vermutet, dass dieser Furat nur ausgezahlt werden will, und es dann wieder normal weitergehen kann.

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