Per­len der Vor­ent­schei­dung: die Nacht der kur­zen Mes­ser

Ein Nach­mit­tag unter der Woche, ein grell aus­ge­leuch­te­tes, ste­ril wir­ken­des Fern­seh­stu­dio in Minsk, eine knap­pe Hun­dert­schaft auf­ge­reg­ter Ama­teu­re, eine aus­ge­spro­chen rup­pi­ge Jury und jede Men­ge jau­lend schie­fer Kat­zen­ge­sän­ge: ver­läss­lich wie immer erwies sich die vor­gest­ri­ge Vor­auswahl­run­de für den weiß­rus­si­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid 2018 als klas­si­sche Desas­ter Area. 93 Acts hat­ten sich bewor­ben, und wie sich das für eine lupen­rei­ne Demo­kra­tie ziemt, durf­te jeder ein­zel­ne von ihnen im Bel­tele­ra­dio­com­pa­ny-Stu­dio vor­sin­gen. Maxi­mal 15, so die Vor­ga­be, soll­te die Jury dar­aus für das Fina­le am 16. Febru­ar 2018 aus­wäh­len, nur 11 Finalist/innen wur­den es tat­säch­lich. Die Juro­ren zeig­ten sich mit einem aus­ge­spro­chen dün­nen Gedulds­fa­den aus­ge­stat­tet: die meis­ten der hoff­nungs­froh Ange­tre­te­nen würg­ten sie spä­tes­tens nach dem ers­ten Refrain mit einem harsch gebell­ten “Spa­si­ba” ab. Je län­ger der Nach­mit­tag sich hin­zog, des­to frü­her erfolg­ten die Inter­ven­tio­nen: die kür­zes­ten Auf­trit­te brach­ten es auf weni­ger als drei­ßig Sekun­den.

Kurz, aber schmerz­voll: Maria Sche­re­po­vich.

Und in vie­len Fäl­len emp­fand man als Zuschauer/in aus­ge­spro­che­ne Dank­bar­keit, wenn der Ste­cker gezo­gen wur­de. So wie bei der in ihrem faden­schei­ni­gen Pail­let­ten­fum­mel ein wenig abge­grab­belt aus­se­hen­den Blon­di­ne Maria Sche­re­po­vich, deren gesang­li­che Leis­tun­gen durch­aus im Grenz­be­reich der akti­ven Kör­per­ver­let­zung lagen. Was die Künst­le­rin ihrem gequäl­ten Gesichts­aus­druck nach zu urtei­len zumin­dest selbst eben­falls so wahr­nahm, wes­halb sie fast erleich­tert schien, als man sie nach nur 27 Sekun­den von der Büh­ne schick­te: ihr Abgang kam einer Flucht gleich. Noch schnel­ler vor­über war es für Uletaj, einen hoch­gra­dig ver­un­si­cher­ten Ado­les­zen­ten mit einer ent­setz­li­chen Emo-Fri­sur, der sich im glei­ßen­den Schein­wer­fer­licht so wohl zu füh­len schien wie ein Pfund But­ter. Und der so sang, als habe Cin­dy aus Mar­zahn es sich gera­de auf sei­nem Gesicht gemüt­lich gemacht. 24 Sekun­den – dann schritt die Jury ein. Ob aus Mit­leid mit dem Künst­ler oder den Zuschauer/innen, ob gar gesteu­ert vom eige­nen Über­le­bens­wil­len: man weiß es nicht, man war ein­fach nur erleich­tert.

Tokio Hotel, bit­te kommt zurück, alles ist ver­ge­ben: Uletaj.

