PL 2018: Zwei zum Preis von einem

Ein schwa­cher Sil­ber­streif in der end­lo­sen Düs­ter­nis: so könn­te man die gest­ri­ge pol­ni­sche Vor­ent­schei­dung Kra­jo­we Eli­mi­nac­je bezeich­nen. Zehn fast durch­gän­gig okaye, also ohne grö­ße­re Schmer­zen anhör­ba­re Pop­songs mit einer ansehn­li­chen sti­lis­ti­schen Band­brei­te fuhr der Sen­der TVP in War­schau auf. Und das reich­te an die­sem Super­ka­ta­stro­phen­sams­tag der euro­vi­sio­nä­ren Schreck­nis­se bereits, sich posi­tiv her­aus­he­ben aus der unend­li­chen euro­pa­wei­ten Fins­ter­nis. Dank der klu­gen Wahl der pol­ni­schen Televoter/innen – auch nichts, das man zwangs­läu­fig vor­aus­set­zen kann – sieg­te mit dem pas­send beti­tel­ten ‘Light me up’ eine Art von Lied­kon­glo­me­rat. Anfäng­lich noch ein hunds­or­di­nä­rer, radio­kom­pa­ti­bler Poprock­song, von dem lang­haa­ri­gen, spin­del­dür­ren, kno­pf­äu­gi­gen Schwe­den Lukas Mei­jer ein wenig win­se­lig vor­ge­tra­gen, ändert sich im direk­ten Anschluss an den ers­ten Refrain die musi­ka­li­sche Marsch­rich­tung. Der bis­lang abseits der Kame­ra ver­har­ren­de pol­ni­sche DJ und Kom­po­nist Andrzej Groma­la ali­as Gro­mee kam ins Bild – und ab geht die Luzie: mit­tels ordent­li­cher Beats und elek­tro­ni­scher Sounds wird aus ‘Light me up’ ab die­ser Stel­le ein pas­sa­bler Tanz­flä­chen­fül­ler.

Hoch die Hän­de, Wochen­en­de: auch Lukas ist ein Fan der Ganz­kör­per-Bau­ern­ma­le­rei.

Dabei kam den zwei in die­ser Kom­bi­na­ti­on ein wenig an das letzt­jäh­ri­ge nor­we­gi­sche Duo JoWSt und Alex­an­der Wal­mann erin­nern­den Her­ren ihre posi­ti­ve Aus­strah­lung zugu­te: Gro­mee, offen­sicht­lich ein Fan der Roger-Whit­taker-Bril­le, grins­te sich hin­term DJ-Pult eins, als habe er gera­de eine E ein­ge­wor­fen, und Lukas Mei­jer wuss­te zu jeder Sekun­de, in wel­che Kame­ra er hin­ein­schau­en muss­te, um sei­nen laus­bu­ben­haf­ten Monchi­chi-Charme wir­ken zu las­sen. Die schwe­do­pho­ben Juro­ren hin­ge­gen, unter ihnen die Letzt­jah­res­ver­tre­te­rin Kasia Moś, ver­lie­hen den Bei­den ledig­lich die Bron­ze­me­dail­le. Sie erwärm­ten sich mehr­heit­lich für ein ande­res Män­ner­duo mit dem völ­lig unpas­sen­den Namen Hap­py Prince, dem weder etwas aris­to­kra­ti­sches noch etwas auch nur ent­fernt fröh­li­ches anhaf­te­te. ‘Don’t let go’ jam­mer­te ein ver­krampft vor sich hin zabeln­der Lead­sän­ger mit schmerz­ver­zerr­ter Mie­ne. Dabei wünsch­te man sich nur, er möge bald gehen, bevor der Wunsch, sich ange­sichts ihres depres­si­ven Gejau­les die Puls­adern auf­zu­schlit­zen, zu über­mäch­tig wird. Beim Publi­kum reich­te das nur für den vier­ten Rang, so dass ihr Sieg ver­hin­dert wer­den konn­te. Phew!

Trau­ri­ger Jun­ker statt Glück­li­cher Prinz: Polen scheint ein zutiefst depres­si­ves Land zu sein.

Neben dem Sie­ger­ti­tel bevöl­ker­ten wei­te­re preis­güns­ti­ge Me-too-Pro­duk­te die Kra­jo­we Eli­mi­nac­je. So bei­spiels­wei­se die mit pol­nisch-nige­ria­ni­schem Hin­ter­grund und einem fan­tas­ti­schen Afro aus­ge­stat­te­te Ifi Ude, die mit einer etwas sper­ri­ge Elek­tro­bal­la­de namens ‘Love is stron­ger’ antrat und damit vage auf Ami­na­tas (→ LV 2015) Spu­ren wan­del­te. Lei­der etwas unter­kühlt trug die 23jährige Roks­a­na Pin­dor ali­as Sas­zan ihren Titel ‘Nie chcę cie­bie mniej’ (‘Ich will Dich nicht weni­ger’) vor, einer von ins­ge­samt drei Bei­trä­gen in Lan­des­spra­che, der eigent­lich über alle für einen Euro­vi­si­ons­song erfor­der­li­chen Zuta­ten ver­füg­te – eine har­mo­ni­sche Melo­die, einen süf­fi­gen Refrain, genü­gend Schub – und der den­noch irgend­wie nicht aus dem Quark kom­men woll­te. Leicht über­per­for­ma­tiv agier­te hin­ge­gen die einst­ma­li­ge The-Voice-Teil­neh­me­rin Moni­ka Urlik, die sich trotz gro­ßer Anstren­gung lei­der ver­geb­lich bemüh­te, ein ‘Momen­tum’ zu erzeu­gen. Da klang ihre vor allem aus einer Ansamm­lung lang­ge­zo­ge­ner hoher Töne bestehen­de Patent­bal­la­de viel zu alt­ba­cken.

Auch, wenn man das in Cas­ting­shows heu­te so lernt: rum­brül­len allei­ne genügt nicht!

Vor­ent­scheid PL 2018

Kra­jo­we Eli­mi­nac­je. Sams­tag, 3. März 2018, aus War­schau, Polen. 10 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Artur Orzech.
#Inter­pretTitelTVJuryGesamtPlatz
01Pabloss­onSun­flower01010210
02Mar­ta Gału­szew­skaWhy don’t we go08061405
03Maja HyżySkin03040707
04Future FolkKra­ko­wi­a­cy i góra­le05020708
05Isa­bel OtrębusDeli­ri­um02030509
06Gro­mee + Lukas Mei­jerLight me up12082001
07Hap­py PrinceDon’t let go07121902
08Sas­zanNie chcę cie­bie mniej04050906
09Ifi UdeLove is stron­ger06101604
10Moni­ka UrlikMomen­tum10071703

Sehen wir Polen die­ses Jahr im Fina­le?

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