Sel­ecția Națio­nală 2019: Immer wie­der sonn­tags

Das Wich­tigs­te zuerst: herz­li­chen Dank an die­ser Stel­le an die bei­den Blog­ger­kol­le­gen Wil­liam Lee Adams und Deban Ader­e­mi von Wiwi­bloggs, die Euro­pa prak­tisch im Allein­gang vor der hass­erfüll­ten homo­pho­ben Het­ze­rin bewahr­ten. Und eben­so herz­li­chen Dank an die, wie Euro­fire von deren Face­book­sei­te zitiert, “stin­ken­den Kom­mu­nis­ten von TVR,” dem rumä­ni­schen Staats­sen­der, der dies durch sein völ­lig absur­des Voting­ver­fah­ren erst mög­lich mach­te. Denn beim dies­jäh­ri­gen rumä­ni­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid, der Sel­ecția Națio­nală, tob­te bekannt­lich so eine Art Glau­bens­krieg, ein epi­scher Kampf zwi­schen Gut und Böse. Letz­te­res in die­sem Fall reprä­sen­tiert durch die vor­he­ri­ge Favo­ri­tin und haus­ho­he Sie­ge­rin im Tele­vo­ting, die sech­zehn­jäh­ri­ge Lau­ra Bre­tan. Die in Chi­ca­go gebo­re­ne und von ihren streng evan­ge­li­ka­len Eltern zu Hau­se unter­rich­te­te Lau­ra posi­tio­nier­te sich ver­gan­ge­nen Okto­ber öffent­lich als Geg­ne­rin der Homo-Ehe und unter­stütz­te das – glück­li­cher­wei­se geschei­ter­te – rumä­ni­sche Refe­ren­dum, mit dem die Ehe per Ver­fas­sung als aus­schließ­li­che Ver­bin­dung von Mann und Frau zemen­tiert wer­den soll­te. “So, wie Gott die Fami­lie gewollt hat” in den Wor­ten der Sän­ge­rin. Sie zu ver­hin­dern war daher alles, was heu­te zähl­te. Und es ist gelun­gen!

Die knall­hart kon­ser­va­ti­ve Unschuld in weiß: Lau­ra Bre­tan mit dem Sound­track zur Trump-Ära.

Zwi­schen­stand Tele­vo­ting Sel­ecția Națio­nală 2019 © TVR

Denn der rumä­ni­sche Sen­der ent­schied sich für ein Voting­ver­fah­ren, wie es in der Ver­gan­gen­heit in Mal­ta bereits mehr­fach zur Anwen­dung kam und das die Betei­li­gung des Publi­kums zur kom­plet­ten Far­ce mach­te. Die im Tele­vo­ting abge­ge­be­nen Stim­men zähl­ten näm­lich im End­ergeb­nis nur zu einem Sieb­tel, jeder der von TVR ein­ge­la­de­nen sechs inter­na­tio­na­len Juror/innen ver­füg­te über genau so viel Macht wie das gesam­te rumä­ni­sche Volk. Bezie­hungs­wei­se, um auf dem Tep­pich zu blei­ben: wie die rund zehn­tau­send Anrufer/innen, die tat­säch­lich abstimm­ten. Die somit prak­tisch allei­ne ent­schei­den­de Jury bestand neben den bei­den (!) Wiwi­bloggs-Grün­dern aus der israe­li­schen ESC-Punk­te­spre­che­rin, der ehe­ma­li­gen däni­schen Euro­vi­si­ons­ge­win­ne­rin Emme­lie de Forest, die (grau­sam ent­stellt durch die TVR-Schmink­pro­fis) auch im Pau­sen­pro­gramm auf­trat, und zwei hei­mi­schen Musik­pro­fes­sio­nel­len. Und wäh­rend die zuschau­en­den Fans ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen zwi­schen der homo­pho­ben Bet­sch­wes­ter Bre­tan und der Fan-Favo­ri­tin Bel­la San­tia­go erwar­te­ten, die mit ihren mus­ku­lö­sen Tän­zern, also der ‘Army of Love’, die Sei­te des Guten ver­trat, ent­schie­den sich die nicht-rumä­ni­schen Juror/innen für eine völ­lig uner­war­te­te und über­ra­schen­de Stra­te­gie.

Gab den Rus­la­na-Gedächt­nis-Act: die etwas über­an­ge­streng­te Bel­la und ihre Bur­schen.

