Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Ver­se

Gefühlt deut­lich spä­ter und zäh­flüs­si­ger als in vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren nimmt die Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2020 nun doch lang­sam Fahrt auf: die ers­ten bei­den Sams­ta­ge mit par­al­lel lau­fen­den Aus­wahl­run­den lie­gen hin­ter uns, wenn­gleich es sich ledig­lich um Semis bezie­hungs­wei­se Nach­wuchs­wett­be­wer­be han­del­te. Nichts­des­to­trotz kön­nen wir bereits zum jet­zi­gen Zeit­punkt den Ban­jo-Lau­ra-Preis für die dümms­te und kri­mi­nells­te Fehl­ent­schei­dung des gesam­ten Jahr­gangs ver­lei­hen, und zwar an die litaui­schen Juror/innen. Der Sen­der des Bal­ten­staa­tes, LRT, ver­pass­te der dor­ti­gen Vor­ent­schei­dung zwar heu­er den hoff­nungs­voll-trot­zi­gen Unter­ti­tel Paban­dom iš nau­jo! (Lass es uns noch­mal ver­su­chen!). Viel Neu­es ließ sich aber bis­lang nicht fin­den: wie gewohnt liegt die Dich­te an offen­sicht­lich Beklopp­ten mit völ­lig abwe­gi­gen Bei­trä­gen in der Nacio­na­linė Atran­ka exzep­tio­nell hoch. Hur­ra! Zu ihnen zählt das skur­ri­le Her­ren­quar­tett Two­so­me, das bereits 2019 im hei­mat­li­chen Vier­tel­fi­na­le punk­te­los aus­schied und es dies­mal skan­da­lö­ser­wei­se nicht über die Vor­run­de hin­aus schaff­te. Dabei steu­er­ten die Par­odis­ten mit dem Titel ‘Playa’ den infek­tiö­ses­ten Gute-Lau­ne-Ohr­wurm der Sai­son bei, bestehend aus einer erquick­lich an Pasha Par­fe­nys ‘Lăutar’ erin­nern­den klei­nen Melo­die; der sen­sa­tio­nell sinn­be­frei­ten Hook­li­ne “I’m a Lit­hua­ni­an Bas­ket­ball Play­er”; dop­pel­ten Hand­klat­schern, bekannt­lich stets ein Zei­chen für musi­ka­li­sche Qua­li­tät, sowie aller­lei alber­nen Büh­nen­gim­micks wie beleuch­te­ten Jacken und einem insze­nier­ten Vio­li­nen­un­fall.

Schön, dass die Litau­er dem Gedan­ken des Recy­clings so sehr hul­di­gen: beim Abschmü­cken des Christ­baums kam den bei­den Two­so­me-Front­män­nern die Idee für ihr Büh­nenout­fit.

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The Boy from Para­ma­ri­bo: AVRO­TROS nomi­niert Jean­gu Macrooy

Zehn Tage ist das neue Jahr alt, und schon ist der ers­te Neu­jahrs­vor­satz gebro­chen: an sich woll­te ich über rei­ne Kan­di­da­ten­no­mi­nie­run­gen nicht mehr berich­ten, so lan­ge der Bei­trag noch nicht fest­steht. Doch heu­te bestä­tig­te der nie­der­län­di­sche Sen­der AVRO­TROS, dass der Sän­ger Jean­gu Macrooy das gast­ge­ben­de Land in Rot­ter­dam ver­tritt. Und setzt damit, pas­send zum Con­test­mot­to “Open up”, auch ein Zei­chen für Diver­si­tät: denn Macrooy ist schwarz – und schwul. Der End­zwan­zi­ger kam 1993 in dem süd­ame­ri­ka­ni­schen Staat Suri­na­me zur Welt, einer erst seit 1975 unab­hän­gi­gen frü­he­ren nie­der­län­di­schen Kolo­nie. Wie das Por­tal queer.de unter Bezug auf eine dpa-Mel­dung berich­tet, sei er im Jah­re 2014 von dort auch auf­grund sei­ner Homo­se­xua­li­tät aus­ge­wan­dert, weil er mit der “Macho­kul­tur in Suri­na­me” nicht zurecht kam. Bekannt­heit in sei­ner neu­en Hei­mat erlang­te er mit Auf­trit­ten auf Fes­ti­vals und in diver­sen TV-Shows. Nach Aus­sa­ge des AVRO­TROS-Ver­ant­wort­li­chen Eric van Staa­de habe der intern aus­ge­wähl­te Inter­pret schon län­ger auf dem Wunsch­zet­tel des Sen­ders gestan­den: “Der Song, den er ablie­fer­te, hat uns sofort berührt”, zitiert eurovision.tv. Bis wir den zu hören bekom­men, wird es aber noch ein wenig dau­ern (war­um eigent­lich?). Eine rasche You­tube-Werk­schau för­dert schwer­punkt­mä­ßig gefäl­li­gen eng­lisch­spra­chi­gen Soul­pop mit cle­ve­ren Tex­ten zuta­ge, die Jean­gu mit samt­wei­cher Stim­me und gewin­nen­dem Lächeln vor­trägt.

