Bizarr: Eurovisionsfans im Visier des digitalen Info-Krieges?

Wie das Heise-Online-Magazin Telepolis unter Bezugnahme auf eine Meldung der britischen Tageszeitung Guardian berichtet, soll die britische Regierung die PR-Agentur Saatchi beauftragt haben, mit gezielten Kampagnen in den sozialen Medien das Ansehen der Ukraine bei Fans des Eurovision Song Contest positiv zu beeinflussen. Dies sei Teil einer großangelegten Offensive, mit welcher die Regierung des Inselstaates im sogenannten Info-Krieg zwischen Russland und dem Ausrichterland der europäischen Gesangsfestspiele von 2017 der Ukraine beistehen will. Die Firma Saatchi, die zuletzt Wahlkampagnen für die konservativen Torys gefahren habe, soll nach Angaben des Guardian hierfür rund 100.000 £ bekommen (was natürlich die Frage aufwirft, ob man das Geld nicht sinnvoller für einen gescheiten britischen Eurovisionsbeitrag verwenden könnte). Erheblich höhere Mittel gebe man für die Beratung der Regierung in Kiew in PR-Fragen, Programme für die russischsprachigen Minderheiten in den Staaten des Baltikums oder zur Untersuchung des Einflusses des kremltreuen Senders Russia Today auf westeuropäische Mediennutzer/innen aus. Die benötigten Gelder stammen der Zeitung zufolge aus dem Topf des britischen Konflikt-, Stabilitäts- und Sicherheitsfonds CSSF, die Regierung betrachte dies als „Antwort auf die zunehmenden Infowar-Kampagnen, mit denen von Russland gesteuerte Medien angeblich versucht haben, das EU-Referendum wie auch die Wahlen in den USA, Frankreich und Deutschland zu beeinflussen,“ so der Guardian. Wie Telepolis ergänzt, bestünden ähnliche Programme bereits seit einigen Jahren innerhalb der EU. Auch deutsche Universitäten und der Auslandssender Deutsche Welle seien an diversen Medienprojekten in der oder für die Ukraine beteiligt, die sich spezifisch mit russischen Desinformationskampagnen beschäftigen. Ein gezielt auf Grand-Prix-Fans maßgeschneidertes Programm scheint jedoch neu zu sein. Wie dies im Einzelnen aussehen soll und ob das Budget ausreicht, um Eurovisions-Ikonen wie Lys Assia, Carola oder Loreen als Testimonial zu engagieren, darüber war leider nichts zu erfahren. Andererseits: Ruslana macht das bestimmt gerne kostenlos!

Auch das einstmals britisch besetzte Malta versuchte sich schon an subtilen Botschaften im Info-Krieg mit Russland.

3 Gedanken zu “Bizarr: Eurovisionsfans im Visier des digitalen Info-Krieges?

  1. Großartig, eine milliardenschwere PR-Agentur im Kampf um die Wahrheit!
    Doch der Troß zieht schon weiter, in Spanien muß die nächste Schlacht geschlagen werden, und wieder ist der ESC ganz nah…

  2. Nun ja, was dem einen recht, ist dem anderen billig. Im Prinz-Blog gab es ja vorm letzten ESC 1 oder 2 Leute, die endlos dieselben talking points pro Russland herunterbeteten; die Art der Argumentation war ähnlicch, wwie man sie auf News-Sitees unter Artikeln zu Ukraine, tRump, etc. fand.

  3. Das war jetzt nicht als Verteidigung Russlands gedacht, es würde mich auch nicht wundern wenn die Russen Ihr Image beim ESC bei einer ähnlichen PR-Agentur haben aufpolieren lassen….daher kann die Ukraine das natürlich auch genau so machen.
    Ich finde es (ideologieübergreifend) nur einfach Großartig wenn eine PR-Agentur mit Vertrauenswerten eines Immobilienmaklers für die Wahrheit kämpfen soll.

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