Denn wäh­rend die dum­me Funz de Forest, die ich hier­für nun noch abgrund­tie­fer has­se als bis­lang schon für einen der drei schlimms­ten ESC-Sie­ger­songs, ihre Dou­ze Points tat­säch­lich an Lau­ra gab, ver­bün­de­ten sich alle ande­ren hin­ter ihrem Rücken und scho­ben ihre Höchst­wer­tun­gen aus völ­lig uner­klär­li­chen Grün­den in einer kon­zer­tier­ten Akti­on einer kom­plet­ten Außen­sei­te­rin zu, die nie­mand auf dem Zet­tel hat­te und die im rumä­ni­schen Tele­vo­ting – gerech­ter­wei­se – auf dem ach­ten Platz lan­de­te: der aus Buka­rest stam­men­den, mitt­ler­wei­le schwer­punkt­mä­ßig in Kana­da leben­den Sän­ge­rin Ester Alex­an­dra Crețu ali­as Ester Peo­ny mit dem von ihr mit­ver­fass­ten Bei­trag ‘On a Sunday’, einem haupt­säch­lich aus “Ey, ey, ey“s bestehen­den Nicht-Song ohne erkenn­ba­re Melo­die oder nen­nens­wer­ten Refrain, den ich trotz här­tes­ten Bemü­hens jedes­mal schon wie­der ver­ges­se, wäh­rend er noch läuft. Ob das Sofa den Aus­schlag gab, auf dem sie sich wäh­rend ihrer Final-Per­for­mance räkel­te, oder der Song­ti­tel – schließ­lich lie­fen alle drei Run­de der SN ‘An einem Sonn­tag’, – wer kann es sagen? Der Sieg von Ester stand bereits nach der Aus­zäh­lung aller Jury­vo­ten und der Addi­ti­on der unte­ren Tele­vo­tin­grän­ge fest, da der Chris­ten­schraz zu die­sem Zeit­punkt auch mit 12 Punk­ten nicht mehr gewin­nen konn­te. Den­noch bestan­den die Mode­ra­to­ren dar­auf, die Top 3 der Zuschau­er­vo­ten mit gro­ßem Tam­tam ein­zeln zu ver­le­sen, als gäbe es irgend­ei­ne Span­nung auf­recht zu erhal­ten.

Lau­ra Rizot­to hat ihre wür­di­ge Nach­fol­ge­rin gefun­den: Ester mit dem größ­ten “Meh”-Titel der Sai­son.

Was zu der lus­ti­gen Situa­ti­on führ­te, dass Frau Bre­tan, in deren Home­schoo­ling-Pro­gramm das Fach Mathe offen­sicht­lich fehl­te, nach der Nen­nung ihres Tele­vo­ting-Ergeb­nis­ses tat­säch­lich für ein paar Sekun­den glaub­te, nun für Rumä­ni­en nach Tel Aviv fah­ren zu dür­fen, wäh­rend sich in der Stuhl­rei­he hin­ter ihr die wesent­lich auf­fas­sungs­schnel­le­re Ester bereits einen Ast freu­te. So wenig ich mit ihrem Titel anfan­gen kann und so sehr ich die Bevor­mun­dung des Publi­kums durch die Jury sonst gene­rell kri­ti­sie­re, so froh bin ich in die­sem Fall, dass die Bre­tan ver­hin­dert wur­de. Nicht nur wegen ihrer – ver­mut­lich durch die evan­ge­li­ka­len Eltern gesteu­er­ten – Homo­pho­bie, son­dern auch wegen ihres wirk­lich ent­setz­li­chen Prei­set-den-Herrn-Lied­chens ‘Oh Father’, das aufs Neue beweist, dass man sich stets am meis­ten vor denen in Acht neh­men muss, die auf kind­li­che Unschuld, hei­le Welt und eitel Son­nen­schein machen. Eine klei­ne Trä­ne muss ich den­noch ver­gie­ßen für mei­nen per­sön­li­chen Lieb­lings­bei­trag des dies­jäh­ri­gen SN, den mit­rei­ßen­den Bal­kan-Stamp­fer ‘Dai­na’ von Letiția Moi­ses­cu und Sen­si­bil Bal­kan. Kann TVR den Song nicht noch schnell an die mol­da­wi­sche Schwes­ter­sta­ti­on wei­ter­rei­chen? Dort steht der Vor­ent­scheid erst noch bevor, und ganz will ich die Hoff­nung auf wenigs­tens eine Hand­voll guter Songs in Tel Aviv noch nicht auf­ge­ben!

Braucht lei­der andert­halb Minu­ten, um aus dem Quark zu kom­men, aber die zwei­te Hälf­te lohnt sich!