Die im Song­text vor­ge­stell­ten Sub­stan­zen dürf­te Jean­gu auf dem Fes­ti­val, auf dem der Clip gedreht wur­de, pro­blem­los bekom­men (Reper­toire­bei­spiel).

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Can’t get him out of my Head: Geor­gi­en schickt Tor­ni­ke Kipi­a­ni nach Rot­ter­dam

Den Sil­ves­ter­abend 2019 wähl­te das geor­gi­sche Fern­se­hen als pro­mi­nen­ten Sen­de­platz für das Fina­le der aktu­el­len Staf­fel der Cas­ting­show Sakart­ve­los Varsk­v­la­vi, hier­zu­lan­de bekannt als DSDS. Span­nungs­arm ging die­se zu Ende: wie bereits in aus­nahms­los allen vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den setz­te sich der 32jährige Tor­ni­ke Kipi­a­ni auch im Fina­le spie­lend gegen drei ver­blie­be­ne Konkurrent/innen durch und ver­tritt damit das Kau­ka­sus­land beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020. Sein Bei­trag für Rot­ter­dam steht aller­dings noch nicht fest: die Show dien­te heu­er nur zur Ermitt­lung des Inter­pre­ten. Man lehnt sich aber nicht zu weit aus dem Fens­ter, wenn man spe­ku­liert, dass es laut und düs­ter wer­den dürf­te, denn hei­ser Gegröhl­tes ist die Spe­zia­li­tät von Kipi­a­ni. 2014 gewann er bereits die geor­gi­sche Aus­ga­be der Kon­kur­renz­cas­ting­show X‑Factor, unter ande­rem mit einer bizar­ren, mari­lyn­man­so­nes­ken Neu­be­ar­bei­tung von Kylie Mino­gues fabel­haf­tem Pop-Ban­ger ‘Can’t get you out of my Head’. 2017 ver­such­te er es beim hei­mi­schen Vor­ent­scheid und schaff­te damit zumin­dest eine “beson­ders loben­de Erwäh­nung” in die­sem Blog” für sei­nen “auf ange­neh­me Art und Wei­se ver­stö­ren­den Auf­tritt” mit einem iro­nisch beti­tel­ten, aggres­siv mono­to­nen Tech­no­t­rack.

Das per­fek­te Sound­bett für ein dro­gen­um­ne­bel­tes Aben­teu­er in einem ver­siff­ten Ber­li­ner Fetisch­club. Und der per­fek­te Part­ner dafür gleich dazu: Tor­ni­ke mit sei­nem VE-Bei­trag von 2017.

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Dis­kus­si­on: Ent­zieht den Völ­kern das Stimm­recht!

