Jahr: 2019

Dis­kus­si­on: Ent­zieht den Völ­kern das Stimmrecht!

Dis­kus­si­on: Ent­zieht den Völ­kern das Stimmrecht!

Noch keine zwei Tage ist die Eurovisionssaison 2020 alt und wird bereits vom ersten Voting-Skandal überschattet. Bekanntlich zog im gestrigen Finale des albanischen Festivali i Këngës das von vielen Fans favorisierte Pop-Sternchen Elvana Gjata mit ihrem hervorragend inszenierten Uptempo-Knaller 'Me tana' knapp den Kürzeren im hochspannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrer einzigen ernst zu nehmenden Herausforderin, der Kosovarin Arilena Ara und ihrer erkennbar auf eine möglichst hohe Jury-Punktzahl hin optimierten Ballade 'Shaj'. Der Clou dabei: die alleine abstimmungsberechtigte, fünfköpfige FiK-Jury bestand diesmal aus drei internationalen Juroren (ja, alles Männer) und zwei skipetarischen Jurorinnen (ja, beides Frauen). Und die drei Herren - der…
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Fes­ti­va­li i Kën­gës 2019: Ein lau­ter Schrei nach Liebe

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2019: Ein lau­ter Schrei nach Liebe

'Shaj' ('Schrei'), so heißt der albanische Eurovisionsbeitrag für den Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam. Und genau so klingt er. Dass man in Tirana nach dem letztjährigen, zaghaften Experiment mit einem moderat aufgefrischten Festivali i Këngës wieder zum klassischen Format mit verpflichtender Orchesterbegleitung und ausschließlichem Juryentscheid zurückkehrte, wies bereits den Weg: folgerichtig wählte man auch beim Beitrag ein altbekanntes Konzept, nämlich das der dissonant kreischenden Frau. Die heißt heuer Arilena Ara, stammt (wie Rona Nishliu) gebürtig aus dem Kosovo und gewann 2013 die Castingshow X-Factor. Die dort gelernten Lektionen beherzigte sie denn auch bei ihrem siegreichen FiK-Auftritt: es kommt nicht…
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Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2019

Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2019

Nichts geht doch über das lieb gewonnene Vorweihnachtsritual des Festivali i Këngës (FiK)! Bereits zum 58. Mal findet das traditionsreiche, wie der Eurovision Song Contest selbst am Vorbild des italienischen San-Remo-Festival geschulte Liederfest heuer statt und dient erneut als Vorentscheid für Rotterdam. Nach einem ebenso halbherzigen wie umstrittenen Modernisierungsversuch mittels einer Halbplaybackrunde kehrte der albanische Sender RTSH diesmal flugs zur altgewohnten Ausrichtungsform mit klassischem, großem Rundfunkorchester und zwei Qualifikationsrunden zu je zehn Kombattant/innen zurück. Ebenso traditionell auch die jeweils (!) fünfundvierzigminütige (!!) Verspätung, mit der beide (!!!) Semis sowohl am Donnerstag als auch am Freitag starteten und die RTSH mit…
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Bul­ga­ri­en 2020: Unsub­stan­ti­al Blues

Bul­ga­ri­en 2020: Unsub­stan­ti­al Blues

Die 22jährige Victoria Georgieva wird beim Eurovision Song Contest 2020 Bulgarien vertreten, wie der verantwortliche Sender BNT heute annoncierte. Bekanntheit erlangte die intern bestimmte Repräsentantin durch ihre Teilnahme an der Castingshow X Factor Bulgaria, wobei sie sich durch Beharrlichkeit auszeichnete: schon bei der Erstausstrahlung des Formats in ihrem Heimatland im Jahre 2011 bewarb sie sich, schaffte es aber - auch aufgrund ihres Alters - nicht in die Sendung. Was sie nicht davon abhielt, es so lange immer wieder zu versuchen, bis sie Ende 2015 in der vierten Staffel endlich antreten durfte. Übrigens unter Jurorenschaft von Lucy Diakovska von den No…
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Offi­zi­ell: 41 Natio­nen star­ten beim Song Con­test 2020