Auch für den ganz nett anzu­schau­en­den, kinn­bär­ti­gen Glatz­kopf Andrej Ero­nin kam das Aus knapp vor der 30-Sekun­den-Mar­ke: da wuss­te man als Zuhörer/in noch gar nicht, wohin er mit sei­ner ver­hal­ten dahin­plät­schern­den, mit grau­en­haft ver­nu­schel­ter Aus­spra­che into­nier­ten Gitar­ren­bal­la­de ‘Every­thing mixed up’ eigent­lich woll­te. Nicht so genau wis­sen moch­te man das im Fall von Ser­ge Ber­kov und sei­nem denk­wür­dig beti­tel­ten Bei­trag ‘Embryo’, an dem die Jury nach gut 40 Sekun­den eine Not­ab­trei­bung vor­nahm. Kein Wun­der, wo sich schon der wel­pen­haft jau­len­de Ser­ge und sei­ne bei­den Chor­d­a­men unei­nig über das zu sin­gen­de Lied zeig­ten. Man­che Inter­pre­ten schaff­ten es unter­des­sen sogar, die eigent­lich hart­ge­sot­te­nen bela­rus­si­schen Juro­ren der­art zu über­ra­schen, dass sie zum Zwe­cke der Inter­ven­ti­on (sprich: des Liedab­bruchs) zunächst ihre eige­ne Schock­star­re über­win­den muss­ten.

Zwei Pfund Toma­ten und einen Küm­mel­kä­se bit­te”: Vadim woll­te doch nur ein­kau­fen gehen, da drück­te ihm jemand ein Mikro­fon in die Hand.

So wie bei­spiels­wei­se bei Vadim Simo­nov, einem etwas ver­lo­ren wir­ken­den Grau­kopf­ad­ler im Holz­fäl­ler­hemd, der mit brü­chi­ger Stim­me das Tele­fon­buch dekla­mier­te. Oder irgend­et­was in der Art. Vadim luns­te nach der ers­ten hal­ben Minu­te selbst schon ver­stoh­len zur Jury hin­über, in siche­rer Erwar­tung des nach unten gestreck­ten Dau­mens, der aber erst zehn Sekun­den spä­ter folg­te. Oder aber im Fall von Andrej Kon­ce­vich, einem rot­haa­ri­gen Zot­tel­bart­trä­ger, der sich selbst den schmü­cken­den Künst­ler­na­men Bar­bar gab und hei­ser hip-hop­pend von einer ‘Bla-bla Class’ berich­te­te. Der woll­müt­zen­tra­gen­de Wikin­ger leg­te zum Auf­takt erst­mal einen rund­her­aus fabel­haf­ten Veits­tanz hin, wor­auf­hin man ihn umge­hend ins Herz schlie­ßen moch­te. Scha­de nur, dass sein, nun­ja, Song in einem ziel­lo­sen, wir­ren Stil­mix in immer schnel­le­rem Tem­po aus­ein­an­der­fiel, je län­ger er andau­er­te. So dass den wider­stre­ben­den Juro­ren gar nichts ande­res übrig blieb, als nach einer Minu­te den Ste­cker zu zie­hen.

Fan­tas­ti­sches Vor­spiel, ent­täu­schen­der Haupt-Act: ob der Sex mit dem Bar­bar sich eben­so gestal­tet? Die ers­ten 15 Sekun­den die­ses Clips loh­nen das Anschau­en aber auf jeden Fall, mein Ehren­wort!

Einen klei­nen ‘Pump pump’-Moment (→ FI 1976) bescher­te uns der eben­falls direkt an der Minu­ten­gren­ze abge­würg­te Dmi­tri Kamin­ski. Der ließ sich bei sei­nem musi­ka­lisch nicht wei­ter erwäh­nens­wer­ten Stück ‘Jetot Funk’ von einer ziem­lich über­mo­ti­vier­ten, pro­pe­ren blon­den Back­ground­sän­ge­rin im klei­nen Schwar­zen beglei­ten, die ihm inner­halb sei­ner weni­gen Sekun­den kom­plett die Schau stahl: leg­te sie sich doch gesang­lich wie per­for­ma­to­risch stark ins Zeug und wipp­te so eksta­tisch wie ele­gant mit, bei­läu­fig eine ela­bo­rier­te Hand-Cho­reo­gra­fie voll­füh­rend. Wäh­rend Dmi­tri mit einem Stock im Arsch am Mikro stand und ver­knif­fen röhr­te. Funk geht anders! Hät­te er die Num­mer bes­ser mal kom­plett ihr über­las­sen, dann hät­te der Song viel­leicht sogar die Zwei-Minu­ten-Mar­ke kna­cken kön­nen.

