GR 2018: Was vom Tage übrig blieb

Da war es nur noch Eine: eurovision.tv bestätigte heute unter Berufung auf den griechischen Sender ERT die Spekulationen der letzten Tage, wonach die ursprünglich geplante öffentliche Vorentscheidung Eurosong 2018 mangels Masse ausfallen musste und die Hellenen die einzige verbleibende Bewerberin nach Lissabon entsenden. Nämlich Yianna Terzi mit ihrem midtemporären, sphärisch-panflötig gewürzten ‚Oneiro mou‘ (‚Mein Traum‘), einem weiteren Grand-Prix-Beitrag in Landessprache. Das griechische Auswahlverfahren entfaltete in diesem Jahr alle Züge eines klassischen Dramas: nach einem entsprechenden Aufruf des hellenischen Fernsehens an die Plattenfirmen des Landes reichten diese zunächst 20 Vorschläge beim Sender ein, darunter Acts wie Stereo Soul (→ GR 2011) und Giannis Dimitras (→ GR 1981). Die Fan-Favoritin Eleni Foureira, die es in der Vergangenheit mehrfach versuchte und immer wieder abblitzte, fand sich heuer nicht im Bewerberkreis: sie geht stattdessen in Lissabon für Zypern an den Start. ERT wollte wohl lieber Helena Paparizou (→ GR 2005), die aber winkte ab.

Sanft klagende Flöten und eine elektronisch subtil modifizierte Stimme über einem mystisch wabernden Soundteppich: der hellenische ESC-Beitrag 2018 verfügt über viel Atmosphäre und wenig Melodie.

Anfang November 2017 vermeldeten griechische Medien, dass es fünf Kandidat/innen in die engere Auswahl geschafft hätten, die sich nun einem öffentlichen Vorentscheid stellen sollten. Eine Woche später reduzierte sich der Teilnehmerkreis auf nur noch drei Bewerber/innen: die Beiträge von Tony Vlachos und dem Duo Fina seien ERT „nicht griechisch genug“ gewesen, so hieß es. Denn nicht nur, dass man beim Sender auf der Landessprache bestand, der Eurovisionsbeitrag sollte vor nationaler Leitkultur geradezu bersten. Nach einem Managementwechsel bei ERT Anfang 2018 tat sich jedoch eine weitere Hürde auf: wie in vielen wirtschaftlich weniger stark prosperierenden Ländern mit klammen öffentlich-rechtlichen Sendern üblich, müssen auch in Griechenland die Plattenfirmen die Eurovisionsteilnahme ihres Künstlers finanzieren. Nur wenige Tage vor dem ursprünglich für den heutigen 16. Februar terminierten und zunächst kurzfristig auf den 22. verschobenen Vorentscheid fiel ERT nach Medienberichten ein, hierfür von den Labels eine Bankgarantie in Höhe von 20.000 € zu verlangen.

Deutlich traditioneller: gegen den am Geld gescheiterten Konkurrenzbeitrag von Aretí Ketimé wirkt Yiannas Lied fast schon schlagerhaft.

Deutlich zu viel und deutlich zu kurzfristig für zwei der drei betroffenen Unternehmen. Und damit das Aus für die Sängerin Aretí Ketimé und die Band Horostalítes, die in den sozialen Medien erklärten, ihre Plattenfirmen seien von der kurzfristigen Forderung des Senders überrumpelt worden. Damit verblieb nur noch eine Bewerberin übrig, nämlich Yianna Terzi, bei deren Label Panik Records auch die bereits erwähnte Eleni Foureira unter Vertrag steht, sowie die letztjährige griechische Vertreterin Demy. Die konnten die Kröten offensichtlich aus dem Handgelenk schütteln. Und so bleibt neben dem applauswürdigen hellenischen Sinn für Drama – unstreitig das Salz in der Grand-Prix-Suppe – leider doch ein schaler Nachgeschmack, dass sich in dem auf seine kulturelle Tradition so stolzen Land am Ende der schnöde Mammon durchsetzte. Immerhin: einen kostspieligen Vorentscheid hat sich ERT so gespart – und wir uns die terminliche Kollision mit Unser Lied für Lissabon.

Nahm das Motto ihres Labels offenbar wörtlich: Damy stand in Kiew die Panik ins Gesicht geschrieben.

Schafft es Griechenland mit Yianna Terzis ins Finale?

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4 Gedanken zu “GR 2018: Was vom Tage übrig blieb

  1. thx to panic records. I am glad. it is in Greek. Salvadore seems to have already an impact. No swedish pink bubblegum bullshit anymore (demy). this ia quality entry. Mysterious and dark vibes. Very authentic and it puts me in a certain mood. Instant connection with me. my 2nd after italy so far.

  2. Efharistio poli Ellada !!! Für mich der beste griechische Beitrag seit dem Meisterwerk „Horepse“ von 1997. Ich hoffe nur, daß die schöne Yianna „Mein Traum“ auch gut performen kann. Endlich mal wieder Griechenland bei den Topnationen. Areti Ketime wäre auch eine würdige Vertreterin gewesen. Die Umstände der Auswahl liegen in der Tat ein bißchen schwer im Magen…. 9 von 10 Punkten.

    Neben Zypern sind zudem noch Albanien, Armenien und Bulgarien im gleichen Semi.

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