Rank & File 2019: Platz 36 – Sis­ter

Patrio­tisch gestimm­te Leser/innen die­ses Blogs müs­sen nun sehr tap­fer sein oder soll­ten bei Nei­gung zu Blut­hoch­druck viel­leicht lie­ber woan­ders wei­ter­le­sen, denn bei dem vater­lands­lo­sen Gesel­len von aufrechtgehn.de hat es der deut­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag mal wie­der nur in die unters­ten Rän­ge des Ran­kings geschafft.

Platz 36: Deutsch­land – Sis­ters: Sis­ter (Schwes­ter)

Fai­rer­wei­se soll gleich gesagt sein: dafür kön­nen die bei­den vom NDR für das in der Schweiz ein­ge­kauf­te und nach­träg­lich ins Star­ter­feld gehiev­te Lied eigens gecas­te­ten Inter­pre­tin­nen noch am Wenigs­ten. Vor allem die dun­kel­haa­ri­ge Lau­ra Käs­tel trug ihre jün­ge­re und beim Vor­ent­scheid noch etwas auf­ge­regt wir­ken­de Kol­le­gin Car­lot­ta Tru­man mit sanf­ter, aber bestimm­ter Hand durch den gemein­sa­men Auf­tritt und unter­strich, auch durch den stim­mi­gen Har­mo­nie­ge­sang, damit die text­li­che Bot­schaft der Schwes­ter­lich­keit. Das aber kann die Retor­ten­haf­tig­keit des Bei­trags lei­der nicht über­de­cken. Micha­el Schul­tes eds­heera­nes­ke Bal­la­de zün­de­te im Vor­jahr auch des­we­gen so stark, weil er eine sehr per­sön­li­che Geschich­te sehr glaub­haft erzähl­te und die Her­zen der Zuschauer/innen (und Juror/innen) damit erreich­te. Die­ser Fun­ke fehlt bei den Sis­ters, authen­tisch wirkt das Gan­ze auf mich nicht. Und ja, ich gebe es zu: ich bin noch immer ver­är­gert, weil wir bei Unser Lied für Isra­el mit Aly Ryan und lily among clouds gleich zwei aus­ge­spro­chen glaub­wür­di­ge Künst­le­rin­nen mit tol­len, auf­fäl­li­gen und auf ihre Art “kan­ti­gen” Songs im Wett­be­werb hat­ten, der NDR aber auf Bie­gen und Bre­chen noch die­se strom­li­ni­en­för­mi­ge Durch­schnitts­num­mer dabei haben woll­te, von der ich bis heu­te nicht begrei­fe, wie sie gewin­nen konn­te. Dass die Ham­bur­ger aus­ge­rech­net dafür das viel­ver­spre­chen­de neue Kon­zept gleich im zwei­ten Jahr fahr­läs­sig beschä­dig­ten und dass die Zuschauer/innen dies auch noch belohn­ten, bringt mich gegen unser Lied auf. Es gibt Men­schen, die kön­nen Grand-Prix-Bei­trä­ge los­ge­löst von ihrer Vor­ent­schei­dungs­ge­schich­te betrach­ten. Das fin­de ich toll. Ich gehö­re aber nicht dazu. Sor­ry, Sis­ters.

Und ja, für das “!” im Band­na­men gab es auch noch mal min­des­tens vier Plät­ze Abzug.

Chan­cen im Fina­le: Ver­su­che ich mal, den Ärger über ULfI bei­sei­te zu schie­ben, muss ich ein­räu­men, dass die Bot­schaft und die stim­mi­ge Che­mie zwi­schen den bei­den Frau­en mode­rat anspre­chend wir­ken und viel­leicht, wenn wir viel Glück haben, die eine oder ande­re Soli­da­ri­täts­stim­me brin­gen könn­ten. Nul Points wird’s also ver­mut­lich nicht geben, irgend­wo zwi­schen Platz 17 und 22 könn­te der ger­ma­ni­sche Bei­trag 2019 lan­den.