Dmi­tri sieht auf den ers­ten Blick zwar kom­plett bekifft aus, aber war­ten Sie, bis er (nicht) los­legt. Ein Joint zum Locker­wer­den hät­te ihm sicher nicht gescha­det.

Nicht wei­ter erstaun­lich in einem Will­kürstaat wie Weiß­russ­land, nahm ein/e Jede/r der so rüde Unter­bro­che­nen das Ver­dikt der Jury augen­blick­lich und wider­spruchs­los hin. Mit einer ein­zi­gen, um so glor­rei­che­ren Aus­nah­me: die Lebens­er­fah­re­ne Anna Miti­na blick­te bereits zum Auf­takt ihres musi­ka­lisch aus­ge­spro­chen faden­schei­ni­gen, wenn­gleich pas­sa­bel per­form­ten Dis­co­schla­gers ‘I say ton­ight’ ziem­lich säu­er­lich in die Kame­ra. Waren zuvor die Bak­schisch­ver­hand­lun­gen geschei­tert? Als ihr die Jury nach nur 26 Sekun­den (und damit noch vor dem ers­ten Refrain) die Musik abdreh­te, blieb sie mit einem zwi­schen Fas­sungs­lo­sig­keit und Angriffs­lust chan­gie­ren­den Gesichts­aus­druck auf der Büh­ne ste­hen, wäh­rend ihre Backings sich bereits schick­sals­er­ge­ben troll­ten. Doch nicht so Anna, die eine kur­ze – natür­lich frucht­lo­se – Dis­kus­si­on mit den Ent­schei­dungs­mäch­ti­gen anfing und ob ihrer Auf­säs­sig­keit mitt­ler­wei­le ver­mut­lich in einer Uran­mi­ne vor sich hin schmort.

Ich sage, heu­te Nacht gibt’s für irgend­je­mand Dre­sche: Anna ist ange­pisst.

Tra­gi­sches fand sich aller­dings auch unter den­je­ni­gen Bei­trä­gen, die mehr als 60 Sekun­den zuge­stan­den beka­men oder gar zur Gän­ze zur Auf­füh­rung gelang­ten. Wie zum Bei­spiel die ‘Rhaps­odie der Euro­vi­si­on’ des sin­gen­den Ehe­paa­res Janet und Juri David­juk: sie eine gra­zi­le blon­de Erschei­nung in einem wei­ßen Abend­kleid, beglei­tet von einem Quar­tett jun­ger Cho­ris­ten im schwar­zen Frack sowie von ihrem Mann an der Heim­or­gel. Eben­die­ser Juri schien aller­dings vom Dress­code nichts mit­be­kom­men zu haben. Viel­leicht muss­te er den Auf­tritt auch zwi­schen zwei Brot­jobs als Klemp­ner ein­schie­ben. Jeden­falls füg­te sich der opti­sche Bruch zwang­los in die musi­ka­li­sche Kako­pho­nie aus kleb­ri­ger Bal­la­de, pom­pö­ser Ope­ret­te und künst­lich flot­ter Jazz­tanz-Bedu­de­lung ein, den Janet mit einem ener­vie­rend dick auf­tra­gen­dem Ope­ret­ten­fal­set­to into­nier­te, aufs Herr­lichs­te kon­ter­ka­riert von der gra­be­s­tie­fen Sprech­stim­me des zwei­ten Cho­ris­ten von links. Ein kru­des Gesamt­kunst­werk, das sei­nes Glei­chen sucht!

Auch wenn es hart scheint: hal­ten Sie bis zur 2:30-Minuten-Marke durch, die dor­ti­ge Tanz­ein­la­ge wird Sie ent­loh­nen!