Vor­ent­scheid RO 2019

Sel­ecția Națio­nală 2019. Sonn­tag, 17. Febru­ar 2019, aus dem Sala Poli­va­len­tă in Buka­rest, Rumä­ni­en. 12 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Ilin­ca Avram und Aure­li­an Temişan.
#Inter­pretTitelJuryTVPlatz
01Lin­da Teo­dosiuRene­ga­des3606 | 077104
02Oli­ver KayeRight now2601 | 015108
03Lau­ra Bre­tanDear Father4812 | 468502
04Teo­do­ra DinuSky­s­cra­per0700 | 013912
05Clau­diu MireaWe are the Ones1900 | 013409
06Aldo Bla­gaYour Jour­ney1004 | 045510
07Ester Peo­nyOn a Sunday6203 | 036501
08Letiția Moi­ses­cu + Sen­si­bil Bal­kanDai­na3505 | 057205
09Bel­la San­tia­goArmy of Love5008 | 116103
10Tro­operDes­tin1910 | 142507
11Dya + Luci­an Cola­re­zaWit­hout you (sin ti)0802 | 033211
12Vai­daUnder­ground2807 | 098806

25 Gedanken zu “Sel­ecția Națio­nală 2019: Immer wie­der sonn­tags”

  1. Bin sehr begeis­tert von der Ent­schei­dung – wie auch immer sie zustan­de­ge­kom­men ist. Offen­bar haben die rumä­ni­gen Fern­seh­zu­schau­er eine Gehirn­wä­sche von der ortho­do­xen Kir­che ver­passt bekom­men und es bedurf­te der Wei­sen aus dem Abend­land, die Din­ge wie­der zurecht­zu­rü­cken. Fazit: ziem­lich gei­ler Song, der das Wochen­en­de nach den vier ande­ren Kata­stro­phen irgend­wie geret­tet hat.

  2. Hass­erfüll­te Het­ze­rin”? Ist das nicht ein biss­chen zu hart? Sie ist eine Jugend­li­che, die es wegen ihres Eltern­hau­ses nicht besser/anders weiß. Sie hat doch kei­ne Farb­bom­ben oder Stei­ne wäh­rend eines CSDs geschmis­sen oder auf­wie­geln­de Inter­net­kam­pa­gnen gestar­tet, oder? Wie wür­den wir wohl mit ihrer Erzie­hung den­ken?

    Es ist gut und wich­tig, sich klar gegen Into­le­ranz und begin­nen­den reli­giö­sen Fana­tis­mus zu posi­tio­nie­ren, aber etwas mehr Fein­ge­fühl ist sicher auch nicht ver­kehrt.

  3. Ewig scha­de um Lau­ra!
    So stel­le ich mir einen Got­tes­dienst in Okla­ho­ma vor, ganz gro­ßes Kino!
    Und wo bleibt die Span­nung wenn man das Böse schon im Vor­ent­scheid poli­tisch kor­rekt aus­sor­tiert?
    Die Jury hat damit das ers­te Gebot des ESC misach­tet, du sollst nicht lang­wei­len.
    Ich hat­te mich so auf ein Duell Lau­ra gegen Hata­ri gefreut…

  4. Komisch bei einer 16jährigen kom­men jetzt die gan­zen Schwu­len­ak­ti­vis­ten her­aus, weil die 16 jäh­ri­ge ne Mei­nung und ne Über­zeu­gung hat, die vie­len nicht passt. Aber wenn man kri­ti­siert, das Russ­land nicht gewin­nen soll­te, weil Russ­land ein abso­lut homo­pho­bes Land, heißt es das ist egal, weil der ESC einen unpo­li­ti­sche Ver­an­stal­tung ist. Ich glau­be man­che mer­ken gar nicht, wie heuch­le­risch und dop­pel­mo­ra­lisch sind. Wäre man nur sonst so, wie bei die­ser 16jährigen, aber anschei­nend hat man sonst nicht die Eier dazu.

  5. Sind das nicht ein biss­chen zu har­te Wor­te? Schluss end­lich bin ich aber mit dem Ergeb­nis bei Dir, kei­ne Fra­ge. Eine sol­che homo­pho­be Ein­stel­lung hat bei einem Fest, das so sehr gay-fri­end­ly ist, wie der ESC, nichts zu suchen.

    Ich gehe sogar soweit, dass auch unser aller Ser­gey, beim ESC auch nichts zu suchen hät­te. Hier ist das Gan­ze zusätz­lich gar­niert mit der nega­ti­ven poli­ti­schen Kom­po­nen­te Russ­land. Auch er müss­te beim ESC, wenn schon nicht fern­blei­ben, dann wenigs­tens die gleich Ableh­nung erfah­ren wie Lau­ra Bre­tan. Also bit­te bei jeder “feuchten-hose”-Hochlubelei von Ser­gey beach­ten!

