Rank & File 2019: Platz 2 – Sol­di

Clap Clap! Ein Song mit dop­pel­ten Hand­klat­schern ist in mei­nem Buch ja auto­ma­tisch ein guter. Doch im Fal­le Mah­moods kom­men noch wei­te­re Qua­li­tä­ten hin­zu.

Platz 2: Ita­li­en – Mah­mood: Sol­di (Geld)

Der jun­ge, bild­schö­ne Ales­san­dro Mahmoud steu­ert mit ‘Sol­di’ einen wei­te­ren Väter­song zum Gesche­hen bei. Das ist schon mal eine gute Idee, denn Lie­der, die eine per­sön­li­che Geschich­te erzäh­len, wir­ken auf natür­li­che Wei­se authen­tisch. Und Authen­ti­zi­tät ist nicht nur beim Song Con­test stets ein gesuch­tes Gut. Es ist eine bit­te­re, wüten­de Ankla­ge, die Mah­mood mit dunk­ler, zwi­schen Zorn, Stolz und Ver­letz­lich­keit chan­gie­ren­der Stim­me und ange­mes­sen ver­är­ger­tem Gesichts­aus­druck vor uns ver­liest; eine von Ver­las­sen­sein, Gier und Ver­rat. Dass er sei­nen Unbill in druck­vol­le Hip-Hop-Beats und einen pop­pi­gen, auch von nicht des Ita­lie­ni­schen Mäch­ti­gen leicht mit­sing­ba­ren, weil repe­ti­ti­ven Refrain ver­packt, trägt ent­schei­dend mit bei zum Instant Appeal sei­nes Bei­trags, der zu Recht zu den Mit­fa­vo­ri­ten um den Sieg in Tel Aviv zählt und bei­spiels­wei­se beim Voting des EC Ger­ma­ny am ver­gan­ge­nen Frei­tag in Frank­furt am Main mit gro­ßem Abstand vor­ne lag. Dass sich der jun­ge Mai­län­der auf­grund der Ver­wen­dung einer im Kon­text sinn­stif­ten­den ara­bi­schen Rede­wen­dung in sei­nem exqui­si­ten Song­text und sei­nes der Jury zu ver­dan­ken­den Siegs beim tra­di­ti­ons­rei­chen San-Remo-Fes­ti­val zu Hau­se xeno­pho­ber Anfein­dun­gen von höchs­ter poli­ti­scher Stel­le aus­ge­setzt sah, bringt ihm – ähn­lich wie Bil­al Hassa­ni – auto­ma­tisch einen Soli­da­ri­täts­bo­nus ein. Den er gar nicht braucht: ‘Sol­di’ ist auch so der bes­te ita­lie­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag seit der Rück­kehr des Stie­fel­lan­des zum ESC.

Geschickt: der hier als Sinn­bild für die Abstam­mung vom Vater ver­wen­de­te Akt des Täto­wie­rens gibt Mah­mood zudem die Gele­gen­heit, sich ober­kör­per­frei zu prä­sen­tie­ren.

Chan­cen im Fina­le: alles ande­re als eine Top-Drei-Plat­zie­rung wäre ein Skan­dal. Ein Sieg scheint im Rah­men des Mög­li­chen und mehr als ange­mes­sen.

Bes­te Text­stel­le: “È dif­fi­ci­le sta­re al Mondo / Quan­do per­di l’Orgoglio” (“Es ist schwie­rig, da zu blei­ben / wenn du dei­nen Stolz ver­lierst”) kommt gleich zwei Mal in den Stro­phen vor und lässt sich sowohl als Grund für das Ver­schwin­den des Vaters in Mah­moods Kind­heit lesen als auch als Anlass für die über­stürz­te Rück­kehr des Soh­nes nach sei­nem Besuch bei ihm in Ägyp­ten.

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11 Gedanken zu “Rank <span class="amp">&</span> File 2019: Platz 2 – Sol­di”

  1. Mil­le gra­zie Ita­lia!! Dast ist ein­fach der Knal­ler!! Nor­ma­ler­wei­se ste­he ich mit Sprech­ge­sang ja eher auf Kriegs­fuß, aber die Stim­me und der Rhyth­mus haben mich der­ma­ßen in den Bann gezo­gen dass ich den Song neu­lich sechs­mal hin­ter­ein­an­der gehört habe!!

    Kommt hof­fent­lich ziem­lich weit nach vor­ne, auch mit einen Sieg könn­te ich mehr als gut leben. Fra­ge ist nur ob die Ita­lie­ner über­haupt Lust haben den ESC aus­zu­rich­ten?? Der letz­te Wett­be­werb 1991 in Rom ist ja eher wegen sei­ner chao­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on und den nicht vor­han­de­nen Fremd­spra­chen­kennt­nis­se der Mode­ra­to­ren in Erin­ne­rung. Hof­fe mal da hat sich was getan.