Doch selbst mit auf­wän­di­gen Insze­nie­run­gen ließ sich die hart­her­zi­ge Jury nicht erwei­chen: da nahm Vile­na Davina mit ihrem schwar­zen Samt-Zelt­kleid und ihren wei­ßen Engels­flü­geln eigens euro­vi­sio­nä­re Anlei­hen bei Lin­da Wagen­ma­kers (→ NL 2000), Cezar Oua­tu (→ RO 2013) und Elnur & Samir (→ AZ 2008) sowie mit ihren weiß behand­schuh­ten und in haut­engen Body­suits umher­hüp­fen­den Tän­ze­rin­nen bei ‘Thea­ter’ (→ DE 1980) und ‘Taken by a Stran­ger’ (→ DE 2011). Und tat­säch­lich lie­ßen die Juro­ren sie zunächst gewähr­ten und Vile­na sich mit har­ter, lau­ter Schrei­stim­me und der Fein­füh­lig­keit einer Dampf­ram­me durch ihr ent­setz­li­ches Mach­werk ‘Hea­ven knows’ pflü­gen. Nur, um ihr dann weni­ge Sekun­den (!) vor dem gro­ßen Song­fi­na­le doch noch den Ton abzu­dre­hen. Das grenz­te in sei­ner scha­den­freu­di­gen Gemein­heit fast schon ans Sadis­ti­sche.

Der Him­mel weiß, wel­cher ver­sier­te Euro­vi­si­ons­fan für Vile­na die­se opti­sche ESC-Zita­te-Samm­lung insze­nier­te.

Ande­rer­seits sei den Juro­ren ein wenig Sadis­mus durch­aus ver­gönnt, als Aus­gleich dafür, in ihrem Job ihr Leben aufs Spiel zu set­zen. Die­sen Ein­druck muss­te man jeden­falls bei Vik­tor Lupa­sin gewin­nen, einem offen­sicht­lich gleich von meh­re­ren Dämo­nen beses­se­nen Sän­ger mit einem unor­dent­li­chen, hohen Mit­tel­schei­tel und einem Stirn­band, in die­ser Kom­bi stets ein ver­läss­li­ches Warn­zei­chen. Das Aus­wahl­gre­mi­um unter­brach sei­nen befremd­li­chen Vor­trag todes­mu­tig nach andert­halb Minu­ten, obwohl sei­ne irren Bli­cke, sein hos­pi­ta­lis­mus­be­haf­te­tes Umher­ti­gern, vor allem aber sein aggres­si­ves, stak­ka­to­ar­ti­ges Her­um­fuch­teln mit einem in der Mit­te abge­säg­ten Mikro­fon­stän­der eine sehr deut­li­che Bot­schaft ver­mit­tel­ten. Näm­lich: leg Dich mit mir an und ich stech’ Dich ab! Ein Auf­tre­ten also, mit dem Vik­tor deut­lich bes­ser in das Umfeld der litaui­schen Vor­ent­schei­dung pas­sen wür­de.

Oha, ist Kara­te Kid aber alt gewor­den!

Auch nicht unbe­dingt men­tal sta­bil wirk­te der rus­si­sche Künst­ler Egor Luts, Trash-Freun­d/in­nen viel­leicht noch bekannt von sei­ner Teil­nah­me an der mol­da­wi­schen Vor­ent­schei­dung von 2015 mit dem dis­co­t­as­ti­schen ‘Queen of the Road’. In Minsk war für ihn mit dem jetzt gar nicht mal so guten ‘Some­whe­re’ aller­dings nach 50 Sekun­den Fei­er­abend, und ob sei­nes extrem aus­ge­mer­gel­ten Äuße­ren mache ich mir lang­sam Sor­gen, ob sich der chro­nisch Erfolg­lo­se, der es auch schon ver­geb­lich in San Mari­no ver­such­te, wenigs­tens noch eine Stul­le leis­ten kann. Für grenz­über­schrei­ten­de Ver­wir­rung sorg­te Lud­mi­la Rozum: die fide­le Puff­mut­ter brach­te einen Bei­trag namens ‘Frau Lie­be’ zu Gehör, der aus lan­des­sprach­lich vor­ge­tra­ge­nen Stro­phen und der auf deutsch gesun­ge­nen Fest­stel­lung “Lie­be sehr gut” bestand. Die bela­rus­si­sche Jury erwies sich als ger­ma­no­phob und stell­te Lud­mi­la nach einer knap­pen Minu­te die Musik ab. Was die Gute nicht beson­ders stör­te: beherzt sang sie ein­fach acap­pel­la wei­ter, bis man ihr auch das Mikro­fon zumach­te.

