IS 2018: If I could turn back Time

Es ist wirk­lich höchs­te Zeit, dass die EBU ihre vor­nehm-fei­ge Nicht­ein­mi­schungs­po­li­tik hin­sicht­lich der natio­na­len Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen auf­gibt und ein paar grund­le­gen­de, von allen teil­nah­me­wil­li­gen Sen­dern zu befol­gen­de Regeln auf­stellt. Die drän­gends­te davon: ein abso­lu­tes Ver­bot des soge­nann­ten Super­fi­na­les, also einer zwei­ten Abstim­mungs­run­de unter den Topp­lat­zier­ten, wie sie tra­di­tio­nell beim islän­di­schen Söng­vakepp­nin statt­fin­det und auch im gest­ri­gen Fina­le zele­briert wur­de. Denn, mal ganz abge­se­hen davon, das es schwach­sin­nig ist, bei nur sechs Wett­be­werbs­ti­teln gleich zwei Votings durch­zu­füh­ren: in aller Regel endet ein sol­ches Super­fi­na­le in der Kata­stro­phe. So auch ges­tern in Island: dort ver­ein­te in der ers­ten Abstim­mungs­run­de näm­lich ein x-bei­ni­ger, dicker Jun­ge namens Dagur Sigurðs­son mit einer recht drö­gen, zumin­dest jedoch lei­den­schaft­lich und in Lan­des­spra­che dahin­ge­ras­pel­ten Power­bal­la­de namens ‘Í Stor­mi’ die meis­ten Anru­fe und die Spit­zen­wer­tung der Jury auf sich. Das Ticket nach Lis­sa­bon bekam er aber trotz­dem nicht.

Der islän­di­sche Meat Loaf muss lei­der zuhau­se blei­ben.

Denn der Zweit­plat­zier­te der Erst­ab­stim­mung, der smar­te und dau­er­grin­sen­de ehe­ma­li­ge The-Voice-Teil­neh­mer Ari Ólafs­son, konn­te ihn im besag­ten Super­fi­na­le, wo nur noch die Zuschau­er­stim­men zähl­ten, über­ra­schend schla­gen. Wobei sich nun die Fra­ge stellt, ob Ari, der in der ers­ten Wer­tungs­run­de auch im Tel­e­vo­ting nur auf Rang 2 lag, das End­ergeb­nis auf­grund sei­ner Cas­ting­show-Popu­la­ri­tät zu dre­hen ver­moch­te oder ob die Isländer/innen nach rein opti­schen Gesichts­punk­ten ent­schie­den, also Fats­ha­ming betrie­ben. Denn am Song konn­te es nicht gele­gen haben: die auf eng­lisch gesun­ge­ne Vomi­tier­bal­la­de ‘Our Choice’ ver­sam­melt aus­schließ­lich die aus­ge­lutsch­tes­ten und abge­grif­fens­ten Welt­frie­dens­kli­schees, für die selbst ein Bernd Mei­nun­ger sich schä­men wür­de. Es mutet an, als habe jemand ver­sucht, in einem ver­wir­ren­den Meta-Ebe­nen-Twist eine Par­odie auf den von Para­di­se Oskar (→ FI 2011) als offen­sicht­li­che Par­odie auf die klas­si­sche Grand-Prix-Hei­le-Welt-Bal­la­de kon­zi­pier­te, vom Publi­kum aber für bare Mün­ze genom­me­nen ‘Da da dam’ zu kre­ieren. ‘Our Choice’ nimmt sich selbst hin­ge­gen offen­sicht­lich sehr ernst, und zwar auf eine Wei­se, die beim Rezen­sen­ten für hys­te­ri­sche Lach­an­fäl­le sorgt.

In klas­si­scher Erlö­ser­po­se: Ari hat das Rezept für Frie­de, Freu­de, Eier­ku­chen dabei.

Nun steht zu befürch­ten, dass es auch im Jah­re 2018 noch ein Publi­kum gibt für sol­che Lie­der, die 1982 bereits über­holt gewe­sen wären. Zumal Aris’ Dackel­blick bei der einen oder ande­ren “schwu­len Oma” (Sarah Kutt­ner) für feuch­te Hös­chen sor­gen dürf­te. Für einen Final­ein­zug soll­te es den­noch nicht rei­chen. Immer­hin muss man dank­bar sein, dass Schlim­me­res ver­hin­dert wur­de, näm­lich in Form des yup­pie­haf­ten Aron Han­nes, Typ neu­rei­cher BWL-Schnö­sel, der gemein­sam mit sei­nen Backings ver­such­te, sich die nur an sei­ner Penun­ze inter­es­sier­ten ‘Gold Dig­ger’ vom Leib zu hal­ten. Als ob! Aron führ­te auf erschre­cken­de Wei­se vor Augen, was pas­siert, wenn die Chris­ti­an Lind­ners die­ser Welt gewin­nen. Den opti­schen Höhe­punkt des Abend bil­de­te der Pau­se­nact Robin Beng­ts­son (→ SE 2017), der mit kür­ze­ren Haa­ren und dich­te­rem Bart rich­tig schwei­ne­geil aus­sah. Dane­ben stell­te Daði Freyr noch­mals unter Beweis, wes­we­gen es ein sol­ches Ver­bre­chen ist, dass Island ihn trotz meh­re­rer Ver­su­che noch nicht zum ESC schick­te.

Was muss noch pas­sie­ren, dass Island end­lich zur Ver­nunft kommt und Dad­dy Fire zum ESC ent­sen­det?

Vor­ent­scheid IS 2018 (Fina­le)

Söng­vakepp­nin. Sams­tag, 3. März 2018, aus der Lau­gard­als­höl­lin Are­na in Reyk­ja­vik, Island. 6 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Ragn­hil­dur Stein­unn Jóns­dót­tir.
#Inter­pretTitelTVJuryGesamtPlatzSuper
01FókusBatt­le­li­ne12.85913.09125.95005
02ÁttanHere for you03.36010.63713.99706
03Ari Ólafs­sonOur Choice18.40817.45335.8610201
04Hei­mi­lis­tó­narKúst og fæjó17.61914.18331.80203
05Aron Han­nesGold­dig­ger14.84816.09030.93804
06Dagur Sigurðs­sonÍ stor­mi24.54720.18344.7300102

Kann Ari Ólafs­son die Isländer/innen ins ESC-Fina­le füh­ren?

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3 Gedanken zu “IS 2018: If I could turn back Time

  1. Nach­dem das Land drei Mal hin­ter­ein­an­der nichts­sa­gen­den Pop zum ESC schick­te, dach­te ich nicht, das Island mich noch mehr ent­täu­schen könn­te. Aber die­ses Lied ist ein­fach grau­en­voll. Und der Text sorgt bei mir lei­der nicht für Lach­an­fäl­le, son­der nur für Brech­reiz. Da ist mir das Gesül­ze aus Spa­ni­en und der Geschrei aus Ungarn sogar lie­ber.

  2. Platz 1 und 2 sind jetzt bei­de nicht so meins. Was mich irri­tiert ist, dass die­ser sym­pa­thi­sche grü­ne Spröss­ling nicht zum ESC geschickt wird? Mei­ne Stimme(n) hät­te er??? Ich fand sein Lied­chen recht ori­gi­nell und lus­tig?

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