Super­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell

Ein wei­te­res natio­na­les Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le ging ges­tern Abend noch über die Büh­ne, das ich vor lau­ter Super­sams­tags­stress bei­na­he über­se­hen hät­te. Die let­ti­sche Super­no­va macht das einem aber auch leicht: die mit sofor­ti­ger See­krank­heit indu­zie­ren­den, stüm­per­haf­ten Kame­ra­schwenks gefilm­ten Shows (ein­schließ­lich der bei­den vor­ge­schal­te­ten Semis) lau­fen schließ­lich stets par­al­lel zu ande­ren, wesent­lich inter­es­san­te­ren For­ma­ten. Ein­schließ­lich der bei­na­he unend­li­chen Euro­vi­zi­jos im bal­ti­schen Nach­bar­land Litau­en, das zwar stets zu ähn­lich aus­sichts­lo­sen Ergeb­nis­sen gelangt, auf dem lan­gen Weg dort­hin aber zumin­dest den deut­lich gru­se­li­ge­ren musi­ka­li­schen Irr­sinn auf­tischt. Das let­ti­sche Fern­se­hen LTV scheint hin­ge­gen aus einem sehr begrenz­ten Pool von sehr mäßig begab­ten Talen­ten zu fischen, und so han­del­te es sich bei gleich drei der ins­ge­samt acht dies­jäh­ri­gen Super­no­va-Finalist/innen um bereits hin­läng­lich bekann­te Namen. Neben der ent­setz­lich zurech­ton­du­lier­ten Saman­ta Tīna, die in ‘Cut­ting the Wire’ in ermü­den­der Wei­se die erwart­ba­ren Rei­me “Fire, Desi­re” auf­tisch­te und allen­falls mit den ein­lei­ten­den Wor­ten “What the Fuck” für einen kur­zen “Das hat sie gera­de nicht gesagt!”-Moment sorg­te, durf­ten auch Edgars Krei­lis und der ewi­ge Mar­kus Riva nicht feh­len.

Es kos­tet sicher ver­dammt viel, so bil­lig aus­zu­se­hen: Mar­kus Riva.

Der als Miķe­lis Ļak­sa gebo­re­ne Riva ver­sucht es seit 2014 uner­müd­lich Jahr für Jahr bei der Super­no­va. Mit por­no­blond gefärb­ten Haa­ren, einer schi­cken Lack­fe­tisch-Büh­nen­gar­de­ro­be und einem herr­lich bil­li­gen Dis­co­schla­ger aus der Ser­gey-Laza­rev-Schu­le zog er heu­er mit sei­nem bis­her bes­ten Ergeb­nis, dem zwei­ten Platz in 2015, gleich. Womit auch ihm nun end­gül­tig klar sein soll­te, dass die LTV-Sen­der­ju­ry sei­ne Euro­vi­si­ons­teil­nah­me so lan­ge um jeden Preis ver­hin­dern wird, solan­ge sie exis­tiert. Selbst wenn er, wie ges­tern, eine wirk­lich erfolg­ver­spre­chen­de Per­for­mance ablie­fert. Was hat man in Riga nur gegen Riva? Dass es sich um eine Ver­schwö­rung han­deln muss, lässt der Blick auf den Sie­ger­ti­tel erah­nen: ein fröh­lich-dezent vor sich hin plät­schern­des Indiepop­lied­chen namens ‘That Night’, das nie­man­dem weh­tut und das man pro­blem­los unmit­tel­bar mit­pfei­fen kann, wäh­rend es läuft, zwan­zig Sekun­den spä­ter aber auch schon wie­der ver­ges­sen hat. Das 2015 gegrün­de­te Duo Carou­sel (ernst­haft?), bestehend aus der Sän­ge­rin Sabi­ne Žuga und dem Gitar­ris­ten Mar­cis Vasi­levskis, ent­bie­tet es mit so viel Spröd­heit und so wenig Charme wie gera­de eben mög­lich.

They tried to make us go to Rehab, and well we went, went, went”.

Dabei will ich noch nicht ein­mal aus­schlie­ßen, dass Lett­land 2019 damit der Sprung ins Euro­vi­si­ons­fi­na­le gelin­gen könn­te, denn unter den bis dato aus­ge­wähl­ten Kon­kur­renz­ti­teln fin­det sich – mit Aus­nah­me der fixen Fina­lis­ten Ita­li­en und Frank­reich – nicht wirk­lich etwas Bes­se­res. Und so hilft gegen den gest­ri­gen Kata­stro­phen-Super­sams­tag eigent­lich nur noch har­tes Trin­ken, um schnell zu ver­ges­sen. Ein pas­sen­des Ange­bot lie­fer­ten uns die Let­ten da sogar: der ein­gangs erwähn­te Edgars Krei­lis näm­lich lud uns ein auf eine Run­de ‘Cher­ry Absin­the’. Eine per­fi­de Kom­bi­na­ti­on, über­tüncht der süße Kirsch­ge­schmack doch die bit­te­re Bei­no­te des beson­ders zer­stö­re­risch wir­ken­den Kräu­ter­wer­muts. Da bekommt man dann – so wie der gute Edgars – sehr rasch nicht mehr mit, wel­che Hän­de einen so alles begrab­beln. Doch wenn die in den nächs­ten Wochen noch anste­hen­den natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen wei­ter­hin so furcht­ba­re Ergeb­nis­se zei­ti­gen wie bis­her, soll­te die­se Spi­ri­tuo­se viel­leicht wirk­lich in kei­nem Euro­vi­si­ons­haus­halt feh­len.

Beson­ders schön, wie die Büh­nen­tech­ni­ker bei 1:04 Minu­te völ­lig unauf­fäl­lig die Mikro­fon­stän­der der Chor­d­a­men rich­ten.

Vor­ent­scheid LV 2019

Super­no­va. Sams­tag, 16. Febru­ar 2019, aus dem Rīgas Kino­stu­di­ja, Riga, Lett­land. 8 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Dag­mā­ra Legan­te und Keti­ja Šen­ber­ga.
#Inter­pretTitelPlatz
01Mar­kus RivaYou make me so cra­zy02
02Edgars Krei­lisCher­ry Absin­the06
03Aivo OskisSomebody’s got my Lover08
04Dou­ble Faced EelsFire04
05Dziļi Vio­lets + Koz­mensTau­tasd­zies­ma05
06Lai­me Pilnīi­gaAwe03
07Saman­ta TīnaCut­ting the Wire07
08Carou­selThat Night01

4 Gedanken zu “Super­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell”

  1. Irgend­je­mand muss ganz drin­gend wie­der Ama­ni­ta Sava­do­go nach Lett­land zurück­ho­len, kos­te es was es wol­le!

  2. Der Sie­ger­song gewinnt zwar kei­nen Inno­va­ti­ons­preis, ist aber nicht die schlech­tes­te Wahl. Sie kön­nen von mir aus mit dem ruhi­gen Gitar­ren­ge­pl­on­kel und der schö­nen Stim­me ger­ne ins Fina­le ein­zie­hen

  3. Ich hät­te mir die­ses Jahr so sehr Mar­kus Riva gewünscht. Und es sah tat­säch­lich mal so aus als hät­te er Chan­cen. So kann man sich irren.

    @ onlime
    Sie war als Song­wri­te­rin dabei.

  4. Was für ein blö­der Band­na­me ist denn bit­te Dou­ble Faced Eels?
    Da den­ke ja selbst ich mir bes­se­re aus.

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