Offi­zi­ell: 41 Natio­nen star­ten beim Song Con­test 2020

Zwei raus - zwei rein: mit 41 bleibt die Anzahl der von der EBU heute bestätigten Teilnehmernationen beim Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam gegenüber Tel Aviv unverändert hoch. Oder, je nach Sichtweise, niedrig: den bisherigen Rekord von 43 Ländern, zuletzt eingestellt in Lissabon, holt die EBU nicht wieder ein. Von dem im Vorjahr beteiligten Nationen sagten zwei ab: das kleine Montenegro aus finanziellen Gründen, das unter dem Populisten Viktor Orbán zusehends ins Faschistische driftende Ungarn wohl eher aus kulturellen. Dort folgt man dem traurigen Vorbild der seit 2013 beim ESC absenten Türkei und igelt sich kulturell ein: zwar ist…
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Der eine ESC-Song, den nie­mand mag

Der eine ESC-Song, den nie­mand mag

Bei Diskussionen mit anderen Grand-Prix-Fans oder dem Lesen von Kommentaren stellt man immer wieder erstaunt fest: selbst die scheußlichsten Eurovisionsbeiträge haben ihre Anhänger*innen. Aber es muss doch in der langen ESC-Geschichte mit ihren vielen musikalischen Missgriffen wenigstens einen einzigen Song geben, bei dem sich im Hinblick auf seine fehlende Attraktivität mal ausnahmslos alle einig sind? Dies herauszufinden, machte sich der selbst für einige Rohrkrepierer wie zum Beispiel 'Et cetera' von Sinéad Mulvey verantwortliche schwedische Komponist Jonas Gladnikoff mithilfe des internationalen Fan-Bords auf ESC Nation zur Aufgabe und veranstaltete dort ein Voting mit rund 70 Teilnehmer/innen über den am wenigsten gemochten…
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Jury-Tele­vo­ting-Mix: es bleibt alles beim Alten

Jury-Tele­vo­ting-Mix: es bleibt alles beim Alten

Es wäre auch zu schön gewesen: gab ein Interview mit Toñi Prieto, der spanischen Delegationsleiterin beim ESC, letzte Woche noch Anlass zur Hoffnung auf mögliche Änderungen im aktuellen 50/50-Mix aus Jury und Televoting, so begrub Toñis griechische Kollegin Maria Koufopoulou diese gestern gegenüber dem hellenischen Newsportal Sputniknews. Wie Eurovoix aus dem Interview zitiert, habe man bei einem Arbeitstreffen der Eurovisionsdelegationen im September 2019 über diese Frage debattiert. Insbesondere vor dem Hintergrund des für die EBU mehr als blamablen Belarus-Gate, aber auch im Hinblick auf die Schwierigkeiten, (nicht nur) in kleineren Nationen eine Jury aus "Musik-Expert/innen" aufzustellen, deren Mitglieder keine bedenklichen…
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Kei­ne Jurys mehr? <span class="caps">EBU</span> holt Stim­mungs­bild ein

Kei­ne Jurys mehr? EBU holt Stim­mungs­bild ein

Ist endlich das Ende der unsäglichen Jury beim Eurovision Song Contest in Sicht? Anlass zu leiser Hoffnung gibt eine Meldung von Wiwibloggs von gestern, die aus einem Interview der Unterhaltungschefin des spanischen Senders RTVE, Toñi Prieto, mit dem heimischen Nachrichtenportal vertele! zitiert. Nach ihrer Aussage habe die EBU verschiedene Eurovisionsdelegationen kontaktiert, um deren Meinung zum derzeitigen Votingverfahren bzw. möglichen Änderungen daran einzuholen. Genf wolle "wissen, wie wir das sehen. Ob man eine Jury haben muss, ob ausschließlich per Jury oder nur durch das Publikum" abgestimmt werden solle, so Prieto. Das aktuelle 50/50-Verfahren geriet zuletzt wieder beim diesjährigen Wettbewerb in Kritik. Nicht…
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Vid­bir 2020 mit Krim-Klausel