Noch kei­ne zwei Tage ist die Euro­vi­si­ons­sai­son 2020 alt und wird bereits vom ers­ten Voting-Skan­dal über­schat­tet. Bekannt­lich zog im gest­ri­gen Fina­le des alba­ni­schen Fes­ti­va­li i Kën­gës das von vie­len Fans favo­ri­sier­te Pop-Stern­chen Elva­na Gja­ta mit ihrem her­vor­ra­gend insze­nier­ten Uptem­po-Knal­ler ‘Me tana’ knapp den Kür­ze­ren im hoch­span­nen­den Kopf-an-Kopf-Ren­nen mit ihrer ein­zi­gen ernst zu neh­men­den Her­aus­for­de­rin, der Koso­va­rin Ari­le­na Ara und ihrer erkenn­bar auf eine mög­lichst hohe Jury-Punkt­zahl hin opti­mier­ten Bal­la­de ‘Shaj’. Der Clou dabei: die allei­ne abstim­mungs­be­rech­tig­te, fünf­köp­fi­ge FiK-Jury bestand dies­mal aus drei inter­na­tio­na­len Juro­ren (ja, alles Män­ner) und zwei ski­pe­ta­ri­schen Juro­rin­nen (ja, bei­des Frau­en). Und die drei Her­ren – der Schwe­de Chris­ter Björk­man, der Grie­che Dimi­tris Kon­to­pou­los und der Islän­der Felix Bergs­son – ver­ga­ben ihre jewei­li­ge Höchst­punkt­zahl geschlos­sen an Frau Gja­ta. Die lan­de­te jedoch bei ihren Lands­frau­en, den Kom­po­nis­tin­nen Rita Petro und Mika­el Min­ga, nur im Mit­tel­feld bezie­hungs­wei­se ganz hin­ten. Für Auf­re­gung sorg­te ins­be­son­de­re das offen­sicht­li­che Straf­vo­ting durch Frau Min­ga, deren Höchst­wer­tung an den Softrock-Lang­wei­ler Bojken Lako ging, und die Elva­na mit nur zwei Pikët (Punk­ten) abspeis­te. Schluss­end­lich fehl­ten der alba­ni­schen Ele­ni Fou­rei­ra mage­re vier Zäh­ler zum Sieg.

Es zeigt sich ein­mal wie­der: Frau­en schei­tern oft nicht an den Män­nern, son­dern an nei­di­schen Geschlechts­kol­le­gin­nen, die ihnen Knüp­pel zwi­schen die Bei­ne schmei­ßen.

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Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Lie­be

Shaj’ (‘Schrei’), so heißt der alba­ni­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 in Rot­ter­dam. Und genau so klingt er. Dass man in Tira­na nach dem letzt­jäh­ri­gen, zag­haf­ten Expe­ri­ment mit einem mode­rat auf­ge­frisch­ten Fes­ti­va­li i Kën­gës wie­der zum klas­si­schen For­mat mit ver­pflich­ten­der Orches­ter­be­glei­tung und aus­schließ­li­chem Jury­ent­scheid zurück­kehr­te, wies bereits den Weg: fol­ge­rich­tig wähl­te man auch beim Bei­trag ein alt­be­kann­tes Kon­zept, näm­lich das der dis­so­nant krei­schen­den Frau. Die heißt heu­er Ari­le­na Ara, stammt (wie Rona Nish­liu) gebür­tig aus dem Koso­vo und gewann 2013 die Cas­ting­show X‑Factor. Die dort gelern­ten Lek­tio­nen beher­zig­te sie denn auch bei ihrem sieg­rei­chen FiK-Auf­tritt: es kommt nicht dar­auf an, sau­ber zu into­nie­ren oder sich emo­tio­nal invol­viert zu zei­gen. Haupt­sa­che, du schreist mög­lich lan­ge und mög­lich laut, um die Juror/innen zu beein­dru­cken. Ari­le­nas vom maze­do­ni­schen Song­schrei­ber Dar­ko Dimitrov (‘Proud’) rein auf Ober­flä­che hin kom­po­nier­te Stan­gen­wa­re-Bal­la­de bot ihr dazu das per­fek­te Vehi­kel. “Ein ‘Ice­brea­ker’, der ger­ne ‘Suus’ sein möch­te” fass­te im ESC-Nati­on-Chat ein Mit­kom­men­ta­tor das Wesen der völ­lig ste­ril blei­ben­den Num­mer sehr tref­fend zusam­men, die jedoch sowohl im Kon­gress­zen­trum von Tira­na als auch in den Fan-Foren auf gro­ßen Applaus stieß.

Nicht für das Leben, son­dern für die Prü­fung ler­nen wir: Ari­le­na Ara drück­te bei den Juror/innen erfolg­reich alle Knöp­fe.

