Rank & File 2019: Platz 28 – Home

Seit vie­len Jah­ren ist beim Euro­vi­si­on Song Con­test das inter­es­san­te Phä­no­men zu beob­ach­ten, dass der Heim­bei­trag, also das Wett­be­werbs­lied des jewei­li­gen Gast­ge­bers, in schö­ner Regel­mä­ßig­keit gera­de­zu um den letz­ten Platz bet­telt. Ein oft­mals auch direkt erfüll­ter Wunsch, hin­ter dem wohl meist die (unbe­wuss­te) Stra­te­gie steht, das teu­re Fes­ti­val um kei­nen Preis ein zwei­tes Mal in Fol­ge aus­tra­gen zu müs­sen.

Platz 28: Isra­el – Kobi Mari­mi: Home (Nach Hau­se)

Noch nie betrieb ein Land dies jedoch so augen­fäl­lig wie Isra­el. Kein Wun­der, steht des­sen beim des­po­ti­schen Regie­rungs­chef ver­hass­ten öffent­lich-recht­li­chen Sen­der doch sowohl poli­tisch wie finan­zi­ell das Was­ser bis Ober­kan­te Unter­lip­pe. Also wähl­te man einen groß­ge­wach­se­nen, schnauz­bär­ti­gen Opern­sän­ger und schnei­der­te ihm einen vor Pathos nur so trie­fen­den Torch Song auf den Leib, in wel­chem der Sie­ger des Fred­die-Mer­cu­ry-Ähn­lich­keits­wett­be­werbs von 1984 mit schmacht­be­ben­der Stim­me ein­for­dert, jemand sein zu wol­len. Kobi trägt die rund­her­aus cam­pe Num­mer mit einer der­ar­tig kno­chen­tro­cke­nen Ernst­haf­tig­keit vor, dass sie inner­halb kür­zes­ter Zeit ins Tra­gi­sche abglei­tet. Auch sein ver­zick­tes Augen­rol­len und sein Ges­tus sug­ge­rie­ren, dass er von sei­nem Anlie­gen und sei­ner eige­nen Gran­dez­za zutiefst über­zeugt ist, und dies sorgt bei ent­spre­chend prä­dis­po­nier­ten Con­nais­seu­ren unfrei­wil­li­ger Komik für lang­an­hal­ten­de Lach­sal­ven. Inso­fern ist das vom Sen­der auch noch im Titel hilf­reich als Heim­bei­trag gekenn­zeich­ne­te ‘Home’, das schon jetzt für immer einen Platz im Schatz­käst­lein mei­nes Her­zens hat, in der Abtei­lung “Ver­zicht­ba­res” eigent­lich grund­falsch. Und doch auch wie­der rich­tig: frei­wil­lig anhö­ren möch­te man sich das gru­se­li­ge Mach­werk näm­lich kei­nes­falls.

Sein Vor­bild lief übers Was­ser, er umarmt es: Kobi im offi­zi­el­len Video.

Final­chan­cen: sei­nen vor­ge­se­he­nen Zweck, das Gast­ge­ber­land vor einer erneu­ten Aus­tra­gung des Wett­be­werbs zu bewah­ren, wird der Song erfül­len. Ob es für den ange­streb­ten letz­ten Platz reicht, ist eine ande­re Fra­ge – es gibt schließ­lich, gera­de in den Jurys, genug tra­gisch ver­an­lag­te Men­schen.

Bes­te Lied­zei­le: kommt ganz am Ende mit “Now, I’m done, I’m com­ing”. Nach drei Minu­ten musi­ka­li­scher Mas­tur­ba­ti­on hat sich Kobi das aber auch red­lich ver­dient.

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6 Gedanken zu “Rank <span class="amp">&</span> File 2019: Platz 28 – Home”

  1. Sie­ger des Fred­die-Mer­cu­ry-Ähn­lich­keits­wett­be­wer­bes” ist aber belei­di­gend; der Jun­ge hat näm­lich im Gegen­satz zu Fred­die null Sex Appeal oder sons­ti­ge Aus­strah­lung und sein Sak­ko ist etwa 3 Grö­ßen zu eng.

  2. Welch schreck­li­ches Mach­werk. Damit könn­te Isra­el die Rote Later­ne davon­tra­gen, und wür­de somit das Schick­sal vom letzt­jäh­ri­gen Gast­ge­ber Por­tu­gal erei­len. Gar nicht so dumm, so muss man die Aus­tra­gungs­kos­ten nicht zwei Jah­re hin­ter­ein­an­der tra­gen.

  3. Och, das Lied hab ich mir inzwi­schen ziem­lich schön­ge­hört. Ist auch nicht viel schlim­mer als Ser­geys Musi­cal­num­mer und hat nur etwa 2 Zent­ner Pathos mehr. Könn­te gut im Sound­track von „Les Mise­ra­bles 2“ auf­tau­chen…

  4. Ist ja eigent­lich eine ziem­lich gute Idee von den Israe­lis. Damit lau­fen sie jeden­falls nicht Gefahr den Wett­be­werb ein zwei­tes mal aus­zu­rich­ten. Der Song sel­ber ist so der­ma­ßen schmal­zig, dass dage­gen selbst “My Heart Is Yours” aus dem Jahr 2010 wie eine rich­tig coo­le Num­mer dage­gen wirkt. Die Stim­me an sich ist ganz nett, aber den­noch füh­le nach dem Song das glei­che Gefühl wie nach dem Ver­zehr einer Piz­za Quat­tro Form­ag­gi, man ist ein­fach nur geplät­tet.

    Ich glau­be nicht dass dies der letz­te Platz sein wird, da es genü­gend geschmack­s­am­pu­tier­te Juroren/Zuschauer gibt, aber der fünf­te Sieg wird es auf gar kei­nen Fall!!

  5. Platz 28 ist noch deut­lich zu gut bewer­tet (ich lie­be übri­gens “Sebi”…).

    Ganz gru­se­li­ges Geschlei­me, könn­te glatt eine Par­odie sein. Ich nen­ne es mitt­ler­wei­le “Ope­ra Part 2” ange­lehnt an den legen­dä­ren Cetin Alp.

    Immer­hin ist damit gewähr­leis­tet, daß Isra­el nächs­tes Jahr schon wie­der den ESC aus­tra­gen muß.…

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