Vid­bir 2020 mit Krim-Klausel

Wie esctoday heute unter Bezugnahme auf den ukrainischen Staatssender UA:PBC mitteilt, implementiert dieser in die Teilnahmebedingungen für seinen nationalen Eurovisionsvorentscheid Vidbir eine Ausschlussregel für Künstler*innen, die mit dem verfeindeten Russland kollaborieren. An der Vidbir teilnehmen darf nur noch, wer seit 2014 nicht im Gebiet der Föderation aufgetreten ist oder dort aufzutreten beabsichtigt. Auch eine Reise auf die Halbinsel Krim seit ihrer Annexion durch Russland stellt ein Ausschlusskriterium dar. UA:PBC reagiert damit auf das Debakel um den diesjährigen Vorentscheid, das zu einem Rückzug des Landes vom Wettbewerb in Tel Aviv führte, nachdem die Siegerin Maruv sich weigerte, im Nachgang zu ihrer…
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Spa­ni­en 2020: How loo­ks the Trumpet

Spa­ni­en 2020: How loo­ks the Trumpet

Sein Vorname bringt in mir unweigerlich den präpubertären Zehnjährigen zum Kichern: gestern gab das spanische Fernsehen bekannt, dass der 27jährige Blas (hihihi) Cantó Moreno beim Eurovision Song Contest 2020 die iberische Halbinsel vertreten wird. Der schmucke junge Mann versucht bereits seit 15 Jahren vergebens, sein Land zu repräsentieren: 2004 bewarb er sich zum ersten Mal, damals noch für den Junior-ESC, scheiterte aber im Vorentscheid. Dasselbe Schicksal ereilte ihn 2011, wo er es als Teil der populären Boyband Auryn zwar ins Superfinale der Destino Eurovisión schaffte, dort aber den Kürzeren gegen Lucía Pérez zog. Diesmal verzichtete der Sender RTVE vorsichtshalber gleich…
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Gott ist tot

Gott ist tot

Der tschechische Schlagersänger Karel Gott, zu seinen Glanzzeiten in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck stets als "die goldene Stimme aus Prag" angesagt, starb gestern Nacht im Alter von 80 Jahren an Leukämie. Der Plattenmillionär, der in seiner Heimat 42 Mal hintereinander zum "Sänger des Jahres" gekürt wurde, landete 1967 seinen ersten Top-Ten-Hit in Deutschland mit 'Weißt du wohin?', einer Eindeutschung der Titelmelodie des Kinoepos 'Doktor Schiwago'. Bereits im Jahr darauf vertrat der international tätige Künstler beim Eurovision Song Contest zu London Österreich mit dem von Udo Jürgens geschriebenen Einsam-in-der-Großstadt-Schmachtfetzen 'Tausend Fenster', mit der er allerdings weder die Jurys überzeugen…
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ESC-Sai­son­start 2020: It’s Rot­ter­dam (not anywhere)

ESC-Sai­son­start 2020: It’s Rot­ter­dam (not anywhere)

Die eurovisionäre Sommerpause hat ein Ende: pünktlich zum Geburtstag des Blogbetreibers gab das niederländische Fernsehen NPO (Nederlandse Publieke Omroep, das holländische Äquivalent zur ARD) heute Mittag bekannt, dass der nächste Eurovision Song Contest am 12., 14. und 16. Mai 2020 in Rotterdam stattfindet. Die multikulturelle Hafenstadt setzte sich damit erwartungsgemäß im Rennen gegen den einzigen noch verbliebenen Konkurrenten Maastricht durch, vermutlich auch aufgrund der besseren Hallensituation: als Austragungsort dient der Veranstaltungskomplex Ahoy, der neben der bis zu 16.000 Zuschauer*innen umfassenden Ahoy Arena noch fünf weitere Hallen umfasst, die Platz beispielsweise für das Pressezentrum bieten. Mit der am direkt anschließenden Einkaufszentrum…
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Shut up: der schö­ne Chin­giz kommt nach Hannover