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Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2019

Nichts geht doch über das lieb gewon­ne­ne Vor­weih­nachts­ri­tu­al des Fes­ti­va­li i Kën­gës (FiK)! Bereits zum 58. Mal fin­det das tra­di­ti­ons­rei­che, wie der Euro­vi­si­on Song Con­test selbst am Vor­bild des ita­lie­ni­schen San-Remo-Fes­ti­val geschul­te Lie­der­fest heu­er statt und dient erneut als Vor­ent­scheid für Rot­ter­dam. Nach einem eben­so halb­her­zi­gen wie umstrit­te­nen Moder­ni­sie­rungs­ver­such mit­tels einer Halb­play­back­run­de kehr­te der alba­ni­sche Sen­der RTSH dies­mal flugs zur alt­ge­wohn­ten Aus­rich­tungs­form mit klas­si­schem, gro­ßem Rund­funk­or­ches­ter und zwei Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den zu je zehn Kombattant/innen zurück. Eben­so tra­di­tio­nell auch die jeweils (!) fünf­und­vier­zig­mi­nü­ti­ge (!!) Ver­spä­tung, mit der bei­de (!!!) Semis sowohl am Don­ners­tag als auch am Frei­tag star­te­ten und die RTSH mit einer End­los­schlei­fe des ewig­glei­chen Wer­be­blocks über­brück­te, den wir natür­lich wäh­rend der Live-Show eben­falls mehr­fach über uns erge­hen las­sen muss­ten. Ver­lass war eben­so auf die tech­ni­schen Pan­nen: so kämpf­te die char­man­te Gast­ge­be­rin der bei­den Aben­de, die jede Wer­be­pau­se nutz­te, um in ein neu­es, aus jeweils unter­schied­li­chen Grün­den auf­se­hen­er­re­gen­des Kleid zu schlüp­fen, und die sämt­li­che Schnell­sprech­re­kor­de von Die­ter Tho­mas Heck atem­los in den Schat­ten stell­te, mit einem Wackel­kon­takt in ihrem Head­set. Den­noch dau­er­te es eine geschla­ge­ne hal­be Stun­de, bis man ihr ein stö­rungs­frei funk­tio­nie­ren­des Hand­mi­kro­fon anreich­te.

Show­trep­pen, Show­tän­ze, gra­vi­tä­ti­sches Schrei­ten und eine hüb­sche Über­ra­schung am Ende: Elva­na Gja­ta soll­te Kur­se in kor­rek­ter Euro­vi­si­ons-Cho­reo­gra­fie geben. Wehe, das gewinnt nicht!

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Unsub­stan­ti­al Blues: BNT nomi­niert Vic­to­ria Geor­gi­e­va für Rot­ter­dam

Die 22jährige Vic­to­ria Geor­gi­e­va wird beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 Bul­ga­ri­en ver­tre­ten, wie der ver­ant­wort­li­che Sen­der BNT heu­te annon­cier­te. Bekannt­heit erlang­te die intern bestimm­te Reprä­sen­tan­tin durch ihre Teil­nah­me an der Cas­ting­show X Fac­tor Bul­ga­ria, wobei sie sich durch Beharr­lich­keit aus­zeich­ne­te: schon bei der Erst­aus­strah­lung des For­mats in ihrem Hei­mat­land im Jah­re 2011 bewarb sie sich, schaff­te es aber – auch auf­grund ihres Alters – nicht in die Sen­dung. Was sie nicht davon abhielt, es so lan­ge immer wie­der zu ver­su­chen, bis sie Ende 2015 in der vier­ten Staf­fel end­lich antre­ten durf­te. Übri­gens unter Juro­ren­schaft von Lucy Dia­kovs­ka von den No Angels und in Kon­kur­renz zu Kris­ti­an Kostov, dem ESC-Ver­tre­ter von 2017. Der beleg­te bei X Fac­tor den zwei­ten Rang, Vic­to­ria hin­ge­gen schied als Sechst­plat­zier­te aus. Trotz­dem gelang es ihr, einen Plat­ten­ver­trag klar zu machen, und ihre Sin­gles zei­gen, war­um: Stim­me hat das Mädel, Aus­strah­lung eben­falls. Hin­zu kommt ein Hang zur deko­ra­ti­ven Düs­ter­keit, wie er sich auch in dem knapp vier­mi­nü­ti­gen, leicht ans Prä­ten­tiö­se gren­zen­den Pro­mo-Clip mani­fes­tiert, mit dem BNT heu­te die Sän­ge­rin vor­stell­te. Vic­to­ri­as Label jeden­falls glaubt an sie, schließ­lich finan­ziert es die kom­plet­ten ESC-Teil­nah­me­kos­ten. Könn­te sich rech­nen: wenn ihr Euro­vi­si­ons­bei­trag, auf wel­chen wir aller­dings noch bis März 2020 war­ten müs­sen (buh!), qua­li­ta­tiv mit ihren bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen mit­hal­ten kann, ste­hen die Chan­cen gut, dass Bul­ga­ri­en erneut ganz vor­ne mit­mischt.