    Es wäre aber alles viel char­man­ter, wenn es nicht zu der offen­sicht­li­chen Her­ab­wer­tung und doch sicht­ba­ren Abspra­che der Juro­ren gekom­men wäre.

  6. Sor­ry, aber der Ver­gleich mit Ser­gey Laza­rev hinkt. Laza­rev hat sich mei­nes Wis­sens nie öffent­lich schwu­len­feind­lich oder gegen die Homo-Ehe geäu­ßert, im Gegen­satz zu Lau­ra, die mit 16 durch­aus alt genug ist, zu wis­sen, was sie sagt. Ja, mit Sicher­heit steht sie dabei stark unter dem Ein­fluss ihrer Eltern. Aber mit 16 ist man alt genug, eine eige­ne Mei­nung zu haben. Soll­te sie sich irgend­wann mal, viel­leicht in ein paar Jah­ren, aus den Klau­en der Reli­gi­on befrei­en kön­nen und ihre heu­ti­gen Aus­sa­gen glaub­haft wider­ru­fen, neh­me ich sie ger­ne mit offe­nen Armen wie­der auf. Bis dahin bleibt sie mei­ne Fein­din.

    Und, um nicht miss­ver­stan­den zu wer­den: es ist ihr gutes Recht, öffent­lich gegen die Homo-Ehe zu agie­ren, das fällt selbst­ver­ständ­lich unter Mei­nungs­frei­heit. Aber dazu gehört, die Kon­se­quen­zen zu tra­gen, zu denen eben zählt, dass man ihre Homo­pho­bie offen benennt und kri­ti­siert. Gut, “Het­ze­rin” ist viel­leicht ein biss­chen harsch for­mu­liert, das gebe ich zu. Das ändert aber nichts dar­an, dass ich froh bin, sie und ihr furcht­ba­res Lied nicht auch noch in Tel Aviv ertra­gen zu müs­sen.

    Dass Ser­gey Laza­rev nicht als offen­si­ver Kämp­fer für Homo­rech­te auf­tritt oder sich gar selbst outet, als eta­blier­ter Künst­ler in einem Land, wo dies nicht nur das Ende sei­ner Kar­rie­re bedeu­ten wür­de, son­dern mit Sicher­heit schlim­me­re per­sön­li­che Kon­se­quen­zen hät­te, fin­de ich ver­ständ­lich. Er hat in der Ver­gan­gen­heit immer­hin das rus­si­sche homo­pho­be “Pro­pa­gan­da-Gesetz” öffent­lich kri­ti­siert und ist auf Gay-Pri­de-Ver­an­stal­tun­gen auf­ge­tre­ten. Er steht auf “unse­rer Sei­te”, im Rah­men des für ihn Mach­ba­ren.

    Ob man Russ­land gene­rell vom ESC aus­schlie­ßen möch­te, ist wie­der­um eine völ­lig ande­re Dis­kus­si­on. Und es gibt dafür natür­lich abso­lut gute Grün­de. Aller­dings öff­net man damit die Büch­se der Pan­do­ra: je nach­dem, wel­chen gesell­schafts­po­li­ti­schen Maß­stab man anlegt (und wer legt die­sen fest?), müss­te man dann auch Län­der wie bei­spiels­wei­se Aser­bai­dschan, Mol­da­wi­en, die Ukrai­ne, Ita­li­en, Öster­reich etc. aus­schlie­ßen. Und Deutsch­land nach der nächs­ten Bun­des­tags­wahl even­tu­ell auch. Da bleibt dann irgend­wann nicht mehr viel übrig. Man kann die­se Dis­kus­si­on den­noch füh­ren, ger­ne jedes Jahr aufs Neue, da bin ich abso­lut dafür. Aber solan­ge ein Land mit­ma­chen darf, hat es auch das Recht, zu gewin­nen, wenn es den bes­ten Bei­trag hat. Fin­de ich.

    Oder anders gesagt: ein gan­zes Land mit x Mil­lio­nen Ein­woh­nern für die Poli­tik sei­ner Regie­rung haft­bar machen zu wol­len, fin­de ich irgend­wie pro­ble­ma­ti­scher als eine/n einzelne/n Künstler/in für Aus­sa­gen, die er/sie öffent­lich getrof­fen hat. Das sind zwei ver­schie­de­ne Din­ge, daher kann ich dar­in auch kei­ne Dop­pel­mo­ral erken­nen.