Shut up: der schö­ne Chin­giz kommt nach Hannover

Der unbestreitbar schönste Teilnehmer (nicht nur) des diesjährigen Eurovision Song Contests in Tel Aviv schmückt in knapp zwei Wochen bei der Unescon, der ESC-Convention in Deutschlands heimlicher Grand-Prix-Hauptstadt Hannover, mit seiner Präsenz die Bühne. Mit dieser bei dem ein oder anderen Fan jeglichen Geschlechts sicherlich für hormonelle Aufwallung sorgenden Ankündigung komplettierte der Unescon-Ausrichter Irving Wolther heute das Line-up des Live-Konzertes am Samstag, dem 29. Juni 2019, bei dem als besonderer Clou ein bunter Strauß ehemaliger und aktueller ESC-Stars zur musikalischen Begleitung durch ein echtes Orchester (!) auftritt. Hut ab: um den modernen und in Tel Aviv achtplatzierten Pop-Song 'Truth' ohne…
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Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach

Das quee­re Anti-PED-Paket: Bil­al Hassa­ni und Hata­ri legen nach

Obschon sich angesichts der Berichterstattung um das weißrussische Jury-Gate und die Unfähigkeit der EBU, einfachste Kontrollmechanismen gegen die menschliche Fehleranfälligkeit in ihren Punkteermittlungsprozess einzubauen, bislang noch gar keine richtige Post Eurovision Depression einstellen wollte, veröffentlichten gestern gleich zwei der in Tel Aviv teilnehmenden diesjährigen Acts neue Songs, wohl auch um musikalisch erst gar keine Entzugserscheinungen auftreten zu lassen. Interessanterweise verbindet beide Lieder eine Art wohltuender trotziger queerer Stolz. Der offen schwule französische Vertreter Bilal Hassani zeigt in 'Jaloux' ('Eifersüchtig') seinen Hatern den metaphorischen Mittelfinger: er zitiert in den Strophen aus den zahlreichen hasserfüllten Kommentaren, die seine bisherige Karriere inklusive der…
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Das Bela­rus-Gate: zu dumm zum Manipulieren

Das Bela­rus-Gate: zu dumm zum Manipulieren

Peinlich: der EBU unterlief beim Zusammenrechnen der Jury-Ergebnisse im Finale des diesjährigen Eurovision Song Contest ein derartig frappierender Fehler, dass die Wertung heute korrigiert werden musste. In einem Statement bestätigte die EBU, was ein nerdiger Grand-Prix-Fan bereits am Sonntag entdeckt hatte: bei der Ermittlung des "aggregierten" weißrussischen Jury-Ersatzergebnisses erhielten versehentlich nicht die besten Zehn Punkte, sondern die Schlechtesten. Dies ändert zwar nichts am Gesamtsieg des niedlichen Niederländers Duncan Laurence, bedeutet aber unter anderem, dass nicht, wie in der Live-Show verkündet, der schnucklige Schwede John Lundvik Jurysieger wurde, sondern die taffe Tamara Todevska aus Nordmazedonien mit ihrer fantastischen Female-Empowerment-Hymne 'Proud'. Die…
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Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sahnemantel

Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sahnemantel

Ein weiterer Eurovisionsjahrgang liegt hinter uns. Einer, bei dem, so der kluge Kommentar der ORF-Beobachter Sophia Felbermair und Christian Körber, die "nachdenklichen Männer, die doch Gefühle zeigen" die Medaillenplätze belegten und so den gesellschaftlichen Gegenentwurf bildeten zum Modell der toxischen Männlichkeit, wie es sich derzeit leider vor allem in der Politik manifestiert. Zeit, die Geschehnisse abzuschließen mit der traditionellen Betrachtung des Split-Voting-Ergebnisses in den beiden Qualifikationsrunden. Und die führt uns zunächst einmal zurück nach Wien anno 2015, fand doch heuer eine unfreiwillige Neuauflage der deutsch-österreichischen Doppelnull im Jahre 1 n.C. (nach Conchita) statt. Denn nicht nur die germanischen Casting-Sisters kassierten…
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ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach…
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Zwei­tes ESC-Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Zwei­tes ESC-Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madonna wird am Samstag im Finale des Eurovision Song Contest 2019 auftreten. Die seit Monaten als Gerücht gestreute, in den letzten Tagen mit einem entweder unnötigen oder gefakten Drama um nicht unterschriebene Verträge gehypte und gestern bestätigte Nachricht, dass die EBU der amerikanischen Großmutter des Pop, die hierfür sogar noch eine von einem israelischen Industriellen finanzierte Millionengage einstreicht, in der zuschauerstärksten TV-Show der Welt kostenlos die Möglichkeit zur Bewerbung ihres neuesten Albums einräumt, nahm am gestrigen Donnerstagabend gefühlt ein Viertel der Sendezeit, mindestens jedoch der Moderation ein und degradierte die achtzehn im Kampf um den Finaleinzug angetretenen Acts zur bloßen…
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Ers­tes ESC-Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Ers­tes ESC-Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zweifach erfuhr die fabelhafte Dana International, die 1998 beim Eurovision Song Contest in Birmingham den mit weitem Abstand bedeutsamsten Sieg in der über sechzigjährigen Geschichte des Grand Prix errang, die ihr gebührende Ehrung im gestrigen ersten Semifinale 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Interval Act auftrat. Der für seine 40 Lenze erstaunlich jung aussehende Assi Azar, einer der überflüssigerweise erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benannte die offensichtlich in den selben Jungbrunnen gefallene LGBTQI*-Ikone in seiner Anmoderation als sein persönliches Idol. War es doch ihr seinerzeitiger Sieg, der dem damals Zwanzigjährigen aus dem Versteck half und ihm die…
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Rank and File 2019: Platz 1 – Hat­rið mun sigra

Rank and File 2019: Platz 1 – Hat­rið mun sigra

Ein die Fans gleichermaßen in Liebende wie Hassende spaltender Marmite-Song eröffnete vor knapp sechs Wochen diese Artikelserie, und ein ebensolcher beschließt sie heute. Platz 1: Island - Hatari: Hatrið mun sigra (Der Hass wird siegen) Als hätten die Jungs von Laibach, Rammstein, Depeche Mode und Bronski Beat einen gemeinsamen Bastard gezeugt, so klingen Hatari. Brachialer Industrial-Lärm mit einer schmerzhaft verzerrt dahingerotzten Strophe, aufgefangen von einem watteweichen Synthie-Pop-Refrain und engelsgleichem Kastratengesang, und das alles auch noch auf isländisch: Hatari verstören nicht nur musikalisch. Das sich als satirisch und antikapitalistisch verstehende Art-Kollektiv, das auf spielerische Weise in Bondage-Gear auftritt, verpackt darin eine…
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Rank and File 2019: Platz 2 – Soldi

Rank and File 2019: Platz 2 – Soldi

Clap Clap! Ein Song mit doppelten Handklatschern ist in meinem Buch ja automatisch ein guter. Doch im Falle Mahmoods kommen noch weitere Qualitäten hinzu. Platz 2: Italien - Mahmood: Soldi (Geld) Der junge, bildschöne Alessandro Mahmoud steuert mit 'Soldi' einen weiteren Vätersong zum Geschehen bei. Das ist schon mal eine gute Idee, denn Lieder, die eine persönliche Geschichte erzählen, wirken auf natürliche Weise authentisch. Und Authentizität ist nicht nur beim Song Contest stets ein gesuchtes Gut. Es ist eine bittere, wütende Anklage, die Mahmood mit dunkler, zwischen Zorn, Stolz und Verletzlichkeit changierender Stimme und angemessen verärgertem Gesichtsausdruck vor uns verliest;…
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Rank and File 2019: Platz 3 – Say na na na

