Rank & File 2019: Platz 30 – Hea­ven

Im aufrechtgehn.de-Ran­king der dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge ver­las­sen wir nun die Hass­lie­der­ab­tei­lung und bege­ben uns in den Bereich der schlicht ver­zicht­ba­ren Titel. Und gleich der ers­te von ihnen auf Rang 30 bil­det das Mus­ter­bei­spiel für einen Song, in des­sen Arbeits­zeug­nis wohl der Satz “sie haben sich stets bemüht” stün­de.

Platz 30: Mon­te­ne­gro – D-Mol: Hea­ven (Him­mel)

Sie”, das ist in die­sem Fall das gemischt­ge­schlecht­li­che Schü­ler­chor-Sex­tett D-Mol, das mit einem kit­schi­gen Songrie­men, wie ihn selbst ein Ralph Sie­gel in sei­nen ver­zwei­fels­ten Zei­ten ver­schämt auf der B-Sei­te irgend­ei­nes sei­ner im Dut­zend kom­po­nier­ten Grand-Prix-Schla­ger ver­steckt hät­te, aus uner­find­li­chen Grün­den den hei­mi­schen Vor­ent­scheid, die Mon­te­vi­zi­ja, gewann. Auf offen­sicht­lich im Werk­un­ter­richt selbst gezim­mer­ten Holz­trep­pen stan­den sie da im hoch­ge­schlos­se­nen Schwar­zen vor einer unschulds­wei­ßen Prä­sen­ta­ti­ons­wand, immer schön zu hete­ro­nor­ma­ti­ven Zwei­er­pär­chen grup­piert, und jaul­ten mit erkenn­ba­rer Auf­ge­regt­heit und drol­li­gem per­for­ma­to­ri­schem Über­ei­fer in mise­ra­bels­tem Pidgin-Eng­lisch irgend­wel­che nicht iden­ti­fi­zier­ba­ren Wor­te zu ihrer scha­len Alle-Mei­ne-Ent­chen-Melo­die. So viel Harm­lo­sig­keit, so viel Bie­der­sinn, so viel rück­wärts­ge­wand­tes Hei­le-Welt-Eia­po­peia strahl­te die­ser Auf­tritt aus, dass sich selbst die keim­frei­es­te däni­sche Euro­vi­si­ons­num­mer dage­gen aus­nimmt wie ein Fle­der­maus­köp­fe abbei­ßen­der Ozzy Osbourne. Was ist nur aus dem Land gewor­den, das uns einst gran­di­os rot­zi­ge Per­len wie ‘Euro Neu­ro’ und ‘Igran­ka’ schenk­te?

Der Preis für das här­tes­te Over­ac­ting des Jah­res geht zwei­fels­frei an die Blon­di­ne rechts neben dem Schön­ling: der Mon­te­vi­zi­ja-Auf­tritt.

Die uni­so­no ver­hee­ren­den Reak­tio­nen in den inter­na­tio­na­len Fan-Foren ver­an­lass­ten den mon­te­ne­gri­ni­schen Sen­der RTCG zu einer promp­ten Über­ar­bei­tung des Songs, inklu­si­ve auf­ge­pepp­ter Beats, in jede irgend­wie noch freie Stel­le hin­ein­ge­quetsch­te instru­men­ta­le Eth­no-Ver­zie­run­gen und sogar, sie sehen es mich mit freu­den­trä­nen­blin­den Augen schrei­ben, einer Rückung! Doch ein Hun­de­häuf­chen, das man in Glit­ter wälzt, bleibt immer noch ein Hun­de­häuf­chen: jed­we­der Ver­such des Auf­pim­pens muss sich bei dem Aus­gangs­ma­te­ri­al als ver­ge­be­ne Lie­bes­müh gestal­ten. Immer­hin erfüllt das offen­sicht­lich vom Frem­den­ver­kehrs­bü­ro des klei­nen Bal­kan­lan­des bei­gesteu­er­te Video sei­nen Zweck und weckt die Lust auf einen Urlaub in Mon­te­ne­gro, das von majes­tä­ti­schen, schnee­be­deck­ten Berg­gip­feln bis hin zu lau­schi­gen Mee­res­strän­den alles bie­tet, was das Tou­ris­ten­herz begehrt. Den Bei­trag zu ret­ten ver­mag es jedoch nicht: als wohl­erzo­ge­ner, lei­dens­be­rei­ter Grand-Prix-Fan lässt man ihn gedul­dig über sich ere­ge­hen und spen­det anschlie­ßend natür­lich auch einen Höf­lich­keits­ap­plaus, weil man ja nicht möch­te, dass die armen, so sehr bemüh­ten Kin­der vor Ent­täu­schung wei­nend von der Büh­ne abge­hen. Aber man ist auch froh, wenn es vor­bei ist und will dann nie wie­der was davon hören.