  7. Für mich gehört ein­fach immer der Publi­kums­lieb­ling in die Show. Jurys soll­te man abschaf­fen. Braucht nie­mand. Ich den­ke es wäre bes­ser, das dum­me Kind wäre gefah­ren und hät­te sei­ne Erfah­run­gen gemacht. Viel­leicht wäre sie aus­ge­buht wor­den, viel­leicht hät­te sie schwu­le Kol­le­gen ken­nen und tole­rie­ren gelernt.

  8. Wenigs­tens ein Wunsch ist in Erfül­lung gegan­gen: Bit­te nicht Lau­ra Bre­tan und zwar egal, mit wel­chen Mit­teln. Der Gewin­ner­song ist immer­hin soli­der Durch­schnitt mit einer zwei­fel­los gelun­ge­nen Per­for­mance, aber bis­lang sogar noch einer der bes­se­ren Titel im ESC-Ange­bot. Bel­la war mir ges­tern trotz schar­fer Tän­zer ein wenig zu “über­per­formt” und zu sehr Rus­la­na rel­oa­ded.

    Ita­li­en 9/10
    Alba­ni­en 7/10
    Spa­ni­en 6/10
    Est­land 5/10 – na, so toll es ist auch wie­der nicht.….
    Slo­we­ni­en 5/10
    Rumä­ni­en 4/10
    GB 3/10
    Tsche­chi­en 2/10
    Lett­land 2/10
    Frank­reich 1/10
    Aus­tra­li­en 0/10
    Mon­te­ne­gro 0/10
    Kroa­ti­en 0/10

  9. @aufrechtgehn: Bezüg­lich Laza­rev bist nicht nur du, son­dern auch die gan­ze Sze­ne ziem­lich naiv. Ich kann ein­fach nicht glau­ben das das Régime Putin es sei­nem Sen­der erlaubt, einen Künst­ler zum ESC zu schi­cken, der nicht auf der Linie des Regimes ist. Und das Russ­land aus vie­ler­lei Grün­den nix beim ESC zu suchen hat, nicht nur wegen der Homo­pho­bie die gesetz­lich ver­an­kert ist, und das ist weit schwer­wie­gen­der als eine Ein­zel­mei­nung eines jun­gen Teen­agers, son­dern wegen vie­ler ande­rer Din­ge die Russ­land ver­bro­chen hat. Noch­mal und da blei­be ich dabei: Bei einer 16 Jäh­ri­gen lässt man den enga­gier­ten Schwu­len­ak­ti­vis­ten raus­hän­gen, nur um sich ja so mora­lisch über­le­gen zu füh­len. Bei Russ­land aller­dings zieht man regel­mä­ßig den Schwanz ein und macht man einen auf rosa­ro­te Welt. Und ver­sucht jeden Kri­ti­ker mund­tot zu machen, mit der Begrün­dung, weil der ESC eine unpo­li­ti­sche Ver­an­stal­tung ist. Das gilt auch für die­ses Mäd­chen. Der ESC ist eine unpo­li­ti­sche Ver­an­stal­tung, also kann sie doch sagen und den­ken was sie will, es soll­te nur ihre gesang­li­che Leis­tung bewer­tet wer­den.

