MT 2018: Es scheint verboten zu sein, was ich tu

Eine knapp dreieinhalbstündige, ermüdende Dauerwerbesendung mit gelegentlicher musikalischer Hintergrundbeschallung: so präsentierte sich die maltesische Vorentscheidung 2018. Nicht nur die bereits aus den Vorjahren sattsam bekannten, zirka tausendfach wiederholten Werbeblöcke mit Spots für Hamilton Travel und Perlenkettchen zum Valentinstag musste der geduldige Zuschauer über sich ergehen lassen – auch während der Songs blendete der Sender TVM permanent Bauchbinden für Fertigessen und Pick up-Riegel  ein, so dass man beinahe meinen konnte, versehentlich im zeitgleich laufenden Finale des RTL-Dschungelcamps gelandet zu sein. Wobei sich die Reklame oft als interessanter erwies als die 16 beim MESC verklappten Songs, die ziemlich schnell zu einer einzigen, amorphen Masse zusammenschmolzen: durchhörbares, nicht weiter störendes Privatradiofutter ohne jeden Funken von Eigenständigkeit oder Inspiration, vorgetragen fast ausschließlich von dunkelhaarigen, drallen Damen, die allesamt ohrenbetäubende Lautstärke mit gesanglichen Fähigkeiten verwechselten. Die Lauteste von ihnen, die halslose Christabelle Borg, gewann schließlich.

Holla, ist Loreen (SE 2012) aber dick geworden!

‚Taboo‘, ihr in Zusammenarbeit mit Thomas G:sson geschriebener Wettbewerbsbeitrag, glänzte musikalisch wie inszenatorisch vor allem unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten, recyclete er doch so ziemlich jede Song- und Showidee schwedischer Eurovisionssongs der letzten zehn Jahre, sei es der ‚Popular‘-Glaskubus oder das nachtschwarze Bühnenbild von ‚Euphoria‘. Dieses Amalgam überzeugte erstaunlicherweise sowohl die in diesem Jahr wirklich bei jedem europäischen Vorentscheid unverzichtbare, fünfköpfige internationale Jury als auch die Televoter/innen. Auf dem zweiten Rang landete ein leicht fremdschämpeinlicher ‚Song for Dad‘ von Vater und Sohn Micaleff, bei dem der leicht senil wirkende Papa weder die Kamera noch die Töne auf Anhieb fand. Deborah C sorgte für einen erschreckenden Zeitschleifen-Moment, als sie nach einem neuerlichen Werbeblock ihren Beitrag ein zweites Mal sang. Doch nicht das Raum-Zeit-Kontinuum war defekt, wie zunächst befürchtet: es gab während ihres Erstauftritts wohl technische Probleme. Die überzeugendste Performance des gesamten Abends lieferte indes, leider nur als Pausenact, der maltesische Junior-ESC-Vertreter 2017, Gianluca Cilia, der sämtliche Erwachsenen in Sachen Ausstrahlung und Originalität locker in den Schatten stellte. Schickt ihn!

Wenn das Kinderlied besser ist als alle Vorentscheidungsbeiträge, dann ist etwas faul am Konzept!

Vorentscheid MT 2018

Malta Eurovision Song Contest. Samstag, 3. Februar 2018, aus dem Malta Fairs & Convention Center, Ta'Quali. 16 Teilnehmer/innen. Moderation: Colin Fitz.
#InterpretTitelTVJuryGesamtPlatz
01AidanDai Laga083404204
02Miriana ConteRocket050901411
03Jasmine AbelaSupernovas062503108
04Matthew AntonyCall 2morrow062603207
05Danica MuscatOne Step at a Time020100316
06DwettBreaking Point120301510
07Lawrence GrayLove Renegade030701015
08Richard + Joe MicallefSong for Dad673109802
09Tiziana CajellaFirst Time080401214
10Eleanor CassarBack to Life171903605
11Rhiannon MicallefBeyond blue Horizons050901411
12Brooke BorgHeart of Gold473708403
13Christabelle BorgTaboo736013301
14Deborah CTurn it up130001313
15Avenue SkyWe can run150101609
16PetraEvolution062703306

Kann Christabelle Borg in Lissabon ins Finale einziehen?

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5 Gedanken zu “MT 2018: Es scheint verboten zu sein, was ich tu

  1. Reiht sich ein in die egaligen Beiträge Maltas der letzten Jahre, die, wenn überhaupt, bestenfalls einen Hauch von nerven. Bleibt nur interessant die Frage, wie die Malteser in der Kunst, ihre Sängerinnen beim ESC um mindestens 20 Jahre älter wirken zu lassen, noch ein Stück weiter Richtung Spitze treiben können. Ich glaube, bald kommt der Punkt, dafür Gunther von Hagens engagieren zu müssen, um die Sache endgültig zu perfektionieren.

  2. Mir scheint, das maltesische Fernsehen hat sich finanziell noch immer nicht von Ira Loscos Exzessen vor zwei Jahren erholt und hofft nun, Hotelkosten und Spesen zu sparen, wenn man gleich im ersten Semi rausfliegt. G:sson hat einige tolle Beiträge geschrieben, aber Animals gehört nicht dazu.

  3. G:son scheint sich auf den 21. Platz beim ESC spezialisiert zu haben (2015-2017)
    Also steht zu befürchten dass uns das verdoppelte Taboo auch in Lissabon sowohl im Semi als auch im Finale um die Ohren gehauen wird und dafür mit Platz 21 belohnt wird..
    Ist er eigentlich in Schweden mittlerweile eine ähnlich tragische ESC Figur wie Ralph Siegel hierzulande?

  4. Song von der Stange mit einer bizarren Darbietung. Optisch irgendwo zwischen Ruslana und Loreen angesiedelt, vor wenigen Jahren wäre es noch innovativ gewesen. Ich finde „Taboo“ musikalisch ziemlich uninteressant, 3 von 10 Punkten. Im KIllerfinale am Donnerstag wird das ganz schwer.

  5. Muß ich ganz klar herunterwerten, „Taboo“ nervt einfach nur.

    Frankreich 9/10
    Albanien 8/10
    Schweiz 7/10
    Tschechien 5/10
    Spanien 2/10
    Malta 1/10

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