Bul­ga­ri­en 2020: Mor­gens bin ich immer müde

Ken­nen Sie das, liebe:r Leser:in? Wenn man manch­mal nur noch elen­dig­lich müde ist? Müde der Hin­hal­te­tak­tik von immer mehr Euro­vi­si­ons­na­tio­nen, die wie Bul­ga­ri­en ihre Reprä­sen­tan­tin für Rot­ter­dam bereits im Novem­ber letz­ten Jah­res bekannt­ga­ben, sich aber, unter­bro­chen von stän­di­gen nutz­lo­sen Teasern, bis heu­te früh Zeit lie­ßen mit der voll­stän­di­gen Ver­öf­fent­li­chung des Wett­be­werbs­bei­trags? Müde der Flut von depri­mie­ren­den Jam­mer­bal­la­den, zu denen das vom Sym­pho­nix-Kol­lek­tiv und der Inter­pre­tin Vic­to­ria Geor­gi­e­va selbst geschrie­be­ne ‘Tears get­ting sober’ einen wei­te­ren Trop­fen bei­trägt? Müde der Tex­te, die sich nach offi­zi­el­ler Dar­stel­lung mit wich­ti­gen, zeit­ge­mä­ßen The­men wie psy­chi­schen Erkran­kun­gen befas­sen, sich tat­säch­lich aber in einer lyri­schen Belie­big­keit und Unbe­stimmt­heit ver­lie­ren, die kei­ne fass­ba­re inhalt­li­che Aus­sa­ge erken­nen lässt? Und von denen man als Zuhörer:in ohne­hin kaum ein Wort ver­steht, weil sich die Sän­ge­rin und der sie durch das gesam­te Lied beglei­ten­de, elek­tro­nisch ver­frem­de­te Engel­schor in einer säu­selnd-ver­wa­sche­nen Beto­nung gefal­len? Müde der zwi­schen spar­sam und süß­lich-schwel­ge­risch chan­gie­ren­den orches­tra­len Instru­men­tie­rung, die aus dem bul­ga­ri­schen Bei­trag eine Art musi­ka­li­scher Zucker­wat­te mit Bit­ter­man­del­ge­schmack macht? Ja, ken­nen Sie? Dann kön­nen Sie viel­leicht nach­emp­fin­den, wie drin­gend ich jetzt was zum Wach­wer­den bräuch­te. Kof­fe­in- oder Koks­spen­den wer­den ger­ne ent­ge­gen genom­men.

Selbst Vic­to­ria schaut ganz ver­schla­fen drein.

4 Gedanken zu „Bul­ga­ri­en 2020: Mor­gens bin ich immer müde“

  1. Ist ja nicht so, dass mir die vie­len Ver­glei­che mit Bil­lie Eilish nicht auf den Keks gehen, aber hier (und lei­der auch in vie­len ande­ren Fäl­len) passt er schon irgend­wie – der inter­na­tio­na­le Ein­fluss des Emo-Mädels aus Kana­da lässt sich nicht weg dis­ku­tie­ren.
    Das macht die­sen see­len­los zusam­men gebas­tel­ten Kitsch-Klum­pen für mich aber auch nicht bekömm­li­cher, wobei ich schon ahne, dass ich der sedie­ren­den Lang­zeit­wir­kung irgend­wann ver­mut­lich doch erlie­gen wer­de. Mal sehen.

  2. Möge die böse Hexe des Wes­tens Doro­thy-Vic­to­ria doch end­lich hab­haft wer­den und nie­mals mehr aus dem Ver­lies ent­las­sen. Wobei mir schon rei­chen wür­de bis nach der ESC-Woche. Man ist ja kein Unmensch.

  3. @Frédéric: Kana­da hat der Musik­welt schon vie­le Künst­ler beschert, aber Bil­lie Eilish ist US-Ame­ri­ka­ne­rin. Und an ihr lässt sich der Trend zu weni­ger Tem­po und Pep im Pop auch nicht auf­hän­gen. Wenn man schon einen weib­li­chen Teen­ager sucht, der dafür ver­ant­wort­lich zeich­net, muss man in Neu­see­land suchen. “Royals” von Lor­de ist der Song, der die­se Lawi­ne los­ge­tre­ten hat (anno 2013!), und wie üblich hat der ESC ein paar Jah­re gebraucht, um den Trend auf­zu­neh­men.

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