Man fragt sich, was die bei­den “bösen Buben” im LKW aus Vic­to­ria her­aus­prü­geln woll­ten: wel­chen Abdeck­stift sie benutzt? (Reper­toire­bei­spiel)

Offi­zi­ell: 41 Natio­nen star­ten beim ESC 2020

Zwei raus – zwei rein: mit 41 bleibt die Anzahl der von der EBU heu­te bestä­tig­ten Teil­neh­mer­na­tio­nen beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 in Rot­ter­dam gegen­über Tel Aviv unver­än­dert hoch. Oder, je nach Sicht­wei­se, nied­rig: den bis­he­ri­gen Rekord von 43 Län­dern, zuletzt ein­ge­stellt in Lis­sa­bon, holt die EBU nicht wie­der ein. Von dem im Vor­jahr betei­lig­ten Natio­nen sag­ten zwei ab: das klei­ne Mon­te­ne­gro aus finan­zi­el­len Grün­den, das unter dem Popu­lis­ten Vik­tor Orbán zuse­hends ins Faschis­ti­sche drif­ten­de Ungarn wohl eher aus kul­tu­rel­len. Dort folgt man dem trau­ri­gen Vor­bild der seit 2013 beim ESC absen­ten Tür­kei und igelt sich kul­tu­rell ein: zwar ist für 2020 eine wei­te­re A Dal geplant, aller­dings nicht wie bis­her in der Funk­ti­on eines Vor­ent­scheids. “Anstel­le einer Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 wol­len wir die wert­vol­len Pro­duk­tio­nen der unga­ri­schen Pop­mu­sik­ta­len­te direkt för­dern,” hieß es in einer Pres­se­aus­sen­dung des zustän­di­gen Sen­ders MTVA. Wer bei A Dal 2020 siegt, soll mit Radio-Pro­mo­ti­on und sen­der­sei­ti­ger “Unter­stüt­zung bei der Ent­wick­lung der Musik­kar­rie­re” wie zum Bei­spiel “der Chan­ce, bei den pres­ti­ge­träch­tigs­ten unga­ri­schen Fes­ti­vals auf­zu­tre­ten,” ent­lohnt wer­den. Ungarn lässt also nicht nur wei­ter­hin kei­nen mehr rein, son­dern auch kei­nen mehr raus, zumin­dest auf der euro­päi­schen Pop-Büh­ne.

Die Gefahr, erneut einen talen­tier­ten Rom wie Joci Pápai als Ver­tre­ter Ungarns schi­cken zu müs­sen, will Orbán offen­bar nicht mehr ein­ge­hen. Lie­ber bleibt man gleich unter sich.

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Der eine ESC-Song, den nie­mand mag