Ist das jetzt ein Frie­dens­lied oder eine Pro­sti­tu­ti­ons­hym­ne? Kann mich ein/e Leser/in mit Weiß­rus­sisch­kennt­nis­sen erleuch­ten?

Eine kon­tro­ver­se Debat­te lie­ße sich über das Aus­schei­den von Ange­li­ca Push­no­va füh­ren, mei­ner (viel­leicht auch auf­grund ihrer vagen opti­schen Ähn­lich­keit mit der jun­gen Mari­an­ne Rosen­berg) per­sön­li­chen Lieb­lings-Else vom letzt­jäh­ri­gen bela­rus­si­schen Vor­ent­scheid, die es heu­er erneut ver­such­te. Und zwar mit mit dem ein­gän­gi­gen ‘Figh­t­ing for Love’, einem erfreu­lich uptem­po­rä­ren Qua­li­täts­ti­tel aus der euro­vi­sio­nä­ren Hit-Schmie­de von Vla­di­mir Graić (‘Molit­va’, RS 2007) und Char­lie Mason (‘Rise like a Phoe­nix’, AT 2014). Des­sen her­aus­ra­gen­de, fili­gra­ne Text­ar­beit könn­te, so mei­ne The­se, der Grund für die Zurück­wei­sung durch die Jury sein: sang die Push­no­va doch davon, “stark für die Schwa­chen” sein zu wol­len, die “Stim­me von mor­gen” für eine neue, muti­ge Genera­ti­on, die man nicht “aus­ra­die­ren” oder “bedro­hen” kön­ne. Und die jeden, den sie umarmt, als “wei­te­re Waf­fe” ver­wen­de. Eine so sub­ti­le wie unmiss­ver­ständ­li­che Kampf­an­sa­ge an den weiß­rus­si­schen Dik­ta­tor Luka­schen­ko also, die man daher lie­ber gleich aus­sor­tier­te.

Kann die Push­no­va wirk­lich kein Eng­lisch oder sang sie aus Furcht vor dem Arbeits­la­ger so nusche­lig?

Obwohl: zu ver­ste­hen war dank der kata­stro­pha­len Aus­spra­che Push­no­vas, die den Text rein pho­ne­tisch inter­pre­tier­te und dabei zu Mus zersang, ohne­hin nicht das Gerings­te. Soll­ten also doch ande­re Erwä­gun­gen den Aus­schlag gege­ben haben? Nur: wel­che? Unter den elf nun für den Vor­ent­scheid selek­tier­ten Bei­trä­gen fin­det sich nicht einer, der Ange­li­cas Dis­co­schla­ger in irgend­ei­ner Form über­le­gen wäre. Was die Ver­mu­tung nährt, dass es bereits einen ande­ren Favo­ri­ten gibt, den man gegen mög­li­che Kon­kur­renz abschir­men möch­te. Was wie­der­um erklärt, war­um die Jury das Kna­ben­duo Pro­vo­ca­ti­on aus­sor­tier­te, das beim Vor­ent­scheid 2017 im Tele­vo­ting mas­siv abräum­te und mit wei­tem Abstand führ­te. Letz­tes Jahr ver­hin­der­te nur eine geziel­te Null-Punk­te-Spen­de der Jury ihre Euro­vi­si­ons­teil­nah­me. Die­se Gefahr woll­te man dies­mal wohl erst gar nicht ent­ste­hen las­sen. Erstaun­lich groß­zü­gig zeig­te sich der Sen­der BTRC unter­des­sen gegen­über dem Ukrai­ner Alek­seev, einem vor schwers­ter Ver­liebt­heit gräss­lich schief wim­mern­den Jüng­ling, der sich mit gro­ßem media­len Getö­se in Minsk bewarb, nach­dem man ihn in Kiew beim Vor­ent­scheid nicht woll­te. Sein Bei­trag ‘Fore­ver’ ver­stößt bei stren­ger Aus­le­gung gegen die Ers­ter-Sep­tem­ber-Regel, führ­te sein Sän­ger ihn in einer län­ge­ren, rus­sisch­spra­chi­gen Vari­an­te bereits im Mai 2017 im Rah­men einer Tour­nee erst­ma­lig auf.