  10. Ich fin­de ja inter­es­sant, wie plötz­lich aus der jun­gen auf­stre­ben­den Künst­le­rin (die sie davor war) allent­hal­ben ein den­kun­fä­hi­ges, mani­pu­lier­tes und unschul­di­ges Mäde­lein gemacht wird. Sie ist 16, da darf man in man­chen Län­dern wäh­len, den Füh­rer­schein machen, ist zumin­dest teil­wei­se straf­mün­dig oder darf in man­chen Fäl­len sogar hei­ra­ten, ja auch Müt­ter sind dar­un­ter (die also dann auch Kin­der erzie­hen), usw. Nur wenn’s dar­um geht, dass sie Men­schen dis­kri­mi­niert, dann schwupp­di­wupp wird dar­aus das unschul­di­ge nichts­wis­sen­de Lämm­lein.
    Das ist eben­so gro­tesk wie der elen­de Whata­bou­tis­mus bezüg­lich jeder mög­li­chen Dis­kri­mi­nie­rung, die irgend­wo auf der Welt pas­siert. Dis­kri­mi­nie­run­gen wer­den nicht dadurch harm­lo­ser, nur weil jemand ande­rer was ähn­li­ches oder schlim­me­res macht.
    Der Punkt ist: sie ist jemand, die mit einem – neben­bei gesagt schreck­li­chen – Lied an einem Wett­be­werb teil­nimmt, der nicht zuletzt durch Con­chi­ta für das Gegen­teil des­sen steht, was sie ver­tritt: Offen­heit, Diver­si­tät, Tole­ranz.
    Und glaubt ja nicht dass das Zufall ist: ich ken­ne evan­ge­li­ka­le Krei­se nur all­zu gut von innen (war selbst jah­re­lang in deren Fän­gen) und weiß, dass sie hier in mis­sio­na­ri­scher Absicht teil­ge­nom­men hat. Wie immer bei die­sen Grup­pen mit dem ersti­cken­den Män­tel­chen der Men­schen­freund­lich­keit, in des­sen Fut­ter die Ver­dam­mung aller derer ein­ge­näht ist, die nicht so den­ken wie sie. Es ist mir völ­lig gleich­gül­tig, wel­ches Ver­hal­ten oder Moti­ve der Juro­ren dazu geführt hat, dass sie ihren Plan nicht ver­wirk­li­chen konn­te, ich mag auch nicht über lächer­li­che Spe­ku­la­tio­nen über Demo­kra­tie lesen, wenn es um einen Wett­be­werb geht. Nicht über­all, wo abge­stimmt wird, geht’s um Demo­kra­tie! Ich bin ein­fach nur froh, dass ihr Plan nicht geklappt hat. Dan­ke Oli­ver für Dei­nen Kom­men­tar (auch für die Replik!). Ich bin nicht immer ganz dei­ner Mei­nung aber bei den Wesent­li­chen Punk­ten triffst Du immer voll ins Schwar­ze.
    Und noch was: Het­ze­rin ist abso­lut ange­bracht. Fun­da­men­ta­le Het­ze (beson­ders evan­ge­li­ka­le) kommt IMMER mit Engels­lä­cheln und Schal­mei­en­klang – das hab ich am eige­nen Leib schmerz­haf­test erlei­den müs­sen.

  11. @ disneyfan5000 oder ESCFan05

    Bit­te laß nicht hier den Moral­apos­tel her­aus­hän­gen – aus­ge­rech­net Du, der stän­dig belei­di­gend über Teil­neh­mer und Bei­trä­ge her­zieht, die er nicht mag (jau­len­de Frit­te über Blan­che, zucken­der ekli­ger Typ über Sal­va­dor etc etc und gene­rell sind rus­si­sche Teil­neh­mer sch****)

    Sor­ry, das muß­te sein.…

    Olli hat zum The­ma Lau­ra Bre­tan alles rich­tig auf den Punkt gebracht, vie­len Dank noch­mal.

    Ich und zudem noch eini­ge ande­re User reagie­ren nun­mal all­er­gisch auf die­ses Hei­le-Welt-Getue und reli­giö­se Geseie­re von Lau­ra (auch unab­hän­gig von den homo­pho­ben Äuße­run­gen).

    Außer­dem muß ich lei­der wider­spre­chen, der ESC sei unpo­li­tisch: Das war und ist nun­mal nicht der Fall und wird es auch nie­mals sein. Net­tas Sieg bei­spiels­wei­se war nur mög­lich, weil es um ein aktu­el­les The­ma ging. Inter­es­san­ter­wei­se wur­de das von Dir nicht kri­ti­siert (wohl weil es in die­sem Fall auch Dei­nem Musik­ge­schmack ent­spro­chen hat).

    Bit­te ver­scho­ne uns mit Beleh­run­gen von Dei­ner Sei­te.

  12. @kompakt – wiwi­bloggs:
    da haben sich die bei­den ja ein Ei mit Ansa­ge selbst gelegt. Bei dem hei­ßen Eisen Lau­ra konn­te Ihnen die Befan­gen­heit als Blog­ger / Juror nur um die Ohren flie­gen egal ob sie Lau­ra jetzt 0 oder 12 Punk­te gege­ben hät­ten.
    Wahr­schein­lich haben Sie sich des­halb auf einen Mit­tel­wert von 6 Punk­ten geei­nigt, was Ihnen aber letzt­lich auch nichts gebracht hat
    @ dis­ney­fan
    wenn argu­men­ta­tiv nix neu­es kommt dann kannst du dir doch auch die Ant­wort spa­ren…

  13. @ Brug­gi

    Ich bin ja gene­rell dafür, daß Min­der­jäh­ri­ge und “hal­be Kin­der” nicht auf die gro­ße Büh­ne soll­ten und beim ESC schon mal gar nicht.… Lau­ra ist lei­der genau das abschre­cken­de Bei­spiel dafür, daß die Gefahr besteht, mani­pu­liert zu wer­den (in die­sem Fall nicht nur von der Musik­in­dus­trie, son­dern auch von reli­giö­sen Fana­ti­kern – bei Ers­te­rem gilt das bei­spiels­wei­se auch für Bil­al)