Bei Dis­kus­sio­nen mit ande­ren Grand-Prix-Fans oder dem Lesen von Kom­men­ta­ren stellt man immer wie­der erstaunt fest: selbst die scheuß­lichs­ten Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge haben ihre Anhänger*innen. Aber es muss doch in der lan­gen ESC-Geschich­te mit ihren vie­len musi­ka­li­schen Miss­grif­fen wenigs­tens einen ein­zi­gen Song geben, bei dem sich im Hin­blick auf sei­ne feh­len­de Attrak­ti­vi­tät mal aus­nahms­los alle einig sind? Dies her­aus­zu­fin­den, mach­te sich der selbst für eini­ge Rohr­kre­pie­rer wie zum Bei­spiel ‘Et cete­ra’ von Sinéad Mul­vey ver­ant­wort­li­che schwe­di­sche Kom­po­nist Jonas Glad­nik­off mit­hil­fe des inter­na­tio­na­len Fan-Bords auf ESC Nati­on zur Auf­ga­be und ver­an­stal­te­te dort ein Voting mit rund 70 Teilnehmer/innen über den am wenigs­ten gemoch­ten Euro­vi­si­ons­ti­tel von 1956 bis heu­te. Und sie­he da: es gibt tat­säch­lich ein Lied, das mit Nul Points als unfrei­wil­li­ger Sie­ger aus der Abstim­mung her­vor­ging und damit offi­zi­ell als unbe­lieb­tes­ter Grand-Prix-Bei­trag aller Zei­ten gel­ten darf. Die zwei­fel­haf­te Ehre geht an den gebür­ti­gen Grie­chen Jim­my Maku­lis, der im Jah­re 1961 mit der strei­cher­sat­ten Bal­la­de ‘Sehn­sucht’ Öster­reich ver­trat. Die ESCN-Voter*innen sind sich in der Bewer­tung übri­gens einig mit den dama­li­gen Juror*innen, die Maku­lis sei­ner­zeit einen geteil­ten letz­ten Platz zuwie­sen.

Nie­mand ver­spürt ‘Sehn­sucht’ nach die­sem Lied: Jim­my Maku­lis sülzt sich umsonst die See­le aus dem Leib.

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Jury-Tele­vo­ting-Mix: es bleibt alles beim Alten

Es wäre auch zu schön gewe­sen: gab ein Inter­view mit Toñi Prie­to, der spa­ni­schen Dele­ga­ti­ons­lei­te­rin beim ESC, letz­te Woche noch Anlass zur Hoff­nung auf mög­li­che Ände­run­gen im aktu­el­len 50/50-Mix aus Jury und Tele­vo­ting, so begrub Toñis grie­chi­sche Kol­le­gin Maria Koufo­pou­lou die­se ges­tern gegen­über dem hel­le­ni­schen New­s­por­tal Sput­nik­news. Wie Euro­voix aus dem Inter­view zitiert, habe man bei einem Arbeits­tref­fen der Euro­vi­si­ons­de­le­ga­tio­nen im Sep­tem­ber 2019 über die­se Fra­ge debat­tiert. Ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des für die EBU mehr als bla­ma­blen Bela­rus-Gate, aber auch im Hin­blick auf die Schwie­rig­kei­ten, (nicht nur) in klei­ne­ren Natio­nen eine Jury aus “Musik-Exper­t/in­nen” auf­zu­stel­len, deren Mit­glie­der kei­ne bedenk­li­chen Ver­bin­dun­gen zu den Plat­ten­fir­men ihrer Euro­vi­si­ons-Ver­tre­ter/in­nen auf­wei­sen, sei­en meh­re­re Arbeits­grup­pen gebil­det wor­den, die ver­schie­de­ne Vor­schlä­ge für das Voting­ver­fah­ren skiz­zier­ten. Dabei sei­en auch ein rei­nes Tele­vo­ting bzw. eine rei­ne Jury­ab­stim­mung im Gespräch gewe­sen. Die Ergeb­nis­se leg­te man der EBU zur Bewer­tung durch die Mit­glieds­sen­der vor. Hier­auf bezieht sich wohl die Äuße­rung von Frau Prie­to. Aller­dings sprach sich laut Frau Koufo­pou­lou bei einer vor­ab durch­ge­führ­ten Abstim­mung unter den Teilnehmer/innen des Dele­ga­tio­nen­tref­fens eine sat­te Mehr­heit von 80% für die Bei­be­hal­tung des aktu­el­len Jury-Tele­vo­ting-Mixes aus. Damit dürf­te die­ses grund­sätz­lich unan­ge­tas­tet blei­ben, ledig­lich klei­ne­re Ände­run­gen zur bes­se­ren Über­wa­chung der Jurys sind denk­bar und not­wen­dig, um erneu­te Skan­da­le wie 2019 künf­tig zu ver­mei­den.

Dank einer schwe­di­schen Juro­rin, die ihre Wer­tung in der fal­schen Rei­hen­fol­ge abgab, wur­de ihnen der Ein­zug ins Fina­le ver­wehrt: das pol­ni­sche Quar­tett Tulia.