Bes­te Lied­zei­le: Gleich die Auf­takt­zei­le “I’m tired, tired of always losing”, kol­lek­ti­ver Stoß­seuf­zer der deut­schen Fans und ange­sichts der Hart­nä­ckig­keit, mit wel­cher der NDR beim Wett­be­werb die hin­te­ren Plät­ze sucht, von hoher iro­ni­scher Qua­li­tät.

In wel­che Kate­go­rie fällt ‘Sis­ter’ für dich?

  • Ver­zicht­bar. (48%, 85 Votes)
  • Ganz nett. (22%, 40 Votes)
  • Uner­träg­lich. (21%, 37 Votes)
  • Abso­lut geil. (9%, 16 Votes)

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10 Gedanken zu “Rank <span class="amp">&</span> File 2019: Platz 36 – Sis­ter”

  1. Aargh!! Wenn ich dar­an den­ke dass jetzt Lil­ly Among Clouds für Deutsch­land hät­te sin­gen kön­nen dann wird mir wie­der mal klar was für einen durch­schnitt­li­chen Song wir die­ses Jahr wie­der haben.

    Der Song bleibt ein­fach nicht im Gedächt­nis, dass die bei­den Inter­pre­tin­nen mir auch nicht sooo sym­pa­thisch sind hilft der Sache auch nicht gera­de.

    Ich glau­be wir wer­den uns die­ses Jahr wie­der mit einem hin­te­ren Platz begnü­gen müs­sen, nicht der letz­te, da gibt es noch mie­se­re Songs im dies­jäh­ri­gen Teil­neh­mer­feld, aber die Top 10 kön­nen wir defi­ni­tiv kni­cken. 🙁

  2. hmmmm ich den­ke zwar auch nicht, dass es irgend­wo nae­her der top-10 lan­den wird, aber so wirk­lich auf­re­gend fand ich kei­nen der Vor­ent­schei­dungs­bei­tra­e­ge, um ehr­lich zu sein. Inso­fern ist das hier zumin­dest grund­so­li­de (und ein einem ins­ge­samt eher schwa­chen Jahr auch nicht das “ver­zicht­bars­te” im Pro­gramm. Ein Rang ober­halb von Gross­bri­tan­ni­en soll­te schon ‘raus­sprin­gen 🙂

  3. Da nach Baku 2012 immer ein Big5 Land die Ehre des letz­ten oder vor­letz­ten Plat­zes hin­ter dem Gast­ge­ber hat­te, wird die­ser Batt­le wohl dies­mal zwi­schen GB und DE aus­ge­foch­ten.
    Go Sis­ters, you´re big­ger than Micha­el!

  4. Mich stört das über­trie­ben Ernst­haf­te und Dra­ma­ti­sche des Lie­des. Da fühlt man sich ja, als ob ein ver­zwei­fel­ter Pas­tor auf einen ein­pre­digt.
    War­um kann man so einen Mes­sa­ge-Song über Frau­en­so­li­da­ri­tät nicht ein biss­chen leich­ter und fröh­li­cher auf­zie­hen? So ein (klei­nes) biss­chen Spi­ce Girls? Aber das wür­de vom deut­schen Publi­kum wohl als zu fri­vol auf­ge­fasst wer­den. *Seufz*

  5. Das aktu­ell best­ge­hü­te­te Geheim­nis der Musik­bran­che. Seit dem Vor­ent­scheid hört man vom Lied nichts. Gar nix. Kei­nen Ton. Mal sehen, ob sie das bis zum Fina­le auf­recht erhal­ten kön­nen. Super Tak­tik…

  6. Wer Musi­cals mag wird ver­mut­lich eher für die Dis­ney- Böse­wicht-Bal­la­de aus Russ­land stim­men. Ansons­ten weiß ich nicht, wer die Ziel­grup­pe ist.

