IL 2018: Vor­sprung durch Tech­nik

Da kommt eine span­nen­de Grund­satz­de­bat­te auf uns zu: wie weit darf der Ein­satz von Tech­nik beim Euro­vi­si­on Song Con­test gehen? Am gest­ri­gen Abend gewann die 25jährige Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai mit­hil­fe der Jury ziem­lich knapp die israe­li­sche Grand-Prix-Cas­ting­show HaKok­hav Haba, hier­zu­lan­de gefloppt unter dem Titel Rising Star. Net­tas Mar­ken­zei­chen in der Show war der exzes­si­ve Ein­satz eines Loo­pers, also eines manu­ell gesteu­er­ten tech­ni­schen Trick­käst­chens, mit des­sen Hil­fe man Instru­men­te, Geräu­sche oder die eige­ne Stim­me auf­neh­men, elek­tro­nisch belie­big bear­bei­ten (sprich: mit Hall unter­le­gen, ver­stär­ken, ver­dop­peln, ver­frem­den) und in Dau­er­schlei­fe gewis­ser­ma­ßen als selbst­ge­mach­ten Begleit­chor oder musi­ka­li­sche Unter­ma­lung zum eige­nen Live-Gesang abspie­len kann. Die­se rela­tiv preis­güns­ti­gen Gerä­te erfreu­en sich seit Jah­ren zuneh­men­der Beliebt­heit, beson­ders vir­tuo­se Anwender/innen sind damit in der Lage, aca­pel­la und live ein Lied mit kom­plet­ter Instru­men­tie­rung und allen Fines­sen zu bau­en. Net­ta beein­druck­te bei HaKok­hav Haba dank des Loo­pers mit sen­sa­tio­nel­len Bear­bei­tun­gen von Hits wie ‘Rude Boy’ oder ‘Gang­nam Style’.

Erklärt mehr als tau­send Wor­te: Net­ta führt der israe­li­schen Jury die Ein­satz­mög­lich­kei­ten des Loo­pers vor (Reper­toire­bei­spiel).

Nun höre ich die Lord­sie­gel­be­wah­rer des Grand-Prix-Wesens bereits auf­heu­len, dass beim Euro­vi­si­on Song Con­test live gesun­gen wer­den muss. So stellt sich die Fra­ge, inwie­weit der Ein­satz eines Loo­pers das Kri­te­ri­um “live” noch erfüllt oder schon nicht mehr. Denn die Bear­bei­tung der Stim­me, bei­spiels­wei­se durch Zuga­be von Hall oder eines Delays, also eines zeit­ver­zö­ger­ten Echo-Effek­tes, kommt auch beim Grand Prix bereits seit Anbe­ginn der Zeit­rech­nung zum Ein­satz. Selbst das elek­tro­ni­sche Ver­frem­den ist erlaubt. Das hier ver­wen­de­te Trick­käst­chen visua­liert die­se Vor­gän­ge im Grun­de genom­men nur, treibt die Mög­lich­kei­ten aller­dings auf die Spit­ze. So wird ver­mut­lich in Kür­ze die Fra­ge auf die EBU zukom­men, wie sie es mit dem Ein­satz die­ser Tech­nik hält. Auch wenn Net­tas ESC-Bei­trag noch nicht fest­steht: die kom­plet­te Cas­ting­show dien­te, anders als bei­spiels­wei­se die spa­ni­sche Schwes­ter Ope­racíon Tri­unfo, nur zur Ermitt­lung der Inter­pre­tin. Doch auch falls die EBU den Looper nicht zulässt, ist Polen nicht ver­lo­ren: die ado­rable Net­ta kann auch ohne Tech­nik, wie sie mit einer Akus­tiv-Ver­si­on des israe­li­schen Euro­vi­si­ons­klas­si­kers ‘A Ba Ni Bi’ (1978) ein­drucks­voll unter Beweis stell­te. Vor allem aber geht von der quir­li­gen Künst­le­rin eine der­ma­ßen anste­cken­de Fröh­lich­keit und Ener­gie aus, dass wir uns auf ihren Euro­vi­si­ons­auf­tritt auf jeden Fall freu­en kön­nen.

Ich wäre sehr dafür, dass Net­ta die Jungs ihrer Impro-Band The Expe­ri­ment mit zum Song Con­test bringt. Aus Grün­den (Reper­toire­bei­spiel).

Soll­te ein Looper beim ESC erlaubt sein?

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1 Gedanke zu “IL 2018: Vor­sprung durch Tech­nik

  1. Die sol­len sin­gen auf der Büh­ne und nicht an irgend­wel­chen Gerä­ten her­um han­tie­ren – sonst kann man gleich alles frei­ge­ben was Töne produziert.…obwohl bei man­chen Sän­gern wäre ein Stim­men­ver­bes­se­rungs­ge­rät ein Segen 😀

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