Euro­vi­zi­jos 2019: The Lions sleeps ton­ight

Zahl­rei­che Ergeb­nis­se sind noch nach­zu­rei­chen vom ver­gan­ge­nen Wochen­en­de, wo am Sams­tag in gleich vier Län­dern natio­na­le Fina­le statt­fan­den. In den meis­ten von ihnen, in denen bereits diver­se Vor­run­den und Semis vor­aus­gin­gen, pas­sier­te dabei aller­dings nichts bahn­bre­chend Neu­es mehr. So bei­spiels­wei­se in Litau­en, wo sich die heu­er ver­hält­nis­mä­ßig kurz gehal­te­ne Nacio­na­linė Euro­vi­zi­jos Atran­ka in die End­run­de schlepp­te. Die gute Nach­richt: die per­fi­de Stra­te­gie der Sän­ge­rin Moni­ka Mari­ja Pau­laus­kaitė, wel­che die Vor­run­den mit zwei sehr ähn­li­chen Power­bal­la­den ver­stopf­te, um ihre Chan­cen zu erhö­hen, und kurz vor dem vor­gest­ri­gen Fina­le eine davon unter Inkauf­nah­me einer Geld­stra­fe weg­warf, ging nicht auf. Die Litauer/innen bescher­ten ihr zu mei­ner die­bi­schen Scha­den­freu­de für das übrig geblie­be­ne ‘Light on’ mit dem zwei­ten Platz das schmerz­haf­test mög­li­che Ergeb­nis. Die schlech­te Nach­richt: statt ihrer fährt nun Juri­jus Veklen­ko mit dem völ­lig ega­len Mid­tem­po-Geplod­der ‘Run with the Lions’ nach Tel Aviv und reiht sich dort naht­los ein in das anschwel­len­de Heer von Bei­trä­gen, die weder eine posi­ti­ve noch eine nega­ti­ve Reak­ti­on her­vor­zu­ru­fen ver­mö­gen und schein­bar nichts wei­ter sein wol­len als ein mög­lichst unauf­fäl­li­ger Klang­tep­pich, der es den Euro­vi­si­ons-Zuschau­er/in­nen erlaubt, wäh­rend der Show auf dem Han­dy die neu­es­ten Twit­ter-Kom­men­ta­re zu che­cken, ohne dabei auf der Büh­ne irgend­et­was zu ver­pas­sen.

Ein Voll­bart schmückt doch ein­fach jeden Mann: immer­hin ent­schä­digt Jury-Juice optisch ein wenig für sein ener­vie­ren­des Gewin­sel.

Wie es in Ost­eu­ro­pa Usus zu sein scheint, schwebt über dem litaui­schen Grand-Prix-Lied der­zeit noch ein klei­nes Fra­ge­zei­chen, denn es steht die Behaup­tung im Raum, der Titel sei bereits vor der EBU-Dead­line am 01.09.2018 der Öffent­lich­keit zugäng­lich gewe­sen. Und zwar auf der Sound­cloud-Sei­te des Kom­po­nis­ten, was die­ser indes abstrei­tet. Die EBU muss den Fall nun prü­fen, mit einer Dis­qua­li­fi­ka­ti­on dürf­te jedoch nicht zu rech­nen sein, denn das Vor­ver­öf­fent­li­chungs­ver­bot soll ver­hin­dern, dass ein Wett­be­werbs­bei­trag bereits vor die­sem Datum euro­pa­weit so vie­len Men­schen zu Ohren kommt, dass die­ser sich damit einen Vor­sprung im Tele­vo­ting ver­schafft. Das kann man hier sicher­lich guten Gewis­sens ver­nach­läs­si­gen. Das auf acht Star­ter aus­ge­wei­te­te Teilnehmer/innenfeld des Atran­ka-Fina­les bot neben der bereits im Zuge ihres Vor­run­den­auf­trit­tes abge­han­del­ten Come­dy­ka­pel­le Antik­va­ri­niai Kašpi­rovs­kio Dan­tys sowie dem ehe­ma­li­gen InCul­to-Front­mann Jur­gis Didžiu­lis, der hier gemein­sam mit sei­ner Ehe­frau Eri­ca Jen­nings und dem fremd­schäm­pein­li­chen Mit­mach­lied ‘Sing!’ antrat, noch sehr betrüb­li­chem Trash in Form der Sän­ge­rin Jus­ti­na Budaitė-Junà und ihren tan­zen­den Mus­kel­schnit­ten, die die musi­ka­li­sche Malai­se von ‘Strength of a Woman’ mit schril­len Ver­klei­dun­gen wett zu machen such­te.

