[Update] Auf­stand in Minsk: Alek­seev sorgt für Rück­zugs­dro­hun­gen

Was wäre eine Euro­vi­si­ons-Vor­auswahl in einem der post­so­wje­ti­schen Staa­ten ohne eine gehö­ri­ge Por­ti­on Dra­ma? In Weiß­russ­land schla­gen der­zeit die Wel­len hoch um die Teil­nah­me des ukrai­ni­schen Sän­gers Niki­ta Alek­seev am bela­rus­si­schen Vor­ent­scheid: sechs sei­ner neun Konkurrent/innen dro­hen mit dem Boy­kott der Ver­an­stal­tung, soll­te der Sen­der BTRC ihn nicht dis­qua­li­fi­zie­ren. Der (bereits bekann­te) Vor­wurf: bei sei­nem Wett­be­werbs­bei­trag ‘Fore­ver’ han­de­le es sich um die angli­fi­zier­te und gekürz­te Fas­sung sei­nes rus­sisch­spra­chi­gen Lie­des ‘Nav­seg­da’. Und dies habe er nach­weis­lich erst­ma­lig im Mai 2017 auf einer Tour­nee vor­ge­stellt, womit es gegen die EBU-Rege­lung ver­sto­ße, nach wel­cher Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge nicht vor dem 1. Sep­tem­ber des Vor­jah­res ver­öf­fent­licht sein dür­fen. “Der Song wur­de im Rah­men der erwähn­ten Tour viel­fach gespielt, was dem Künst­ler Alek­seev einen nicht zu leug­nen­den Vor­teil ver­schafft, nicht nur bei der natio­na­len Vor­ent­schei­dung, son­dern auch im Kon­text des Euro­vi­si­on Song Con­test 2018,” beschwe­ren sich die Kolleg/innen in einem offe­nen Brief. Sie kün­dig­ten an, kei­ne Ver­trä­ge zu unter­zeich­nen, solan­ge der Sen­der den Mit­be­wer­ber nicht raus­wer­fe.

Nichts, was die Auf­re­gung lohnt: Alek­seev mit dem umstrit­te­nen Titel beim öffent­li­chen Vor­sin­gen vor ein paar Tagen.

Das Manage­ment des Ukrai­ners wies die Vor­wür­fe erwar­tungs­ge­mäß zurück: die bei den frag­li­chen Kon­zer­ten gespiel­te Ver­si­on unter­schei­de sich sowohl musi­ka­lisch als auch text­lich erheb­lich von sei­nem Euro­vi­si­ons­bei­trag, zumal an bei­den Fas­sun­gen ver­schie­de­ne Auto­ren mit­ge­wirkt hät­ten. Man sei sicher, dass eine noten­ba­sier­te Ana­ly­se die Unter­schie­de bele­gen kön­ne. Eine Ent­schei­dung hier­über müs­se gege­be­nen­falls auf dem Rechts­weg her­bei­ge­führt wer­den, der Sen­der oder die EBU allei­ne sei­en hier­zu nicht berech­tigt. Alek­seevs Mitbewerber/innen, die außer­dem bemän­geln, dass ‘Fore­ver’ auch in der eng­li­schen Fas­sung noch immer sechs Sekun­den zu lang ist, spre­chen unter­des­sen von einer “Far­ce”. Zwar sei­en sie bei der mor­gi­gen Start­platz­aus­lo­sung anwe­send. Schlie­ße der Sen­der Alek­seev, der mit sei­nem Song erst nach einer geschei­ter­ten Bewer­bung im Hei­mat­land nach Weiß­russ­land wech­sel­te, aber bis zum Fina­le am 16. Febru­ar 2018 nicht aus, könn­ten sie mit Rück­sicht auf ihre künst­le­ri­sche “Repu­ta­ti­on, Ehre und Men­schen­wür­de” (wirk­lich!) nicht am Vor­ent­scheid teil­neh­men. Die drei Grup­pen Ada­gio, Radio­vol­na und Shu­ma sowie der noch min­der­jäh­ri­ge Sän­ger Lexy unter­schrie­ben den Brand­brief nicht. Der Sen­der BTRC prü­fe Pres­se­be­rich­ten zufol­ge noch das wei­te­re Vor­ge­hen.

Fin­de die Unter­schie­de: die Ori­gi­nal­ver­si­on.

Lus­ti­ges Detail am Ran­de: wie Wiwi­bloggs berich­tet, beklag­ten sich die rebel­li­schen Sechs eben­falls über die hohen Kos­ten für das Auf­neh­men und Abmi­schen ihrer Bei­trä­ge, für ihre Kos­tü­me und das Sta­ging, die sich leicht auf bis zu 10.000 $ belau­fen könn­ten, die aber bei der­ar­tig unglei­chen Vor­aus­set­zun­gen in den Sand gesetzt sei­en. Wie auch die mas­si­ven Aus­ga­ben für SIM-Kar­ten für das Tel­e­vo­ting, die kos­ten­los ent­we­der an Fans oder pro­fes­sio­nel­le Anrufer/innen ver­teilt wer­den. Eine Pra­xis, die nach ihrer Dar­stel­lung “kein Geheim­nis” sei. Inter­es­sant: wenn alle schum­meln, ist es also okay. Wenn aber der Aus­län­der sich einen Vor­teil ver­schafft, dann muss er eli­mi­niert wer­den. Xeno­pho­be Dop­pel­mo­ral ist also ein welt­wei­tes Pro­blem. Ich plä­die­re unter die­sen Umstän­den dafür, Alek­seev drin zu las­sen, den Boy­kott der Sechs zu akzep­tie­ren und statt­des­sen die beim Vor­sin­gen skan­da­lö­ser­wei­se eli­mi­nier­te Ange­li­ca Push­no­va nach­zu­no­mi­nie­ren. Win-win!