Immer­hin bie­tet die Strand­sze­ne an Schluss ein paar High­lights für Fuss­fe­ti­schis­ten: der offi­zi­el­le Video­clip.

Semi: 1. Final­chan­cen: eher friert die Höl­le zu.

Bes­te Lied­zei­le: “Being good, but not good enough”. Den Teil vor dem Kom­ma wür­de ich bestrei­ten, der danach trifft jedoch den Nagel auf den Kopf.

In wel­che Kate­go­rie fällt ‘Hea­ven’ für dich?

  • Ver­zicht­bar. (46%, 50 Votes)
  • Uner­träg­lich. (34%, 37 Votes)
  • Ganz nett. (15%, 16 Votes)
  • Abso­lut geil. (6%, 6 Votes)

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4 Gedanken zu “Rank <span class="amp">&</span> File 2019: Platz 30 – Hea­ven”

  1. Ach Mon­te­ne­gro, was ist denn bloß lost bei euch?? Wart ihr frü­her für inter­es­san­te Bei­trä­ge, die zwar nicht immer mei­nen Geschmack getrof­fen haben aber wenigs­tens anders als der Rest waren, hat euch in letz­ter Zeit der Mut ver­las­sen. Das sieht man ganz beson­ders am dies­jäh­ri­gen Bei­trag, der für mich per­sön­lich der zweit­schlimms­te die­ses Jahr­gangs ist!!

    Die­ses Jahr schi­cken sie den Ober­stu­fen­chor der Gesamt­schu­le Pod­go­ri­ca-Nord und las­sen sie einen der­ar­tig schlei­mi­gen und vor aus­ge­lutsch­ten Welt­frie­dens­kli­schees nur so trie­fen­den “Song” sin­gen gegen den selbst “If We All Give A Litt­le” aus dem Jahr 2006 total modern wirkt. Über das “Eng­lisch” brei­ten wir lie­ber einen gro­ßen Man­tel des Schwei­gens aus. Und dann noch das Video, wel­ches sich nicht ent­schei­den kann ob es lie­ber der Wer­be­spot für die neue Weiß­hem­den­kol­lek­ti­on von C&A oder der Image­film für irgend­ei­ne erz­kon­ser­va­ti­ve evan­ge­li­ka­le US-Kir­che sein möch­te.

    Ich gön­ne Mon­te­ne­gro immer eine Final­teil­nah­me, aber mit die­sem ran­zi­gen Quark ganz sicher nicht, wobei die Chan­cen, wenn sie denn jemals vor­han­den waren, mit Start­platz 2 im ers­ten Semi eh hin­über sind!!

  2. Autsch, ganz schlim­mer Song. Dabei kamen aus Mon­te­ne­gro schon so coo­le Bei­trä­ge. Und wenn man bedenkt, was für tol­le Songs sie die­ses Jahr in ihrer VE hat­ten, ist das Resul­tat um so ent­täu­schen­der.

  3. Okay, ich konn­te es erfolg­reich ver­drän­gen. Aber jetzt, beim zwei­ten Mal hören, kommt es bei mir zum Drei­kampf um die rote Later­ne. Tie­fer kann man nicht in die Grüt­ze grei­fen als mit die­sem Raus­schmei­ßer bei einer Hoch­zeits­fei­er, wenn man auch die hart­nä­ckigs­ten Sit­zen­blei­ber am frü­hen Mor­gen end­lich los­wer­den will.

  4. Huch, wie haben die sich den hier hoch­ge­mo­gelt?
    Ich muss schnell zurück zu mei­ner gelieb­ten letzt­plat­zier­ten Sui­zid­bal­la­de, sonst fan­ge ich noch an mit­zu­sin­gen.

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