  14. Sehr schö­ner und gut geschrie­ber­ner Arti­kel – mal wie­der, dan­ke!
    Zu den Kom­men­ta­ren: Das Argu­ment, die Exor­zis­tin kön­ne nicht sel­ber den­ken, dar­um möge man ihr alles nach­se­hen, kann ich nicht nach­voll­zie­hen. Sie tin­gelt ja anschei­nend schon ne gan­ze Zeit durch Cas­ting-Shows (soweit zum The­ma Reli­giö­si­tät der Fami­lie lol) und da ist es ja nach 20 Jah­ren Rea­li­ty-TV so, dass fast jeder Teil­neh­mer sich inzwi­schen bes­ser prä­sen­tie­ren und aus­drü­cken kann, als die meis­ten Poli­ti­ker oder CEOs. Also sie weiß sicher genau, was sie sagt; eine Klarstellung/Entschuldigung ist nie gekom­men.
    Zu Sehr­gay Laser­boy – klar, er ist nicht mit homo­pho­ben Kom­men­ta­ren oder – wie Vul­kan-Jul­chen – beju­beln der Krim-Anne­xi­on auf­ge­fal­len. Den­noch ist er wil­lens, sich jetzt schon zum 2. mal zum freund­li­chen Gesicht des ver­bre­che­ri­schen Putin-Regimes zu machen – die rus­si­sche Zarah Lean­der kann mir eben­falls gestoh­len blei­ben.

  15. @ 4porcelli

    Die Reli­gio­si­tät in die­sen eli­tär-evan­ge­li­ka­len Krei­se offen­bart sich in ers­ter Linie, daß man stän­dig ande­ren vor­hält, wie sün­dig und gott­los man sei. In Sachen “Mam­mon” sieht man es dann nicht so eng, wenn man selbst davon etwas hat. Nor­ma­ler­wei­se müß­te dann auch ESC für Lau­ra & Co. abso­lut tabu sein. Die­se Dop­pel­mo­ral fin­de ich bis­wei­len extrem zum K*****.

  16. Hui, gut was los hier.
    Da ich eh’ zu spät bin ver­such ich mich kurz zu fas­sen: wenn mir jemand von euch ein unstrit­tig homo­pho­bes Zitat von Lau­ra Bre­tan vor­le­gen kann, bin ich ten­den­zi­ell auf eurer Sei­te – stim­me jedoch mit Chris (18. Febru­ar 2019, 15:27) über­ein.
    Soll­te es sich jedoch nur um Unter­stel­lun­gen und Pro­jek­tio­nen han­deln (was mich bei der bis­he­ri­gen schwar­z/weiss-Male­rei hier nicht über­ra­schen wür­de), dann denkt noch mal drü­ber nach, bevor ihr wei­ter mit Rhe­to­rik-Toma­ten werft.
    Die Unter­stüt­zung jenes frag­wür­di­gen Refe­ren­dums reicht für mich jeden­falls nicht aus, jeman­den zum Schwu­len­het­zer etc. pp. zu stem­peln.

  17. @Frédéric
    die Unter­stüt­zung eines Refe­ren­dums, das Schwar­zen oder Juden das Recht auf Ehe ver­bie­tet wäre dann Dei­ner Logik zufol­ge auch nicht ras­sis­tisch oder anti-semi­tisch?

  18. Het­ze­rin nein, homo­phob fin­de ich die­se Ein­stel­lung zur Ehe schon.
    Aber gegen die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe ist gera­de in Ost­eu­ro­pa noch ein erschre­ckend hoher Teil der Bevöl­ke­rung, in vie­len Län­dern mit über 80% bei ent­spre­chen­den Umfra­gen.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Template:Same-sex_marriage_opinion_polls_worldwide
    Aber bei uns hats ja auch fast 200 Jah­re län­ger gedau­ert bis schwu­ler sex legal wur­de so wie in Frank­reich schon ab 1791

  19. @ Tho­mas

    In der Tat, man­che Zah­len sind erschre­ckend.….
    Da gibt es in Euro­pa eine neu­en eiser­nen Vor­hang. Mitt­ler­wei­le wun­dert es mich dann auch nicht, daß beim ESC wie­der der Trend zu ganz spie­ßi­gen Bei­trä­gen (ganz schlim­mes Bei­spiel Kroa­ti­en) erkenn­bar ist.