Kämpft für die Lie­be, nicht für den Hass: die Push­no­va.

[Nach­trag 17.01.2017:] Zwi­schen­zeit­lich gab die Fina­lis­tin Sophia Lapi­na ihren defi­ni­ti­ven Rück­zug vom weiß­rus­si­schen Vor­ent­scheid bekannt. Sie habe die­se Ent­schei­dung für sich wohl schon vor der Unter­zeich­nung des Brand­briefs getrof­fen, woll­te ihren Kolleg/innen aber nicht in den Rücken fal­len. Lapi­na war laut Wiwi­bloggs mit ihrem Wett­be­werbs­bei­trag ‘Gra­vi­ty’ unzu­frie­den, den sie in letz­ter Sekun­de als Ersatz ein­ge­reicht habe, nach dem ihr eigent­lich prä­fe­rier­ter Song ‘Just for Song’ vom Sen­der aus dem sel­ben Anlass abge­lehnt wor­den sei, für den nun Alek­seev in der Kri­tik steht: sie hat­te das Lied in einer rus­si­schen Fas­sung bereits vor dem 1. Sep­tem­ber 2017 öffent­lich gesun­gen. Heu­te berich­tet Euro­voix unter­des­sen, dass die Zulas­sung des lan­des­sprach­li­chen Bei­trag ‘Hmar­ki’ von Shu­ma vom Sen­der BTRC über­prüft wer­de, weil des­sen Lyrics mög­li­cher­wei­se auf einer tra­di­tio­nel­len Volks­wei­se basier­ten. Wenn das in dem Tem­po wei­ter­geht, ste­hen die Bela­rus­sen bald ohne ein Lied für Lis­sa­bon da!

Steht auf der Kip­pe: das Elek­tro-Folk-Duo Shu­ma.

Muss Alek­seev dis­qua­li­fi­ziert wer­den?

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5 Gedanken zu “[Update] Auf­stand in Minsk: Alek­seev sorgt für Rück­zugs­dro­hun­gen

  1. Was wäre eine Vor­ent­schei­dungs­sai­son ohne die­se klei­nen mie­sen Zicke­rei­en. “I love Bela­rus” !

  2. Wenn schon so vie­le Plät­ze frei wer­den, dann bit­te auch die bei­den nied­li­chen Pro­vo­ka­teu­re mit in die Show neh­men.

    Ob Alek­seevs Song auf Eng­lisch der­sel­be ist wie auf Rus­sisch war mir unmög­lich raus­zu­hö­ren. Jeweils nach weni­gen Sekun­den hat mein Hirn bei die­sem lang­wei­li­gen Seich abge­schal­tet – wie will man da was ver­glei­chen kön­nen?

  3. Immer­hin neh­men sie die sache offen­bar sehr ernst. Mei­ne idee wär ja, das die­ser unsym­ph­at­ler alek­seev gewinnt, dann dis­qua­li­fi­ziert wird. Und durch den nor­we­gi­schen zweit­pla­zier­ten, alex­an­der rybak, ersetzt wird. Per prä­si­dia­les dekret selbst­ver­ständ­lich.
    Gin­ge das?
    Ist ja eh bald wurst, für wel­ches land. Merkt ja eh kei­ner. So en seich

  4. Der Aleks und sein Song wer­den glaub ich unter­schätzt, er hat durch­aus Aus­strah­lung und singt mit Lei­den­schaft. Der Song funk­tio­niert auch auf der gro­ßen Büh­ne. Die mie­se Ton­qua­li­tät im ers­ten Video und sein grot­ti­ges Eng­lisch ver­de­cken das teil­wei­se. Hof­fent­lich singt er auf Rus­sisch beim esc, dann kann er dort auch ins Fina­le kom­men.

  5. Tol­les Lied, guter Sän­ger. Wenn Bela­rus schon ein Sie­ger Lied hat, war­um der Auf­stand.
    Mit die­sem Lied könn­ten sie sehr weit vor­ne lan­den.
    Und ich fin­de die per­sön­li­chen Angrif­fe hier. Der Sän­ger ist ein­ge­bil­det und unsym­pa­thisch fin­de ich doof. Zählt nicht das Lied und die Stim­me. Als ob nicht vie­le Sän­ger biss­chen Diva wären.
    Aber das ist doch ok. Wer hat nicht auch mal die Erfah­rung gemacht, das man als ein­ge­bil­det wirkt, nur weil man unsi­cher ist. …
    ich fin­de das Lied soll­te gewin­nen.
    Und sind nicht ande­re Lie­der vor­her zu hören gewe­sen.
    Z.B.Jamala vor 2 Jah­ren.
    War­um immer die­se Dop­pel­mo­ral. Bela­rus und Ukrai­ne ganz schlimm.
    Die Künst­ler gön­nen sich gegen­sei­tig nichts. Z.B.vorentscheid 2010 Ukrai­ne. ..
    ich drü­cke dem Sän­ger die Dau­men. .…ich wün­sche es mir
    10.02.2018
    J.Bauriedl

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