Rank and File 2019: Platz 3 – Say na na na

Nach einem krachend schief gegangenen Versuch mit einer externalisierten öffentlichen Vorentscheidung im Vorjahr kehrte das kleine San Marino heuer zum Bewährten zurück und nominierte einen seiner beiden Stammrepräsentant/innen. Kluge Wahl! Platz 3: San Marino - Serhat Hacıpaşalıoğlu: Say na na na (Sag na na na) Und ja, es ist mir bewusst, dass ich mich mit diesem Ranking als geschmacklich hoffnungslos veralteter Schlagerfan oute. Das aber dürfte für Stammleser/innen meines Blogs keine neue Nachricht sein. Der türkische Ex-Gameshow-Moderator in den Diensten der Miniaturrepublik schrieb den Titel, wie er selbst zugab, innerhalb weniger Minuten. So, wie in der Pop-Geschichte übrigens viele große…
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Rank and File 2019: Platz 4 – Roi

Rank and File 2019: Platz 4 – Roi

Wie bereits erwähnt, entstand dieses Ranking bewusst schon vor etlichen Wochen, als die Vorentscheidungssaison gerade erst vorüber war, um so viel wie möglich von der Frische des ersten Eindrucks einzufangen. Mittlerweile hätte er ein bisschen Federn gelassen, mein Platz 4: Frankreich - Bilal Hassani: Roy (König) Denn dass der blutjunge, genderfluide und queere Franzose nicht zu den allerstärksten Sängern der Grande Nation zählt und seine spielerische Selbstbehauptungshymne kompositorisch nicht unbedingt das am stärksten glitzernde Juwel des aktuellen Jahrgangs darstellt, darüber herrschte wohl bereits nach seiner durch das von seinen Youtube- und Insta-Follower/innen gekaperte Televoting beim französischen Vorentscheid Destination Eurovision herbeigeführten…
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Rank and File 2019: Platz 5 – Az én Apám

Rank and File 2019: Platz 5 – Az én Apám

Salvador Sobral, der Sieger von 2017, antwortete erst unlängst auf eine (ziemlich überflüssige) Interviewfrage, dass er nicht zwingend nochmal am ESC teilnehmen möchte. Andere Künstler/innen zieht es hingegen immer wieder zurück auf die große europäische Bühne, dieses Jahr alleine sind es sechs Wiederkehrer/innen. Zu ihnen zählt auch mein Platz 5: Ungarn - Joci Pápai - An én Apám (Mein Vater) Der schöne Joschi steuerte im Jahr des Sobral-Siegs die hochgradig ergreifende Schmerzensballade 'Origo' zum Geschehen bei und erreichte damit eine der wenigen Top-Ten-Platzierungen des Landes. Sein aktueller Beitrag folgt einem Trend der beiden letzten Jahre, ist es doch ein Lied…
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Rank and File 2019: Platz 6 – Spi­rit in the Sky

Rank and File 2019: Platz 6 – Spi­rit in the Sky

Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, da Norwegen beim Eurovision Song Contest regelmäßig die hinteren Plätze aufrollte? Beispielsweise mit samischen Jodlern, so wie 1980? Platz 6: Norwegen - Keiino: Spirit in the Sky (Geist am Himmel) Das dürfte 2019 nicht passieren, auch wenn die Skandinavier mit dem hauptberuflichen Hip-Hopper Fred Buljo erneut jemanden am Start haben, der joikt. Und das dazu noch ziemlich grauslich: zumindest beim Live-Auftritt während des Vorentscheids Melodi Grand Prix klangt der Glatzkopf, als habe er einen Frosch verschluckt. Doch der Joik ist hier nur zierendes Beiwerk und wird flankiert von einem süffigen Popschlager, der…
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