  20. @bruggi
    Wenn die Ehe aus mei­ner Sicht ein rein christ­li­ches Kon­strukt wäre, womög­lich tat­säch­lich nicht. Wobei ich nicht genug in der Mate­rie bin, um zu durch­schau­en, ob es in besag­tem Refe­ren­dum schlicht um die stren­ge Unter­schei­dung zwi­schen der kirch­li­chen “Ehe” und der gesetz­lich “ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft” ging oder tat­säch­lich um die Aberken­nung der glei­chen Rech­te vor dem Staat.
    Aber selbst wenn letz­te­res der Fall ist und klein Lau­ra schlicht einen Sprung in der Schüs­sel hat, kann ich mir Per­so­nen vor­stel­len, auf die Bezeich­nun­gen wie “homo­pho­be Het­ze­rin” oder “Exor­zis­tin” wesent­lich bes­ser pas­sen.

  21. @Frédéric
    es ging um den christ­li­chen Wider­stand gegen eine staat­li­che Form der Part­ner­schaft. Hier geht es nicht dar­um, wie man etwas nennt, son­dern dass sie sich für die Vor­ent­hal­tung von staat­li­chen Rech­ten für eine bestimm­te Grup­pe Men­schen ein­ge­setzt hat.
    Dass es immer “schlim­me­re” Leu­te gibt, ist kein Argu­ment dage­gen, dass Frl. Lau­ra homo­phob ist. (Und dar­um ging es doch oder?). Ein Fleck auf dem Tisch­tuch ist immer noch ein Fleck, selbst wenn’s ande­re, grö­ße­re, graus­li­che­re Fle­cken gibt.

  22. @ brug­gi

    Abso­lut – was ein­deu­tig homo­phob ist, soll­te auch so bezeich­net wer­den dür­fen. Was denn sonst ? Selbst die Tat­sa­che, daß Lau­ra “gehirn­ge­wa­schen” ist, macht für mich kei­nen Unter­schied. Die Kir­che und eben ganz beson­de­re fröm­meln­de Krei­se haben sich schlicht­weg her­aus­zu­hal­ten, was eine vom Staat per Gesetz defi­nier­te “Zivil­ehe” ist.

    Die Jün­ger von Klein-Lau­ra sind lei­der hart­nä­ckig und wol­len tat­säch­lich bewei­sen, daß es sich bei “On a Sunday” um ein Pla­gi­at han­delt. Mei­nes Erach­tens ein ganz schwa­cher Ver­such, der ver­link­te Titel klingt zu 99 Pro­zent für mei­nen Gehör­gang kom­plett anders.…

  23. Ich möch­te mich eigent­lich gar nicht in die Dis­kus­si­on ein­mi­schen, aber eine Sache muss ich dann doch mal los­wer­den: Es gefällt mir so gar nicht, wie der ESC gera­de in West­eu­ro­pa zu einer rei­nen Pri­de-Para­de der LGBTQ+-Community gemacht wird und alles, wass nicht die­sem Bild ent­spricht gna­den­los nie­der­ge­macht wird. Es fin­det kei­ner­lei Dis­kurs statt, son­dern man über­häuft alle Anders­den­ken­den mit Schimpf­wor­ten. Ich bin selbst­re­dend für die Homo-Ehe, aber ich fin­de es nicht rich­tig, jeden Geg­ner der­sel­ben direkt als “homo­pho­be Hexe aus der Höl­le” o.ä. zu bezeich­nen.
    Aber ganz abge­se­hen von allem poli­ti­schen Schmu ist der ESC für mich ein­fach eine Musik­show, in der ver­schie­de­ne Künst­ler aus ver­schie­de­nen Län­dern mit ver­schie­de­nen Songs aus ver­schie­de­nen Gen­res gegen­ein­an­der antre­ten, und das fin­de ich ganz groß­ar­tig!! Wenn die Ent­wick­lung so wei­ter­geht wie in den letz­ten Jah­ren, wird es aber lei­der irgend­wann in naher Zukunft 43 Empower­ment-Songs mit sozi­al ach so wich­ti­ger Mes­sa­ge geben, bei denen die sexu­el­le Ori­en­tie­rung oder die Schwie­rig­kei­ten, denen das Interpret*Innen im Leben aus­ge­setzt waren, wich­ti­ger sind als der Song selbst.

    Ich hof­fe wirk­lich, mit die­sem Post nie­man­den belei­digt oder dif­fa­miert zu haben, aber die Dis­kus­sio­nen gera­de über die rumä­ni­sche VE wer­den echt in so häss­li­cher Wei­se geführt (und zwar beson­ders von der LGBTQ+-Seite), dass ich das mal los­wer­den muss­te.
    Sor­ry dafür.

    Seid lieb.

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