    Jetzt weiß ich aber auch wer auf dem ers­ten Platz liegt, und ich sage schon­mal im Vor­aus dass mein mor­gi­ger Kom­men­tar nicht wohl­wol­lend aus­fal­len wird.

  2. Ich fand den Song schon beim ers­ten Hören gut.
    Vie­le Wochen spä­ter, nach dem – mehr oder weni­ger – Genuss aller ande­ren Bei­trä­ge, beim zwei­ten Mal Hören, hat er dann so RICH­TIG rein­ge­knallt. Da passt ein­fach alles. Und mein Dank dafür, dass es sich bei die­sem Titel nicht um die so oft schon gehör­te Ita­lo-Pop-Grüt­ze han­delt. Nicht nur der bes­te ita­lie­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag seit der Rück­kehr, son­dern einer der drei bes­ten über­haupt seit Bestehen des Wett­be­werbs.
    Ein­zig die Fra­ge bleibt noch, wo die ca. 10 Sekun­den weg­ge­stri­chen wer­den, die das Lied Über­hang hat.

  3. Für mich gar kei­ne Fra­ge, dass hier der Song steht, der in jeder Hin­sicht der Anwär­ter für den Sieg ist. Ohne Ver­su­che der Anbie­de­rei an alle mög­li­chen bekann­ten, weich­ge­spül­ten Trends besticht er durch musi­ka­li­sche Qua­li­tät, Inhalt und den Sän­ger selbst. Ich habe ihn von Anfang an ein­fach nur toll gefun­den, habe dann doch auf Ande­res gewar­tet, in der Hoff­nung, wirk­li­che ernst­haf­te Kon­kur­ren­ten zu fin­den. Aus­ser Por­tu­gal (!!!) und Island habe ich kei­nen gefun­den. Das Ein­zi­ge, was sei­nen Sieg noch ver­hin­dern könn­te, ist der Hang vie­ler Esc Fans, dem Bekann­ten den Vor­zug zu geben und den Anspruchs­vol­le­ren einen ehren­wer­ten Platz unter den ers­ten 5 zu geben . ( Ita­li­en kann ein mehr­jäh­ri­ge Lied davon sin­gen…) .Aber ich habe mich dann in den letz­ten Jah­ren wohl doch getäuscht. Wäre schön, wenn es die­ses Mal wie­der so wäre!

  4. Jawoll ja. Stimmt alles. Und ich weiß auch schon, wer mor­gen den hie­si­gen Thron besteigt. Das berei­tet mir feuch­te Träu­me. Aber zurück zum Mah­mood.…
    Das hat mich sofort mit­ge­nom­men und ich dan­ke den Ita­lie­nern für das etwas undurch­sich­ti­ge Abstim­mungs­sys­tem. Das ist eine Per­le. Und der Sieg wäre mehr als ver­dient. Auch ein biss­chen als Revan­che für die letz­ten bei­den Jah­re. Fin­de ich

  5. Sol­di ist nicht schlecht und kann von mir aus auch gewin­nen. Er dürf­te wie in san remo von der jury super bewer­tet wer­den. Bei den zuschau­ern bin ich mir ziem­lich sicher das er mager abschnei­det, zumal er nicht auf anhieb sym­pha­tisch wirkt. Und die zuschau­er, im gegen­satz zur jury, nicht immer poli­tisch kor­rekt abstim­men.

  6. Mein Tipp:
    Jurys Dun­can, John und Leo­no­ra
    Tele­vo­te Hata­ri, Mah­mood und Ser­gey
    Und dann kommt alles in den Wür­fel­be­cher…

  7. obwohl mit abstand das bes­te lied von allen, wird ita­li­en nicht gewin­nen. ganz ein­fach weil es aus dem ehe­ma­li­gen (oder noch bestehen­den) ost­block so gut wie kei­ne publi­kums­punk­te geben wird. ich tip­pe auf einen platz zwi­schen 10 und 15

  8. Mir gefällt der Song eigent­lich sehr gut. Und Mah­mood ist auch wirk­lich anseh­lich. Nur soll­te der Kerl mal wäh­rend des Auf­tritts nicht so ernst in die Kame­ra schau­en. Mal ein bis­serl zugäng­li­cher wir­ken und etwas lächeln. Das könn­te auch noch den einen oder ande­ren Punkt mehr geben.

  9. Mei­ne Num­mer 1 die­ses Jahr! Und auch ich habe nach San Remo auf ernst­zu­neh­men­de Kon­kur­renz gewar­tet. Mit MARUV hat­te ich die dann gefun­den, aber lei­der wie­der ver­lo­ren.

    Wenn der ESC sich zeit­ge­mäß zei­gen will, führt kein Weg an Ita­li­en vor­bei. Gedank­lich stel­le ich mich aber schon auf Platz 4 oder 5 ein, wo sol­che popre­le­van­ten Songs in den letz­ten Jah­ren immer gelan­det sind.

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