  7. Ich muss geste­hen, dass ich mir das Lied inzwi­schen halb­wegs schön gehört habe (obwohl es sich auf mei­ner Rang­lis­te der Vor­ent­schei­dungs-Bei­trä­ge immer noch auf Platz 4 befin­det) und mei­ne Rezep­ti­on der bei­den Inter­pre­tin­nen hat sich von “boah, wat für ner­vi­ge Trul­las” hin zu “ver­dammt, die sind ja doch über­ra­schend recht sym­pa­thisch und elo­quent” ver­scho­ben.
    Trotz­dem ist natür­lich nach wie vor die Art und Wei­se, wie der Bei­trag in den Vor­ent­scheid gehievt wur­de indis­ku­ta­bel und war­um das gewon­nen hat bleibt auch mir ein Rät­sel. In Tel Aviv wird der Bei­trag auf jeden Fall sein Dasein im rech­ten unte­ren Vier­tel auf der Punk­te­ta­fel fris­ten, aber Platz 36 in der Rang­lis­te des Haus­herrn find ich dann doch etwas hart.

  8. Sis­ter” hat mir von Anfang an gefal­len, weil ich für der­lei sen­ti­men­ta­len Sing-Sang ein­fach eine Schwä­che habe. Und obwohl auch mir Lil­ly Among Clouds und viel­leicht sogar Aly Ryan lie­ber gewe­sen wären, bin ich sicher, dass sich auch da ein gerüt­telt Maß an Mie­se­pe­tern gefun­den hät­te, die sich über deren Per­for­mance und/oder gesang­li­che Qua­li­tä­ten beschwert hät­ten.

    Nun haben wir also eine etwas glat­te aber durch­aus char­mant per­form­te Bal­la­de, die m.E. in der Lage ist, euro­päi­sche Her­zen anzu­spre­chen. Ob’s für mehr als das unte­re Vier­tel reicht, wird sich zei­gen, aber der letz­te Platz wür­de mich erneut (vgl. 2016) über­ra­schen.

  9. Auch ich hät­te viel lie­ber Lil­ly Among Clouds in Tel Aviv gese­hen. Aber sei’s drum. Ich bin kein sehr gros­ser Freund von Ver­schwö­rungs­theo­ri­en und so glau­be ich, dass der deut­sche sen­ti­men­ta­le Durch­schnitts­zu­schau­er wie­der dem ver­meint­li­chen “Under­dog” sei­ne Stim­me gege­ben hat. So eine Art Wel­pen­schutz halt. Aber na ja, die Mädels kön­nen auch nichts dafür, und ein biss­chen tun sie mir leid. Hof­fent­lich hal­ten die Ner­ven. Bei Lau­ri­ta mache ich mir da weni­ger Sor­gen, aber bei Car­lot­ta?? Ansons­ten bleibt bei mir von dem Song nicht wirk­lich viel hän­gen. Er ver­schwin­det ein­fach, die Melo­die bleibt (zumin­dest bei mir) nicht wirk­lich hän­gen. Abso­lut belang­los.

  10. Ich kann auf Grund­la­ge von dem was wir bis­her wis­sen und ken­nen beim bes­ten Wil­len nicht erken­nen, woher auch nur ein ein­zi­ger Punkt für die­sen Bei­trag kom­men soll­te. Und das völ­lig zurecht.

    Denn auch wenn das text­lich eigent­lich ganz ok ist und auch die Ton­fol­gen an man­chen Stel­len unge­wöhn­lich sind – wich­tig ist was schluss­end­lich hän­gen­bleibt. Und das ist ein unglaub­lich glat­ter und alt­ba­cke­ner Titel, vor­ge­tra­gen von zwei nicht wirk­lich sym­pa­thi­sche wir­ken­den sich im Refrain anschrei­en­den Sän­ge­rin­nen, die sich auf einer Dreh­schei­be hin­ter­her­stamp­fen.

    Damit hat der NDR nicht nur sein eige­nes neu­es Kon­zept genuss­voll in die Luft gesprengt, son­dern auch noch den eigent­lich rich­ti­gen Grund­ge­dan­ken zu Gra­be getra­gen: Einen Bei­trag zu suchen, den nicht alle irgend­wie “ganz nett” fin­den, son­dern einen mit Ecken und Kan­ten. Einen Bei­trag den viel­leicht nicht alle gut fin­den, aber der einen Teil der Zuschau­er so begeistert/berührt dafür zu voten.

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