Mit­tel­ge­schei­tel­te Augen­mat­te, Pais­ley-Pyja­ma: Alek­seev ist alles ande­re als eine Augen­wei­de!

BTRC zog sich dar­auf zurück, dass die eng­lisch­spra­chi­ge, drei­mi­nü­ti­ge Euro­vi­si­ons­ver­si­on erst vor ein paar Tagen ver­öf­fent­licht wur­de. Nun­ja. Unter sei­nen Konkurrent/innen fin­den sich nur zwei mit lan­des­sprach­li­chen Bei­trä­gen, wel­che nach dem guten Abschnei­den von Navi mit dem ers­ten weiß­rus­sisch gesun­ge­nen Wett­be­werbs­bei­trag des Lan­des – und dem Sieg eines por­tu­gie­si­schen Lie­des in Kiew – eigent­lich bes­te Chan­cen haben soll­ten. Aller­dings: dass die Thir­ty­so­me­thing-Pope­ra-Boy­band Ada­gio einen Stich lan­den kann, glaubt wohl ernst­haft nie­mand, denn im Gegen­satz zur Ver­gleichs­pro­be Il Volo (→ IT 2015) ver­fü­gen sie weder über schnu­cke­li­ge ita­lie­ni­sche Traum­ty­pen noch über einen süf­fi­gen Pope­ra-Schla­ger. Bleibt noch das düs­te­re Duo Shu­ma mit sei­nem Elek­tro-Expe­ri­men­tal­stück ‘Hmar­ki’, das in sei­ner ver­schro­ben-sphä­ri­schen Ver­spielt­heit in kei­nem Eesti Laul fehl am Platz wäre, dort aber erfah­rungs­ge­mäß auch nicht gewön­ne. Wird 2018 also gar das Jahr von Olga Schi­m­ans­ka­ja ali­as Napo­li, der ewi­gen Vor­ent­schei­dungs­teil­neh­me­rin? Und wird es in die­sem Fal­le zu einem neu­er­li­chen poli­ti­schen Eklat kom­men, wo doch ihr Titel ‘Cha­sing Rus­hes’ ob der ver­wa­sche­nen Aus­spra­che der Sän­ge­rin so arg nach ‘Cha­sing Rus­si­ans’ klingt? Am 16. Febru­ar wis­sen wir mehr!

Das Tech­nik-Ensem­ble auf dem Tisch sieht ein wenig aus wie direkt per Zeit­ma­schi­ne aus der DDR, ca. 1977, ent­führt: Shu­ma.

3 Gedanken zu “Per­len der Vor­ent­schei­dung: die Nacht der kur­zen Mes­ser”

  1. @Oliver
    Du hast mir einen der unter­halt­sams­ten Sams­tags­vor­mit­ta­ge aller Zei­ten beschert. So gelacht habe ich das letz­te mal bei Loli­ta Zero aus Litau­en im letz­ten Jahr. Scha­de, dass die­se Schwarz­zir­kus­zelt­num­mer von der Vile­da Divina aus­sor­tiert wur­de. Oder die Puff­mut­ter, die dem weiß­rus­si­schen Vol­ke die deut­sche Spra­che wie­der schmack­haft machen will, in dem sie der Lie­be eine Hym­ne wid­met. Ein­fach herr­lich.
    .
    Die­ser Bei­trag geht in die Blog­ger­ge­schich­te ein. ;o)))).

  2. Wirk­lich sehr schö­ne Zusam­men­fas­sung der Aus­le­se “Best of the best from Bela­rus”. Top.

    Erwäh­nung ver­dient hät­te auch noch die Grup­pe Air­BY mit ihrem unschlag­bar cam­pen “I am sexy ice”, wo auf der Büh­ne so ganz neben­bei, als sei es nix, die gan­ze Klas­se der weiß­rus­si­schen Mode­ma­cher und Friseurmeister(innen) mit prä­sen­tiert wur­de

  3. @forever: die hat­te ich (zusam­men mit noch eins, zwei ande­ren) tat­säch­lich auch auf der Lis­te, aber ich woll­te es im Sin­ne von tl;dr auch nicht aus­ufern las­sen…

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