Jetzt haben es die Gelb­wes­ten schon bis nach Litau­en geschafft: Junà und das Form­fleisch-Trio.

Wobei die Fra­ge offen blieb, ob die Vier in die­sem Auf­zug eine Bad-Tas­te-Par­ty oder den Stra­ßen­strich heim­zu­su­chen gedach­ten. Weni­ger als 700 Anru­fe waren der ver­dien­te Lohn der Mühen, was für den berech­ti­gen letz­ten Platz reich­te. Immer­hin auf das Drei­fa­che an Stim­men kam der nur durch den Teil­rück­zug von Moni­ka Mari­ja ins Fina­le nach­ge­rück­te Alen Chic­co mit sei­nem quee­ren Kampf­lied ‘Your Cure’, in dem sich die litaui­sche LGBT­QI-Iko­ne als Hei­lung gegen Hass und Into­le­ranz in Sze­ne setz­te. Für den Final­auf­tritt ließ er den Roll­stuhl, der noch in der Vor­run­de für Auf­se­hen gesorgt hat­te, in der Requi­si­ten­kam­mer ste­hen und bekleb­te sich statt­des­sen die Glat­ze mit Straß­stei­nen. Sei­ne anmu­tig vogu­en­de Begleit­trup­pe steck­te er in tra­di­tio­nell anmu­ten­de Kos­tü­me. Reich­te lei­der nur für den fünf­ten Rang, womit auch die Litauer/innen (so wie bis­lang fast jedes in Tel Aviv teil­neh­men­de Land) eine gro­ße Chan­ce ver­ga­ben, auf euro­päi­schem Par­kett einen nach­hal­ti­gen Ein­druck zu hin­ter­las­sen. Span­nend indes die völ­li­ge Über­ein­stim­mung der Punk­te­ver­ga­be der Jury mit dem Tele­vo­ting: vom ers­ten bis zum letz­ten Platz gab es das glei­che Ergeb­nis – mei­nes Wis­sens ein Novum bei einem natio­na­len Vor­ent­scheid!

Tra­di­ti­on queer besetzt: Alen Chic­co weiß, wie man Sym­bo­le der men­ta­len Rück­stän­dig­keit pro­gres­siv umdeu­tet. Da capo!

Vor­ent­scheid LT 2019

Nacio­na­linė Euro­vi­zi­jos Atran­ka. Sams­tag, 23. Febru­ar 2019, aus der Žal­gi­rio Are­na in Kau­nas, Litau­en. 8 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Giedri­us Masalskis und Gabri­elė Mar­ti­ro­si­a­naitė.
#Interpret/inTitelTVJuryPlatz
01Alen Chic­coYour Cure06 | 02.9800605
02Jus­ti­na Budaitė-JunàStrenght of a Woman03 | 00.6910308
03Hen­ry + Tom­my Mod­ricNever­part05 | 01.1860506
04Jur­gis Brūz­gaCtrl Alt Dele­te04 | 00.9360407
05Jur­gis Did + Eri­ca Jen­ningsSing!07 | 14.9120704
06Moni­ka Mari­jaLight on10 | 20.9771002
07Antik­va­ri­niai Kašpi­rovs­kio Dan­tysMažu­lė08 | 15.6990803
08Juri­jusRun with the Lions12 | 24.6941201

1 Gedanke zu “Euro­vi­zi­jos 2019: The Lions sleeps ton­ight”

  1. Auch wie­der so ein völ­lig nichts­sa­gen­der Song, oh Mann, ich glau­be, die­ses Jahr möch­te kein Land gewin­nen. Hof­fent­lich geht da noch was. Es ist zum Ver­zwei­feln!

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